Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 7 (1927-1928)
- Issue
- 9 (12.1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 183 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4885084-6352609-6352874--0426-4885487- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
/ Nr. 9 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN /U.O.B.B, Seite 183 schnell, in die Brüche geht. Fragt man nachher die eine von beiden nach der andern, mit der sie doch so sehr vertraut gewesen ist, so antwortet sie: „Ach ja, ich habe eine Zeitlang ziemlich nahe mit ihr verkehrt, aber bald gemerkt, daß wir doch nicht so recht zusammen passen", oder man hört gar die Antwort: „Ach die, mit der habe ich mich erzürnt, die sehe ich gar nidht mehr an." Bei einer rechten Freundschaft ist eine gewisse Verschiedenheit, aber auch, eine gewisse Gleichheit sehr wünschenswert. Es ist gut, wenn zwei Freunde nicht das gleiche Temperament haben.; Zwei phlegmatische Naturen, werden sich leicht gegenseitig langweilig; sie wissen sich oft nichts zu sagen und können nicht warm miteinander werden. Zwei Freunde mit sanguinischem Temperament werden sich leicht streiten, sie vertragen sich wieder, aber schließlich erzürnen sie sich doch hur[zu oft einmal, so daß der Riß zu groß wird und sie nicht wieder Zusammenkommen. Aber wenn eins der Freunde lebhaft und leichtlebig ist und mehr aus sich heraustritt, der andere mehr ein Innenleben führt, ruhiger und ernster ist, so kann cs einen guten Klang geben. Die Gefahren, die mit dieser verschiedenen Eigenart verbunden sind, daß einer oberflächlich wird, der andere verschlossen, werden bei einer innigen Freundschaft zwischen ihnen überwunden werden. Dabei braucht die Verschiedenheit ja nicht gerade so groß zu sein, wie bei zwei Herren, derer ich mich ejrinnere. Sie machten täglich einen mindestens zweistündigen Spaziergang miteinander. Der eine von ihnen besorgte dabei stets das Reden, der andere das Zuhören. Dieser Verkehr hat geviriß das Gute gehabt, daß die beiden Freunde sich nicht leicht erzürnen konnten, weil cs nie zu Meinungsverschiedenheiten ^wischen ihnen kam. Solch eine Freundschaft aber, wo einer nur gibt, der andere nur nimmt, ist vom Ideal der Freundschaft recht weit entfernt. ^Neben der Verschiedenheit ist aber auch eine gewisse Gleichheit nötig, eine Aehnlichkeit im Alter, in der Bildung STEIN BERG & CO i FLÖGEL-U. PIANOFABRIKEN VERKAUF NUR IN DF R HAUPTf ABRlK : BERLIN frankfurter -Allee 12. 1 0*3-4 und in den Interessen. ^Vor allcm aber ist eine Gleichheit in den grundsätzlichen, sittlichen Anschauungen wichtig. Man denke an das Wort: .„Sage mir, mit wem du umgehst und ich will dir ragen, wer du bist-X Legt man zwei Aepfel zusammen, von deiien der eine gesund, der andere faul ist, so wird nicht der faule durch die Berührung mit dem guten gesund, sondern der gesunde wird durch den kranken angcstcckt. So ist cs auch i_m Leben, -cler gute Einfluß wird selten siegen. Eine rechte Freundschaft darf nicht herabzichcn, sie n\uß vielmehr besser machen und veredeln. Das ist aber nur möglich, wenn man gegeneinander aufrichtig ist und sich gegenseitig auf die Fehler aufmerksam macht. ' Manche meinen das sei Freundschaft, wenn sie sich nur Schmeicheleien und Liebenswürdigkeiten sagen, die Vorzüge des anderen entdecken und diese stets vor andern loben. In Wirklichkeit ist dies mehr Selbstsucht als Freundschaft; man lobt den anderen, nicht weil man ihn lieb hat, sondern weil man sich selbst liebt und von ihm auch gelobt werden'will.- Sehr hübsch ist das Urteil des Volksschriftstellcrs Matthias Claudius, der üj>er solche Freundschaften sagt: „Wenn du Paul den Peter rühmen hörst, sof/wirst du finden, rühmt der Pblcr den Paul wieder und aas heißer/ sic/Freunde sein. Und ist oft zwischen ihnen weiter nichts, als daß sie einander gegenseitig zum Narren haben, denn wie du sichst, ist hier wie in vielen Fällen, ein jeder von ihnen nür sein eigener Freund und nicht der des anderen. Ich pflege solch Ding-Hollunderfreundschaftcn zu nennen. Wenn du einen jungen Hollundcrzweig ansichst, so sicht er feinstämmig und wohlgcgriindet aus; schneidsf du ihn aber ab, so is-f er inwendig hohl und ist ein trocken schwamnjig Ding' drin.” ' ' ■ Es ist für jeden Menschen gut, gaiiz besonders in der Jugend, wenn er auf seine Fehler hingewiesen wird. Freue dich, wenn du solch einen Freund gefunden hast, er ist ein köstlicher Schatz. Denn: / . lernten t;Kanlstrf6* * Mqflser Alfee2p9 &iir die festliche vafel $aü Conditörei Xoelschow £Besiellungsannahme: Dfollcndorf 2023,,2024 .7 S&ismarck 5806 1