Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1932-02-01 · 11 (2.1932) · p. Seite 136

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
11 (1931-1932)
Issue
11 (2.1932)
Date
1932-02-01
Page
Seite 136 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4885084-6352739-6352958--1439-4886438
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 136 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Nr. 11 f der einen suggestiven Einfluß auf seine Anhänger ausUbt, und der «eine Hand bei einem großangelegten Betrüge mit einem Diamanthalsband mit im Spiele hat. Bei einer mit allen Schikanen aufgezonenen Sitzung einer ägyptischen Loge läßt er ton einer jungen Dame in einer erleuchteten Glaskugel Geister selten, die die Zukunft Vorhersagen. In Wirklichkeit ist alles eine abgekartete, vorher verabredete Sache. Seine Schüler und Anhänger sind alle mehr oder weniger dieses „Meisters“ würdig: Die Marquise ist die geistige Urheberin des Millionenbetruges, mit dessen Hilfe-sie ins Ausland gehen und dort an der Seite ihres Mannes herrlich und in Freuden leben will. Dieser, ein Wüstling, ein eitler aufgeblasener Geck, plant aber, statt mit seiner Frau, mit seiner Nichte, die er verführt hat, /u fliehen. Der Domherr, ein ehrgeiziger Streber, will mit Hilfe des Diamanthalsbandes die verlorene Gunst der Fürstin wieder gewinnen. Er spielt die Rolle des betrogenen Betrügers. — Eine relativ sympathische Gestalt ist die des Ritters, eines Freimaurers im 1. Grad. Er hat 'die freimaurerischen Lehren in ihrer reinen, einfachen und unverfälschten Form in sich aufgenommen und bringt dies bei der Prüfung, die der Groß-Kophta mit ihm zum Zwecke der Beförderung in einen höheren Grad \ornimmt, zum Ausdruck. Der Domherr, ein Freimaurer in einem höheren Grade, ist bei der Prüfung zugegen. Er belehrt den Ritter, daß diese Lehren nur für Naive, für Anfänger sind. In den höheren Graden kehrt man sie in ihr Gegenteil um, damit man Macht und Einfluß ayf die anderen Menschen gewinnt: Alles für sich, nichts für die anderen. Der Ritter, aufs tiefste enttäuscht, aller Ideale beraubt, ist Dem Orden gehören nicht mehr an: Deutsche Reichs-Loge. -Rudolph Arnheim, Grunewald, Fontanestr. 13. Otto Georg Frcyer, W 15, Kurfürstendamm 135. Fritz llof [mann, W 10, Hohenzollernstr. 9. Max Krunheim, Wilmersdorf, Konstanzer Str. 9. Georg Lewinsohn, W 30, Freisinger Str. 19. ' Moritz P a 1 i w o d a, NO 55, Bötzowstr. 9. Max Rosenberg, Halensee, Hektorstr. 15. Franz Tuchler, NW 87, Solinger _ Str. 11. Berthold Auerbach-Loge: Kurt Goldschmidt, Halensee, Hektorstr. 15. Rechtsanwalt Fritz Story, W 15, Lietzenburger Str. 17. Montefiore-Loge: Max E g e r, NW 40, Thomasiusstr. 14. Direktor Carl G o 1 d b e r g, W 15, Brandenburgische Str. 38. Direktor Ludwig Warschauer. Grunewald. Cronberger Straße 11-13. Spinoza-Loge. Rabbiner Dr. Joseph Lehmann, W 15, Sächsische Str. 6. UNSERE TOTEN Der, Orden beklagt den Heimgang folgender Brüder: .Name Eingetret. Geboren Verstorben Deutsche Reichs-Loge Hermann Levy 29 12.1909 15. 4.1857 Berthold Auerbach-Loge Jac. Levy 26. 1.1920 23.11.1876 Montefiore-Loge Max Lewit 24. 2.1920 20. 3.1873 Spinoza-Loge Siegfried Cohn T 18. 4.1912 31. 7.1880 2. 2.1932 Ehre ihrem Andenken! 19. 1.1932 2. 1.1932 5. 2. 1932 entsetzt über diese Auslegung und verzweifelt an der ganzen Freimaurerei. Geschickt - zieht der Groß-Kophta sich aus der -Affäre: Man wollte ihn nur in Versuchung führen, die Prüfung habe eben darin bestanden; er habe sie glänzend bestanden und sei reif nicht nur für einen höheren Grad, sondern sogar für die Würde eines Meisters. Der geschickt angelegte Betrug mit dem Halsband wird schließlich vom Ritter verraten, weil er sich einen persönlichen Vorteil davon verspricht, und alle Schuldigen (fehen schließlich ihrer Bestrafung entgegen. Der Groß-Kophta ist kein anderer, als . der berüchtigte Schwarzkünstler „Graf“ Cagliostro, mit richtigem Namen Josef Baisamo, Vier Ende des 18. Jahrhunderts so viel Aufsehen erregt und di« halbe Welt mit seinen Zaubereien und Geisterbeschwörungen in Atem gehalten hat. Es gelang ihm, in den Freimaurerorden aufgenommen zu werden und dadurch Zutritt zu hohen und höchsten Kreisen zu erlangen, die er dann z. T. nach seiner Weise bezauberte und an der Nase herumführte. Er hat sogar eine eigene Loge gegründet. Die berühmte Halsbandgeschichte spielt am Hofe Ludwigs XVI. und Marie Antoinettes. Sie hat viel Staub aufgewirbelt, den Hof in Mißkredit gebracht und durch die Erregung, die sie beim Volk verursachte, mit zur Revolution beigetragen. Cagliostro kam in den Verdacht der Mittäterschaft, wurde in die Bastille gesetzt, aber nach einem Jahre aus Mangel an Beweisen freigelassen. In Rom wurde er wegen Ketzerei später zum Tode verurteilt, jedoch begnadigt. Er starb kurze Zeit danach. Der Domherr ist Kardinal Rohan, auf den ebenfalls ein Verdacht fiel. Goethe, der sich für diese Geschichte sehr interessierte und über Cagliostro eingehende Erkundigungen in dessen Vaterstadt Palermo einzog, hat diese Affäre im Groß- Kophta verewigt. Er wollte damit u. a. die an bestimmten Höfen herrschende Unmoral geißeln. Seinen Begriff vom Wohltun drückt Goethe mit den Worten aus: „Mann mit zugeknöpften Taschen, dir tut keiner was zu Lieb’. Hand wird nur von Hand gewaschen, wenn du nehmen willst, so gib!“ — Diese Art von Wohltun, die auf Gegenseitigkeit und Belohnung hofft, ist freilich nicht im Sinne der freimaurerischen Lehren. — Die Loge Amalia.^wurde im Mai 1808 wieder eröffnet. Bei der Eröffnungssitzung waren außer dem Protektor Herzog Emst August unter den Brüdern so viel bedeutende Geister, so' viel Leuchten der Kunst und Wissenschaft vertreten, wie sie wohl noch nie eine Loge aufzuweisen hatte. Es war, wie der Logenmeister, Staatsminister v. Müller, sagte, eine solche Fülle von geistigem Kapital vertreten, daß diese Loge allen anderen für alle Zukunft als unerreichbares Ideal vorschweben wird. Goethe besucht die Sitzungen in der ersten Zeit regelmäßig, läßt sich aber später öfter entschuldigen, und bei der zunehmenden Arbeitsüberlastung kann er schließlich nicht mehr an den Sitzungen teilnehmen. Immer aber nimmt er den regsten Anteil am Logenleben und an allen wichtigen Logenereignissen, und, wie aus seinem Tagebuch hervorgeht, läßt er sich über das Wichtigste Bericht erstatten, meist von seinem Sohne August, den er selbst in die Loge eingeführt hat. Wiederholt stiftet er aus Anlaß von Feierlichkeiten Beiträge. So bei der Beförderung seines Sohnes das Gedicht: „Verschwiegenheit.“ Bei einer anderen Gelegenheit den „Dank des Sängers“. Für ein Stiftungsfest den „Gegentoast der Schwestern“ und drei Gedichte für die große' Schwesternloge des Jubiläumsjahres 1825. Die meisten Reden und Gesänge, Beiträge und Anordnungen werden vorher von ihm einer Prüfung unterzogen. Ein oratorisches Meisterwerk ist die Rede, die Goethe bei der Trauerfeier für seinen Logenbruder Wieland hielt. Nur r

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.