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Freies Blatt · 1892-04-10 · 1 (10.4.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
1 (10.4.1892)
Date
1892-04-10
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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k,Seite 8. Freies Blatt. (Gemüttzliches alleine« (strsaugbereiu.) Den Antisemiten ist das Haffen, .Verachten LebeNSelenient. Man glaube nicht', daß sie bloß ihre Gegner mit einem historisch vielleicht einzigen Haffe haßen und wie Wesen geringerer Orbnung verachten. Auch untereinander zeigen sich die Antisemiten dieselben haßentstellten Gesickiier und erkläre» einer de» Midereu nicht deS Daseins werth. Dieselben tLnlrastungsraketen, die man sonst gegen die Juden schlendert, werd'en gelegentlich auch gegen einander abgebrannt. So enthält die „Ostd/utsche Rundschau" in der lcvte» Nummer eine Briefkastennotiz an Herrn A G folgenden Inhaltes: „Die Tharsache, daß Professor Fiegl beim letzten Volks liederabend des Deutichen VolksgesangvereineS als geladener Gast erscheinen * durste und a» der Tafel'für Ehrengäste iaß, erregte begreislicherweise lebhafte Misistimmung der Tentiti,nationalen gegen den Obmann diese« Vereines, Pro seffor Dr Pommer; die deut'chnatioiialen Mitglieder werden sich das wohl nicht ruhig bieten lassen!" Wie ernst muß dann ei» Gegner derlei ehrenrührige Angriffe nekmen, wenn sich die nächsten GennnnngSverwaudlen damit beehren. l Frei «ach Goltslcbea. , Ter alte Gottsleben war erLötzlich, als er in einem Volksstücke, da« vor mehreren Jahren in der Joiefstadt zur Aufführung kam, den fürchterlich Ergrimmten spielte und seine Freunde beschwor, ihn ja nur „zurückzuhalten", damit um de« Himmels willen kein Unglück geschehe. Tr lileger hält sich ichon selbst zurück, wenn ihm etwas Unangenehmctz widerfährt, ein Verunglimpfter Genuglhuung fordert oder ein Gcnieiilderathscollege sein Gcbahren ichars verurtheill.!>kichiSdestoiveuiger erachtet er cS doch für nüplich, sich auch von seinen Freunden zurückhallen zu laßen, und gleiche andcre» Anlisemitcnveriaminlungcii beschloß eine vorige Woche in-Simmering abgehaltenc, ihn zu ermchen, „sich nie so weit provocircu zu laßt», daß seine unersetzliche.-ßrast dein einheimischen.Volke verloren gehe» könnte". Tie Simineringer erklärten sich zugleich „lstreit, ihn jederzeit zu schützen". Nim kann , er wohl rtchig 'ein: ein Uuglück isi nicht »lehr zu befürchten! Adolf Wagner s Kampf gegen den Antiscntikismus.) Professor. Adolf i Wagner Hhrr fort, in de» e«»ierr>aliven Vereinen Berlins de» Aiiliscliiirismus zu bekämpfen, welchen er «elbst großzichen half. In' einem seiner jüngsten Vor» . träge sagte er: ES empöre seinen deutsche» Linn, daß i»an immer die klägliche AuSred« gebrauche, wir seien die von den^Juden Verführten. Leien denn au >>'», Vöricnjpiel, dgs cine der schlimmsten Leiten der socialen Frage darstelle, i nicht alle .tkreize oer l,»,n»lllg, v Nicht die Inden, sondern die Tainpf Maschine und die cleltrüchc Krott, durch welche die ganzen Broe„ciiv„si„i,,ci. s die'" Eommunicqtioueit, der Absatz, die Bewegung in der Bevölkerung eine! 'ungeheure Vcräitdcniug erfahren haben, tragen die Hauptschuld daran, daß der j Svrnch r>vm gclc-'iieii'Bode» des Handwerkes nicht mehr wahr sei. Ter Anti! ß inillemus labe. nach Ansicht der meisten' Prosrstoren und Gelehrten; nicht z N.chl und >ei eine ungeheure Ueberlreibung „Es fei beguein, zu sagen: „Der ' ist-schuld, 'raus mit ihm, dann wird alles.bester!" Aber die Juden zu vertreiben, sti vönsifch rein uninöglichz die Vertreib mg würde auch, wenn sie'zu siande käme, die erhoffte Glückseligkeit nicht bringen Ter Abfall Wagner's vom orlhodorcu Antisemitismus ist viel zu inngen Tamms, als daß er sich auch schon aulisemilnche Redewendungen ganz abgewöh it batte. Es kann daher nicht! Wunder «ehmen-, luenn er in den» Vorträge, testen wesentlichen Inhalt wir! . kiei ivietergegebei, haben, auch von „angcborcireii und angenoinmenc» Eigen schasten" 'sprach, welche die Juden' häufig veranlasse», „u»sere Treue und,, iiiiseren Glauben zu mißbrauchen", imt iinmilte bar darauf selbst die Frage 'anfirai': „FiNdeu sich kennidieselben Eigenschaft-:,, nicht bei unsProfessor s Wagner verschließt sich nicht melir der Erkeunmiß. daß jene Laster, die er und . 'eine frübeieu kamrckgenoffen als besondere Eigenthüiiilichleit der Juden bin zu sti lle» >nchi, u, keine lusichließlich iütiichen sind aber den richtigen Ausdruck bu'üi >iude! -> »ich nicht Mit der I,il dürfte r fick, übrigens auch von der?pii,1>u e,u' d ' AiUi' Ntuleii. einaii.iviren. . ' . antiseniitischcn ^lättOrn. O. dirsr Jngriiicurc und Architkltcn! Das „Teinsche Voiksblail" ..'»it: nler den O eiten eich,»'ckien Ingenieur- und Archileklenverein her, weil sich in diiiisell,» nicht der gebührende Re'vect für .'in die Tilgung der Staats chuldeu viibeißinde^ Peciecr des aiiiisemitstichen ProfestorS, der leider L etile s, nger-heißt, uiauifestirte uud maki dein valriotijchki, Tpreckier sogar emp'ohlc» i l abil wll, seine Weisheit beim „luchsen"'zum Besten;n gebe» Ja, Ingenieure und Architekten sind eben Uir antisemitische Wimderlekrc» »ich' >'o empfänglich—r ><: >'o viele Lckuister,^Em!v>iiiiier, Weinhaiker und Eomiiiis. . t l ,-SliUkr lind Valkrn.,"Die „Ostdeutichc Ruudschaii" entrüstete sich ,» diaiz'an'ch.ster chViie ül r die „Jiideuvreffe", welche,die Hinrichlüng des Raubmörders Schneider in -malend eingebeuder Weife geschildert-habe. Tie Ami j semilen. die stets iin gauzen T'adl-'uartier hcrumnörgeln, lhäte» am beste», vor! der eigenen Tbii, zu klbten. Tee „Oesterreichi'che Voiksfreuiid" widmete eine ganze Teile dusem verlocke,iden Dl ina, und daS christliche Blall fcheure dabei : gar nicht, emeu Ton anZuschlageii, der lebhast au de» bekannten DZi'atioiis > omalistiß eriuuelt. z B.: „Lang,' Zeit Iah man vom Gesichte des «^richteten »ickil lüel mehr lis die sch'.va.zr Hand des Scharfrichters" u s iv. . , > linker salscher Flagge., ä>e „Jitnslrirle Wiener V»r ls! Zeirn iig" schiieb '..iner d. . ü -d.s. „Ein anttiemllifcher Verein in-Salzburg" :! Dieser Tage hat fich in Salzburg ein antisemitisch-politischer Verein unter dem Namen „Salzburger BolkSverein" constituirt. In der genannten Stadt hat der . Antisemitismus bereit« so Phlreiche Anhänger,, daß dem Vereine rin glänzendes Gedeihen nicht fehle» wird. Wir hoffen, daß er ein energischer Kaiypfverein gegen alle liberalen Elemente i» der Stadt und dem Lande Salzburg werde» wird. Diese Notiz glossirt die Steyrer „Judenfrage" wie folgt: Nu», diese Notiz verdient eine weitere Beleuchtung Mit einer Aufrichtigkeit wird da offen gesagt, was wir schon vor Jahren behaupteten, daß es den unter antisemitischer Maske verkappten Llericalen gar nicht um die Bekämpfung der judenliberale» Partei, um Las Interesse deS Volke«, sondern uin Bekämpfung des wirkliche» Liberalismus, der liberalen Elemente zu lhun ist — oder wie man diese nennt, die Freimaurer. In Salzburg wird eben das Kunststück wiederholt, welches in Wie» und Niederöstcrreich gelang, unter antisemitischer . Flagge das zu erreichen, was unter der rlericalen nicht gelang. Der Naine „Volksverein" ist sehr bezeichnend, weil Alle«, war clerical ist, dieser Deckung sich bedient. Wir hab.en die verschiedenen ^BolkSblätter", „BolkSvereine" und sorbeerbekränzten „Volksinänner". (Hilf, was helfe«. kann.) Tie Meldung, daß der neue Groß Herzog von Hessen-'einer Lchrerdeputatio» gegenüber de» Antisemitismus als ver werfliche Hetze charaklerisirt habe, veranlaßle ein reichsdeutsches antisemitische» Blatt, zu constatircn, daß der persönliche Adjutant des neue» Großherzogs von Hessen, Lieulenant v. Frankenberg, mit einer Vaionin Lppenbeim aus Köln verheiratet sei. Die Tendenz dieser Notiz ist sehr durchsichtig. — Ei» anderes reichsdeutsches Amisewitenblalt erklärte einfach die Meldung für er müden. — Die österreichische Antisemitcnpreffc macht mit Vorliebe vom zweite» — AnSlunflSmiitcl Gebrauch. lWie sie cs wolti».) Tie ...streuzzeiluiig" constatirl mit Freude», daß der AiiliskmiliSmns nu» auch glücklich in den Rheinlanden ui» sich zu greife» beginne, natürlich mir durch die Schuld der Juden. Das besagte Blatt citirä den Ausspruch eines rheinischen Bauers: „Es geht den Inden wie den Dienst > mädche», wenn sie es zu gut haben, werdendste frech; sie sind nur zu behandeln, wen» sie kurz an der Leine geholfen werde»," und bemerkt hiezu: „Daran ist etwas Wahres, den» die Juden sind nirgends in der Welt so bescheiden wie i» Rußland. Tie Juden nehmen in Rußland genau dieselbe Stellung ein wie d-ie „Nigger" in de»'Verei »igten Staaten, und — sie fügen sich vc»i». Ein Bekannter von mir war vorigen Sommer in Rußland auf dem Tiijepr mit'einem Pasfagicrdampfboot gefahren. Da der Wasseistand sehr niedrig war, stak der Tampser häufig in Gefahr, ausznlänfe», und dann commandirte der Eapitäli je „ach Bedarf: „Juden recht«! — Jilden links!" Alle Juden, auch die feinsten, gehorchten unweigerlich diesem für russische Sitte» geradezu lnvi'chcn Befehl, sie schiene» eS ganz gewöhnt zu sei», so als Ballast behandelt zu werden." Tie „kreuzzeilnng" meint zwar' diese russische Praxis sei nicht iiachahmiiiigsiverth, aber den Erfolg habe sie auf ihrer Seile, den» i» Rußland seien die Inten bescheiden und nehmen auch in der Mehrzahl mit den Stellungen einci^Handiverkers und Arbeiters vorlieb. In civilisirlen Länder» lehrt die Ec sahnmg, daß mit Juden desto weniger ansznkommcn ist, je besser sic es haben, je mehr Freiheiten sie genießen. Tic „Krenzzeitiliig" scheint also die russische Praris doch »achahmenswerih z>? finde», wenn sie auch nicht den Muth hat, es osten heraus zu sagen. Eine schöne Praxis. Sie zeigt, wie c» diese Anti semilen eigentlich wolle». Ter Ausspruch, den die „Kxenzzeitung" einem Bauer in de» Mund legt, klingt übrigens sehr junkerhaft^ — Der Böckel'sche „Teiitichc SonntagSbole" schreibt: „In der Lösung der Judenfrage ist Rußland der einzige S-taot Europa«, welcher praklisch vorgeht. Andere Staaten nehmen die erfrorene Schlange an ihre»' Buse», um Schlangenloh» z» empfange»." Herr Böckel ih»t so, als ob er nicht wüßte, daß Rußland ebem'o „praklisch" gegenüber de» Deutschen in den Ostseeprovinzen, den Pole» :c. vorgehl. . „ (Alitiscmitischer Ton.st Tie-Leipziger „Neue Deutsche Zeitung" äußert sich über die Lage in Preuße» und Teiilschland wie folgt: „Der neue Ministerpräsident scheint sich »ach berühmten Muster» aus die BundeSgenosse»- ichafl der liberalen und Inden stützen zu wolle». Thalsächlich ist er mit Herr» Recken ein Herz und eine Seele. Befreundete Parlamentarier bewunderten neulich die «ihrungsvolle Umarmung, die der neugebackene Premier vieseni .robbinischeii Anreißer - » um >-<>>>uIu 'zntheil werden ließ So empfindet Graf Eulenbiirg seine Abhängigkeit von der Synagoge und dem Fortschritt! Man gebe sich trinnach keinen Illusionen hin bezüglich der Tinge, die allenfalls vom Grafe» Eickenbnlg zu erwarte» sind! Wie die Verhältnisse aber nun einmal lieaen. ist iedo.ü ,'ckwii dafür gesorgt, Vnß die Eiilenbnrg'schen Ledern nicht in , den Himmel wackii'cn Weder-, Enprivi, Ver sich »üt der ihm eigenen politische» .'inrzsichligteil ielbst de» Strick »in den Hals gelegt hat, »och Graf Eulenbiirg werden als Minister de» loiniiieiidiü, Sommer erlebe». Tie heutige Lage ver langt ganze Männer lind nicht Malioiictlen, die ans dem liberale» Kasperle rhealer ivilligTüach semitischer Flöte tanzen. Tie öffentliche Meinung wird über sie zur Tagesordnung übergebe»^' ^lic'fkastc'Il. N. k F. in T. (Mähren». Wir loiunie» gelegentlich daraus znxllck- M. v. G. i„ Vndaprst. Eiiwcrstande», BLiirillscrkläruitffcll ,l»n „Brrcin zur Mwclir dcs'.'lmmmirismuv" wrrdk» T»»ksirffrilffrlioi»ilirn im Lrrrttariatc dks^creiucs: ^irn. I.. Pffriicrsinnr 4. . , ^bonnemrntsaninrldungrn auf das „Jrcir Blall" »imml dir Administration, Wicn, I.. Srilcrstiitte ll>, jrdcrzcit ciitgkgcu. Gbendasklbst wcrdcil auch riuzcluc Nummern abqcgkbcu. Probtuummeru zur wcirrrcn Vrrbrcituuiz des „Freicu Blattrs" wcrdcu GksinuungSgenossrn aus Vcrlaugrn brrcitwilligst zur Verfügung gestellt. . aaeg'b,: >m, >. ..,am o,Nicki, - R,eaeieu> : E r n st V i tl or Zen ker. — Druck von .Eh. Reißer M. Werthner, Wie».

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