Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 10 (1930-1931)
- Issue
- 6 (9.1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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^5 derBEßUNE OEiENUORB BERLIN W 62, KLEISTSTR. 10, LOGEN HAUS 10. JAHRGANG SEPTEMBER 1930 NUMMER 6 Die Abraham Geiger-Loge im Termin 1929/30 Wenn cs ein Vorzug der älteren Logen ist, eine Tradition zu haben, deren Bewahrung dem Logenlehen eine gewisse Sicherheit und Stetigkeit in Form und Inhalt verleiht, so ist es eine nicht minder günstige Situation, in der die jüngsten Logen sich befinden. Denn diese dürren und sollen, unbeschwert durch die Rücksicht auf die Vergangenheit, für ihre Arbeit und ihre Aufgaben einen eigenen, aus ihrer Zusammensetzung und ihrer Zielsetzung bedingten Lebensstil suchen. Hin weiterer günstiger Umstand liegt in der Möglichkeit, den KKeis der Brüder vor zu großer Ausdehnung zu bewahren und die Auswahl der Xeuaufzunehmenden nach den inneren Bedürfnissen der Loge zu treffen. Andererseits darf nicht verkannt werden, daß der Mangel an Traditionshewußtsein und der Wille zu unbeeinflußter Gestaltung nicht nur strenge Selbstverantwortung begünstigen, sondern auch Lust zu unfruchtbarer Kritik und Neigung zu allerhand Experimenten zu fördern geeignet sind. Hier beginnt nun die eigentliche Erziehungsarbeit der Loge, die die lebendigen, unverbrauchten Kräfte ihrer Brüder in ungestörter Lebendigkeit zu erhalten hat und doch gleichzeitig dafür sorgen soll, daß das gestaltende Lehen ihres Kreises sich organisch und zweckhaft in die Gesamtaufgabe unserer Logen dienend einordnel. Unter Anerkennung dieser grundsätzlichen Situation einer kleinen jungen Loge ergab sich für die Abraham Geiger-Loge, die nun drei Logentermine hinter sich hat, eine dreifache A u f g a h e für die erste Zeit ihres Bestehens. Im ersten Jahre galt es den organisatorischen Aufbau zu schuffen. Mit 42 Brüdern trat die junge Loge ins Leben, von denen etwas mehr als die Hälfte aus anderen Logen kamen. Bruchle die eine Gruppen den traditionellen Loge n,g e d a n k c n als Mitgabc, so die andere den unbeirrlen Willen zu einer zeitgemäßen und gegenwartnahen Gestaltung des Logengedankens. Die neuen Brüder organisatorisch cinzugliedern, die Tradilionsgebundenheit der älteren Brüder allmählich aufzulockern und einen einheitlichen Gestallungswillen zu schuffen, diese nicht leichte Aufgabe' 'konnte im ersten Jahre durch verständnisvolle Arbeit des ßeamtenrates und der Brüder kraftvoll in Angriff genommen werden. — Aber das Werk gelang nicht leicht und nicht ohne gelegentliche Konflikte und Erschütterungen. Und so wurde es die wesentliche Aufgabe der Abraham Geiger-Loge in ihrem zweiten Jahre, die durch den organisatorischen Aufbau begonnene G c - meinschaflsbildung zu festigen und zu vertiefen. Dieser Aufgabe widmete der Präsident des zweiten Termins seinebesondere Aufmerksamkeit, und es darf allen Brüdern als ein Verdienst angerechnet werden, daß sie in verständnisvoller Teilnahme, und Mitarbejl den Geist brüderlicher Gemeinschaft zu fördern vq^slnnden. j— »Waren so in den ersten l>cidcn Jahren unseres Bestehens die Voraussetzungen geschaffen, so . durfte im dritten Termin, an. die^V ertiefungdes Logengedankens und Schaffung eines 11 o g e n g e m ä ß e n Lebens hernngegangen werden. Ljahei ist zu* betonen, daß die Problemstellung für die zu leistenden Aufgaben bereits in den früheren Terminen erkannt wurde, wie ja überhaupt die vorstehende logische- Teilung des Aufgabenkreises mehr theoretischer Art ist, während in der Praxis sowohl die prinzipiellen Gedanken als auch die positiven Arbeiten der drei Termine sich vielfach kreuzten. , . Unter diesen Arbeiten tritt zunächst das Vortrags wetten'der Loge'sichtbar in die Erscheinung. Ein Rückblick a.if das hier g9lcislete läßt Reichhaltigkeit und Zielstrebigkeit erkennen. Das Prinzip, daß upter allen Umständen Niveau gewahrt werden müsse, fand verständnisvolle Zustimmung bei allen Brüdern; der Grundsatz: keine Sitzung ohne geistige Anregung, konnte zu einem ^erheblichen Teile verwirklicht werden. Allerdings fand meincj Forderung nach einer systematischen Gestaltung der geistigen Logenarbeit noch nicht die Zustimmung aller Brüder, weil manche fürchten, daß die Buntheit und Vielgestaltigkeit hierunter leiden könnte. Hingegen ist es uns gelungen, zahlreiche Brüder zur aktiven Mitarheit zu gewinnen, und es war uns besondere Freude, viele — uueh jüngere Brüder, zuin Teil in Kurzreferaten, aus ihren engeren Interessengebieten berichten zu hören. — Im Zusammenhang mit den Vorträgen darf einiger Veranstaltungen gedacht werden, die gleichfalls dfcr geistigen Anregung dienten. Im Anschluß an unsere' Mendelssohn-Gedenkfeier fand ein gemeinsamer Besucl! der großen Mendelssohn-Ausstellung statt; im vorhergehenden Termin schon besichtigten wir das neue Ullstein-Haus, im letzten die Kunstsammlung Rudolf Müsse und neuerdings die AEG-Ausstellung. Ein jüdischer Dichterabend vermittelte uns die Kunst Sumuel Lenins in Anwesen-, heit des Autors, und ein' Vortragsabend mit musikalischen Dc- Anzalganvarwaltung: BRÜDER-VERLAGSGESELLSCHAFT M. B. H. BERLIN W62, KURFÜRSTENSTRASSE 115/16 FERNRUF: B5 BARBAROSSA 4760 U. 9181 Uniara 2«ltiohrHt druckt: ARTHUR SCHOLEM / BUCH- U. STEINDRUCK BERLIN SW68, ALEXANDRINENSTRASSE 134 FERNRUF: F 1, MORITZPLATZ 4286 i