Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1931-01-01 · 10 (1.1931) · p. Seite 172

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
10 (1930-1931)
Issue
10 (1.1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 172 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4885084-6352732-6352938--1233-4886248
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 172 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B Nr. 10 Anfänge des deutschen Antisemitismus waren nicht ausschlaggebend. Auch die Erziehungsmolixe, die ein Menschcnaltcr /tu or an der Wiege des Ordens in Amerika gestanden hallen. besaiten für die Generation der Ordensgründer in Deutschland keine Geltung. Damals entschied im letzten Cirunde keine Verneinung gegen außen, sondern eine Bejahung nach innen. Der Wunsch, ein eigener Bund zur Pflege des Menschlichen in jüdischen Formen und Werken zu sein, war stärker als xerstandesmüßige Bedenken gegen die möglichen Folgen einer solchen Isolierung. Uns erschließt sich das Wesen unseres Ordens am deutln listen aus seinem Namen: Bnc Briss: Söhne des Bundes. Nicht irgendeines Bundes, sondern die Söhne des Bundes Abrahams. den unser Krzxater einst mit Gott schloß. W ir, seine Nachkommen, errichteten ihn in neuer Form: Leber dem-einstmaligen Bund des Blutes hinaus einen freien Bund des Geistes innerhalb.' des größeren Stammesbundes zur Verwirklichung des Göttlichen im Irdischen. Die Ideologie unseres Bundes ist die Ideologie des Judentums; unsere Ethik und unsere sittlichen Aufgaben sind dieselben, die dem Judentum ewiges l.rbe gewesen sind. Wenn die Synagoge die' Ställe des Gebets, das ,./.wiegvspräch mit Gott" ist. ist uns der Logenlem|>el die Stätte für das „Zw iegespräclt des Menschen mit dem Menschen". ■ r' Bruderschaft ist die sozial-elbische Grundlage unseres Seins. Sie in den uns eigenen Formen zu xerwirklichen, ist die Aufgabe unseres Bundes. So können wir noch heute freudig unseren Bund bejahen und den Vätern danken, die ihn geschaffen haben. Wir müßten ihn heute neu schaffen, wenn er nicht vorhanden wäre. Wir schaffen ihn neu und größer an. jedem Page, den wir ihm widmen, und an jedem Ort, xx o xx ir ihm dienen können. Wir xvirken in ihm zur Erfüllung unserer Aufgabe, die uns als einer jüdischen Gemeinschaft gestellt ist: die Verxvirklichung der Brüderlichkeit unter den •Menschen tum Segen für die Menschheit. An die Festrede schloß sich ein Gesang von Br. W ilhelm Friedmann (M.I..) (126, Psalm von Hans Hermann), den Br. Bruno Meyer am Harmonium begleitete. Br. Präs. Adolf Juda (M.L.) verlas die Botschaft des hxv. Großpräsidenlen Br. Leo B a e c k, die wir in der vorigen Nummer unserer Zeitschrift zum Abdruck gebracht haben. Einem Treugelöbnis -für Loge und Orden, das von den Brüdern stehend angehört wurde, verlieh Br. Expräs. Josef Hirsch (J.F.L.), der Mentor des Logcn-Verbandes, feierlichen Ausdruck. Hierauf folgte das Schlußritual, das Br. Präs. E 1 k c 1 e s (A.G.L.) unter Harmoniumbcgleitung xon Br. Max Wachs,- m a n n (J.F.L.) sprach. Ein Ilarmoniumxorlrag xon Br. Bruno Meyer (B.A.L.) beschloß die Feier. L s~\ Jugend und Loge Leber ein Jahr arbeiten nunmehr schon die Jugendabteilungen einzelner Logen. Da scheint es angebracht - zu sein, einmal den Sinn und Zxxeek dieser Jugendarbeit in' der Logenöffentlichkeit zu rechtfertigen. Der Weg, den die Jugendabteilungen zu beachten hatten, war ihnen xon Anfang an xorgezeichnet. Die Loge bildet für unsere Litern eine starke Gemeinschaft., die schon darin ihren lebhaften Ausdruck findet, daß man sich Bruder «jnd Schxxcster nennt. L nd sollten da die Kinder dieser Brüder und Schxxestern sich als Fremde gegenüberstehen? Oder sollten nullt die crxxachsenen Kinder der Logenbrüder an dem Ideenkreiseihrer Litern teilhaben, xxo doch die Loge ihre Milglie'- der nicht allein in den paar Stunden erfassen will, in denen im Logenhause die Brüder und Schxxestern geeint sind? Ls erscheint als eine Aufgalie und Pflicht der Brüder und Schxxestern, über ihren kleinert Kreis hinaus die Ideen der Loge /JT xertrelen und den Versuch zu machen, auch andere UNSERE TOTEN Der Orden beklagt den Heimgang folgender Brüder: Name Eingetret. Geboren Verstorben Deutsche Reichs-Loge Georg Manasse 17. 12. 1904 19. 8. 1865 20. 12 1930 Dr. Arthur Seelig 12.11.1927 1. 8.1875 23.11. 1930 Montefiore-Loge Artur Kasper 28. 3. 1922 28. 10. 1889 8.12. 1930 Julius Wiener 1 21. 3,1911 12. 8.1854 17. 12. 1930 Albert Helfft 18. 2. 18S9 11.11.1861 29. 12. 1930 Spinoza-Loge Hermann Nagel 10.11.1910 5.10.1868 7 12 1930 Ison Ellinger 30. 11. 1922 16. 4. 1884 23.12 1930 Julius-Fenchel-Loge Dr. Julius Heymann 26.-11. 1929 23. 12 1858 27 12.1930 Ehre ihrem Andenken 1 Menschen in diese Gedankenxxelt einzuführen. Hinzu kommt noch für die ältere Generation der Gesichtspunkt, daß doch .. gerade die eigenen Kinder der gegebene'Nachwuchs für die . Logen sein sollten, damit, im Worlsinne verstanden: die Kinder das Werk ihrer Eltern fortsctz.cn. So sollten denn auch für die Jugend die Forderungen, die die Loge aufgestellt hat, die Ziele sein, nach denen sic strebt) diese Gesetze jüdischer Ethik, die es mit Tatkraft zu verwirklichen gilt. Welche Aufgaben, welche Schwierigkeiten sich uns damit entgegentürmen, wissen xyir nur zu gut. Wie schwer das Leben dem einzelnen die Erfüllung dieser Vorstellungen macht, haben auch wir erkennen müssen. So sind wir auch heute noch weit davon entfernt, unser Lclxen von diesen Idealen beherrscht zu sehen. Und wenn wir trotzdem diese Forderungen zu den unsrigen machen wollen, ihre Verbindlichkeit auch 'für uns anzuerkennen gewillt sind, dann geschieht das nicht, .um dem grauen Alltag ein gewisses Pathos zu verleihen, sondern aus der tiefen Erkenntnis, daß ohne diese Gesetze der Wert unseres Daseins seinen inneren Gehalt verliert und das Leben zum Schein herabsinkt. Doch auch außerhalb der Lögen sind diese Gcdnnken die Maxime für“ das Denken vieler. Das Besondere für die Logen ist jedoch der gemeinsame Wille, sich nicht mit der Erkenntnis zu begnügen, die Tat vielmehr dem Worte' folgen zu lassen. Und gerade die Jugend kann sich mit Reden allein nicht zufrieden geben, gerade der junge Mensch muß stets versuchen, sein Leben nacli seinen Ideen zu gestalten. Da erbebt sich die Frage, ob eine Jugend diese Ziele in die Tat umsetzen kann. Wir glauben es -, sonst wären wir nicht* mehr zusammen. Bei unserer Arbeit liegt das Hauptgewicht in der Bildung unserer.. Menschen, wir wollen versuchen, uns gegenseitig die nötige innere Festigkeit und Bildung zu geben, die es uns später ermöglichen soll, weiter auf den Bahnen unserer Ideale zu gehen und mit Wirkung nach außen unsere Ideen zu vertreten. Doch auch bei der sozialen Arbeit der Logen können wir schon heute mithelfen, wie wir es bereits bewiesen haben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.