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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1932-01-01 · 10 (1.1932) · p. Seite 125

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
11 (1931-1932)
Issue
10 (1.1932)
Date
1932-01-01
Page
Seite 125 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 10 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Seite 125 Leben, erfüllt von dem Leben von Jahrhunderten, ein jeder trügt in sich das Kümpfen und Ringen, das Schauen und Hören all der Generationen, denen das alles Schicksal gewesen ist. Nur der kommt wirklich zu sich selbst, zu dem diese Jahrhunderte kommen, nur der findet sich selbst, der. dieses Leben in sich wieder findet. Die Mission des Ordens liegt nicht hinter uns, sondern vor uns. Für diese Mission müssen wir Brüder und Mitstreiter suchen, vor allem unter unserer Jugend, die uns heute vielleicht noch fernsteht, weil sie uns nicht kennt. Wir müssen ein jeder für sich und alle in brüderlicher Gemeinschaft versuchen, soweit es in unseren Krüften steht,, dem ringenden, kümpfenden, * drüngenden Leben seine Schürfen zu nehmen, indem wir übef dem Trennenden das Verbindende, über dem Kampf die Liebe suchen, die Liebe zu allem Guten und Edlen, die Liebe zum Nüchsten, die Liebe zur Menschheit. Wir. wollen mit Moses Mendelsohn \ nach Wahrheit sbchen, die Schönheit liepen, das Gute wollen das Beste tun^' Namens der Großloge beglückwünschte Br. Vize-Großprüs. Walter die Akiba Eger-Loge. Er ging davon aus, daß das Handeln des einzelnen Menschen für eine Gemeinschaft immer schon im Augenblick des Handelns selbst schöpferische Bedeutung habe, weil sie sich im guten oder im bösen Sinne immer für die Zukunft auswirke. Er bezeichnet es als V'erdienst der Brüder, die vor 10 Jahren die Akiba Eger-Loge errichtet haben, dje Brüder, die in dem abgetretenen östlichen Teile unseres deutschen Vaterlandes für den Logengedanken tütig waren, dem Orden erhalten zu haben, so daß sie nicht, wie Brüder anderer abgetretenen Gebiete, deren Logen aufgelöst wurden, dem Orden entfremdet wurden. Darum habe die Feier, die heute stattfindet, eine Bedeutung für den Orden und weit über den Kreis der Akiba Eger-Loge hinaus. Br. Vizeprüs. Emil Bernhard Cohn von der w. Gabirol- Loge führte als Vertreter des Berliner Logen-Verbandes folgendes aus: Er müsse sich eigentlich wundern, daß in den schönen und von hohem Geiste getragenen Ausführungen seiner Vorredner nicht ein einziges. Mal derjenige Name vorgekomraen sei, den die jubilierende Loge seit nunmehr 10 Jahren in Ehren trage Man möge ihm diese kritische Bemerkung nicht verübeln, sondern es gerade als einen besonderen Glückwunsch empfinden, wenn er in diesem Sinne hinzufüge, daß es ihm manchmal scheine, in den weihevollen Stunden unserer Logen gelte das Wort mehr als die Gestalt und der Mensch selber. Es sei so leicht, hohe Worte zu prügen und im Rausch erhabener Empfindungen mehr dem Worte zu dienen als dem Mann mit seiner Tat und seinem Leben. Und doch beweise die Tatsache, daß die meisten Logen den Namen eines Mannes tragen, zur Genüge, daß bei uns der Name nicht Schall und Rauch, sondern eigentlich das Wesen der Dinge sei. Und nun noch heute und hier der Name, eines Akiba Eger, der ein Großer in Israel war, ursprünglich ein Umstrittener, von Jahr zu Jahr aber immer mehr der Führer nicht bloß seiner Gemeinde, sondern eines ganzen Landes werdend und bei Jude und Christ als „Papst der Juden“ berühmt. Und was für ein Führer! Ebenso streng gegen sich selbst wie duldsam gegen die anderen. Br. Cohn führte sodann aus den Erinnerungen seiner Familie Beispiele des Menschen Akiba Eger an und suchte zu zeigen, wieviel stürker die lebendige Gestalt eines großen Menschen über die Zeit hinaus zu wirken vermag. Er bat die Brüder, alle Zeit dem Bestreben zu dienen, dem in Wirklichkeit jede Loge sich hinzugeben habe: das Wort zu bekümpfen und dafür die Tat einzusetzen. Die großen Münner unserer Geschichte waren immer Feinde des Wortes; Worte schwinden, und der Mensch bleibt. In diesem Sinne begrüße' er die w. Akiba Eger-Loge zu ihrem Jubulfeste und wünscheihr noch viele JahrSv des Wachstums, der Blüte und des Handelns im Geiste ihres großen Numenstrügers. Zuletzt nahm der erste Präsident der Akiba Eger-Loge Br. Exprüs. Georg Aronsohn, das Wort: Die 10 Jahre unseres Logenlebcns sind nicht in gleicliinüßiger Bahn verlaufen. Sie zeigten das Auf und Ab der ereignisreichen inneren Geschichte Deutschlands und namentlich der deutschen Judenheit. Die acht Präsidenten, deren Wirksamkeit gedacht worden sei, dürfton ein Gefühl «ler Genugtuung empfinden, weil inan von ihnen sagen könne, daß sic — wie beim Chanukkahleuchter — immer ein neues Licht in der Loge Verbreitet hütten. Ihre historisch echte Aufgabe, den Brüdern der östlichen Logen im Verein mit Berliner Brüdern, die Vertauschung der Heimat zu erleichtern, sei jedenfalls'erfüllt worden. Ohne den in 'der Loge gewonnenen gemeinschaftlichen Boden würe es den Brüdern gewiß schwer gewesen, unter denneuen Verhältnissen Wurzel zu fassen. Bei den unvermeidlichen Gegensätzen der verschiedenen weltanschaulichen und jüdischen Einstellungen würde dies nicht geglückt sein, wenn nicht stets der brüderliohe Geist der Versöhnlichkeit sich durchgesetzt hätte. Als ich vom Stuhl des Präsidenten abtrat, bin ich Vorsitzender des Friedensausschusses und des Ehrengerichts geworden und kann zu meiner Freude sagen, daß ich fast garnicht in Tätigkeit zu treten brauchte. Br. Expräsident schloß mit dem Wunsche, daß die Treue zur Loge auch in den nüchsten zehn Jahren sich bewähren möge. Hierauf beendete Br. Präs. Chone die-Festsitzung. Die Teilnehmer blieben zu einem schlichten Essen vereinigt. » » Winterhilfe der Berliner Logen U.O.B.B. von Br. Expräs. Berthold Katz (B.T.L.). Der Gemeinsame Wohlfahrts-Ausschuß der Berliner Logen hat am 1. Dezember 1931 die Winterspeisung der Berliner Logen U.O.B.B. in .den von der Jüdischen Gemeinde zur Verfügung gestellten ' Räumen Berlin O 27, Blankenfelde Str. 10, eröffnet. Wie groß das. Bedürfnis. nach einem warmen Mittagessen ist, möge daraus erseljeh werden, daß wir mit 45 Speisenden begonnen und nach Verlauf von drei Wochen bereits etwa 100 Mittagessen täglich - ausgeben konnten. Wir legen Wert darauf, den Bedürftigen, die von uns Mönatsausweise erhalten, ein schmackhaftes, vor allem aber kräftiges und nahrhaftes Essen--zu verabfolgen. Wir wissen, daß wir noch nicht genug tun angesichts des .großen Elends und der furchtbaren Not, aber wir haben doch das Bewußtsein, etwas zu tun, indem wir " täglich 1*00 hungrige Menschen speisen und ihnen den Glauben an die Menschheit erhalten. Mit herzlicher Dankbarkeit stellen wir fest, daß die Logen und einzelne Brüder unserem Ersuchen, Mittel für die Winterspeisung zur Verfügung zu stellen, rasch und freudig nachgekommen sind. Wollen wir aber das begonnene Werk .durchhalten und nach Möglichkeit ausbauen, dann brauchen wir weitere Mittel. Wir haben das Vertrauen, daß uns die Brüder nicht im Stiche lassen, vielmehr durch reichliche Spenden dokumentieren werden, daß der erstf Begriff unserer Devise „Wohltätigkeit“ noch immer wach ist in unseren Herzen, trotzeigener Sorgen und Nöte. Wir erbitten Gaben durch die Logen oder unmittelbar an das Büro der Berliner Logen U.O.B.B? Berlin W62, Kleiststr. 10.

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