Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 7 (1927-1928)
- Issue
- 9 (12.1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 178 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/4885084-6352609-6352874--0421-4885482- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 178 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Nr. 9 Bücherschau Was ist ein menschliches Leben wert, was Hunderte. Zehntausende menschlicher Leben, und was ihr Erlöschen? Wir fühlten es nicht mehr, seitdem die Millionenzahl der Toten im Weltkrieg uns abgestumpft, seitdem Filme, Reporterund Dichter uns mit dem Grauen davor überfüttert hatten. Und doch stieg, in diesen Tagen, noch einmal das Grauen in uns auf:- beim Schwarzbart-Prozeß — als wir von Anklägern und Verteidigern durch die Felder. Städte und Dörfer der Ukraine geschleift wurden, die vom Blute jüdischer Menschen, unserer Brüder, troffen. Und erstarrend fragten wir uns: „Wie ist das nur möglich?” Eine Ahnung der schrecklichen Möglichkeit steigt aus dem Novellenbande des russischen Juden I. Babel, „Geschichten aus Odess a", vor uns auf, der durch den Malik-\ erlag der Welt des Westens zugänglich gemacht ist. Der melancholische Boden, der träumerische, glühende. Himmel, die schwerblütigen, sinnlichen, dumpf verlangenden und fanatisch raubenden Menschen dieser Ukraine-Welt, halbwilde, starrsinnige Kosaken und rührend schwächliche oder robust infizierte Juden, wimmeln in diesem Bande, ihr Leben, das sie mit und gegeneinander leben, und die Tode, die sie einander bereiten. „Die Geschichte meines Taubenschlages" ist sicher der phantastischste und doch wirklichste Bericht eines Dorfpogroms, der je geschrieben würde, erlebt am Leib und in der Seele eines zarten, unschuldigen jüdischen Kindes, gesehen durch seine toderschrockenen, blutüberströmten Augen. Diese Vision kann kein Menschengedächtnis vergessen! — Und die Ahnung wird zur Klarheit in einem anderen Buche Babels, „Budjonnys Reiterarme c”, das die ganze rofglühende Hölle des Bruderkampfes in diesem herrlich-furchtbaren Lande Umschließt: die Greuel des Krieges der Weißen gegen die Rotfen, zwischen dessen Kiefern die unglücklichen Völker zermalmt wurden und am grausamsten die Juden unter diesen Völkern. Diese Hölle wird erlebt von einem merkwürdigen Menschen, einem Juden-Kosaken, dem in Budjonnys Roter ^.rmee dienenden Dichter Babel selber. Ein modernes Inferno, vorgezaobert mit der dantesken und doch •naiven Kraft eines Russen von heute, nein; eines Juden von heute, aus dessen übergeworfenem russischen Wolfsfell die jüdische Lammseele blutet. Wer noch mehr verstehen will, muß zu Dubnows gewaltigem Geschichtswerk greifen, oder zumindest zu seinem Aufsatz „Das große Morden", abgedruckt im Sammelbande „G estalten und Moment e", den der junge, aber rührige Heine-Bund unter der Redaktion von Professor Ismar Elbogen im Weltverlag herausgab. „Zwischen Hammer und Ambos" lautet der erste Teil dieser Dubnowschen Arbeit, und dieser Titel ist die voll ausreichende Erklärung des Furchtbaren, das in ihr erzählt wird. Zwischen Hammer und Ambos, nämlich zwischen Polen und Kosaken, zerschmettert und zerstampft wurden Hunderttausend unschuldiger Juden' im siebzehnten Jahrhundert durch die Chmelnitzki-Kriege auf genau der gleichen ukrainischen Eide, auf' der sie gestern erst wieder vor unseren Augep zwischen Roten und Weißen zerrieben wurden ,.. Das eben ist ja die Erklärung, daß i wir überall zwischen Hammer und Ambos der Völker, Parteien, Ideen und Kulturen geraten müssen. Man braucht nur andere Seiten desselben historischen Sammclbuches aufzublättern: „Heines Damaskusbriefc“, „Einer heiligen Gemeinde Untergang", (das Martyrium der Gemeinde von Mainz in der Kreuzfahrerzeit) oder „Jeremia, der Prophet und Staatsmann", um immer wieder das gleiche Schicksal schaudernd zu erfahren. . Noch ein neues Buch führt auf dieselbe, immergleiche, blutgetränkte südrussische Erde und in das Volk von Juden, das auf ihr lebt und leidet — ein Buch von anderer, ruhiger Art. eine wissenschaftliche Studie von Lazar Gulko witsch, „Der Chassidismus", erschienen im Verlag Eduard Pfeiffer zu Leipzig! Auch der'Sammelband des Heine-Bundes enthält eine Abhandlung über dieses Thema. Aber das Buch von Gulkowitsch JdcJmct weXVruf und sind überall zu haben, wenn wicht, erbitten Anrufs Moabit 6088/89 PELZ Hüntel, Füchse, Felle Pelzkragen, Manschetten zu jedem Tuchma-ntel passend, Garnitur von 35 Mark an Wiener Pelzhaus Leipziger StraBe 89 Ecke Markgrafenstr. yn eigenen Hause Nürnberger Platz 3 direkt Lntergrundbahnhr. ~Gu>ße Auswahl Zahlungserleichterung Konkurrenzlose Preise Andreasstr. 23 am Platz Brunnenstr. 95 Beusselstr. 67 Leipziger Str. 54-55 Neukölld? Bergstr. 133 Spandau, Charlottenstr. 24a Niederschöneweide, Brückenstr. 9 METZNER [Kinderwagen^Writhausl Korbwaren Ruppen wagen Meta II betten Billige Preise / Zahlungserleichterung Für Zuckerkranke Ogupon Brot, QebSck, Schoko« lado hergestellt unter Aufsicht eines staatlich approbierten Nahrungsmittel - Chemikers Konditorei F. Ul. lumpen Hygienisch« Abteilung Berlin C 2, Königstr. 22-24 - Merkur 2108-2113 Janas scnahaiacaer, senia w jj, stestttzer straoe ti Fernsprecher: Lützow 94 u. 6796 (fttnnfnmn Sbarlottenburg 2, Äncfebccfftrafjc 5 * eV% VII1 «IIIIII $t(rpb*n: ©telnplütj 9412*14 £>onbel*$effllfd><jft für SLofylt, ÄoM unb Tlebenprobufte m. b. £>. Sagcrplat): £f>arlotteqburg, 2(m ©preeborb liefert ©tbmeljfoM, ©aefof^, 33rifett£, 0tetnfof>lcn, Sjolj