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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1931-07-01 · 4 (7.1931) · p. Seite 49

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
11 (1931-1932)
Issue
4 (7.1931)
Date
1931-07-01
Page
Seite 49 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 4 MONA SSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Seite 49 sein Judentum selber ablehnt, also mit seinem Ich, nicht nur mit der Welt, in zermürbendem (Krie? lebt. Brandes ist ein ewig Larmschlagcnder, ewig Lärmu nbraustcr, ewig Ruheloser, ein Europüer noch mehr aus 7 wang als aus Neigung, ein ewiger Flüchtling. Für die Aufz« igung moderner Judentragik ist das Buch schlechthin klassisch. Den Namen für das Innerste solcher Tragik fand der Denker Theodor I. c s s i n g. Seine dische Selbst haß“ (erschienen Berlin) leuchtet in ihre Tiefen. Sie erkrankung; allerdings vorerst nur be Studie „Der j ü - im Jüdischen Verlag, zeigt sic als Gruppen- Philosophen und Literaten, obwohl alle unsere Lcbensschich len von ihr erfaßt sind. Sechs kurze biographische Skizzen wa dein ihre Erscheinungsformen ab. Erschütternder aber als sic, die ziemlich sorglos ausgewühlt sind, ist im Apparat des Buches die Notiz „Aus Tagebüchern“: furchtbare Selbstbeichtc einer vom Selbsthaß heillos Besessenen. Ein fremdes, todfeindliches Wesen schreit aus diesen Menschen. Sie sehen, messen, verdammen, verabscheuen sich mit dem Auge, dem Maß, dem Abscheu der Judenhasser, die sie ihrerseits pervers inbrünstig lieben. Und so, in rettungslosem Entsetzen vor <1 :in Jüdischen in ihrem Blute, zermartern sie sich, fallen in V crfolgungswahnsinn wie Siegfried Trebitsch oder zerschmettern sich wie Otto Weininger das Hirn mit der Kugel. Lcssinj; hat das Problem lange nicht erschöpft; auch sucht er seine Wurzeln an falscher Stelle: im Grundwesen jüdischer Sc« lc, in dem sie sicher nicht licken, anstatt in der Anomalie u id dem Daucrleiden der spütjüdischcn Geschichte. Aber voll Anregungen und geistvoller Deutungen ist er. Der Weg ist durch ihn beschritten: ihn weitergehen, heißt noch reiche neue Erkenntnis finden. Der geraden Umkehrung des Problems begegnen wir bei einem großen Judensprüßling, der /wir unserer. Religion in früher Jugend entführt, dennoch einen merkwürdigen Grad von jüdischer Selbstliebe an sich off :nhnrt und trotz, vielleicht sogar eben wegen ihrer sich in der nichtjüdischen Umwelt machtvoll diirchgcsetzl hat: bei Benjamin Disraeli. Diese Umkehrung jüdischen Sclbsthasses beh indelt eine interessante wissenschaftliche Studie von Boris Segalowitsch unter dem Titel „Benjamin Disraclia Orientalismus“, Höchst instruktiv zu verfolgen, wie «: as mit geborene Judenwesen dieses Menschen sich in einem gnnzcii Spektrum von Charakterzügen, Acußcrlichkeilcn, Neigungen, Träumen und Plänen orientsüchligen Gepräges enlf iltet, wie cs auf die nordisch-britische Wesensart stößt, sich stolz und kühn ihr gegenüber aufbaut und behauptet, wie ss schließlich zum Ziel gelangt und sich sogar dem britischen Weltreiche als aktive Historie aufprägt. Der Orientalismus I Israelis wird am Ende zum Orientalismus Englands und in leinen letzten Auswirkungen eine der Voraussetzungen zu Englands gegenwärtiger Orient- und Palästinapolitik. (Verlag Federn, Berlin.) Wie jüdischer Selbsthaß und jüdische Selbstliebe in einer und derselben Menschenseele miteina »der ringen und sich wechselweise ablösen können, erleben wir an dem Helden eines der merkwürdigsten Judenbücher, die wir haben, des tragikomischen Romans „N i c c o 1 o P iccavi“ des jüdischfranzösischen Dichters Armand I, u n c 1, den der Heincbünd (Weltverlag) in deutscher Sprach: herausgab. Lunel ist einer der wirklichen Humoristen jüdischen Blutes, die so selten sind, obwohl unser Humor so berühmt ist, eine Art Analogon zu Wilhelm Raabe. Die Welt, in die er uns versetzt, ist höchst fremdartig für uns. Uni so wirkungsvoller die sonderbaren Parallelen zu uns Bekannt :m, wie etwa der Einbruch der Ostjudenfrage in Gestalt unkultivierter Horden jüdischer Flüchtlinge aus Deutschland in die westjüdisch kultivierte Provence — höchst sonderbar un«l bedeutsam. Und sehr interessant das Wellenschlägen der I'reyfuß-Affaire in die ferne Idylle der südfranzösischen Kleinstadt. P«sccavi, der zwischen Taufe und Judentum hin und her Gerissene, ist ein Grenzjudentypus mit' der Tragik der Unsicherheit der inneren Grenze. Grenzjude, aber' in viel münnlidierem Sinn, ist auch der Jud ^Süß, den gerade unsere Zeit immer wieder heraufbeschwört, vielleicht weil sein Typus vielgestaltig lebendig aucdi in ihr umgeht — hier als grenzvorrückender Denker oder Dichter, dort als erneuernder Wirtschaftsführer oder Staatsmann. Viel ist um ihn gedichtet worden, seit den haßerfüllten Volkslegenden, bis zu Wilhelm Hauff und Lion Feuchtwanger; um so vernachlässigter blieb diö"Forschung. Ihr wird jetzt Selma Stern gerecht und zugleich der Sache des weit über seine Schuld Verdammten, in ihrem als Veröffentlichung der jüdiset/cn Akademie ersdiienehen Buche „J u d Süß, ein Beitrag ztir deutschen und zur jüdisdien Geschichte“ (Akademie-Verlag, Berlin). Ein Buch der exakten Forschung, aber nicht ohne dichterische Bcschwingtheit, ein ebenso schönes wie gründliches Buch, das jeder wird kennen müssen, der Endgültiges über diesen ersten modernen Juden sucht. Einen anderen Jud Süß unter anderem Namen stellt Alfred Neu mann mit seinem Romnn „König Haber“ auf die Füße. A»wh Haber ist Ilofjudc von Vermögen und Macht, Eindringling in eine neue, ihm feindliche Lcbcnsspliüre, auch er ein geistig Starker, der über die Kultur- und Klassengrenze will und daran zerbricht. Aber hier .ist das Problem ins Extrem gesteigert, überspitzt und darum ins Unglaubhafte abgeglilten. Der Jude, der sein und der Herzogin Kind partout zum Staatsherrscher machen möchte — es gibt wohl kaum so unvernünftig«!Müden-, Um dieses Zuviel herum ein glänzendes Können, dem eben nur innerste Wahrh«:it fehlt, um zur Dichtung zu werden. (J. Engclhorn Verlag, Stuttgart.) Ein Grenzjijde völlig anderer, recht wörtlicher Art ist der „Kaufmann von B e r 1 i n“, das Drama des jungen Franz M c h r i n g, . «Ins in Berlin gespielt und umtobt worden ist. Ueberünjjstliehe Abwehr hat in dein Stück jüdischen Antisemitismus gesehen. Das ist es nicht. Das Stück ist Wahr- (Fortsetzung Seite 51) , Neuaufnahrpe: Julius Fenchel-Loge: Benno S t r u p p, Charl. 9, Preußenallee 36. Schwesternverband der U.O.B.B.Logen Erholungsfürsorge Die w. Präsidenten werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Erholungsfürsorge auf Anforderung Aufschlüsse über Wesen und Durchführung der Kuren gibt. Erholungskuren .Tür alle Logenangehörige“: r Friedrichroda, ^Isenburg, Kfssingen, Kolberg, Marienbad, Partenkirchen, Weißer Hirsch. i Ermäßigte Erholungskuren:. Friedrichroda, Harzburg, Ilsenburg^ Kolberg, Krummhübel, Partenkirchen, Weißer Hirsch. i l 1 Ermäßigte Heilkuren: Altheide, Homburg, Kissingen, Karlsbad, Marienbad, Nauheim, Reichenhall, Salzbrunn, Pyrmont, Warmbrunn, Wiesbaden, Wildungen. Alle Anfragen und Anmeldungen nur an die.Zentralstelle: Schwesternverband der U. O. B. B. Logen, Erholungsfürsorge, Magdeburg, Breiter Weg 139 40, mindestens 14 Tage vor Beginn ■ der Kur. Bei Kuren „Für alle tyogenangehörige“ Bestätigung der Zugehörigkeit zur Loge, bei den „ermäßigten Kuren“ eine begründete Befürwortung des Präsidenten.

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