Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 9 (1929-1930)
- Issue
- 11 (2.1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- Seite 226 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 226 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Nr. 11 Der Kunst - Ausschuß Von Br. F.xpräs. Hugo Folgende Begebenheit wird mir nie aus dem Gedächtnis schwinden: In einem Badeort lernte ich einen jüdischen Herrn kennen, der in seiner Heimat, einer größeren l’ro\ in/stadt. zu den ..Prominentesten“ gehörte: er war Handelsrichter. .Stadtrat. Gemeindevorsteher und hatte'noch viele derartige F.lirenämter. Mit diesem Herrn ging ich eines Tages durch einen Maid. Fs war ein uralter Laubwald, die Sonne konnte das dichte Blättergevv irr kaum durchdringen, nur wie Gold erscheinende Flechten zeigten sich auf dem mit dichtem Moos bewachsenen Boden und auf den Stämmen, die machtvoll und schnurgerade nach olven strebten und wie gewaltige Säulen in einem unendlichen 'Tempel wirkten. M ie immer in solchen Herrlichkeiten üherkam mich eine feierliche Stimmung, und ich konnte nur <1 ie Morte hervorbringen: ..Ist das nicht unvergleichlich schön?“ M orauf mein lieber Begleiter: „Ich kann verstehen, dab es Ihnen hier gefällt; Sie als Möbcllabrikant erkennen, wie gut brauchbar diese schönen Stämme für Möbel wären!"... Nur eine Antwort wäre möglich gewesen, der Schlubsalz aus Richard Dehmels Menschenfreund: „Sie armer, armer Mensch!“ \ on dem groben Chirurgen Bergmann erzählen seine Assistenten. er hätte in seinem Privatj'immer ein -gutes Bild von l.ovis Curinth gehabt, und nach jttder gröberen Operation, die ihn seelisch stark in Anspruch genommen hatte, hielt er sich längere /eil vor diesem Kunstwerke auf. um durch Betrachtung und Vertiefung darin. Regeneration zu erhallen. _ Mer versteht. Kunst und Natur richtig zu betrachten, wird darin geradezu einen .lungltrunnen finden, und besonders in der heutigen /.eit mit ihren unendlich vielen Sorgen und Mühen im Beruf, rindet der wirklich Kunstverständige l.rholiuig und Frneuerung nach den Mühen des Alltags auf den Inseln der Kunst, er inul> nur gelernt haben, richtig zu sehen und so die immer schöne Natur und die wirklich gute Kunst auf sich wirken zu lassen. Der vom Berliner Gemeinsamen Ausschub .vor mehr als I- -lahren als erster im gesamten Orden B. B. eingesetzte Kuuslausschub hat es immer als seine Hauptaufgabe betrachtet. den Brüdern (luafilälsempfindung und damit wirklichen Kunstgeschmack zu vermitteln. Dieses ist nur zu ei reichen, indem man immer wieder wirklich gute Kunstwerke hcti achtel, und wir haben Jin einer groben Zahl von Kunst-Ausstellungen solche Kunstwerke zu zeigen versucht. Da mubte eine besonders sorgfältige Auswahl der ausgestellten Merke erfolgen und wir haben immer dalür gesorgt, dab die -lurv aus den Itesten verfügbaren Menschen der Kunst BERTHOLD AUERBACH-LOGE U.O.B.B. HIERDURCH LADEN WIR DIE LIEBEN BRUDER MIT IHREN ANGEHÖRIGEN ZU DEM AM SONNABEND, DEM 1. MÄRZ 1930 IM LOGENHAUSE, KLEISTSTR. 10 20 UHR STATTFINDENDEN KOSTÜMFEST UNTER DEM MOTTO: „WIE ES EUCH GEFÄLLT", HERZL1CHST EIN PREISTANZ * TOMBOLA Steuer' M *2 50 Geselligkeit* - Ausschuß, i. A. Simon Braun Kartenverkauf und Tisthbesrellungen an den Logen-Abenden Der Reinertrag dieses Festes wird dem Witwen- und Waisen Fonds angeführt! M ittenberg (J. F.U.). und Kunstwissenschaft zusammengesetzt war. tun dadurch den Brüdern die grobmögliche Gewähr zu gehen, dab die ihnen gezeigten Merke wirkliche Kunstwerke waren, an denen sie ternep konnten. Folgende Künstler und Kunslmcnschen von Beruf hatten sich uns für die .lurv zur Verfügung gestellt: Prof. Moltsleid. Fugen Spiro, Hermann Struck, Max Faliian. Plebner. Dr. Cohn-M iencr. Dr. Karl Schwär/., Ulrich Mai usvv. Auch in Zukunft soll und wird es unser eifrigstes Bestreben sein, den Brüdern und allen, die unsere Ausstellungen besuchen, nur wirkliche Kunstwerke zu zeigen, denn die Kreise, welche durch Betrachtung wirklicher Kunst zum Kunstverständnis und /.um Oualilätsgefühl kommen wollen, sind lins die liebsten. Unser Publikum labt sich in folgende Abteilungen gliedern: eine ganz, ganz geringe Oberschicht, diejenigen, welche angeboren oder in eifrigem Studium erworben, wirkliches Kunstverständnis und Urteilsfähigkeit besitzen. Diese sollten unsere Feiner sein: sie liernnzuziehen und zur Mitarbeit im Kunst - ausscliub zu gewinnen, ist unser eifrigstes Bestreben, vielleicht hellen auch dij-sc Zeilen dazu; wir sind für Meldungen herzlich dankbar! ~ Sodann diejenigen, wejehe bereit sind, .vielt belehren zu lassen, die offen und frei erklären, dab sie bisher noch nicht viel in und über Kunst gelernt haben und sich strebend bemühen. zu lernen. Drittens diejenigen, welche kurz und bündig sagen, ihr Beruf nehme sie derartig in Anspruch, dab ihnen für Kunst gar keine Zeit und Interesse mehr übrig bleibt. Fndlich die leider Mehrheit: Sie haben von Kunst keine Ahnung und können auch nichts verstehen, denn sie haben sich niemals ernsthaft mit Kunst beschäftigt. Aber sie halten sich für absolut kunstverständig, drängen jedem ihre durch keine Sachkenntnis hecinflubtc Kritik auf, spotten dadurch ihrer selbst und wissen nicht wie. leimen es strikte ab, sich beeinflussen und belehren zu lassen, stellen sich direkt feindlich gegen diejenigen, welche cs wagen, an ihrer Urteilsfähigkeit zu zweifeln und ihnen widersprechen. Wenn ein medizinisch nicht vorgebildeler Faie es wagen sollte, einem Konzilium von Aerzlen dareinzureden, würde er dem Fluch der l.üchcrlichkcit anhcimfallen und hätte keinen Anspruch darauf, ernst genommen zu werden. Auch die Kunst ist eine Missenschart, die „durchaus studiert sein will mit heibem Bcmülin“. Hieraus dürfte man ermessen können, wie ic-hwer cs ist, im Kunstaiisschub die Aufgaben zu erfüllen, die wir uns gesetzt haben: aber wir ermatten nicht: Denjenigen, die helelirbaisind (siehe oben), sei nach wievor gesagt, dab wir bemüht bleihen, ihnen nur wirklich gute Kunstwerke zu zeigen, an denen sie lernen können. Darüber hinaus sind wir gern bereit, ihnen in allen einschlägigen Fragen mit Rat und ' Tal zur Seite zu stehen. An. die Leser der Logenbibiiothek! I.ielie Brüder! „Bürger Berlins, schützt Kure eigenen Anlagen!“ Die bekannten Tafeln, welche diese Aufschrift tragen, sollen eine pädagogische M irkung erzielen. Sie wollen den Besuchern klar machen, dab jeder Schaden, der den öffentlichen Anlagen zugefügt wfrd, die Bürger als Besitzettrifft. Die Selbstdisziplin, die hier angeslreht wird, erwarten wir auch ohne Aufstellung von Tafeln ebenfalls von den Besuchern der Fogcnhihliothck. W ir kassieren keine Strafgelder von Brüdern, die Bücher über die übliche Leihfrist hinaus Fortsetzung Seite 229 v.