Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 4 (1.5.1892)
- Date
- 1892-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 yi Freies B l a t t. ' Leite!!. jn föjitien: für fachkundige liljviftcn 'ift der Talmud 1 lagst nicht uiehr ein Buch mit sieben Siegeln: der Talmud enthält für sic keine Geheimnisse. Wie den Lesern dcS „Evangelisch kirchlichen Anzeiger" bekannt, habe u in der Schrift „Ter Blntaberglaitbc bei Ehristcn und Lndkii" ^München-18‘f1, E H. Beck, <>0 3.; 1 Ml,) die B c h a uw tnng,daß die Inden E h r i st c n b l u t oder n b c r l> a n p t M c n ssch c n b l n t z n ritncllcn Zwecken brauchen, erschöpfend lu.ibcv.lcgt. Ta die Raccn-Antiscinitcn wirkliche Olegengrüiidc anznführe>i weder vcr' mochten noch'vermögen, haben sie c» mit dem Todtschwfigc» versucht. Rach Wunsch ist ihnen das nicht gegluckt, Rnn tomint ihnen Ang. Rohling mit einer angeblich „unbeachteten" Talinndstellc zu Hilfe. Bon Leipzig ans wird eben jetzt ein L-lngblatt verbreitet mit der Ucbcrschrift: „Eine Talinndstellc über rituelles Schächten, lLlngblatt für Kenner.)" Der Zusatz „Bcrlranlich" soll den Eindruck des <^c hcimnißvollcn erhöhen, ist aber selbstverständlich nicht ernst gemeint' wie sich unter anderem ans der Unterschrift des Blattes „Bcrlag von Theodor pritsch", ergibt. — Tic gemeinte Talmudstcllc .ist mir seit viele» Jahren (wenigstens seit 1 >4sr>) bekannt: ich l>abc sic aber in meiner Schrift nicht angeführt, weil ich.,cs nicht für möglich hielt, daß irgend jemand, der auch mir eine Seite im Talmud gdlci'en hat, auf den (Gedanken lommen werde, diese 3teile *,mii Erweise der Be schuldigung, daß Ehristenblnt von Luden ',ij rituellen l Zwecken gebraucht werde,;n vcrwcrthcn. Jetzt'aber, -da Ang, stcohling die Stelle ansührt. ' und da Biele ihm 'glauben, erachte ich mich zu einer-Erläutc rnng verpflichtet. . / Ter Tractat Kethnb-'-th Hochzcitsvcrschreibungcnt handelt in seinem 12. Eapitcl von dem Rechte einer Angebrachten Tochter und von ldeni Rechte einer Witwe, in ihres Mannes Hause zu bleibe».. Blau 1 <Ji? I» Ende wird nnn gesagt,'- daß, wenn jemand tlcinc Kinder hinterlch';!, diese bei der Mutter bleiben, nicht denen, die dieser Kinder Erben sei» wurden, üb«'lassen werden sollen. Tcr^ Grund ist .ein sehr nabe liegender: die O'attiii ist nicht Erbin/ ihres Mannes, überhaupt haben weibliche Personen lein Erbrecht, wen» erbberechtigte männliche Per ' "fönen vorhanden sind "(vgl. M. Bloch, TaS mosaisch lalmndischc Erb recht, Budapest 1 S‘.*0.; also sind die .»leinen bei der Mutier sicher, nicht aber ist dies in gleicher Beeise bei de» erbberechtigten männlichen Bcrwandtcn der Lall. „Beeiln jemand" — so lautet der. in RX'de stehende Talmudsatz wörtlich —„bei seinem Tode der Mutter einen kleinen Sohn hintcrlasscn hat, nnd wenn die Erben deck Balcrs ia^cn: „„er möge bei uns aufwachscn"" nnd die Mütter sagt: „„er niögc .^Mei^nir ailswackiscn"", so läßt man ihn bei seiner Mutter, nicht /aber .-vrst den eventuell Erbberechtigten. Es ist nämbich einmal vorgctoninien, ' daß diese ihn sogar am Rasttage des Ssterfeftes nmgebracht habe»." Ter Leser wird vcrwnndcrt fragen: Wie ist cs. möglich, hier, die Anordiinng oder auch nur lstestattnng ritneller Ehristenabschhrchiung zu sindcn'? Lür Ang. Rohling ist Bielcö möglich Erstlich nämlich wird, das hebräische BerbUlil sdiuchat durch „rcligös, rituell schächien" übersetzt. Tiefe Bcdcntung eignet dein Bcrbnni aber nur, wenn Thicre Tbjcrt sind. Ta, wo Menschen Tbjcet sind, steht >--lln--lnj> zur Be zcichnnng gewaltsamen Tödtens, vgl. unser „hinichlachlen",;. B Lcr. 3l>, 0 nnd .'>2, 10: der König von Babel schlachtete, die 2ohne des Zedckia nnd die vornehme» Lndäer: Lei -II, 7: Lsina'el, Sohn RctltzinjaS, schlachtete »0 Lsraelite», die znr t^edalja ivollten:'2 Köii. 10, ' 7: die Bewohner von Samaricn schlachteten ans Lelms Berlaiigen 70 Rachtommen Ahabs: Richt. 12, >>: Lcphlhas Anhüngcr schlachteten , 42.0O0 Ephraimiten an den-Lordansui ten; vgl. noch 4 Bios. 14, 10: - Tie Heiden werden von <s'ott sogen, er habe Liracl in der Wüste geschlachtet, und 1. -Kon. l.S, 4o: Elias schlachtete die Baalspsasten. Bon den Menschenopscr», welche seitens götzendienerischer Lsraeliten dargebracht wniben, steht zweimal verächtlich Lei;'>T,;'i und Hesel 23, 30. Taß a» allen diese» Stellen wit^luch 1. Mos . 22, 10 nicht an. jüdisch rituelles Schächten gedacht werden lann, bedarf teiltet' Tarlcgnng. •- Zweitens: Tic Talnindstelle schließt mit dem Satze: „Es ist nämlich einmal vck'gekoinmen u. s. w." Th-se Worte I hebräisch: innn---!, Ii;ij:ili, buchstäblich: „eine Thatsache oder eine Begebenheit ist'gewesen"» werden von Rohling und Genostcn so gedeutet,,daß der des Hebräischen unknildige Leser den Eindruck gewinnt,. erstens: solche Handlnngc'n seien wiederholt vorgctpniincn, zweitens: die talinndische Besliiniiinng das.Kind solle bei der Mutter bleiben., habe den .^iveck gehabt, zu verhüten, daß religiöse Schächrungen amRüsttaae des Cstersestes stakt fänden Ln Wirklichkeit aber ist der Zweck der Berordnnng nicht, religiöse Schüchtungcn am Borabend dgs Osterfestes z» verbiete», sondern: ^daZ 'Leben jnngcr Erben sicherznstellcli. Und ferner ist »nr von einem einmaligen Ereignisse die Rede. Letzteres ergibt sich ans dem-Tegclt'näßigcn Gebrauche des Beo ries innn-o-li, vörgl. Mischna Sab bath 3, 4: 10/7 f.: 22, 3: 24, 5» n. s. w.: überdies steht i» der . Thoßcphtha (einer, alten Sammlung jüdischgesetzlichcr Traditionen, s. meine Einleitung S. 0 f.), in der allein brauchbare» Ausgabe von -Znckcrmandcl, Päscwält 1 ss<), S 273, wo dasselbe erzählt wird:, ninnsoli ha.jali ltöogliail „cs ereignete sich bei Einem, daß iiunv-il)» . am Rüsttage dcF Osterfestes ermordete". ' AnS den Worte» „Rnsttag des Tstersestes" folgt schlechterdings gar nichts für den' ritncllen El/orakter der Tödtung, sondern sic dienen »nr zur- Bergrößernng der Schuld derer, welche' den Keinen, Erben »ins Vcbcit brachte»: so gottlos waren diese Leut/ d>iß„sic »ichtcinmal die Lesttage abwarlctcn, sondcrit, - um »nr recht schnell das Bernlägcn sich ancigncn zu köiliicn, am'Tage vor dem heiligen 'S »er feste das ihnen int 'Wege stchcndc Kind ermordeten ... Trillcns, die Bcziehnng ans die' Ehristeu bringt das L-lngblatt durch, folgenden tühnc/N Schluß in die Talinndstellc hinein: „BLcnii Lildcii sich gar. ans den Utiniündigcn des^iigenen Bolkcs Tsterläinincr snckslen, wie viel mehr/ wcrhen st/ die gleich'de» Tliicren geachteten ' Richtjndeii. rituell schächlen." Ticjcnigcn, welche mcinc» bisherigen Tar legnngcn gefolgt sind, wissen, daß der hier zu.erörternde Talmudsatz von Liidcnlindcrn als Sstcrläniniern kein 'B-orl sagt. BLas die B^orle „die gleich den Thicre». geachteten »(ickpjnden" betrifft, so verbietet die j Beichräiitlheit des sttauines »>ii', hcüte mehr zu sagen, als. daß f>ie; U » b e hingthcit der Äcnßernn.g in allen, die nicht s-a ck> t n >i d i g sind,.- s a l s ch e B o rst c l li|» gc» hervo r r u fcn in u ß >-li.»d^ — 4>eryowstnfcn soll.! Es. ist nicht meine Ausgabe, aych nicht mein B-ille,. das Lnden . Iliiinsi wider alle gegen dasseldc gerichteten Angrist'e zin verthcidigen. '■ 'A b c r da ich in ich als eiiiciider iven'igen Theologen in | Pre nßen bczcickj nen da rs, die, a ls E hriftcn vo n christ lichen Eltern geboren, ans deui <itcbiete der jüdischen Viicratnr gearbeitet li-aben — ich habe diesseit »»» bald '2.', Lahre» gcthan —, so glaube ich' verps lichtet zu sei», der Be sch n l dj g n ü-g des B l n t v e r g i c ße n s zu ritne.llen Zwecken,'die ich -für el>5n > o . g es ä h r l i ch wie s a^ dt—_lta 11 (, e-n t g ege irz ulrcie „ , obwohl ich deswegen schon m a» ch c n 'a chi h ei l erlitten habe und auch jetzt ,iv i e d c r vielfach geschmäht werde „Beir haben anch ein Sster lanii», d. i. EhristueE für uns geopfert. Täruin. lastet, uns-Sstern Hallen. lischt im alten. Saneiteig, anch nicht im Sauerteig der Bosheit und S chalth/l, sondern int- S nßieig - der Vautetteit nnd der Bnihrlieit " l. Kor ü, 7 und B.- | _ ^xuffifdx' ^»udon als dauern.; Zn den, geläufigsten 'Borwülien .gegen das Llidenihiz»!-' gehört dessen angebliche .Unsähi.sleik zur Seßlia'tigleit, z» den Beriissarlen des' Handwerters nnd des Vandbane-.s. Tie Phrase von dem stldiicheii 'Boniadenlhnin richlel sich allerdings angesichts der Tansende von'! jüdischen Arbeitern nnd Haiidwerlernselbst. Alleincs ist inleresiani, einmal zu criahren, welch günstige Erfolge der Lude als Eandwirlh l.dnrcki die Arbeit.'der eigene» Benstelil zu eirl»r,e>i verstellt, iliid-zivar 'in eineni^Vande der idimeiftey .Bedrncknng für die Lenden, in Üenßtand Tie. in London crickieinende Z^iichri'l, ..Tai lest :>>nistä" eniwirsi davon ein ailschanliches Bild,' dem .wir in seine» allgenie'inen .-lügen folgen wollen: ■■'..( ,' -Lin O'oiiverneüienl Letäierinoiläw gibi es zalilreickie Eolovien, die feil etwa ciiiein halben Lahrhnnderl nnc-ichließlich von .enden -.ans 'Tipilebit, Mohileiv,' BL,Ina,' Kvwno, »K'odno n i w. >'bewirihschasiel werde». Es sind im t^anzen l-7 Eolonien mit einer i'-teiaNiiniarea' von 7o B.-erst. Tie i^egenden von Letalerinoslaw haben rinen"gnlen kchwarzeii iBoden,' sonst sind aber, die Borbedingungen für den Vandhan teine allzu glätize»de>f. Tie llimaiisckien Berhatiniste der Steppe sind, wie bekannt, der P.iaidivirlhschasl nicht besonders günstig, indem die Türrc gar Vst g'ern>chlel,/was der Bodev erzeugt'Hane. '<Lm Turch schnitt ^rechnet-»ian hier ans süni Lahre ein gutes Erniejah.. B.-alder, ein Hanvleleiiieiii für den Landbau, fjljleu ganz, nnd noch enivstudlicher ist der Mangelall B.'asser in den einen, das vollständige st-ehle^i desselben'in einigen anderen Eolonien. Ln diesen müssen die Bauern das Tr'oster on 7/ ^.Beerst w,'ii hez'sckiast'c». Trotzdem sind die stalistiickren Ergebnisse ein -ehrendes Lengniß sn/. die T häligteii der ' Ludet,. Lin- Augilst l»»i zählten-.die Eolonien ^>on Letaterinoilaw 7 1'.' Höfe mit 3142 Seelen Bon diesen .waren 17'.'0 Männer und IBLeiber bei der L-eldarbest-thälig. Ter Eifer der Luden gebt io iveii, »aß sie. »»znsricdcn doiun, iln Leben zu bearbeiten, noch vom «^oiwerucnieni Land niiethen. Bon den 74'.' L-aiililien pachten 41«> oder -».» Pereeut »ocki fremden Acker, 10.7 oder 20 Pereenl beickiränten sich auf ihn