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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1930-09-01 · 6 (9.1930) · p. Seite 96

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
10 (1930-1931)
Issue
6 (9.1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 96 (sequence 4)
Language
German
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Seite 96 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U. O. B. B. Nr. 6 inonsi r.U ionen ließ un» da» neuerdin;;» viel ‘diskutierte Pro hlcnt ..Seiiallplatlenmusik im Gottesdienst “ lebendig werden. Dje praktische I cilnaltnic der Brüder an all dic.cn \ cranstaltimiicii erfüll »ich au» der Tatsache. daß im letzten Termin durch- »ilinittlich etwa ,V2 . also fihcr die HälTte. anwesend waren. Die Vertiefung - unserer eigentlichen Kngenarbeit machte aller nicht nur im Vortragsvvesen Fortschritte. Immer starker erkannten wir. dal. wir mit einer eigenen, freigevv äliltcn sozialen \ u f g a l> e «lern Kogcngedankfn zur \ erw irklicliiing verhelfen müßten. An Stelle der großen 1 /I c a I o . die ew ig unerfüllt hlcihcn. wählten wir eine Bescheidene Aufgabe, die im Bereich de» Möglichen lag. \\ ir hahen im letzten W inter das uneheliche Kind einer armen jungen jüdischen Mutter als unser „I. u g e n k i n d“ angenommen. Tür dessen Unterhalt, Betreuung ,und Krziehung wir un» materiell und ideell verani w orl Iii h fiililcu. I.» ist mir eine hesondere* Freude, dal' dieser lange erwogene Plan endlich \erw irklicht w erden kannte. DaB wir für einen jungen jüdischen Studierenden ein Jalirc'st i|icndium errichteten und für den •tnhiläumsfojid» der liw. t.rol'logc unseren Beitrag bewilligten. sei noch erwähnt. Nach langen Mühen i»t es uns gelungen, ein eigene» Statut zu schaffen, das traditionellen l.ogengeist mit neuzeitlicher Not w cndigkeil zu cereinigen trachtet. Da» gesellige I. e l> e n fand eifrige Pi lege. Regelmäßige. gemütliche Zusammenkünfte nach Schlul' /1er l.ogen»itzung gaben oft Cielegenheit. Diskussionen über dre Vorträge der offenen I.eigen im Kreise der Schwestern zu führen. Der treuen Mitarbeit unserer Schw e s t e r n c e r e i n i g u,n g sei hier besonders gedacht. Wir sehen in ihr eine tätige Förderin all unsrer hohen Ziele und können ein l.ogenlcben in der Abraham Ceigcr-Kogc ohne sie nicht mehr denken. Auch dessen sei noch F.rwähnung getan. da|t zwecks Förderung des persönlichen Zusammenschlusses zahlreiche Kommissionssitzungen in die Wohnungen der Brüder und Schwestern verlegt wurden, und daß wir hiermit günstige F.rfahrungen gemacht haben. Keilte Gemeinschaft ist bereits im Werden, und ein menschlichpersönliches' Band hat sich unmcrklich um manche unter uns geschlungen'. Im letzten Termin wurden sechs Brüder in die Ahraham Geiger-I.oge aufgenommen, und e» war uns eine Freude, bei dieser (ielegenheit den liw. GroBpriisidenten. zum ersK-nmal seit unsrer Installation, in unserem Kreise zu sehen. Leider hat. der Tod unseren kleinen Bund (i4 Brüder nicht cerschont. .Zwei liebe Brüder wurden uns entrissen, so daB seil Bestehen der Mirahain Geiger-Loge insgesamt der Tod um c ier Brüdern zu betrauern ist. Ihr Gedächtnis bleibt uns unvergessen. Wir dürfen uns der. zuversichtlichen lloflnung hingeJien. daB unsre junge, kleine Loge in den kommenden ■lithreti vor allem nach innen wachsen und reifen und so der KrfiiHung ihrer selbst gewählten \ufgaben immer mehr näher kommen wird. Karl II o s c n i h a I Prä», de» Termins 192!) 00. Br. Professor Carl Lewin (Sp.-L.) Im muh nicht \ollcruleien 54: Lehen*j.iltrc ist Carl Lein (Lihin^e^ani'en. hei <ler Kunde seines I leimüiin^es durchdranu eifle tiefe Wehmut das Iler/ seiner Freunde seiner I rtunde: er haute nur Freunde!. W ie kam es, dah dieser aufrechte Weiwh nur \<ui Wohlwollen unuiehen war und nie-- mand ihm auch nur mit einem (iedanken un^ütii» ent*;ej:entreten konnte^ Lr hatte das hefreiende Lächeln eines leinsinnii»cn Lebensweisen, er besait die seltene (iahe des Dem Orden gehört nicht mehr an: Bcrthold Auerbach-Loge: Norbert (i o I d s t a u b, Schbg*. Berchtesgadener Straße 2t> UNSERE TOTEN Der Orden beklagt den Heimgang folgender Brüder: Name Eingetret. Geboren Verdorben Deutsche Reichs-Loge Albert Rochier 17. 12 1921 12. 5. 1S58- 10. 8. 1930 Bertholif ,V u e r b a c h - L o g e Alexander Krotovvski 23. 11. 190S 24. S. 1847 2 8. 1930 Georg Berju 16. 3.1914 23. 10. 1S60 21. 8. 1930 Mnntcfiore- Loge Prof.Dr. Eduard Baneth 12 12 1899 5 S. 1855 7. 8. 1930 Hugo Altmann * 22. 10. 1907 12. 10. 1860 17. 8. 1930 Hermann Munk 4 2.1919 25. 3. 1857 30. 8. 1930 S p i n o z a - L o g e- Georg Josef Zucker 14. 4. 1910 4. 11. 1855 23. 8. 1930 Ehre ihrem Andenken! Humors, der vor der eigenen Persönlichkeit nicht halt machte. Kr sali sich nur als ein Rädchen im \\ eltgescliehen, frei von jeder Leherliebliclikeit hatte er eine, selbstsichere Zufriedenheit. Weil er selbst frei war von jedem unreinen Gedanken, eine reine Seele, wie unsere Weisen sagten, war. er niemanden feind*, gegen jeden hilfsbereit, stets Menschenfreund. Schreiber dieser Zeilen hat fast 31 _■ Jahrzehnte als sein W eggenosse neben ihm gestanden. An seinem 50. Geburtstag rief er ihm zu das W ort aus den Sprüchen der Weisen, das ihm hätte zugeeignet sein können: Wer ist reich — wer sich mit seinem Teile freut. Carl l.ewin war erfüllt von idealem Streben. Jeder z.iellievvnßtei. Bewegung des Idealismus wandte er sich mit voller Kraft seiner Persönlichkeit zu und mit dem offenen Freimut und dem Frohmut seiner jugendlichen Begeisterung. Seine Studentenzeit war ein Kampf für den K. (’. und in dem K. ('., dem er damals in der schwersten Zeit »einer Gründerjahre treue und feurjge Hingabe bezeigte. Kr ist sein ganzes Kellen hindurch der kampffrohe Student gelllieben, aber nicht im verbitterten Sinne eines Zurückgesetzten, sondern mit dem heileren Fachen desjenigen, der im Kampf Bewegung' sicht. Jeder Fanatismus lag ihm fern. Kr sah eine Unkultur in der selbslübcrheblichen Selbstsicherheit eines verbitterten Kampfes. Daher konnte &c auch gleichzeitig überzeugter Zionist »ein und Arbeiter im C.-V. und seine Anhänglichkeit an den K.-C. bewahren. Ks war naturgemäß und folgerichtig, daB Carl Kewin als Fortentwicklung seiner Studentenjahre sich dem Zionismus zuwandlc, da er jede Vertiefung jüdischer Gedanken liebte. Nicht als oli er gegen eine andere Richtung sich feindlich einstellte. Kr war wohl unter den ersten, die cs wahr hallen wollten, daB der Aufbau von Palästina von der Allgemeinheit getragen werden sollte. Kr drang damals, vor über einem Jahrzehtit, nicht durch, doch mit einem siegesfrohen Fachen wußte' er, daß die Zeit seine Gedanken zur Reife *»,

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