Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 11 (1931-1932)
- Issue
- 2 (5.1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 20 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Nr. 2 er Ui llung nachzustrebcn. Es war wie ein freiw ijliges-unfreiwilligcs Gelübde, daß die Hand, welche Marctzki brüderlich umschlossen batte, rein bleiben müßte! \\ i)s durch Marel/.ki in geschlossener I.oge geprüft oder nachgepriil't wurde, war die gewissenhafteste zur Kritik gestellie Arlieil. Diese Ciründlichkeit war zuweilen etwas unliei|uetn, aber jeder empfand sic als notwendig. Denn damals benschte noch die jetzt etwas unmodern gewordene Anschauung, daß sämtliche in der Großlogc lichandeltcn Angelegenheiten, al>er auch tunlichst die den Interesscnkrcis des Ordens licrührcnden Gegenstände in den Logen bearbeitet werden müßten, damit auch das Gros der Brüder die Arlieiten iles Gesamtordens, seine Sorgen und Interessen kennen lernten jind lÜian Kritik übten. Das Bild ton Marglzki -wäre unvollständig. wenn dieser sittliche Ernst, dieser ordenssittliche Erlist und Eifer, wie er auf die Logen übergegangen war, nicht als ein Ausfluß gerade seiner Persönlichkeit gewertet würde. Die /eil war ihm wertvoll. „Er nutzte den kostbaren Augenblick" für sich und andere. Ei.r wollte, daß jeder Augenblick' den die Bruder im Tempel zubrachten, mit fruchtbringender* Arbeit ausgelüllt würde. Kaum eine Sitzung, die er nicht mit einem Referate oder einem ergänzenden Berichte belebte! Marctzki war aber auch gesellig: er zog sich von den .Vollsitzungen im Brudcrkrcise erst zurück, als er merkte, daß es seiner der Allgemeinheit gewidmeten Arlieilsfähigkeit nachteilig war. Dcnp körperliche und geistige Rüstigkeit im Alter erschien ihm nicht als Gnade einer unbekannten Macht, sondern als eigenes Verdienst, als Ergebnis cjjicr vernünftigen Lebensweise, durch welche jeder im gewissen Grade seines eigenen Glückes Schmied werden könnte. Br. Schindler schilderte den Dahingesehicdenen ferner als den Offenbarer sozialen Ausgleichs, aber auch als den Friedensstifter schlechthin. Dabei schreckte Br. Marctzki vor Kämpfen, die ihm als /eichen der Lebenskraft des Ordens erschienen, nicht zurück; aber es durfte sich nur um sachliche Ciegensätze, um das R'ingen über das dem Orden Nützliche handeln. Das Persönliche, Egoistische, irgendwie Selbstsüchtige, auch nur nach der Seite des Ehrgeizes, schied für ihn » Danksagung Beim Hinscheiden unserer innig geliebten --Entschlafenen Paula Timcndorfer haben wir so zahlreiche wohltuende Beweise herzlicher Anteilnahme erhalten, daß wir nur auf diesem Wege allen lieben Logen, Brüdern und Schwestern tiefgefühlten Dank abstatten können. Berthoid Timendorfer Geheimer Justizrat UNSERE TOTEN Der Orden beklagt den Heimgang folgender Brüder: Name Eingetret. Geboren Verstorben Berthold-Auerbach-Loge Max Orunsfeld 6. 12.1920 9. 6.1879 10. 4. 1931 Spinoza-Loge Dr. Wilhelm Krayn 29. 4.1920 1.12.1885 1. 5.1931 Ehre ihrem Andenken! aus dem Ordensleben aus; es lag.ihm so fern, wie dem Ordensgedanken das Unmoralische an sich. Maretzki griff die Ordensprobleme nicht phraseologisch, nicht mit Hyperbeln, aber auch nicht in sprachlicher Konstruktion von Ordensbegriffen an, sondern trotz seiner theoretischen, auf dem Gebiete der Moralphilosophie liegenden Veranlagung ging er den Dingen mit erstaunlicher Nüchternheit praktisch uuf den Grund. Durch ständige Spezialarbeit in allen Fragen seiner eigenen Loge gelangte er zu einem Urteil „über das Mögliche“, hütete sich vor allzuweiten Plänen und schritt bedacht vom Kleinen und leicht zu Ueberschaucndcn zum Größeren u^d Größten, ein harmonisch durchgebildeter Mensch in dem von ihm selbst harmonisch empfundenen und harmonisch durchdachten Ordenshau, ein Bruder, dessen Ordenspanier \V. 1i. u. E. auch als „Wahrheit, Bescheidenheit, Ehrlichkeit“ gedeutet werden könnte, dessen Weitsichtigkeit und Arbeitskraft das in ihm verkörperte Bild eines Bruders aber nicht nur harmonisch, sondern auch von einer gewissen Größe erscheinen ließ. Maretzki. besaß gerade, ohne auf anderem Gebiete, wie z. B. Organisation, Wissenschaft, Repräsentation, bedeutende Brüder hcrabsetzen zu wollen, die einem Bruder und Führer Wert verleihenden geistigen, seelischen, moralischen Führcreigenschaften in glücklichster Harmonie und ließ sie in nie ermüdender Arbeit zum Besten des Ordens sich auswirken. Eis liegt nahe, Betrachtungen anzustcllcn, wie der Meister sich ‘den Schwierigkeiten unserer /eit gegenüber verhalten hätte, in welcher das gesamte Judentum in besonders gehässiger Art in der Ehre gekränkt w ird, und das einzelne Schicksal den Wirtscbaftskümincrnisscn zu unterliegen droht: er hätte wohl nach dem Satze gehandelt: ... „Geld verloren, wenij! verloren, Ehre verloren, viel verloren, Mut verloren, alles verloren“; er würde wohl mutig und entschlossen für eine Umschichtung, für eine Vorbereitung cingctreten sein, welche die jüngere Generation befähigt, nicht nur selbständige oder leitende Stellungen in den von uns bisher erstrebten Berufen auszufüllcn, sondern auch technische, munuelle Funktionen in jedem, auch im kleinsten Betriebe zu verrichten bis hinab oder hinauf zum Handwerk. Bereit sein ist alles. Gerade in dieser Zeit der Angst, der Sorge um das Materielle, in dieser /eit des schwindenden Ideellen, vermissen die Brüder, welche ihn kannten,, den verewigten Maretzki als eine' besonders starke, ideelle und praktische Stütze des Ordens. Wir können nur versuchen, seine Gründlichkeit, sein reines Wesen, die Kongruenz von Gelöbnis und Tat nach Kräften im Orden festzuhalten. Sdiwesternverband der U.O.B.B.Logen Erholungifflnorge Die w. Präsidenten werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Erholungsfürsorge auf Anforderung Aufschlüsse über Wesen und Durchführung der Kuren gibt. Erholungskuren .Tür alle Logenangehörige“. Erietlrichroda, Ilsenburg, Kissingen, Kolberg, Marienbad, Partenkirchen, Weißer Hirsch. Ermäßigte Erholungskuren: Friedrichroda. Harzbürg, Ilsenburg, Kolberg, Krummhübel, Partenkirchen, Weißer Hirsch. Ermäßigte Heilkuren: Atlheide, Homburg, Kissingen, Nauheim, Reichenhall, Salzbrunn, Wärmbrunn, Wiesbaden. In Vorbereitung: Karlsbad, Marienbad, Pyrmont, Wildungen. Alle Anfragen und Anmeldungen erbeten nur an die Zentralstelle: Schwesternverband der UOBB. - Logen, Erholungsfürsorge, Magdeburg, Breiter Weg 139-140, mindestens 14 Tage vor Beginn der Kur. Bei Kuren „Für alle Logenangehörige“ Bestätigung der Zugehörigkeit zur Loge, bei den „ermäßigten Kuren“ eine begründete Befürwortung des Präsidenten.