Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 11 (1931-1932)
- Issue
- 4 (7.1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 48 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 48 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Nr. 4 Das persönliche, freundschaftliche Verhältnis zwischen den Brüdern unserer Loge gestaltete sich immer enger. Wir können auch den vergangenen Termin mit Genugtuung als einen harmonischen bezeichnen. Dies kam schon dadurch zum Ausdruck, daß irgendwie nennenswerte Abstimmungen nicht erforderlich wurden. Dankbar muß anerkannt werden die sehr eifrige Mitarbeit der Expräsidenten sowie der Ausschüsse und des Bcamtenrates, der alle Vorlagen auf das sorgfältigste vorbereitete, und dadurch die Logensitzungen von vieler Kleinarbeit befreite. Wir begannen den Termin mit 135 Brüdern, von denen sieben Brüder, und zwar fünf durch Abgang, und leider auch zwei durch Tod ausschieden, während wir die Freude hatten, vier Brüder, die allerdings deAi Orden schon früher angehört hatten, unserer Loge neu hinzuzuführen, so daß wir den Termin Aiit 152 Brüdern beschlossen. Die Besuchsziffer an den einzelnen Logcnabcndcn mit durchschnittlich 36®,i) entsprach der Frequenz der Vorjahre. Wir haben dabei festgestellt, daß etwa zwei Drittel unserer Brüder zu den .regelmäßigen Besuchern, die mit der Loge eng verbunden sind, rechnen, während es uns leider nicht gelang, das restliche Drittel soweit zu aktivieren, daß sie durch häufigeren Logenbesuch ihr Interesse an unseren Bestrebungen dokumentierten. Leider nahm auch in diesem Termin eine Anzahl von Brüdern überhaupt an keiner Sitzung teil. Zum Schluß geben wir der Hoffnung Ausdruck, daß in dem. jetzigen 10. Logenjahr unsere 1. Loge sich weiterhin entwickeln möge zu einem engen Kreis von wertvollen Logenbrüdern, die nicht nur selbst Befriedigung finden in ihrer Zugehörigkeit und Mitarbeit, sondern die auch im Sinne unseres Ordensgedankens nach außen Vorbildliches leisten. Curt Munter, - Präs, des Termins 1930 31. Der jüdische Mensch in Büchern Von Br. Israel ~A u e r b a ah (T. J. L.) Zwiegestallig erscheint der jüdische Mensch im Buch von heute: als sein "Schöpfer und als seiije Schöpfung; in der ersten Gestalt, als der literarische Mensch, häufiger als je zuvor. Und je mehr der jüdischen Schriftsteller und Dichter in allen Ländern wachsen, um so mehr wächst das Geschrei von der Verjudung der Moderne. Am lautesten, wo sie neue Ideen oder Formen krelren, die verdammt werden, aber Schule machen, auch bei nichtjüdischen Geistern. Kein Zufall, daß zu diesen Formen die neuzeitliche Biographie gehört, Schöpfung der Brandes, Gundolf, Andre Maurois, Ludwig. Es liegt an unserem ewigen Wanderertum und Wurzelschlagenmüssen, daß uns das Hineinfinden in fremde Art Lebensnotwendigkeit und zweite Natur wurde. Auf dem Wanderweg wurden unsere Dichter und Forscher zu Deutern und Entdeckern von Ländern, Zeiten, Kulturen und Menschen. Unter sie ging auch Jakob Wassermann mit seiner Monographie „Columbus, der Don Quixote des Meeres“, die im . Verlag S. Fischer; Berlin, erschienen ist. Der Entdecker einer Welt wird selbst neu entdeckt. Aus der abgeblaßten Schablone eindeutiger Glorie ersteht hier eine ganz anders lebendige, helldunkle Gestalt mysteriöser Herkunft, verschrobener Phantastik, genialischen Entdeckerinstinktes, höchster Menschenwürde und tiefster Würdelosigkeit in einem. Eine V ision von Biographie! Im hellen Taglicht wird man ihre absolute Wahrheit bezweifeln, aber die seelische Erscheinung haftet unauslöschlich. Jüdisch darin ist das Wassermannsche Ethos. Groß erscheint dier-Kolumbustat, größer die Greuel in ihrem Gefolge; und mit dem Problem zugleich, ob Columbus etwa Jude von Rasse war, steht der Wunsch vor uns auf, er möge es lieber nicht sein. UNSERE TOTEN Der Orden beklagt den Heimgang folgender Brüder: Name Eingetrat. Geboren Verstorben Deutsche Reichs-Loge Dir. Hermann Leviberg 1. 3.1913 28 8.1878 5. 6.1931 Berthold-Auerb ach'- Loge Ludwig Bing 28. 5.1906 23. 2. 1853 14. 6 1931 Abraham Geiger-Loge Julius Gutfeld 2. 4.1927 21. 2.1881 13. 6. 1931 . ' Ehre ihrem Andenken! Was kann Jüdisches in einer biographischen Studie stecken, wie sie . der „F o u c h e“ von Stefan Zweig eine ist, die sich den Schlangenmenschen des verendenden Rokoko, der großen Revolution, des Empires und der Restauration zum Vorwurf erwählt hat? Vielleicht just dieses Helden Uebermaß an Witterung für Umstände, Verfall und Macht, an Anpassungsfähigkeit und Nutzung des Augenblicks, Stehaufmännchentum und Obenschwimmenkönnen, von denen Spuren potentiell auch im jüdischen Wanderwesen liegen? Wie dem sei — bewundernswert jedenfalls ist die Vielgewandtheit und das Einfühlungsvermögen des jüdischen Schlangenmensch- Literaten, der einen Jeremias zum Helden zu nehmen wußte, Ideal herrischer Gradheit und eruptiven Ethos’, und nun die unethischste, krummste aller historischen Gestalten. (Verlag Patd Zsolnay.) Den Typus des großen jüdischen Literaten selbst formt der dänisch-jüdische Dichter Henri Nathansen mit der Biographie „Georg Brandes, Jude oder Europäer“ (Rütten & Loening Verlag, Frankfurt). Hier ist das Jüdische alles! Dichter, Gegenstand und führender Gedanke. Und darin liegt auch der Wert des Buches, das sich an Kunst mit der im Columbus oder Fouchc nicht wird vergleichen lassen. Das Problem des schreibenden, schaffenden, wirken wollenden Juden, dem sein Judentum als Balken vor die Füße gelegt ist, des seelisch mit der Heimat verwurzelten, den aber der Heimatboden von sich ausreißt, des doppelt unglücklichen, weil er im eigenen Herzen der feindlichen Umwelt recht gibt. Dem Orden gehören nicht mehr an: Berthold Auerbach-Loge: Ernst Arndt, ’Cv 30, Hohenstaufenstr. 52. Leo Bernstein, W 15, Kurfürstendamm 211. Sally Grünthal, W 35, Am Karlsbad 22. , Heinrich Koschminski, Charl. 9, Kaiserdamm 31. Hermann Slobotzky, Schbg., Wartburgstr. 17, Siegbert Bruck, Charl. 4, Sybelstr. 27. Max C z a p s k i, NW 23, Klopstockslr. 27. Montefiore-Loge: Heftnann Kunz, Charl. 4, Sybelstr. 29. Max Rosenkranz, Zehdenick i. M., Marktstr. 1. I . Timendorfer Jubiläums-Loge: Siegfried W a 1 d s t e i n, W 30, Eisenacher Str. 22.