Mannheim
Compact Memory

Freies Blatt · 1892-04-10 · 1 (10.4.1892) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
1 (10.4.1892)
Date
1892-04-10
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
80% known words query
IRI
…/4886575-5439132-5439183--0030-4886592
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

»Seite 2. freies Blatt. schon 1890 in Krakau in der unter I'eitung A. SzvjewSki'Sstehenden Verein.sdruckerei. /Während der ucuntägigen Andacht soll (Lottes 'Erbarmen für Pole»- angerufen werden. Einfür den neunten Tag bestimmtes liebet betrifft fpeciell Galizien, und die Andächtigen sollen da zun, .Heilcnid beten, daß es sich ihrer erbarme, sie n.icht verlasse und nicht in die Hände jener Kind« .überliefere, welche auf ihr Verderben sinnen. Ter Ueberschrift LeS den, »ennten Andachtstage gewidmeten Abschnittes ist nun folgende fVote beigegebe»: 7 „Tie Zeitung '(*ertttauia‘ und nach derselben polnische Blätler _i>erijffcntud)teH-tbcn neuesten Aufruf brr Pariser .Alliance Israt'lite“, «iMchSr jm Jahre lr-fAA an alle ji difchen Gemeindeir Galiziens tnschickt! wurde! Tiefer Aufruf la iket : Brüder und (Glaubens enoffen! In. der ganzen W6l -gibt e« gewiß keinen Erdenwintel, der ~ sich dazu, daß wir nnS feiner beniachtigeu und die ausschließliche - - Herrschaft daselbst erlange», so .gut eignen wurde wie gerade daS Vaud Golizien! Tiefes Vaud muß Unser jüdisches Vaud sein" — Alles begünstigt dielen Zweck! Beihnht euch daher, Brüder und Glaubensgenoffen, benlüht euch ntii aUjcn Klüften, dieses Vaud ganz in die Ehristeri elidlichheransz» damit ihr die alleinigen, nnbe- Bliunht euch, all das, was und festznballeik, und ivenn eure «Gewalt zu bringen, bemüht euch drängen anS allen ihren Bernfssphären schränkten Herren deS VandeSwerdet! deute »och jenen gehört, zu erhäsche! ihr-selbst dazu nicht die genügten Geldmittel besitzt, so wird nufer Berein euch so viel beschaffen, als nöthig fei» wird. Tie Sammliing - von Gaben für diefen Zweck l>ar fctiui begonnen und schreitet über alles Erwarten günstig vor Um den galizischen Bode» den Händen . der GaliziaiiFv zu entreißen und in eueren > jüdischen! ausschließlichen,. »" i."“ jU übergebe», betbeitigen sich die Reichen der ganzen Welt an LammlnnßenG J bic Rolmchilde, Bleichröder nnd die MeiidelS'ohne Llrengl daher, Brüder nnd (f'knnbeiisgenonen, alle eure .Kräfte »an, daimt dieses Ziel,- ivclches wireikcki gefleckt haben, möglichst rafch erreicht werde."; Tie AlliaW i' Israclitc-l’niv.-rsctl.; in Paris hatte diesen Erlaß, an welchem kein wahres Wort irr, bereits dreimal denstntiri. znern m ihrem Mo»aisberichke für ,>uni l>G9 nnd buti», ^nachdem er An etwas-veränderter ,m»t*i,i der rnkhenifchen ^Zeitschrift „Ezerwo naja RnL" und ans diefer iip'denifchei lleberfetznng' in der ,'Bi'ar bnt^er Zekning" .er'ckn'enen war, in Mein Monatsberickike. für Tev lember l*'s..*. Anck» üt ihrem Aalnesdericht» ma 1 ’—• 1 haue fie di eie ^Tendeiizlügen als. solche bezeickznci. Ter (Geistliche und derzeitige Rector der Krakauer- Universität, der bekeuinte ReichSratbsabgeordnete Tr Ehotkow-ski hak, wie ans dem Z^ebeibüchlem zu ersehen ift. dem sürstbifckwflichen Eonsi'fiorinin ein pfohlen, dasselbe mit dem ..li>i>aii„atiii-- zu versehen, weil er es als Eenfor ^h^rchgelefen nnd -darin nichts gefunden hätte, was der Vehre der hei ligen röiuifcherr Kirche zuwrderliefe Wir geben uns der zuversichtliche» Erwartung hin, Le Eminenz Eardinal Tnnajeivski werde, sobald ei oou dem UHilueu Lachverhalle Kenniniß erlangt, wohl finden, 'daß die Verbreitung von Tendenzlngen in einem Geberönche mit der Vehre nird dem Anfehen der römischen .Kirche nicht vereinbarlich 'i, u.„d die . Wenerve,breiki'ng nnierfageii ' - - v£hte neue jiiMfdie llnthat. -Unter lleberfdnift schreibt die .. K r e n;, e11n ng" : „Ans A ldr a n k i, a er.halien->vkr nnte'. dem Marz folgenden Bericht. „Leit einer Woche -befindet sich, die Bevölkerung von Port Said im ^Zustand äußerster Erregniig. lind auch in Aterandria in die Hat Utieg aller christlichen, Einwohner Veit. Anden gegenüber eine so drohende, daß täglich AilSbrizäie der Voltsleidenfchafl zu befürchten find ,Hildas bevoriteheride jndi'che Tsteifest find daher weitgehende niikitärifche Schntzmaßnahmeii angeoidnet, wie azfch nach Port Laid bereits mehrere hnnde.^ Man» Militär znm Schnpe der dortigen Anden . abgefauM ,.wnrdeil. Tie llri'ache tie'er Erbiiterli'iig gegen die Anden in allerdings, einst genng. äs;e durch enroväi'che >-«erichlsper>o:>en. eingeleiiete Unter ' inchnüg r.e vom 1 r» bis 1' Ä'iär, ii, Port Laid stailgehabiei, Unruben bat zu dem durch etwa dreißig einwandsfreie Zeuge» -christ lichdn nnd mlth nnmedani'chen Bekennliiiffes, welche den verschiedensten illaiionalitaten angdmrcjt,' erhärteten Ergebniß . geführt, d^ß am 17> '.Uiiitv, .teachiniktagS - gegen (> Uhr, iir dem Hanfe des- Anden E g r ih o it a ein vierjab> iges Ehristenkind geknebelt anfgefnnden wurde. Earmona. welcher im Altei von .V, Afcilnen ftgub nnd in dem feiriein r Hanfe benachbarten jüdi'ch-:» Temvel Tienste als Borbeier verrichtete,. hatte biß genannte Aitr:ft, '.Mene Ba filih s, Tochter des griechischen Trogniiken Andreas. Had'chi Vh-filios, welches anHder Ltra'ße vor der elterlickien Wohnung -'m ite. ch Be:!'-!--;ch„'„g von Znckeiiverk an! T \ v '' sich gelockt und irz^ein Hans geführt. Dfw Baker des ÄlndeS nicht anwesend, die .Mutter aber vermißte dre kleine gegen Rachmittags, worauf ihr alsbald von den Nachbarn mitgetheilt wurde,; daß man den Inden Carmona bei dem Kinde gesehen Hab«. Al»k die Rufe der Mutter hin ..inmelte sich schnell ein? Bolksmenge an, welch: das HauS des Juden umstellte und es zu sturmen droht«. Earmona kam selbst anS dem Haus« nnd betheuerte unter den heiligsten Schwüren, daß er das Kind, wedkr gesehen noch mit sich geführt habe, und da sich die Menge hiemit nicht znfriedengab, ließ er eine Anzahl Griechen 'mit der Mutter des Kindes in das Hans, ruit es zu durchsuchen. Vunge Zeit fand man nichts, so daß einige daS Haus schon wieder verließen, bis iiian endlich ein kleines, nach dem Hof gelegenes dunkles Gelaß entdeckte, welches der Jude jedoch nicht öffnen wollte. Man . schlug daher die .Thüre mit Gewalt ein und erblickte, nachdem der Ralim beleuchtet wurde, in der Ecke kauernd ei» altes Zudenweib, welches die Kleine mit verbundeneni Munde und Augen niederdrückte! , — Run freilich kannte die Wnth der T^olksmenge keine Grenzen mehr: die alte Andin ivnrde geschlagen, so daß sie bewußtlos liegen', blieb, der Ande Earmona blutete bald aus mehreren Wunde»: das Innere des Hauses wurde demolirt, und nur die herbeieikende Gendarmerie verhinderte die Brandlegnng des Gebäudes. Im Vaufc einer Ltunde hatte der Aufruhr die ganze Ltadt ergriffe», nnd die.Ehriste» drohte«, das , .ganze Indenviertel zu stürmen. Das egvptische und englische' Militär, welches bis auf den leptcn Man» aufgebotcii wurde, mußte daher schleunigst alle Zugänge znm Andenviertel' besetzen, doch dehnten lich die llüriihen mehrere Tage anS. Es trafen inzwischen »och weitere Trnppen ein, sowie auch die vieeköniglichen Üntersnchnngörichter, -welche jedoch, nltr den geschilderten Thatbestand als den thalsächlichen eonstatire» konnten." [ Eine iVtun. Blattes lautet: „Ter Jude Earmvna verstarb AO Ltnnden nach der Anfsindung des Kindes an er littenen Berwiiiidiingen: die Erregnng des Volkes war bejoiiderS deshalb so groß, iveil.der Jude in feinem langen weißen Enltnsgewand,- welches er als Vorbeler im Tempel zxng, vor der Menge erschien. Außer dem Earinona wurden noch sechs Inden von, der wüthenden Menge' tbätlich ange-griffe»: auch von diese» erlag einer den Ver levnngeii. Ter englische Polrzeieoniinifsär hatte etiva fünfzehn (^riechen, ivelche an den lltlrnhen theilnahmen, verhaften kaffe»: doch wurden dieselben durch 'die Verinilllnng des hellenischen Eynsnls wieder frei gegeben, da sonst die Aufregung der christlichen Bevölkeüing nicht hätte be'chwichtigl werden, könne». ES ist zivar die Ruhe wieder einigermaßen , hergestellk worden, doch verlassen viele Jude» i«it ihren Familien die ' Ltadt, da die gefainnite nichtjüdische Einwohnerschaft jeden Verkehr mit dem Andenviertel abgebrochen hat und demnach der Handel der Auden völlig lglmigelegt ist. Allgeinein wird verlangt, daß dieweitere geeicht liche Verfolgnirg dieser Vorgänge bei deni enropäische» Appellhos i» Alerandrien erfolgen möge." Tie „Krenzzeitnug" gibt den Bericht „olme Oü-nuilu", sie läßt fick> also ein Hinterthürche» osfe». Einstwejlen lhnl der Artilel seine Lchnldigkeit: die ..neue jüdische llnthat" macht durch -die antifemitifche Presse die Runde. Tem „Berliner Tageblatt" geht aber acks Port 3aiii aine Tan > fiellnmp. über didortigen Vorgänge zu,, welche ganz anders lautet als ' der Bericht der „-Krenzzeilnng". Unter dem 29. Mörz wird dem „Berliner Tageblatt." geschrieben: „Am ln. d. IV , 1 22 llhr Rachmniags, spielten in Port Laid Kinder in hetkönimlicher Weise mit einander, wie fie schon-ösker.vorher gelban, nnd zwar waren es dies mal ei» . «Riechen und ein Andenkind. An der Achtlosigkeit deS Ver- .giingtieiiis waren sie in ein nach der Lkraße gelegenes (de laß ekues .Hanfes izedrnugen, in welchem die (Großeltern deö Audentindes. wohnen .nnd in dem, verhängnißvollerweise, in einem nach hinten hinaus gehenden Raume auch der Betsaal der Asraeliten Port La'ids — es find deren etwa I."> Fainilien — sich befindet. Tas vorerivahnte-"'elaß war mit. einem -in(' von 'nnßen zu öffne »de n alten L ch »a pp sch l o ff e versehen, nnd die Kinder hattonj in der Hast des Lpieles, die Thür geräufchvolt hinter sich zugeworfen.: als. sie sich beide gefangen sahen, begannen sie laut zu klopfen. Ten Vorgang hatten int gegenüber gelegenen Kasfeehanse beim Lpiele fitzende und müßig nniherlnngernde (driechen, -die unterste Hefe der Hafenstadt, bemerkt, nnd mit entsetzlicher Schnelle durchzuckte das Hirn, der entnientschteu Horde die wahnwitzige Eonck'ination vom , Tsteifest, der Limagoge nnd dem ritnellen Morde. Gedacht, gethan, stürmt die Menge über hie Straße, dringt ins Hans nnd pocht an das Thor des Betfaales,. in welchem gerade des Indenkindes Groß vater,» der *."> Jahre alte n n d erblindete Kauf mann „Ear r moiia, feine Andacht 'verrichtete. - Tie im nämlichen Hanfe wohnende Iran desselben, der griechischen Sprache mächtig, vernimmt das an ftchlvellende Toben des Mobs nnd deffen Verwünschungen: nichts- <d»tes

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.