Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 9 (1929-1930)
- Issue
- 11 (2.1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- Seite 224 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 224 Nr. 11 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O. B.B. I)al> auch das geistige Lehen in der Fimendorfer Jubiläums-l.oge nicht /u kurz kommt, ist hei einer Loge, zu deren Führern ein Kruder, wie Gustav B r a d t gehörte, selbstverständlich. Auf seine Anregung wurde zurzeit hei der Loge die I lerinann-( nhen-Stiflung zugunsten der Akademie für die Wissenschaft des .ludeiitums. ..Akademiefonds“ genannt, gegründet. Die Loge sieht es als einen besonderen Vorzug an. duß sich in ihren Keilten Brüder der verschiedensten politischen und religiösen Richtungen Itefinden. wodurch das geistige Lehen eine außerordentliche Mannigfaltigkeit erhält. .leder Kruder soll und darf in der Loge seine Ansichten xertfelen. null' alter auch die Meinungen andersdenkender Brüder mit Achtung^ und Brüderlichkeit anhören. Diese xvalire Neutralität zu erhalten und auszuhilden. war und ist eine Aufgabe der Loge. In einer Festschrift, die zur Zehn-.Jahr-Feier den Brüdern üben eicht werden xxird. wird die Entwicklung der Timendorfer .luhiläums-l.oge in den zehn Jahren ihres Bestehens ausführlich geschildert werden. Zweck dieser Zeilen ist es, die Brüder der ' Berliner Schwester-Logen auf die um II. März l!Mt stattfindende Zehn-.lahr-Feier der Timendorfer Jubiläums-Izige schon jetzt hinzuxxeisen und sie zu dieser leier herzlichst einzuladen. Fritz Riesen feld. 25 Jahre Toynbee-Halle Intel allen Ijtgeninstitutioneu erfreut sich die Toxnbeei lalle des besonderen Interesses und der hingehenden Mitarbeit der Sehxxestern und Brüder. Kein Wunder, daß die Feier, die aus Anlaß ihres 2.5jährigen Bestehens am 12. Januar lllifll stattfand, eine überaus große Zahl xon Freunden dieser Sozialen l.inrichtung in der. Hochschule Tür Musik festlich xereinte. ' x Nach einem, xon der Vereinigung der Berliner Synagogenihöre gesungenen l’sahn hielt Br. Maximilian Stein die Festrede. Der Vortragende schilderte die Lnlslehung und Entxx icLIuug der nach englischem Vorbilde geschaffenen Tox nbee- I lalle.*. Die Idee der Fox ubec-l falle ist xon Professor Leon Kellner. Wien, aus England nach «lein Kontinent verpflanzt xxorden. Arnold 1'oX nbee und sein Mitarbeiter Leonhard Moirteliore. ein Neffe xon Moses Montcfiore, beides junge (Studenten der V olksxx irlsehaflsiehre uud beide werktätige Menschenfreunde, schulen die ursprünglichen ..Settlements“ in London, eine Linriehtung für xolkstümliche Bildung und L nterhallung. die erste .. 1 ox nlxee-Halle". Der xon den Berliner Logen begründeten jüdischen l’oxnbec-l lalle waren ähnliche Institutionen in einigen anderen " 1 . . f - Dem Orden gehören nicht mehr an: Berthold Vuerbach-Loge: VihJf R a tt t e n b e r g. SW 11. 'Femjtcllinfer Ufer 3.5 a. Max P r e i ß. NW 87. Lexetzowstr. 21 a. Max II ei rxclier, W oll. Ilohenstaufenstr. 12. Vhruhnm Geiger-Loge: Vrthur Zander. NO.5.5, l.ippehner Str. 3. UNSERE TOTEN Der Orden beklagt den Heimgang folgender Brüder: Name Eingetret. Geboren Verstorben Deutsche R eich s - I. o g e Louis R-uben 13.11.1897 4. 7.1847 12. 1.1930 Berthold A u e r b a c h-L o g e Siegmund Bauehwitz 7. 4.1919 18. 1. 1S69 6 1.1930 .lustizrat Max Fuchs 13.12 1909 18. 1 1850 23. 1.1930 Albert Sachs 28 10.1912 30. 7.1862 23. 1.1930 Julius Frunzmann 2. 12 18S9 22. 6. 1860 3. 2. 1930 M o n t e f i o r e - I. o g e Theodor Bernheim 10. 4.1894 28 3.1352 6. 1.1930 Georg l.oexxenstein 16. 4.1912 15. 7.1861 18. 1.1930 T i m e n d o r f e r .1 u b i I ä u m s - L o g e Julius Meißner _ 8.12.1.920 6.11.1886 30. 1.1930 Ehre ihrem Andenken l Städten xorangegangen. Sie darf den Ruhm für sich in Anspruch nehnVen. die meisten anderen kontinentalen loxnbec- I lallen überdauert zu haben und seit der Begründung, ununterbrochen an der Arbeit geblieben zu sein. VV ährend der 2.5 Jahre hat . die Fox nl>ee-llalle an nahezu 2000 Abenden fast eine Million bedürftige Menschen geistig belehrt, mit reichen künstlerischen (iahen unterhalten, gastfreundlich bewirtet, und damit zugleich, im Rahmen und nach Art der Zusammensetzung. die Teilnehmer gesellig vereint. Die Vorträge behandeln nicht allein W erte des Judentums, sondern VV issen und Bildung. Kunst. Literatur und Geschichte im allgemeinen. Lehrer, Prediger, Aerzte, Juristen, Ingenieure und Hygieniker, Volksxxisscnsehaftler, Fachgelehrte, Künstler und Schriftsteller, Akademiker und Kauflcutc lösen einander ab. Außer den Schätzen des Judentums werden deutsche Dichter und Denker dem Verständnis der Hörer nahegebracht. Erfindungen und Entdeckungen, Wirlschaflsprobleine und F'ragen der Volksgesundheit erklärt, kulturgeschichtliche. religionsphilosophische, naturwissenschaftliche, technische l'heinen besprochen, Reiseeindrücke geschildert und neben 'Freue zuni Judentum, Erkenntnis allgemeiner Bürgertugenden. Flhrfurcht vor der Staatsordnung, V'crsländnis für die Volksgemeinschaft gelehrt. Auch der künstlerische Feil zeigt hohes Niveau und zeichnet sich in Musik, Gesang, Rezitation. in geschlossenen Dichter- und Koniponislcnaheudcn durch gediegene Mannigfaltigkeit aus. Das beste soziale Erz.iehungsxverk ist die Verbreitung xon Wissen. Bildung zivilisiert, Bildung macht frei, Bildung ist Entwicklung. Nur darf sie nicht lehrhaft im Historischen stecken bleiben, sondern muß in Beziehung stehen zum Leben der Gegenwart. Der Aufstieg der breiten Volksmussen war nur dadurch möglich, daß man ihnen Wissen zuleitete, daß man sie über ihre Klasseninteressen hinaus in die Sphäre allgemeinen Kulturhew ußlseins, in die Sphäre der V erantwortung einbezog. Geistige Unterernährung ist ebenso schlimm wie leibliche, geistige Verarmnung nicht minder verhüngiiisvnll w ie ökonomische. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Dem Organismus müssen auch geistige Kräfte und Säfte zugeführt werden, soll er nicht in Marasmus verfallen. Der Mensch braucht auch geistigen Stoffwechsel. Bildung ist nicht Luxus, sondern auch Arbeitsmittel, um im Kampf ums Duscin bestehen zu können. Sic ist dus wirksamste Vlittel gegen sittliche Verwahrlosung. Der immer mehr anschwellende Zuzug nach der Großstadt birgt die Gefahr einer Prolelarisierung weiterer' Viengen um! Schichten, -auch jüdischer Kreise, in sich. Immer größer wird die Gefahr, daß die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse den Mittelstand zermürben, aus dem sich der größte Feil der jüdischen Bevölkerung zusammensetzt. Dazu kommt, daß angesichts der antisemitischen Anfeindungen der Jude, und ge-