Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 9 (1929-1930)
- Issue
- 1 (4.1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U. O. B. B. Nr. 1 seit dem Ende des Weltkrieges liat der Erkenntnis immer mehr Geltung verschafft, daß nicht eine künstliche Gleichmachung aller durch Unterdrückung abweichender Ideen und durch Niederkneblung von Minoritäten die Befriedung herbeiführt und den Fortschritt der Menschheit sichert, sondern daß umgekehrt hierzu die freie Entfaltung der einzelnen Volksindividualitäten notwendig ist. Dies waren ja auch die leitenden Gesichtspunkte, die dazu geführt haben, der jüdischen Minorität in den I.ändert» der Massensiedlung Minoritätsrechtc zu versprechen und gleichzeitig der gesamten Judcnheit in Palästina .eine öffentliche, rechtlich-gesicherte Heimstätte zu gewähren, in der sie ihr kulturelles und religiöses Eigenleben frei entfalten können soll. Die Frage, wie die jüdische Gesamtheit sich zum PalästinaaHfbau verhalten soll, ist für mich eine leicht lösbare. Sie hängt eng mit der anderen Frage zusammen, was wir ■luden eigentlich sind. Viele Antworten sind hierauf gegeben worden. Sie scheinen mir bis-auf eine alle unzutreffend zu sein." Leber eines nur gibt es keinen Zweifel, daß wir nämlich eine Familie sind. So wie in einer Familie die einzelnen Glieder weit auseinander wohnen können, ein Bruder in Deutschland, einer in Amerika, einer in Australien, wobei sich allmählich zahlreiche Sonderinteressen entwickeln, doch aber immer ein familiäres gemeinsames Band bestehen bleibt, so ist es auch bei uns. W ir haften verschiedene Sprachen, verschiedene Sitten und Gewohnheiten, verschiedene religiöse Anschau- Neuaufnahmen: Berthold Auerbach-Loge: * Hechtsanwalt Dr. Siegfried I'r ä n k e 1 . W 30, Aschaffenburger Straße 18. Dr. F.tnanuel Freundlich. C'harl. 2. Mommsenstr.!1. Albert G e t z. e 1 . Cliarl. 4. kantstr. 115. Heinrich Israel. W 15. Sächsische Str. 5. Siegfried Kreutzherger. Hai., Markgraf-Albrecht-Str. 3. Hermann P e r 1 . C'harl. 4. Wilmcrsdorfer Str. 40. Dr. Hermann Stahl, \\ ^0. Münchener Str. 42. Timendorfer’ Jubiläums-Loge: RechtsanwaJ^'lJr. t.iidwig .1 a c o h i , Sehbg., Bozener Str. 6.* bei Satö(eT«^V. . _ Recht?mfivvätt'*l-te..^rfur-j#yii t z ,^\V 87. Flensbyrger Str. 17. Richard M-y. n ni, W Meinekestr. 20. Ludwig M a r c\u S'jjrj.'NNß 87'? .A^-Moabjt 61. s \kib^*gerSL<)ge: Joachim A'n d «jj&’m a pth (r,V^2#t,.N\piberger Str. 28. Arno A s 'c h e r tA’harl^‘ 4,' Schlütet>tr. 55. Rechtsartv.. li IfejiSert. £ jjeT;t fankow . Svhloßstr. 1. Rabbiner Dr. .J:«tpib a n n , N 24. Oranienburger Str. 33. Philipp G r ü mlvif * NA,- tjwulidcnstr. 142. I)r. Arnp Lader. Myrltersdorf bei Erkner. Artur Neustadt. Wilmersd.. Holsteinische Str. 33. Rabbiner Dr. Joachim Prinz, W 15. Paderborner Str. 1. Rechtsanwalt Dr. Leo Schocken. C'harl., I.ietzensceufer 7. Rechtsanwalt Dr' Paul Sulzberger, W 62, Bayreuther Str. Nr: 42. (Bisher Montefiore-Loge) Hermann S ü ß k i n d , NW 87, Levetzovvstr. 15. Ahraham Geiger-I.oge: Dr. Ernst B a u m a n n , C'harl. 4, Roscherstr. 4. Sally Cohn, Steglitz, Schöneberger Str. 14. Dr. Arthur Geiger, Wien VI, Mariahilferstr. 47. Dr. Martin Hirschberg, C 25. Prenzlauer Str. 18. Direktor Ralph Oppenheimer, Charl. 5, Kaiserdamm 18. Chefredakteur Alfred Rosenthal, Charl. 2, Schillerstr. 10. (Bisher Berthold Auerbach-Loge) Rechtsanwalt Friedrich Franz Le.vy, Charl. 5, Schloßstr. 58. — i Bisher Montefiore- Loge) Max W o l'f f , Charl. 9, I.eistikowstr. 4. tingcn, verschiedene politische Ideen und bekämpfen uns in allen diesen Punkten. Trotzdem bleiben wir Angehörige der großen Familie, die bei besonderen Anlässen familiärer Art, der eine mehr, der andere weniger, zueinander finden. In allen großen Adelsfamilien und (>ei unserem alten Stammbaum dürfen wir uns als eine solche ansehen — ist es üblich, die Stammburg', die der Ausgangspunkt des Geschlechts ist, zu erwerben und als Sinnbild des Hauses zu konservieren, ln diesem Sinne möchte ich glauben, daß auch für alle Juden die Wiedererwerbung Palästinas und die Entwicklung desselben zu einem staatlichen Lande Israel, auf das wir mit Stolz blicken können, für uns eine Ehrensache ist. Wir werden damit aber gleichzeitig auch in uns die alten Ideen, die von Zion ausgehen, in uns lebendig machen, jene Ideen, daß wir Glied der großen Menschheit sind, und daß unsere- Arbeit zugleich dem Judentum und der Menschheit zu gelten hat, daß das eine ohne das andere eine Halbheit ist. — Für diejenigen aber, die fern von allem jüdischen Milieu, in Gefahr sind, zu entjuden, muß eine Möglichkeit geschaffen werden, die jüdischen Ideen zu pflegen, und zwar in jenem Sinne,, der uns empfänglich macht für die großen Ideale allen menschlichen Zusammenwirkens. — Eine dieser Möglichkeiten bietet uns die Lo^e. Es ist deshalb eine berechtigte Forderung unseres hochwürdigen Br. GroßpräsivA denten, daß der „jüdische Mensch“ sich in der Loge betätige und anderseits dürfen wir es als eine Aufgabe des Logenlebens ansehen, alle Brüder zu „Jüdischen Menschen“ zu machen. Im Anschluß an die beiden Referate entwickelt sich eine Aussprache. t Br. Aronsohri (Sp.-I,.) war dei* Meinung, daß die Hervorhebung des jüdischen Standpunktes nicht nach seinem Sinne wäre, da er das Menschsein vor das Jüdische stelle und warnte vor einer L’elierheblichkcit im Sinne des jüdischen Standpunktes. Der Vorsitzende, Br. Hirsch, betonte dagegen, daß für ihn das Bewußtsein seines Judeseins die Grundlage seines Menschentums bedeutet. , Br. Löw enstamm (B.A.-L.) erblickt in der Religion das Wesen des Judentums und glaubt, daß der angebliche Atheismus vieler Brüder, der sie den religiösen Standpunkt verneinen lasse, einen Irrtum der Anschauung bedeute, der sowohl aus einer Unkenntnis der Religion sowie einer Unkenntnis des Atheismus hervorgehe. Br. Mayer (Sp.-L.) lieht hervor, daß die verschiedenen Versuche, den jüdischen Menschen zu erklären, nur Konstruktionen, oder, nach Vaihinger, Fiktionen seien, durch die wir uns mühselig in der Wirklichkeit zurecht zu finden suchen. Br. S c h vv e r s e n z (M.-L.) weist außerhalb der Erörterungen darauf hin, daß die sozialen Leistungen sowohl der Berliner Logen, wie die des Ordens überhaupt, zu wünschen übrig ließen. Dieser Standpunkt löste teilweise starken W'iderspruch aus. Br. Rosenthal (A. G.-Loge) führt aus, daß der jüdische Mensch eine Selbstverständlichkeit sei, da die jüdischen Idejale Ideale der Menschheit geworden sind. Br. Eisc*nstaedt (Sp.-L.) warnt vor einer übermäßigen Betonung des jüdischen Momentes. , Br. Fleischer (T. J.-I,.) bemerkt zum Referat von Br. •Cit-ron, daß derselbe wohl eine gute Schilderung des national-jüdischen Menschen gegeben habe, nicht aller eine Definition, die die Basis für die Gedanken eines jeden Bhe Briss bilden könne. Die Aussprache, die im vorliegenden mit' wenigen Worten niedergelegt ist, ergab sehr interessante Gesichtspunkte und rief den Wunsch hervor, diese Erörterungen gelegentlich weiter fortzusetzen.