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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1931-10-01 · 7 (10.1931) · p. Seite 84

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
11 (1931-1932)
Issue
7 (10.1931)
Date
1931-10-01
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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Seite 84 Nr. 7 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.Ba Sein Ziel war: \ er\oilkommnung; seine Lehre: Menschenliebe. Noch unter dein Kindruck der Schreckensbotschaft seines so fange befürchteten und doch früh hereingebrochenen Ablebens, überwältigt vom er'sten Schmerz, ist es schwer möglich, die reiche, tausendfältig ausstrahlende Persönlichkeit, die vielseitige Betätigung Berlh. Timendorfers zu würdigen, seine überragenden Leistungen aufzu/ählen, von dem weitreichenden, tiefgehenden Einflußzu berichten, den er ausgeübt. All dies bleibt einer gefällteren Stunde Vorbehalten. Die fruchtbare, einigende, schöpferische, unendlich segenspendende Wirksamkeit Berthold Timendorfers ist unserer Brüderschaft ohnedies vertraut und gegenwärtig. Diese Worte im ersten Augenblick sollen zunächst nur der Trauer um den entschlafenen Freund, gelten, dem lieben, treuen, .gütigen Menschen. \\ ie er^clbst hinter allen Leistungen, Talenten, traben und Bewegungen stets das Menschliche,, das Persönliche sah, so tritt uns an dem bedeutenden Großpräsidenten vor allem der gewinnende, alle ller/cn einnehmende Mensch ins Bewußtsein. Er blieb seinem nächsten Kreise der zärtlichste, liebevollste, treusorgendc Vater der Familie. * , Und doch war” er. eigentlich^ nie so recht Privatmann; alles an ihm. in ihm/ um ihn stand im Dienste seiner Aufgabe an der Spitze des Ordens. , . Deutschtum und -Judentum;verschmolzen bei ihm zur vollendeten Einheit. Er war mit dem grollen Deutschland groß geworden; der glanzvolle, machtvolle Imperialismus des Reiches gab ihm die Folie für den von ihm vertretenen Ordensimperialismus. J)as besiegte, aus vielen Wunden blutende, um seine Existenz ringende Deutschland, das trübe entmutigende Weltbild, die neuzeitige Anfeindung des-, Judentums, zermürbten seinen Lebensmut. An Deutschlands geistigem, kulturellem. humanitärem Ansehen hatte Berthold Timendorfer, als -einer der Führer der Judenheit, in seiner Art und in seinem W irkungskreise redlich mitgearbeitet. Der Absturz Deutschlands warf ihn n:C|ler: eine glühende Hoffnung und Sehnsucht nach erneutem Aufstieg -bräunte' in seiner .Seele^ Er. der gewohnt Wjir, in unverwüstlicher, sonniger Dascinsfreude dem Leben zu vertrauen, sah am Ende seiner Tage nur die düsteren Schatten. Er vermochte sich nicht mehr so recht zu dem Glauben aufz.uraffcn, daß auch ^lie sorgenvolle Jetztzeit 'nur Ucbergang sein kann zu weiteren Daseinsformen, Etappe vielleicht auf dem Wege zu künftigen Neugebilden des einträchtigen Zusammenschlusses, r der Versöhnung und der Wohlfahrt der Völker und der Menschen? Uns, seinen Epigonen, hinterläßt Berthold Timendorfer neben den Kümpfen, die wir in dics.er Bedrängnis zu bestehen haben, nun auch den unermeßlichen Schmerz um seinen Heimgang, den bitteren Verlust, den dieser uns bedeutet. In allem Schweren aber, das uns auferlegt ist, bleibt uns die Erinnerung an BArthold 'Tiinendorfer Stab und Stütze, bleibt uns das 'Vorbild des Toten eine lebendige Quelle der Aufrichtung. Im Andenken an den Verklärten suchen wir Trost 1 in unserer Trostlosigkeit. Einst sprach Jonathan zur David: „Deiner wird alle Zeit •gedacht werden.“ Auch unseres teuren, königlichen Freundes wird stets - und immerdar in unauslöschlicher Liebe und unwandelbarer Dankbarkeit gedacht werden, wenn die Ideale des Ordens hervorgeholt, gelehrt und betätigt vterden, wenn sich die Brüder unseres Bundes dem Dienste der Menschheit weihen. In Berthold Timendorfer tragen wir unsere schönsten Ordenserinnerungen zu Grabe. Das Ewige stirbt nicht, das Ewige auch nicht an Berthold Timendorfer, an seinem geistigen Vermächtnis, an den Offenbarungen, die sein Ilerz uns hinterlasscn. Der andachtsvolle Gedanke an ihn und an alles Erhebende, Bleibende, das ihn uns unsterblich macht, mahnt uns, uns nicht in untätigen Klagen zu ergehen, nicht zu erlahmen auf dem Wege, den er uns gewiesen und auf dem er uns vorangeschritten als der Besten einer. Der Tod soll nicht Zerstörung und Vernichtung sein, sondern Hinweis zum Leben, zur Pflicht, zur Fortführung und Weitergcstallung unserer Aufgaben. Nur dann und nur so vermögen wir Berthold Timendorfer zu ehren. Wie bei Wenigentrifft aHf ihn. den Unvergeßlichen, das Wort unserer Weisen zu: ..Die Frommen und Gerechten werden nicht durch ihre Leichensteine ausgezeichnet, ihr Leben ist ihr »Denkmal!“ Von Br. Hugo RosenJTcrg Offenbar gibt es nichts in der Wert, das so schlecht wäre, daß es nicht auch Gutes in sich tragen -könnte. Als vor etwa 50 Jahren der Königliche Hofprediger Ac^S^lf Stöckerujjseligen Angedenkens seine antisemitischen Ilaßgedanken wüten ließ und damit die Hirne’ von Tausenden und aber Tausenden verwirrte und zum Judenhaß aufpeitschtc. hofften wir Juden in stiller Resignation, daß auch diese Prüfung an ""'Unsere toten " - Der Orden beklagt den Heimgang folgender Brüder: Name Eingetret. Geboren Verstorben Deutsche Reichs-Loge- Leopold Guttentag 5.11.1910 20. 7.1846 27. 8.1931 Benno Segall , 9. 1.1909 22.10.1855 16. 9.1931 Alexander Schmidb 3. 1.1920 19. 5.1865 19. 9 1931 Bert 'ü. o J d-Auerbach-Loge Max Michalski 21. 3.1904 2. 8.1872 10. 9.1931. Siegfried Neumann 7. 9.1885 8 7.1848 14 9.1931 Hermann Swiemer 2.;. 5.1906 8. 2 1863 1.10.1931 Ehre ihrem-Andenken I des V erbandes der Berliner Logen. ugs vorübergehen würde, ohne dauernden Schaden anzurichten. Lnserc Hoffnung erschien uns um so begründeter, als christliche Männer von edler Denkart sich gegen den Antisemitismus aufstcllten, von.ihm weil abrücklen und'ihn als niedrig, verwerflich und unwissenschaftlich brandmarkten. Kaiser Friedrich nannte ihn die Schmach des .Jahrhunderts. In diese Zeit allgemeiner Verwilderung und Verwirrung fiel die Gründung der ersten Loge des Ordens Bne Brith in Deutschland, der Deutschen Rcichsloge. Ihre Gründung wird das, unvergängliche Verdienst unseres v erstorbenen Bruders Julius FenchdJ bleiben. Wir wissen, mit welcher sieghaften, keine Hindernisse achtenden Begeisterung neben Fenchel u. a. die BBr. Berg ei, J a b 1 o n s k v, Joachim, Mayer, VVolff die Fundamente des Ordens gelegt und gefestigt haben, und es ist bestimmt nicht nur der Ausdruck einer respektvollen Pietät, wenn wir auch heute noch dieser Größen unseres Ordens in unwandelbarer Verehrung gedenken. Wenn andererseits-unser stolzer Ordensbau bis auf den heutigen Tag als ragendes Monument edler Humanität, echter Brüderlichkeit und lieispiejgehender Opferfreudigkeit gilt und allgemein anerkannt wird, so beweist dies, daß die Spateren sieh des Erbgutes würHig erwiesen haben. War es nun auch nicht immer leicht, über die sich häufenden Schwierigkeiten der Kriegs- und Inflalionsjahre ‘hinweg- Zum Ordenstag (D. R. L ), Vorsitzender

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