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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1929-04-01 · 1 (4.1929) · p. Seite 5

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
9 (1929-1930)
Issue
1 (4.1929)
Date
1929-04-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1 L MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B B. . Seite 5 sei «ler Mensch, liilfrciii und gut“, Schiller «lichtete: „Seid umsidiUmgcn. Millionen, liesen Kult der ganzen Welt!“, Beethoven sehrieh seine Neu ute Symphonie. Zn gleicher Zeit cnlw iekelte sich das I i .'iinaurertiini zu höchster Blüte. Ls Fältle damals alles in ei icr Itrudersehalt zusammen, was diesen Ideen Kinfluß in Staat 'und Ciesellsehaft «erschaffen wollte. In krussem Gcgcnsut hierzu hefand sieh die damalige Judenheil, insbesondere am h die Deutschlands, in einer \ erfnssung, die für die Aufm! lune solcher Ideen völlig unvorbereitet war. Nach der Lebirwindung der letzten Ausläufer «les sabbathianisehen Messianismus wurde das jücjisehe l eben vom Itilmdisinus beherrscht, der vielfach erstarrt war und in dem sieh mit feindseliger Ablehnung alles aulterjüdisehen, insbesondere auch der VV isscnschaft, sowohl der philosophischen als auch «1er naturwissensehartliehen paarte. Die in dieser Zeit heranwaehsende jüdische Jugend fand keine Brücke, die voll «lern Judentum, wie es sich ihnen durstellte, zu «len modernen Ideen «ler Umwelt führte. Es schien, als ob es nur ein Enlweder Oder gäbe. Und so darf es nicht wundernehmen, daß sieh die geistig-regsamsten und oft auch diejenigen, die von den höchsten Idealen des Menschentums erfüllt Waren, vom Judentum lussagten. Die sehlielMieh in die bekunnte Mussentuufenbewcgung speziell «ler Berliner Judenheil mündende Entwicklung darf nicht mit Maftstühcn gemessen werden, die der heutigen Zeit entlehnt sind. Heines Wort, «lall der Taufzeltel «las Entreebillett für die europäische Kultur bedeutete, drückt, bis zu einem gewissen Grade wenigstens, das Tatsächliche aus. Es ist «las grolle historische Verdienst der Hcform und des religiösen jüdischen Eihg_ralismus gewesen, daß sie der Taufbewegung Einhalt gebot. Wenn ein Vergleich gestattet ist, dann sei an die politische Lage in den Juhren 1918-191!) erinnert. Nach dem Zusammenbruch. der altpreußischen Monarchie drohte die Gefahr des B«>lschew ismus. So. wie cs das Verdienst der jetzt so viel angefgindeten Parteien, die sich um Schvvarzrotgold sammelten, gewesen ist, «len krassen Lebergang von Schwar/.weißrot zu Ilot zu verhindern, so hat nach dem Zusammenbruch des noch mittelalterlichen deutschen Judentums die liberale Kcformbcwcgung den Untergang des deutschen Judentums verhütet. Die Ideen «les religiösen jüdischen Liberalismus sind zu bekannt, als daß ich sie hier auseinandersetzen müßte. Daß sie sich nicht nur auf das rein Kcligiösc beschränken, sondern auf ein ganz bestimmtes kulturpolitisches Programm mit Einschluß, sei erwähnt. W enn ich die großen Verdienste des Liberalismus .voll anerkenne. so heißt «las doch keineswegs, daß das, was vor. v ielen 'Jahrzehntenrichtig war, auch heute noch gleichen Gellungswert besitzt. Die Wissenschaft lehrt vielmehr, tluß die Wahrheit aller Ideen nur eine Zeit begrenzt. Wir alle wissen, daß das Judentum in den letzten Juhrzchntcn eine weitgehende innere Entwicklung durchgemacht hat. Wcim man von einigen kleinsten Kreisen in weltnbgelcgencn slovakischen Dörfern und Kleinstädten und von einigen Kesten in Palästina absieht, hat selbst die an der Tradition unbedingt festhaltende Orthodoxie sich weitgehend mit den modernen Ideen abgefunden. Ich brauche bloß auf die Tatsache hinzuweisen, daß unsere in sclbstgcwolltcr Abgeschlossenheit lebende deutsche Orth/doxie heute ausnahmslos die Landessprache spricht, die Landeskleidung trägt, die ächlüfenlocken vermeidet, und ihre Kabbiner von deutschen Universitäten bezieht. Ander-- seits hat die nationaljüdische Idee, die fast 1800 Jahre geschlummert hut, oder nur in mystischen Formen zeitweise zum Durchbruch kuin, eine gewaltige Auferstehung gefeiert und ist ein Eaktor geworden, der dem jüdischen Innenleben eine ständig wachsende Bedeutung setzt. Wenn wir nun von unserem' heutigen modernen Standpunkt, der vor allem dureh seine historische Betrachtungsweise gekennzeichnet ist, uns'Mie gleiche" Frage vorlegen, «lie” zu Beginn «ler Emanzipationsbewegung auftauchte, nämlich die,' ol« Mensehsein, «I. h. als Men-sch i«n höchsten Sinne «les Wortes sielt auszideben, mit «lern , Judesein vcrcinhnr ist, so .kommen wir zu einer ganz anderen Antwort als die .vor etwa hantiert und mehr Juhren gegeben werden mußte. W ir können mit vuhigem Gewissen heute sagen, «laß kein Typus «les modernen Judentums mit der humanitären Idee im W idersprueh stellt; ja, wir können darüber .hinausgehen und können sagen, «laß wir gerade durch die Betonung unseres Judentums und durch die Vertiefung in flie rein,jüdischen Gedankehgüngc unser Menschentum in höchster. Weise zur Entwicklung bringen können. Es ilarf hier «luriin erinnert werden, «laß «lie Idee einer Menschheit ursprünglich jüdischer ^lerkunft ist. Die klassischen V ölker des Altertums, die Aegypter, 'die Griechen, «lie Kötner,, kannten keine Menschheit. Für .die ^Griechen, 'deren Kultur «ler Ausgangspunkt «ler ganzen , westeuropäischen Kultur -geworden ist,;soweit sie nicht vom Judentum ^bestimmt, waren alle nicht Griechen, Barbaren. Aber selbst die großen aus «lern Judentum hervorgegangenen' Kcligioncn, das Christentum und «ler Islam, kennen eigentlich den BegrifT der Menschheit nicht. Alle christlichen Glaubensbekenntnisse sind sich «larin einig, daß der nicht getaufte Mensch keinen Anteil an «ler ewigen Seligkeit' hut. Der Islam öffnet, die PTorten seines Paradieses nur den) an ‘Midiumincd Glaubenden; und selbst «lie1 indische Kcligionsphilosophic sieht den -Weg in dus Nirwana nur dem geöffnet, «ler dureh Buddha dahin findet. Demgegenüber haben «lie größten Vertreter der jüdischen Iilte, unsere Propheten, «las -Idealbild «les mcssiunisrhcn - Zeitalters gezeichnet, in dem «tlle Menschen ein Volk sein werden und einen Gott aiiheten wcr«len. Der Tulmud Idlirt, «laß die Frommen aller Nationen um zukünftigen Leben tcilhuhen werden. Gary, ausdrücklich lehrt der Tulmud, «laß v«m. «len Nichtjuden nicht die Befolgung «les mosaischen Gesetzes oder gar der fulmuilischen Vorschriften zu fordern sei, sondern nur die Befolgung «ler allgemeinen Mornlgcsctze. - Die natürliche Folge des jahrtausendelangen VV irken.s solcher Ideen in «1er jüdischen Gemeinschaft ist es, tluß seit der* Emanzipation die Juden in allen freiheitlichen und kosmopolitisclicn Sowie pazifistischen Bewegungen an führeri«ler Stelle, stehen. Es ist kein Zufall, daß «lie Väter des. Sozialismus in Deutsehlund, Marx ■ und 1. assalle, jüdischer Herkunft vv'aren. Auch'diejenigen unter uns, die jüdische Nationalisten sind, sind es nicht in dem Sinne, wie es Chuuv inisten und ,I aszisten anderer Nationalität sind: Der jüdische Nationalismus steht nirgends, im VV'ulerspruch mit «ler Idee des internationalen Zusummcnurhcitcns, wie sie sieh in dem Völkerbund und in den zahlreichen internationalen Bewegungen. der Gegenwart uusdrückt« Gerade die neueste Zeit Dem Orden gehören nicht mehr Berthold Auerbach-Loge: - Martin F r i e «II ä n d e r , SW 19, Friedrichsgraeht 32. t , UNSERE TOTEN Der Orden beklagt, den Heimgang folgender-Brüder: Name Eingetret. Geboren Verstorben Deutsche Reichs-Loge ' > Salomon Abramczyk 16. 12.1922 26. 7.1886 24. 3. 1929 Ehre seinem Andenken! '* s /

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