Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1930-02-01 · 11 (2.1930) · p. Seite 225

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
9 (1929-1930)
Issue
11 (2.1930)
Date
1930-02-01
Page
Seite 225 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/4885084-6352725-6352921--1032-4886060
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 11 Seite 225 V ' ■ ' < ", ‘ 1 i i MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B: ruckder w ii tschuftlfch schwache und uin so vvehrlosere Jude, der Zufluchtsstätte liedarf, in der er sieh geschützt und geborgen fühll. ■ . | ln unserer /eit der allgemeinen Depression ist es daher um so notwendiger, die Geister zu stiirken, die Genialer zu erfrischen, die seelische Widerslnndslühigkcit zu erhalten mit den Mitteln, mit denen sieh auch die jüdische Toynhee-1 lulle im gegebenen Ausmaße betätigt. Man hat .die Toylihce-Ilalle „eine Wiirmostuhc, ein l.ehrhaus und eine Untcrhu'itungsslüllc zugleich“ genannt, sie Idciht im wesentlichen eine, wenn auch bescheidene Pfleg- und Arbeitsstätte des Geistes. Sic ist eine geistige Sendcstation für die Lelierlragung und Zuleitung von W issen; sie übt And betätigt soziale Gesinnung, sie ist etpe soziale Ausgleichsslelle cn miniature, ein kleiner Ausschnitt und (^ucrsehnilt aus dein IlicsCnkomplcN der alles bewegenden sozialen Krage. Sozialismus ist nicht nur eine Magenfrage. Auch Kopf und Herz und Seele und Gemüt sind zu befriciiigen. Inwieweit alle wirtschaftlichen Güter sich restlos sozialisieren lassen, mag dahingestellt sein. Aber alle Kulturgüter, Wissen, Kunst, Bildung sind zum Gemeingut zu machen. Geistiges kann Kollektiv - cigentum sein. W ahrer Humanismus ist ungewandte Humanität. Die Methodik der Volksbildung: hat nicht nur einer Auslese von Intellektuellen zu gelten, sondern auch der „Masse Mensch“, den Vielen, den Kleinen, Unwissenden und Anschluflloscn, den Suchenden und Bedürftigen, denen, die im .Schalten leben. Kür ihre geistige Hebung, künstlerische Unterhaltung und gastliche 'Krt|iiickung ist die Toynliee-Halle begründet worden. Sie erfüllt die Besucher mit frischer Dascinsfreude, lehrt sie, durch Darbietung von Wissen, Kunst und geselliger Gemeinschaft, dem l.chcn Werl uhzugew innen, auch wo es Kntsagung und Knlbchrung im Gefolge hat-. Staat, Vereine und Verbände, politische Kacli- und Bcrufsoiganisationen wetteifern in der Verbreitung und der l’flege von Volksbildung. Im Kabinen dieser Bewegungen mul Bestrebungen nimmt die Toynhee-Hnlle einen ehrenvollen Klalz ein. Sie hat in weitesten, auch nichtjüdischen Kreisen, Beachtung und Anerkennung gefunden. Kin angesehener christlicher Musikpädagoge, der die ’l'oynbce-llulle kürzlich vv issehschaftshalher besuchte, fällte seinen Kindruck in dem Urteil zusammen: „Der Abend bedeutete für inicli ein wahres Erlebnis. Kin solches Beispiel edler Wohltätigkeit, wo die Spender sich mit den Annen gleiclistellcn. habe ich noch nicht kenncngclernt.“ Auf diese Gleichstellung kommt cs an. auf eine Gcmcinsclinfl der Nehmenden und Gebenden, darauf, dal! die Kinpfangentlen nicht das Gefühl haben, dal! eine gesellschaftliche Oberschicht herablassend Almosen spendet, sondern dal! hier der Mensch zum Menschen spricht und gibt, dal! er sich selber gibt. Das war deij Leitgedanke Arnold Toynbees, das ist die Grundtendenz der jüdischen Toynhee-Hnlle der Berliner I.ogcn. Der Festredner dankte dann den Vertretern der Verbände, Vereine und Institutionen für ihr. Erscheinen. Er gedachte wehmutsvoll der heimgegnngenen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und sprach dann den jetzt tätigen verdienstvollen Brüdern und Schwestern für ihre treue Hilfe/den Dank aus. Zum Schlüsse gab llr. Stein seinem/Vertrauen uur eine frohere, glücklichere, harmonischere Zukunft Ausdruck, auf eine Zeit der Erslurkurjg allen jüdischen Lebens, eine Zeit des ncugcfcsliglcn Ansehens und der wiedererlungten Wohlfahrt unseres Vaterlandes. Kür die GroBloge führte der hocliw. Groftprüsidenl Br. Baeck aus. dal! nicht die Zahl der Julire zur Veranstaltung einer Feier berechtige, sondern nur die vollbrachte Leistung. Den Idealen, die zu ihrer Errichtung führten, sei die Toynhec- Ilalle stets treu geblieben. Soziule Tätigkeit bedeute für .uns Gottesdienst, wenn man den Armen mit Freuden diene. Das tue die Toynbcc-Halle und darum erfülle sie ihre Aufgabe. Im .Namen des Gcmcindcvorstandcs und des Wohlfiibrlsumtes sprach Br. Df. I. a m m herzliche Wünsche zur Feier aus. , Für die Keprüsentanlenvcrsummlung gab Br. Moritfz II Ilsen t h a I seiner Freude darüber Ausdruck, dal! die Toynhee- Hnlle ihre Leistungen uns eigener Kraft vollbringen konnte. Als Vertreter des Berliner Logenverbatules sprach Br. Präsident Karl lt o s e n t h a I , während Herr Dr. Ol lendorff die Wünsche der Zcntrnlwohlfuhrtspflegc der deutschen Juden überbrachte.'' Frau Jare.tz.ki bekundete die freudige Anteilnahme der Schvvestgrn-V ereinigungen. Allen Rednern dankte der zweite• \ orsilzende, Br. Grol! Schatzmeister Bach, der. zu eitler tatkräftigen 'Unterstützung der Institution der Tovnbee-1 lalle aufforderle. Der künstlerische Teil der Festveranstaltung brachte „wertvolle Darbietungen erster Kräfte. Br. Oberkanlor W ilhelm Friedmann und Agnes Lenbach fesselten durch ihre vortrefflichen Gcsangsvorträge, während Edith Herr ns t ad I- Oettingen die Ifürer durch die Meisterschaft ihres Vor: träges in ihren Bann zwang.' Auch die Vereinigung der.Iler-.. liiier S y n u g o g e n - U h ö r e 'unter Leitung ihres Dirigenten Alexander VV e i n h a u m vollbrachte eine . hervorragende gesangliche Leistung. Allei) Vortragenden wurde durch reichen BeiTull für ihre ausgezeichneten künstlerischen Gaben gedankt. Möge die wohlgelungene festliche Veranstaltung -_der segensreichen Einrichtung neue Freunde werben und sic in den Stand setzen, in Zukunft ihre. Leistungen zu steigern und ihren Aufgubenkreis zu erweitern. Bei 'diesem Werke, das erstrebt, in das Leben der Mühseligen und Beladenen Licht und Freude zu tragen, darf -kein: Bruder fehlthi. .Vf. us Anlaß besonderer Vorkommnisse machen wir ausdrücklich darauf aufmerksam, daß die Inanspruchnahme von Räumen im Logenhause für Veranstaltungen irgendwelcher .Art (Sitzungen, Besprechungen,. Proben usw.) nur. nach vorheriger Genehmigung durch das Lcgenbüro gestattet werdep kann. * Die u n b e d i hg t e Eeachtung dieser Bestimmung' muß im Interesse einer geordneten Verwaltung unseres Hauses. gefordert werden. Der Ausschuß für die gemeinsamen Angelegenheiten der Berliner Logen U. O. B. B. Norden i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.