Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 11 (1931-1932)
- Issue
- 11 (2.1932)
- Date
- 1932-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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derBERLINE ,0€ E N U.O.RB. BERLIN W62, KLEISTSTR. 10, LOGENHAUS 11. JAHRGANG FEBRUAR 1932 / NUMMER 11 f / Goethe und die Freimauerei Von Br. Max Wachsmann (J. F. L.). Das Geheimnisvolle, Mystische, Rätselhafte hat auf Goethe schon in seiner Jugendzeit einen großen Reiz ausgeübt. Das war vielleicht der Grund, weshalb er schon als löjähriger Jüngling „mit heißem Bemühn“ die Aufnahme in die „Arkadische Gesellschaft Philandria“ in seiner Vaterstadt anstrebte. Aus jeder Zeile seines damaligen Bewerbungsschreibens an den Meister der Loge, v. Buri, geht hervor, wieviel dem jungen Goethe an der Aufnahme liegt. Er bittet u. a. um eine persönliche Unterredung; und um Buri vorzubereiten und ihm Enttäuschungen zu ersparen, schildert er ihm offenherzig alle, auch seine schlechten Eigenschaften: Er 'sei heftig, ungeduldig, befehlshaberisch, aber er kann, wenn es sein muß, auch gehorsam sein und sich unterordnen. Sogar auf sein Aeußeres bereitet er ihn vor. Und nach dieser Beschreibung muß Goethe in dieser Zeit eine schlechte Meinung von seinem Aussehen gehabt haben. Buri macht ihm Hoffnung auf Erfüllung seines Wunsches und stand seinem Gesuch tatsächlich wohlwollend gegenüber. In der Zwischenzeit läßt der Meister durch einen Logenbruder Auskunft über Goethes Persönlichkeit einziehen. Dem jungen Goethe dauert das jedoch zu lange, und er schreibt noch zwei weitere Briefe. Inzwischen geht die Auskunft ein. Sie ist aber so schlecht, daß an eine Aufnahme nicht zu denken ist. v. Buri schreibt an den betr. Bruder: Wenn Goethe so unverschämt sein'sollte, sich noch einmal zu melden, so erhält er keine Antwort. Einige Jahre später, als Goethes Stern aufgeht, bemüht sich die Loge selbst um seinen Eintritt,-natürlich vergebens. Auch Lillis Bekannte haben später vergeblich versucht, ihn zum Eintritt in eine Loge zu bewegen. Er bedauert nachher selbst, damals nicht eingetreten zu sein und sagt, cs wäre eine Verrücktheit von ihm gewesen; denn die Loge hätte ihm in seinen Bestrebungen förderlich sein können. In die Lehren der Freimaurerei hat ihn wohl Herder in Straßburg zuerst eingeführt. Während seiner Wetzlarer Zeit wird er Mitglied einer „Rittergesellschaft“, eines jener seltsamen, philosophischen Orden, dem ein „Heermeister“ vorsteht, und dessen Zusammenkünfte durch gewisse Rituale und Gebräuche geregelt waren. Fünf Jahre nach seiner Berufung an den Weimarer Hof tritt Goethe in die dortige Loge „Amalia“ ein (1780), der er über 50 Jahre, bis zu seinem Tode treu blieb. Schon ein Jahr nach seinem Eintritt wird er Geselle und nach einem weiteren Jahr Meister. In demselben Jahr aber wird die Loge wegen der damals herrschenden Systemstreitigkeiten, vor allem durch die „strikte Observanz“, die den ganzen Orden erschüttern, geschlossen. — Magiker, Schwarzkünstler, Geisterseher und Goldmacher hatten im Orden Eingang gefunden und sich Anhänger zu verschaffen gewußt. — Die Loge blieb über 25 Jahre ' , geschlossen. Im Gegensatz zu dem großen Interesse, das Goethe sonst dem Orden entgegenbringt, stellen zwei Berichte an den Herzog Hon' Weimar, der ebenfalls Mitglied der Loge Amalia war. In dem einen Bericht hat er Sehr abfällig über das geistige Niveau einer Sitzung geurteilt, -sich sogar über einige Beamte und den deputierten Meister lustig gemacht.: Bei dem anderen handelt es sich um die nachgesuchte F.rlaubnis zur Gründung einer neuen Loge in Eisenach. Goethe rät davon ab, da sie „ein Staat im Staate sei“. . j , In der Zeit, du die Loge ruhte; entstand auch dus Bühnenwerk: Der Groß-Kophta, daS z. T. (in Freimaurerkreisen spielt.' Die Erstaufführung war 1.791.. Ein'Juhr später erschien cs im Druck. .— Wer den Groß-Kophta 'liest, ohne die historischen Hintergründe, Ereignisse und Personen dieses Stückes zu kennen, bekommt den Eindruck, daß Goethe die Freimaurerei damit verächtlich und lächerlich machen, ‘ihr einen vernichtenden Schlag versetzen wollte. Der Groß-Kophta, ein Graf, das Oberhaupt eines ägyptischen Freimaurerordens, steht anfjpblich mit der Geistcrwelt in Verbindung, einzelne' Geister sollen ihm , sogar dienstlich sein. In Wirklichkeit ist'er ein Scharlatan, UNSER LOGENHAUS Wir fordern das Interesse unserer Brüder für unser Logenhaus, das wirtschaftliche Rückgrat unserer Logen! - -Wir bitten unsere Brüder,' alle ihre Veranstaltungen, Familienfeiern usw. im Logenhause auszurichten. Alle Brüder, die in jüdischen Organisationen* mitarbeiten, müssen sich dafür einsetzen, daß die ihnen nahestehenden Vereinigungen ihre Tagungen und ihre Feste in unseren geschmackvoll renovierten Räumen abhalten. Unser Haus bietet den besten Rahmen für jede Veranstaltung, und es dürfte bei der gegenwärtigen Zeitlage angemessen sein, gerade jüdische Veranstaltungen in einem jüdischen Hause, in jüdischer Umgebung abzuhatyen. Unsere Preise tragen, den Zeitvcrhältnisserr in weitest-, gehendem Maße Rechnung: ' Der Ausschuß für die gemeinsamen Angelegenheiten * der Berliner Logen U.O.B.B., N-o rden.