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Freies Blatt · 1892-04-10 · 1 (10.4.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
1 (10.4.1892)
Date
1892-04-10
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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ji«morcf." *33on Eurem .Rationalheiligen Bismarck will es c»t- .den nichts mehr wissen. Weit eher fände cs seine Mcinnng aus' .drückt, wenn die Rede wäre von einem Judas JScharioth, der fein Vaterland verrieth um Silberlinge." .Der nie einen Finger für euch gerührt hat, wohl aber'oftmals beide Hände gegen ench ..." n. s. w. Es ist uns ganz egal, wie sich die Antisemiten zu Bismarck stelle»; nur das Eine möchte» wir wissen: Wan» hatte der infalliblc Anti semitiSmuS recht?' Als er die Kritiker des K»a»zlcrS deü „internationalen, »»patriotische» Judcnthunis" zieh, oder jetzt, np. cv an Bismarck selbst keine» gnte» Faden läßt? (Schutz gegen ein Hetzblatt./ Aus Bonn wird der „Köln! scheu Zeitung" von einem Familienvater geschrieben: „Sonntag wurden nach dem Hauptgottesdicnstr i» der neuen cvangclischcl^Kirchc beim Ausgang Exemplare "der Stöckcr'schen Zeitung ,Das Boli^vcrtheilt. .Damen und verständige Bäter lehnte» die Annahme des Blattes ab; meinc Kinder aber, im Alter von 10 bis.14 Jahren, brachten das Hetzblatt - mit »ach Hause. Wen» die Stöckcr'schc» Blätter glauben, irgendwo anders Boden finden zu können, so mögen sic das mit.sich Mid dem Hofprcdigcr a. T. abmachcn. Wir hier in Bonn sind glücklich, nach Ucber>vindmig?frnl)crcr eonfcssioncUcr (Gegensätze endlich einen allgemeinen, von allen Seiten anerkannten Frieden wieder hergestellt zu sehen. Einige unserer jüdischen Mitbürger zählen zu den cisrigsten Förderern des Wohles unserer Stadt', und wir bitten .Das Volk', uns mit seinen Artikel» zu verschone». Das Presbyterium der evangelischen Kirche aber bitte» wir, zu verhindern, und zwar im Interesse der evangelische» Kirche, daß »ach dem Sonntagsgottrsdienst. ein solches Hetzblatt im Bereiche der Kirche vcrthcilt werden darf. Es könnte sonst der Fall eintreten, daß selbst recht kirchlich gesinnte Männer ihre Kinder nicht mehr zur Kirche gehen lassen, um sie so vor der j Lectüre eines Hetzblattes z» bewahren.*' (Die Wahl in Reichrnbach-Anerbach.) lieber die vor Kurzem I erfolgte Reich Stags Nachwahl im 22. sächsi s ch e n Wahltrei'e j .berichten die in Berlin als Organ des dortige» Bercines zur Abwehr'! des Antisemitismus heransgcgebcncn „Mitthcilungcn": Tie Nachwahl in Neichenbach Auerbach endete »>it einer schmähliche» Nieder tage der Anliseniiten. Der socialdeinokralische Candidat wurde gleich „» erste» Wahl gange mit circa 11.7(10 Stiinyien gewählt. Auf deu »ationalliberateu Eandidatc» fielen circa HiUO, aus de» Antisemiten Tr. Paul Förster circa 2RX) Siiiiiiiien. letzterer erhielt also nur de» zehnten Theil aller abgegebene», Sliiniiie». Mail hätte meine» solle», daß die Antisemite» durch die Blamage», welche sie sich in Lasset und Hildesheim geholt, chirirt wäre». Bewahre! Herr riebe rin an» v. Sonnend erg hat das lebhaste Bedürfniß, die Ja hl der Mitglieder seiner Fraclion im Reichstage, welche bisher durch ihn allein revräicnlirt lvird, zu er höht», »nd darum setzt er, wo nur irgend sine Ersatzwahl ihm Aussicht cuii- Erfolg zu biete» scheint, Himmel und Hölle iir Bewegung, um die Wahl eines Teulsch-Sociale» herbeizusühreu Aber es will nicht gelinge» Wie i» xai'iet und Hildesheii», so leitete auch im 22. sächsischen RcichSiagsn>ahlkrcuc Herr rieberinaun v. Sonnenberg die Wahlbeivegung. und 'der eivige Turch'alsseandidat Tr. Förster war so glltinülhig, auch hier wieder einzuipringen, nachdem Theodor Fritsch wegen „.sträikklichkeit" die Eändidatnr abgelehnl halte, Grosze Hossnuugen setzte Herr v. Liebernrann aus die Wahl Haudelle cs sich doch ui» eine Gegend, die seit langer Zeit von ihm und andere» Agilatore» bearbeitet und durchwiihlt worden ist. Ta» .stönigrcich Tachseir betrachtet Herr v. Lieber manu als seine Domäne, Böckel macht ihm da leine Eoneurrcnz. er lau» nach Belieben schalten und walle». Außerdem steht Herr v. Lieber»»»», — nach einem Ausspruche Böckels ein „abcommandirlcr Eoinervaiiver" — mit den sächsischen lkonservativen aus sreundschastlichstci» Fuße. Ter 22. Wahlkreis aber war zuletzt durch einen Conservativen iin Reichstage vertreten. D ie Lonservalivcn stellten.jetzt aber keinen eigenen Eandidaten aus, und io znußle Herr v. lieber Inan» aniiehme», daß dieser Umstand den Antisciniten zugute, komme» werde, zumal ihnen in der Person des HospredigerS aller Deutschen, Herrn Storker, ei» Helser erstand, der die conservativen Wähler für die Eändidatnr Förster ge winne» sotzte. .stürz, der Himmel hing ihm voller. Geige». Aber Herr v. Lieber mann ist ei» aller Pralticus. Er ve-tieß sich nicht allein aus diese günstigen Momente. Nein,. n sagte sich wieder: -stlappcr» gehört zum Handwerl. Und eS wurde grlindiich gctlapperl. Bon Ueberhcbung strotzcndc Ausrufe wurden losgelasse», Artikel über siegreich verlaufene Persaininlungeu in antn'emitvche und con'ervaiive Blätter lancirt. Gleich den Ansrusern und Anreißer» vor Jahrmarktsbuden suchte» die antisemitische» Agitatoren die Wähler des 22. säch fischen Wahlkreises;» ködern »nd ihnen die denljch sociale Partei als diejenige gnzupreiien, welche allein im Stande sei, die Wahl eines Sorialdeinokrate»;>: Uerhinderil. stein Reclamemiltkl ivurde unbenutzt gelassen." Tie „Aiittheilkinge»" rikproduciren die i» de» letzte» Tage» vo» der Wahl in der Leipziger Neuen Deutschen Zeitung" erschienenen Artikel, aus denen man ei» anschauliches Bild mm den widerlichen Prahlereien der Anliseüiile» gewimil, »nd schließen, wie sblgt: Herr Stöcker,' welcher den Inden immer znrusl: „Mehr Beicheidenhcil", sollte diese Mahnung vor Allem an die - antisemitischen Maulhelden richten. Diese posaunen ihre angeblichen „Erfolge" bei jeder Gelegenheit ans: bald ivollen sie diese, bald jene Gegend liniere« Vaterlandes, kür die „gute Sache" erobert haben. Wir sind die Letzten, welche die MaulwursSarbeii der Aurileniiten unter schätze» und sich in Sicherheit wiegen lassen. Aber daß andererseits das größte Mißtraue» gegenüber'den antiseinitischei, Prahlereien am Platze ist, beweist auch die. jüngste Wahl in Reichenbach Auerbach, bei welcher Liebermanu und i'V „ioi'sen eme» so tüchtige» Tenkzettel erhalten habe». (Kanst nur ÜCl Christen.) In der tresitich rcdigirtcn Zeitschrift „Dic Schknach des Jahrhunderts" finde» wir folgende'Notiz: „Ter Dcntfch-soeiäle Bcrcin in Halle, der ferne Hauptaufgabe in der confrssionelleit Brrhetzung erblickt, sandte kürzlich an die eonscrvative .HaÜe'schc Zeitung' und an /den .Generalanzeiger für Halle' .sowie ferner an die .Saalc-ZeitungV Aniwn«», durch welche die deutschen - Eltern aufgcfordcrt' wurden, Eonsirmationskleidcr u. s. w. doch uicht bei Juden, sondern ausschließlich bei christlichen Geschäftsleute» zn kaufen. Der .Generalanzeiger' schickte die Annonce mit einer ansführlichcn Begründung der illichtansnahmc zurück, die. .Saale Zeitung' that dasselbe mit der lakonisäsen Randbemerkung .;ms Aufnahme nicht gc eignet'. Rur die .Hallc'sche Zeitung' hatte den .Mnth', sogar a» sehrhervorragender Stelle die Annonce zu bringe». Stolz ging der Easscn - wart des Deutsch socialen Bercines einigt Tage später nach der Expedition, um die Annonce zu bezahlen, abero weh, wie ward ihm - .da, als er das bekümmerte Gesicht des stellvertretenden AnnoncenrcdacteurS sah. Der Annoncen-Ehcfrcdacteur war krank gewesen, und in seiner Unschuld hatte sein Bertrcter die ihm vielleicht smnpnthische Annonce passircu lassen. Als dann im Laufe des Samstags der Annonccniammlcr zu de» jüdischen Geschäftsleuten 'in Halle gekommen war, um die Aufträge für die tommcndc Hochc zu holen, war er natürlich überall abgcblitzt. -Der lransc Rcdactcu^ hatte nun vor Schreck seine (Genesung beschleunigt, um am nächstcu Samstag an hervorragender Stelle bei den Juden s>nl->' i*o'ccavi zu sagen. Jede» falls.bilden die Riiuiiiicrn der .Hallc'schc» Zeitung' vom 21. bis 2E. März eine so seltene Erscheinung, wie dieses eonscrvative Blatt sic niemals geboten bat: eine gayzc Woche ok»ic jüdiichc Inserate! Das machte sich im Eassenabschluß der ohnclin nicht mit Glücksgütcrn gesegnete» Administration schmerzlich fühlbar. De» jüdischen Geschäftsleuten .in .Halle lau» man zu diesem Act der Selbsthilsc nur Glück wünsche» Derselbe verdient auch anderwärts werben."' / . vlus antifomitifdion IVivincn und 1\t 'fammluiuvu. ' lLueger als Währnugspoliliker.» In een.hervoisiechendsteu ätcuiizeiche» der Führer ker aulisemiltschen Bewegung gehört Äste Univerialiläl. Währe,iv ivust. hervorragenbe (selehclc »ud Paria»»uiarier ei» Meuieh'enlcbc» taug die »iniassenbsten '.Studien aiigestelll haben, mn ein on lehr eins begrenztes'Gebiet zu beherriche», sind tie aulii'r,»irische» Redner vo» einer n»nässenden Bildung, und einer »leise des UclbeclS, die geradezu Staune», erregt. Aas allen G>eb:cten dcö össenllichri, Lebens sind sie zu Hauie, jäiiciiuliche Tisciplincki de« Staats, rechtes und der SociaUi'ineNschail habe» sie durchwn'chl und i» deu jchwierigslcu Frage» wissen sie augendlnklich Bescheid. Den iveiieste»'Gesichtskreis bat aber die Perle des fünften Bezirkes, der »or.becrbelränzte Dr. Ln,eger ^Er ist.-' Potiiilcr >.»r >-x>-<-Ib,genauer Neuner der Ver'aisuugsvcrhäiinn'se und-geschivorcinsr Gegner des Ausgleichs i»ii llugaru: er bat ee»' gesinmiiieu Talniud ' auf das eingehendste studirl »nd aus ke,weiden die 'eni'evltch'ieu Vorwürfe 1 gegen die Juden herabsgeholl. ivebkic das bejchräulte Wi'ieci der Fach gelehrte» und ielbst des Ainsieunte» Paul de L,»garte »nku >» dein'elb-'N;i> sinde» oerino-kile; er .ist endlich auch ausgezsietnt'Lirr Vollsivitth,-. ker die gelieiiuste» Adern des ivirthschaillicheii Lebend leniil und'selbst d.ie ichwlrrigsten Problemk des National bkonoiiiie mit verblüsseicdci IIn bsiaugenbeu bennlieiu Neneilens ist Lueger -.auch unter die 'Wäbruiig'spolinker gegangeu. Die österreichiiche i'nk die „u. , , . , li'ieu^ Bezirke außerie er sich kürzlich, wie -das „Deutsche Vollsblatt" beriänel,' über dir Wäbruugs'räge-solgendeimaszkil: „Der -uugari'.kie Staat siebt aus'chliesztirki unter der Herrschaft der Rothschild Gr.uvve: diele n/ill die Goldwährung und ich sage: „Weil die'e sie lN'ldiväh, nng ivollen, kaher darsie nicht cingeknlul werden!" Didie Herren ivollen a ich .iür Ungarn ein' eigenes tüeldwc-'en, i.k, Mi re iroh, weh» sie cs hätte» nr.d die >äottiv»hni»>z iür «ich eiickührkeiz, dre Ungarn würde» ieheii, ivie weit st: tainir ipciygen: ,teker Ungar-würde dann hier kaufe»,, weil er bei.uns nn -das Silber dasielbebekäme, n-..s er in Ungar» mit Gold zalsle» uni». S ogar die -nngari-ä.en Adeligen kämen >vi<der nach .Wie», und i» Ungarn.blieben »nr die Juden: das iv.sre ein Vergimge»!' Wir löniieu selbüvcestäntlich »ich! auf d.-n beivunderuiigSwürdi:e,l' Dicjsii», dieser Worte näher eingehcn: auch sind wir" durchaus nicht >o reruiessen, die Angaben Luegers.in Jiveisel zu ziehen ES er-'cheinl uns z,vär >o»derbnr. Ca»; die Ungar», welche »ach Lueger ein eigenes tseldive'e» wollen', gerade jetzt an» die Einigung uni L esteireich hiuüchllich der Regelung der Valuta krängen» Wn könne» aber'nicht umhin, aiizuerlcimen, daß Hz'rr LMeger die ungari-'chei, Juden als höchstuneigennützige Pleiv'che» hiiistelll, welche der heiinailichen' Währung zuliebe sich init dem Ilcincnt Gennune zuniedengeben »nd anS purein PaircH liSinnS an der lheureu vcjcrländiickien -Valuta, trotz des Schadens, den sie dadurch erleiden, jesthalten, während ihre.christliche» Gcnoüen nach Wien gehen und dort.Alles »in einen SpollvreiZ eiulauscir. Für io vakrioti'ch nnd'u» eigennützig hadfn wir die uugariichcn Juden saiinnt und sonder-; nicht gehalten,, und die letzteren sind Herrn Lueger sür keine gute Meinung sicherlich'zu'großem- Danke verpstichset. - . 1 l Die Gehässigkeit Ullis; großer feilt.> In einer VeriamiMung des äiristtich . socialen Vereinis .iii Wie» sprach Freiherr -v Berger. Ziinr kvuiidioo.ienemuale siber die Freiniäurer, Jbm gcnügl die Gehässigkeit gegen die „orieinali'chen Feinde" uichl inchr, und er bak die Versammlung, in Erweiterung des «»irundsatze»'„.»täu.si nur bei Ehristesl" auch bei solchen „Schcinchrisicu" nichts zu'lausi-ii', von driien eS „bekannt oder ivalnsikicinlich" ist, daß ne Freimaurer siiid. - Z ,

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