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Freies Blatt · 1892-04-10 · 1 (10.4.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
1 (10.4.1892)
Date
1892-04-10
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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I Nr. 2. Freies Bi a 1t. ahnend, reißt 'sie die Fenster auf, vergeblich um Httfe rufend, und sie eilt durch einen änderen Eingang zu ihrem bedrohten Manne, fliegende» AthemS ihm den Hergang erzählend »nich, aiifcncrnd, die Kinder aus dem Gelaß zu holen, die unversehrte kleine Griechin der tumul tiiirendtu Maffe zu zeigen und damit die «Grundlosigkeit der Ber dächtignng darzuthnn. Es war zu spät! Ter ,.ttcr»dc Greis öffnet 'die Thür, sinkt aber auch schon im nämlichen Augenblick, von de'» K-nittcln seiner Angreifer zu Boden geschlafen, nieder. Wie die Autopsie ergab, hatten die griechische» .Helden dein alten, Manne sieben Rippen gebrochen, beide Beine koral zer' schmettert und vom zertrümmerten Hirnschäd'cl. fand sich fast keine -Substanz mehr vor. Schon tobt, l»d man ihn auf einen Karren, um den Leichnam ins Hospital zu fahren, die Ranbthicrc mit dem. gottähnlichcn Antlitz ließen es sich aber am Ge schehcncn noch nicht genügen, denn als das erbarmungswürdige 0«cfäl,rl an seinem ^icle antraf, w a r d t r Ermordete n o ch ü b-c r u n d n be r mit großen »Feldsteinen bedeckt. Leit der Zeit dnrckrtchwnre» beständig Atarmgcrüchte die Stadl, der Polizcichcf war derzeit ab wesend, und der Gouverneur erklärt, gegenüber allen Bitten um Schlitz, in bündiger Beeise, mi seinem geringen Militäreonlingcnt ividce die f><K.HM''vicd)cii Port <:aibo machtlos zu fein. ' selbst beidein Be gräbniß deS Erschlagen » mußten °?0 Man» mit geladenem Gewehr zur Berhütung von Ereesien den Vcicheneondnel bis ziim Friedhöfe geleiten. TaS sonst hier tationirtc englische Kanonenboot nt wegen der zur Zeit stattsiiidcnden Ucbnngcn nicht am Crte. Rach berühmte» Mustern eutblödet et i hier in griechischer Sprache erscheinendes Schandblatt sich nicht, das schwchlcndc Feuer niedergchaltener Raublust und ZcrstörungSwuth hoch zu schüren und die Acrmsten, unter Bedrohung mit dem Acnßersten, zum Fortzuge zu bewegen. Ter ganze Haß gegen den coneurrirendcn Rachbfr zeigt sich, hier wenigstens jeder schöurcdnerischen Phrase »»t> ,'escs pheictsaischru?.>la»lelche»S ent kleidet, in seiner nackten Größe.^Als ob ein i» Fahrzchntcn erworbener Besitz in ebensoviel Talgen realksirbar wäre! Unter diese» Umstände» müßte man begründet! rwcisc dem vor der Thür, stehende» TIlcrseit der Juden iüit Besorg >iß cntgegcnsehen» wenn nic!,l bitf Erwartung gerechtfertigt wäre, da; die eindringlichen Borstellnnge» ei»stnßt,cicher Personen in .Kairo, dac tolerante Egvptcn möge in Tinge» der Mensch lichkcit nicht aus das "1'iveau Rußlands hcrabsinke», die Regierung zu geeigneten Gegenmaßrcc cl» bewegen werden. Port Said ist eine äußern lebhafte Hafenstadt : deutsche, österreichische, .italienische.sranzönickre, englische, niederländische und bussischc Tampsschissögeiellschaste» und Eonsnlate haben hier, ihre» Titz. Tic Stadl hat 25«st)0 Einwohner, darunter 9000 «Europäer; daS terroristische Element dieser letzteren sind die 5000 Grieche» ." Unsere Antisemiten!' wollen in der Aisaire einen neuen Beweis des jüdischen BlntritpillS erblicken. Olit der Thal, ti’cv wird 'noch zweifeln, daß hier ein,,.ritueller Mord" vorlicgl? Gewiß ist hier dem wahnsinnigsten religiös n Fanatismus ein. Tpser geichlachict worden nur waren.die Schlachter nicht Fude», und daS Tvier war der >«5jährigc blinde Fndc Earmoua! Seite 3. p» .Bor dem Berliner Monates Februar eine »richtiger Vocalereignisic daß für. den Proeeß ' erscheint dieser proeeß. w i Vandgerichlc fand in der zlpeileu Hälfte des Berhandlnng gegen den aiilisemilischen Agitator Reetor Hermann Ahlsvardt statt,-über deren Berlank die Tages, presse in Oesterreich begreislicheriveiie nur tnrze Berichte bringen tonntds die Bcrathmche» »nsc er viele» Bcrtrclungskörper soivie eine Reihe füllte» die Spalte» unserer Tagesbläner derart, lhln'ardt nur ipenig stcanm übrig blieb, lsiis inlercsiänl genug,' nüi durch einen erschöpfenden Auszug aus den Beric>tcn der Berliner „Bolts Leitung" unsere Vefci mit demselben näher vrtrani zu'machen Rcetor Ahlwardt ist in T'.ncii nicht unbelähnt': er gasiil te hier'im vorigen Fahre »nd erntete in antisemitischen Benammknngen so stürmische AnSzcichnungen, wie sie sonn nur einem Prinzen. Viechlennein, Sieger, Schönerer und Ernst Schneider zuthcil werden. Rach seiner Ber -urthcilung wegen Ehrcnbclcidigung zu vier Monate» Gesämzuiß vcr suchte zwar ein' Wienc antiscniitischcs Blatt, ihn „abzuichlltreln". aber andere Organe gleiches Farbe fahren fori, ihn als Autorität zu-ciliren. Tic Gcfängnißstrafe ist das kleinste der Uebel, weiche für Ahlwardt aus seinem Proecsic «erwachsen. Tas Treiben dieses Borkämpfers gegen .„semitische Eorrnption ' ist.nunmehr in weiteren Kreisen bekannt. Ter Mann, wclchrm der Staatsanwalt g c >v c r b s m ü ß i-g e E h r.a b s ch „ c i derci vorrvars, hat. als Reetor die Abr'vcsenhcil ciiics ihnt nntcrstchcnder» I) r e r s b ( n ü tz-t, n m d c s s e n G e li a l l v o in Schuldicucr zu holen »ud ihn bann — „de m 9 eh rer in Ra teil zijrü ckzn zahlen". Er betrieb Wechselreiterei, suchte mit de» Elter» seiner- Schulkinder i» tinanziclle Bcrbindung zu trete», machte „Tarlctzen" bei ordcns und titclsüchtige» Personeit und bettelte auch r es ch c xi u d c» an, i h ui a ns seine» 'H öthcu helfen '. ** ■ * Ahlivardi, >cnt wiederholt im V.uirc der Berhandlnng bewußte Vüge, böswillig: .Klatschsucht, Bersnchc, durch nnlantcre Mittel ans Mengen einzuwirkcn, ferner schnöder.Undqns gegen Pcrsgncr», die ilpn Wohlthatcn trwicsci, Haben, vorgcworscn wurden, hgl »ach der Aussage eines Mengen. eine für gervisie Aniisemilcnsnhrcr sehr charakteristische - Acnßernng getkian: „Feder Mensch hat zwei, Gcsin n u nge», eine, die er äußert, und eine, die eg für iich bc.hältz die letztere ist die wahre." f ■ . Bier Tage währte die Berhandlnng, ans der wir im Rachstehendc» alle wesentlichen Momente verzeichnen: Tie durch den Staatsanwalt v. Rheinbaben vertretene '.tJflage legte Sein Recloe Herma»» Ahlwardt zur rian, in'seiner Broschüre eine Anzahl vair Vehrerii. de» .Magistrat und die diese», umerstellte Schulverwaltung össeiit- ' lich beleidigt z» haben. Tie Beleidignngcn der pehrer knüpsen sich an Bor amige, welche seinerzeit das vehrereollegirnn der l">7. Geineindeschule;>r einer Beschwerde bei der städtischen Schnldepnlalion veranlaßt hatte». Als im Fahre ° tt<NS die Weihnachlszeir nahte, «anuncüe der i» »lanchen nnanzielle» Schivierigkeiten sich beiindende Angeklagte als Rector der 117. cüenieindeschule „amenS der Lehrerschaft WeihnachtSgaben. Ter tzehrer Hei sek« und mehrere seiner . Eollegen glaubten schon Ende Rovember ans eiizein ihnen zufällig i» die Hälide gesallenen Zaiimielbogen sich überzeuge» i zn könne»,, daß für die Weihnacht«^ . gaben ichon iiber t«X>c) Mark gezahlt, bezsehungSiveise'Beträge gezeichnet wäre». F» der Vehrerconfere»; vom 1. Teccinber legte der Angeklagte nun eine ' Piste vor, die nur mit -NO Mark Fkichiinngen abschloß; dies erregte Verdacht bei der vehrdrichast, ifnö das EoUegimn erstattete i», Wege, der Beschwerde, der ' Behörde Anzeige. Von den l'chrern in»,-^- >>-—- . ...» »>>rr„r„or„ renrercomereuz über die Angelegenheit de; Wechnachlssannnlnnge» ansgenonunenc Protokoll nachträglich durch den Basius ergänzt habe: „Tic Sammelliste wurde geprüft und iür richlig besmideu". Ter Angellagte ' beschuldigt dagegen, in seiner Broschüre den k'ehrer HOsele, daß er daS Protokoll über die tzehrcreouferenz beseitigt und in dem neu voiT ihm angesertigten Peoto toll den oben niilgetheilten Passns. wetcher einstinnnig beschlossen worden sei, weg gelassen habe. Ter Angeklagte schließt hicranS auf cm gegen ihn gerichtete« Coniplot und 'chlendert gegen Hciieke' die gröbsten Beleidigungen. Er deichnldigl ihn des Tovpclspicls. der wissentlich falschen Teimneialio» »nd bezeichnet um und dze mit ihm ziilanimen agirenken vehrcr als eine Rolle von Pente», die geMeiii'chasnich Handlungen begebe», welche unter daS Llrasgefetz lalle». Er nennt die pehre» bewußte pügner, „die. zu ihrer schandlhat nur aus Furcht vor zntünsligen Nebeln' oder i» der Hoisnung tünsliger Bclohnnng ihre Unter nliriir - hergegeben Isällen". Ter AngeAagie behauptet weiter, daß seine schtv'iegermnlter, ivelche die Reinignieg der Schule besorgt, vom z'ehrer Heileke brutal behandelt ivorden >ei; er-beklagt sich über pnq, Trug.und Zchwuidel bei «einen Untergebenen und png, Trug und'Heimtücke des. seine» Eollege» :e. :c. ' Weil «chtveriviegender und be^emnizgsvotler sind die Angrine, ivelche der Angeklagte in «einer Broichnre gegen die s,ädti«che Berwaüiiiig izn Allgemeinen! »nd die städtisäp: Sctnitdepuialion ini Besondere» riäücl. Ein besonderes Eävilet - tvliicli sich „Ta! Fndenlbmn in der Berliner »««^tneindeverivattiing"'. Er bc I banpiet, daß die 'Berliner >««ei»eindeverivattnng ganz »nd gar in Fudenhände j gelalleu, inrd daß die stä'diiich'e SchMdepmarion zirnr größten Theil aus Fnden i besiehe. Wie viele Millionen bei ««rnndstücksankänieu unk Verkäufe., „nebenher" ' Nossen,' lane'nch schwer sagen. Er behauptet, daß in vielen Fällen anznkauseiide. '«lriindstücke in.die Hände von Lladlverordneie» oder deren Angehörigen gr raibeii rvären und dann mit nngehenrei» Rnven a» die Liadl verkamt, worden .«eien. Tie Eorruvtio», ivelche. dein ganz»> Fiihalt. der Bro'chnre nach in Berlin hrrrschon nmß, «nä-l der Angellagte durch gelegentliche lteine Geichichicn. . zu erweisen' 2 e erzäbtl er, daß ein gänzlich uniäbiger pebrer Rector geworden «ei. mir weit er i» der Fainilie des Tr 2 lra-ßui ann-Privaliinierricht gegeben liabe. Er behauptet, daß «ein irüherer S>b»tdie»er Auhnnin angesti'iel worden lei, ihm Entwürfe zp .-zeitungsariikesii, Verzeichnisse «einer Schütten und ähnliche Sache» zu stehlen, die der Behörde als Material. zm» Vorgehen gegen ibn dienen «ollren. Rack, «einer Bebatiplti>ig,«ec ei» von ihm naniba«l ge inackiter Vcbrgö von einem beniminie» Rector dircrl zu verbre>beri«äie» »and - lniigen a»sgesordert. die Tisciplinarnitterinchnng gegen ibn'«ei »m ganz nn lauicren Mittel» vorbereitet, worden. Säniimlichel Tiseipli»arn»leri»,«n»lge» dieser.An «eien bis dahin an städwche Beamte übertragen geiveie» und aus ' .diele Wci«e sei fast noch jeder Angellagte beteiligt worden, wunderbarerweile ielen dies aber immer r'emc >ei»er tüesinnnng gewesen Eine weitere Be hqzlptung. geht dahin, daß der Schtilinspeclor Tr. Fwick dritten Personen gegenüber von seinem heißen Wunich, den Aiigetlaglen gestürzt zu sehen, keinerlei Hehl gemacht, ja, veriproche» habe, näi demenigen ^dauernd zu merken, der dazu beitrage» würde. Tie Benreier der städtischen Schlildevntation hätten ihn in «einer ri»a»zielle.n stlotti unter dein Teckmanict der^ größten viberaütäl »>it vielen vergifleien 'Radetsticheii ,zn Tode gemartert. Schnliwpector Tr. Frvick habe dcil Hos a» Hol mit ibin wohttende» Rector F i c v veranlaßt, täglich ganz genaue Eoutcolnvlizcn über ihil > den Aiigetlaglen> z» iiiachcie und darüber:- Berichte aizznRr-iigeii, inan habe seiner Schule iminer dre schtechlesteil üinder zngeschickk,^andererseits sei rin Theil der seiner Schule überivieseiien Vedrer direct für-ihn ausgewählz.wurde», bei Beichnierdcn habe er oft.gar.keine Am wort crbatlen. und sei sriedlliid rechtlos -rütvorde». klin seine Tarstelluitg'voil der Berjndmlg der Berliner Eenieuideverivälttmg -und dein schädtichc» Emflune rer Fzide», in dieser Berwallung weiter'zu illustriren. übcrhäust der Angeklagte ' ipeciell »och de» Stadtralh Mammrolb nrii Aiiichmdigniigcii der «chwersten An »nd beschuldigt deiiiclden u. A ans einer städtische» Easie bedeutende «Ueldvorräthe zu entiiebmen mid da«ür Wech«cl zu hinterlegen i

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