Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 10 (1930-1931)
- Issue
- 2 (5.1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 24 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 24 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O,B.B. Nr. 2 sucht werden muH, sie zu verstärken. Das Bewußtsein der \ eranlwortlichkeit muß durch Zuweisung von Kommissionsarheiten u. ä. gestärkt werden. Ks muß durch den Präsidenten und den Beamtenrat ein gewisser Zwang zu persönlichen Leistungen ausgeübt werden, der aber immer nur ein Zwang bleibt, dem man sich freiwillig unterwirft. Die Lebensgemeinschaft muß sich auch außerhalb der Loge 'auswirken. Die Loge und das l.ogenlel>en können wieder intensiviert werden, wenn wir imstande sind, sie in ihrer Kigenarl wirken zu lassen. Br. F.xprSs. Willy Cohn (Sp. L.) spricht eingehend über die L i n r i c h t u n g der Heimabende, die einen Quell neuen l.ogenlebens darstelien. In den Heimabenden wird eine außerordentlich bedeutungsvolle sachliche .Vorarbeit für die Loge geleistet, abseits stehende Brüder werden dem Logenlehen wieder zugeführl. Die Idee der Heimabende entstand im Geistigen Ausschuß der Spinoza-Loge, in dem ein glücklicher Zufall eine Anzahl' von Brüdern zusammenführle. die von dem Gedanken beseelt waren, über die ihnen von der Loge übertragen Aufgaben hinaus. Einfluß auf das geistige Leben der Loge zu gewinnen, es zu vertiefen unddadurch die Logenabende interessanter und wertvoller zu gestalten. Linden Zusammenhang zu fördern, wurden Zusammenkünfte der Brüder in ihrer Häuslichkeit ahgehalten. Im gemütlichen äußeren Unionen, im intimen bereise gleichgesinnter Brüder, ließ jeder seine eigene Person mit -allem Denken and Ktnpfinden mehr sprechen, als es in den feierlichen Sitzungen der Loge möglich ist. Im die Heimabende fruchtbar zu gestalten, sollen Reicralc gehalten werden, deren Themen der Redner seiner Bet ufstätigkeil oder einem anderen seinen Neigungen entsprechenden Gebiet, entnimmt. Die an diese Referate anknupfende Diskussion gibt Gelegenheit zu einem Meinungsaustausch, der sich auch bei Behandlung fernliegender Themen schließlich immer wieder den Fragen des Logenlchens zuw endet. Der äußere Rahmen der Heimabende soll möglichst einfach gehalten werden, um jedem die Aufnahme der, Brüder bei sich zu ermöglichen. In dieser Eorin kifhnen. die Heimabende zu einem Kraftqucll werden, der das Logenleben befruchten. das brüderliche Gefühl stärken und ahseilsstchcndc Brüder für den Ortlensgedanken vvjeder zu gewinnen vermag, •feile Loge sollte es als ihre Aufgabe betrachten, die Heimabende zu ständigen Hinrichtungen zu machen. W'enn über diese Heimabende regelmäßig in der Loge berichtet wird, w ird auch die Arbeit der Loge durch diese Kleinarbeit Vertiefung und Bereicherung erfahren. Br. Bruno Schießer (B. A. L.) führt aus: Die großen UNSERE TOTEN Der Orden beklagt den Heimgang folgender Brüder: Name Eingetret. Geboren Verstorben Deutsche Reichs -Loge Jean Pulvermacher ■> S. 5. 1918 25. 6.1857 20. 4. 1930 Leo Schneller 19. 5.1917 23. 5.1879 16. 4.1930 Berthold Auerbach-Loge Isidor Schlamm 9. 12.1907 12. 7.1853 5. 4.1930 Jacques Freudenheim 11. 5.1903 28. 5.1848 6 4.1930 Emil Ooldschmidt 27. 11.1922 25. 12. 1858 j 1. 5.1930 Simon Israel 7.12.1885 27. 5.1848! 1.5.1930 Montefiore-Loge Martin Schiff 13. 3.1901 3. 1. 1869 6.4.1930 Spinoza-Loge Ludwig Döblin 3. 4.1910 28.10.1872 28. 4,1930 Hugo-Rosenberger 5 12 1918 8. 6.1865 2. 5.1930 Ehre ihrem Andenken l Gesichtspunkte, die für die innere Propaganda richtunggehend sein sollen und im Referat von Br. Goldmann zum Ausdruck kamen, müssen im Alltagsleben durch die kleinen Hilfsmittel praktischer Werbearbeit ergänzt werden. Die innere Propaganda wird zur besonderen Notwendigkeit für die großen Logen; sie ist im wesentlichen ein Problem der Großstädte. Das starke Anwachsen der großen Logen hat zur Folge, daß ein großer Teil der Brüder nur formal, aber nicht innerlich zur Loge hält. Diese Brüder müssen zur Mitarbeit hcrangezogen werden. Um sic zu erfassen, hat die Berthold Auerbach-Loge ihren Propaganda-Ausschuß mit der persönlichen Werbung zum I.ogenbcsuch beauftragt. Dieser Ausschuß lmt seine Arbeit an Hand einer Besuchskartothek organisiert und seit Jahren mit Erfolg durchgeführt. Er läßt die fernbleihenden Brüder regelmäßig durch seine Mitglieder besuchen und über die Ergebnisse der Besuche schriftliche Berichte erstatten. Diese Tätigkeit hat nicht ungewöhnlich große, aber beachtenswerte und lohnende Ergebnisse gezeitigt. Die Feststellung der Gründe für den Nichthesiich der Loge hat u. a. ergeben, d,aß der Inhalt der Logensitzung den Anforderungen der Neüzeit vielfach nicht entspricht und einer Neufassung bedarf. Die Loge muß sich gedanklich modern gestalten, uni die Gesamtzahl ihrer Mitglieder, welche vielfach unter den Schwierigkeiten der verschlechterten wirtschaftlichen Lage leiden und rein theoretischen sowie geschäftsmäßig formalen Logenerörterungen nicht immer zugänglich sind, stärker an die Lpge zu fesseln und für ihre Arbeit persönlich zu interessieren. Br. Hirsch dankt den Referenten für ihre Ausführungen. Br. Goldmann habe die Ursache der Krise, die Brüder Cohn itncl Schießer einige Mittel zu ihrer Behebung aufgevviesen. In der anschließenden Diskussion teilt Br. Ernst. Popper (D. R. L.) mit, daß seine Loge ihren ehemaligen Propaganda-Ausschuß in einen „Ausschuß für innere Logenarbeit“ umgewandelt habe, der die Aufgabe hat, die Brüder zur Logenarbeit heranzuziehen. Auch die geistige Anregung der Brüder falle in den Aufgabenkreis dieses Ausschusses, der unverkennbare Erfolge verzeiihnen dürfe. Br. Präs. J a f f e (Sp. L.) Streift die Frage des Nachwuchses. Eine Vertiefung der- Einführungsfeierlichkeil, geeignete Instruktiortslogen, die Schaffung von Heimabenden und die Bestellung, von Treubrüdern für jeden Bruder seien Maßnahmen, die geeignet wären, die Logen wesentlich zu fördern. Br. Ernst M o s e v i u s (D. R. L.) wünscht, daß sich die Logenarbeit in ihren äußeren Formen den Forderungen der Jugend mehr anpaßt. Es fehle an geeigneter Logen-Lileratur. Die Festlegung einer Ideologie unseres Ordens, eine „Ordenslehrc“, wäre ein Geschenk, das wir uns von der h. vv. Großloge zum 50. Jubiläum erbitten müßten. Das Wort „Bruder“ müsse durch den Begriff der „geistigen Brüderschaft“ 'eine neue Bedeutung erhalten., Nach einer einslündigen Pause wird die Sitzung wieder eröffnet. Br. Vorsitzender Hirsch begrüßt den inzwischen erschienenen Ehren-Großpräsidenlen Br. Berthold Timendorfer und regt dann an, die Diskussion über die Fragt* der inneren Propaganda mit der Aussprache über noch ausstellenden Referate über äußere Propaganda zu verbinden. Br. Großpräsident B a e c k bemerkt zu den Ausführungen des Br. Mosevius, daß er die Niederlegting einer Ordenslehre für bedenklich hake. Eine solche Ordenslehre könne zu leicht zu einer „Philosophie in der Westentasche“ werden. Die Grundgedanken unserer Ordenslehre sind uns allen gemeinsam; die Formulierung muß jedem Einzelnen überlassen bleiben. Er bittet, die aufgevviesenen Mittel, die zur Behebung der Logennöte dienen können, nicht gering zu achten.