Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 3 (24.5.1892)
- Date
- 1892-05-24
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3. Freies Blatt. Seite :t. kommende», oft unbegreiflich erscheinenden Massenmorde »cm weibliche». Personen und Kindern in bestimmte» liegende»'scheinen meist durch einen derartigen Aberglauben veranlaßt wordeli,;n sei». Zu einer andcrcn und doch im Siniie verwandte» -tijaifc von Aberglauben gehört die Beschuldigung dco rituelle.»' Mordes kleiner Kinder, um deren Blut snr religiöse Tpscr. hei verschiedenen ReligionSgesellschaften zu verwenden. Xiefe Beschuldigung wurde zu oft wiedtrholten Malen im römischen Reiche gegen die ti l)ji iftcn erhoben und führte dann bei dem das- Botk furchtbar aufreizenden Charakter einer solchen Anklage zublutigen ' Ehristenvcrso.lgnngrn. JustinuS Mart»r, Tertnllian und andere Kircheitvätcr versuchte» ver gcblich, ihre Gemeinden gegen so abenteuerliche Beschuldigungen" zu vcrtheidigen. MinueiuS Fcli^ „hat den Inhalt der Anklage am ein gehcndsten wicdcrgegcbe», In der geheimen BcrsampiUnig -rverde dem neu ansziinchmendc» Mitglied ein unschuldiges, init Opt'erkorn bc dccttes Kind vorgesctzt und -von demselben, den um» zu scheinbar harmlosen Stiche» in daS Opscrkorn anssordcre/ gelobtet. -Targns schlürfen sie gierig dessen Blut, verchcilen welteffz-rnd die Glieder Etiler, sich »nd verbünden sich durch dieses schauerliche Tpscrmahl zu nnvcr | brüchliä)ciü Stillschweigen." (MinneinS Felir, ,0»>-ta\ ius”, -Cap S. I „Wir heißen die verruchtesten Menschen wegen des gcheimnißvöll ge! übten Brauches, Kinder zu morden.und zu iverzehrcn," klagt der | Kirchenvater Tertnlliaii in seiner Apologie Cap. 7 , und Instinns j Marlyr schreibt, um den Römern de» Widersinn dieser Anklage klar zit mache», in seiner zweiten Apologie >Cap 1:* : „Wir. könnten unsere Znsaminentnnstc Mvsterien des.Kronos nennen: wir könnten, wenn wir uns) wie die Rede geht, mir Blut füllten, das für eine ' Bcrehrung nach Art eures Jupiter- VatiariS erklären und wären in eure» Augen gerechtfertigt." . Trotzdem diese Blntbeschuldigung zuerst gegendie Christen vor gebracht wurde, benutzte man sie im Mittelaller zu' oft wiederholten Malen, »in die Leidenschaften des Bolkcs gegen die sich verbaßl machenden Juden ansznreize». Lchon unter den Borwändr» der Iudenanölrcibung a»S Frankreich »nter Philipp >l. Il>>>—’f---) spielte der Grund, daß sic alljährlich in der Charwochc einen Cliriste» ' ermordeten, seine Rolle, und cs scheint, daß die Ccremonie-der vier - Becher Rochwei», die dem Andenken der von dem aussätzigen Pharao >! ermordetcn jüdischen Kinder nach der oben erwähnten Lage gewidmet!. .wurde», ebenso ziim AntnüpsungSpuntl der Bcschntdignng gegen die i- Inden wurde wie die AbcndmahlSseier bei de» Christen. Wo immer zur £stcrzcit ein christliches Kind oder ein Erwachsener 'verschwand oder ermordet gesniidcil wurde, erhob sich das Gerücht, er sei der! jüdischen Passahseicr geopfert worden; er habe sei» Blnl znm T st er i brot und Wein hcrgcben müsic», nitd dann war eine große Indeulicpe , und Plsthdtrung. die nnanSwcichliche Folge. Tie ermordeten Kinder - wnrdcir^heilig -gesprochen, wie der Knabe Zimon von?rienk 147.'» und der heilige Werner am Rhein, dem;n Bacharach und--an andere» -. .Orten Kapellen errichtet wurden. 'Eine neue Rnanee erfuhr die Blut beschuldignng, nachdem ans der vierten .Batcraninnode I^l.">- die TranSsubstautiationslehre scstgelegt'war -und durch das Wunder einer wirklichen Perwandlnng der Hostien in 'BlnI'-bcsicge-lt wurde, wie in der von Raffael gcnialtcn Messe von Boliena oder beim Wnnderblnl' zu WilSnack in der Altmark .(l.'lbb . Tas zcitwc'lige Austreien eines! hlntrothe Zersetzungsprodnete liefernde» Lpolkvilzcs, der von E.bren berg alS Wnndcrmonade Pczcichncl und in neuerer .Feit genau nnter sncht wotdc» ist, an de» in feuchte» Lacristeien ansbewaline» Hostien mag die erste' Bcranlassung zu diesem Wunderglattben gegeben hgben: fortän treten häufige Bes.chnldigimgcnans, die Indengcmeinhe oder einzelne Bjjtglieder..hätte» sich durch Bestechnng der Kirchendiener ge - weihte Hostien zu verschaffe» gewnßk, um zu selten, was au dem. christ : lichen Dogmg Wahres sei, und hätten so lange mit t'i adeln öde» Pfriemen hineingestoclp.'n. bis reichlich Blut heraüsgesloffcn sei. Tie Inden wurde» dann eingetertcrt, durch Anwendung der Folter zn tdeständnisse» gebracht, dem Rachrichicr übergeben, »nd das Ende des , Proceffcs bildete mehr als einmal ci»r große 'Indenversolgüng. so1 mürben 1540 zn Berlin 34 Inden ivegen einer solchen Beschuldigung hingcrichtet, und ähnliche Proecffc haben an vielen Orten statlgesnnden Bergeblich"crhobcn aufgeklärte Päpste, wie Benedict XII, gegen das ■ Blutwundcv zn-Pasian (1338;. und anganclli Clemens XIV gegen diese Beschuldignng der Inden ilire Lffunne, vergeblich vcr theidigten-selbst Renegaten, wie der ans dem Lncile mit Erasmus bekannte »iid durch Hullen lächerlich gemachte Pfeffert orn, ibre - -ehemaligen Cffanbensgenosjen gegen die Beschuldigung, eS .a»7 Christen blut abgesehen;» haben, denn wir habt» ein Reuanftcben 'dieser Be schnldignngcn in den Tagen dcS hochwogenden Antisemitismus nicht' nur im L-cnsationsproeeß von Tisza Eszlnr .18X2), sondern noch - in jungtrer Zeit in den Iudcnvcrsoigungcn in Rlkßlchnd. ans Corsn (1801) und in. .Tanten (.1801) erlebt. Einige christliche Fanatiter, wie Rohling („Meine Antwort-aus. die ffrabbuier", Pffjag 1 xs:!) und . Tcspo.rtcs (.I>s »ivsti-nsd» «-an« elit-zK-sjiiitV-j -Paris habe» sogar noch in jüngster Feit, den Bersnch gemacht, die- Wcchr'lteik . der Beschuldigung, daß die Jude» christliche stint-cr zu rituellen Zwecke» tödien, ans dem.Talmud und andcrcn jüdischen Religignsschrifte» zu erweise». ..Ihren Gegnern, unser denen sich auch verichiebcste christliche Geistliche, wie der Missionär Biehenlhal und dcf>Professor der Theologie H. ff. Lira ff, befänden,, ist es nicht schwer geworden, die' absolute G r n n d l o-sig kei k dieses Besch n ld ign n gcn zn ' .erweisen.. Ratlfrlich sind ' die Juden . von den allgemein herrschenden Borstellnngcn des ^Blnlaberglanbens nicht Aiberall frei geblieben, aber was ibre RcligionSvorschrislen betrifft^ so kann ' man sich leicht ans .3. Moi. 17, 10—14 nnd vielen anderen Lkellen der Bit'el überzeugen, daß ipohl lei ne - e l igi o n strengere B o r s ch r i s tc gegen den Blnigenuß bei in: als gerade die jüdische, „lind welcher'(stiensch, er sei voni Hanse Israel oder ein-Fremdling »nlcz, ctid), irgend Bl»; inet, ividcr den will ich mein ^'Anilin jene» nnd will ihn flitten ans seinem Bolle rotten." Ter Talnind nnd die anderen das 3lkd Gescv, ergänzende» Lammlungc» sngcn noch viele Borschristcn hijnzn, welche mit größter Peinlichkeit die Eirtscrnnng jeden- Blntspur von zunr lffcnnß bestimmten Fleisch warmblütiger Thi'ere Bieriüßcr und Bögcl) anordnzm, und es bezeichnet einen hohen t^rad von Berblendijug, zu glanbcn, eine Religion, die mit solchem AbschIu-' den (>stnnß vöii Tbierblnt verdammt >n>d-Zuwiderhandelnde niit AnS- -stoß'nng bedroht, könne den t^ennß von Menschcnblni erlaube»! In ieincin großen Ritnaleoder ordnete Moses Maimonides ill-lf>—I-ffk-l j sogar an. daß jeniand, der beim Broleise» > in Folge von Zahnblntnngk aus seinem Brote Blut bemertt, dasselbe >,',-gsa,„ »dlranen mnß. ffllißeide», i'e > de» .luden jede Rt»:»icßung vom. Körpet eines Todten verboten, höchstens das Haar darf er nach Maimonides »clnnen, weil. dies nicht zniß älörver'gehört. Bon bochlrchtbarer'Le,iwnike uns das .nachfolgende, lnsher nichts zur Bervffent ichiing gelangte Tornmcni zur Bcrsngnng gestelll: or. <s'oiies gnaden nnd dcn'k Apostolischen Linlile ernannk.r os von Veml-erg, Cälklan Ignan -Kozdn.va Non l -., Tr A K? -K Majestät wirllffcher üratli — . i '.'Inf k ie im »(amen der liebräi'chen l"e»>ei»de von 'Vemberg durch Hirich E > i u g e r. >Habr:.-l Papel und Joel B l n m e n s c l d genchchie Anfrage, „ob iviill'.elt d,e Btffnuung-. daß d,e Juden zur- - Zeit Ihrer Fenertage. C liri.st eu b't »t.-s bedürinq war.», gegründet, oder nngegrtindel -geben wit lnera»' die .e.uioo.li, .'.daß zwar vormals nnd ziim-. T.beil. auch il?l nnter dem g ein :'n eu> B o l I e 'W rr r '.Er z b i' ch st i l k i t i z >r,l l g e m e > ndt cf'-' M-eniinng st - :: •' »•» 1" », a b e r kei'ner-w.egs ein» rn » d..-..: n ,'ctie - dünget.' - de, :. I! ai e-, P-: t » -. e: »er d e::» Bi - :■ » n » g e > f i » d. n > an -->>! i r i - cli'e n E,»l- :' - q »» *, .u'l!»»» H e > r!.! a :> -'lr.-ga Aia: -ü.!> R.nl- - '!- K-'i - "0g!. r- - - ' '. . - : »l :Bia» > ->>I - . , ' . Iolian» '/i :» l . i' , ' - " -■ ■ e . Vj-Ii: reie-aM!. lind »>:::- .ställlgi. hiesigen •’ ->>I, ■ M-’-tv.'-jt.-i== f >i,-1- ■ u" i feeligl' rvorde» '.'-.mlu g d. Bia» 1 * i .lö'erl! Edle-, r. find . :i,! ---. >e. ---' r - 1 >.'iöl»«.- ' -\ l,' Am Ber?N »benetztdurch I.. ' . .Ernst- Freitstrrn 'v. Teiller . . .i’ 1 :i•-11• a i A'"i;|ii-ir*-v a 1 a-'i. .'{. st. Aizrnzie -st. bestätligl daß dieie Urkunde eine tr-'ne des >>,ininai.-tAIlenstültes >ei, '