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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1927-12-01 · 9 (12.1927) · p. Seite 177

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
7 (1927-1928)
Issue
9 (12.1927)
Date
1927-12-01
Page
Seite 177 (sequence 17)
Language
German
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✓ Nr. 9 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O,B.B Seite 177 ich die Biegung am Sakrower SchloDpark erreicht? Ein scharfer Luftzug, der mich erschrecken läßt, streift die Baumkronen. Bin ich auf dem richtigen Wege? Ich bin ja furchtlos! Geradeaus. Im tiefen Dunkel berühre ich jemand, es ist das Geländer der Straßeneinfassung. Was für ein Datum? Meine Gedanken jagen wie die Wolken. Es ist der zwölfte. Richtig, heute ist ja Freitag. In einigen Minuten der dreizehnte. Lächerlich, auch noch abergläubisch zu werden! Es ist nur die Schwüle, die mich bedrückt. Also, vorwärts! Einjge Meter vor mir die Konturen eines Hausesl „Faust“. Gedanken überkomnpen mich: Walpurgisnacht! — Jetzt spendet der ft ond wieder sein mattes Licht. Schnell zum Fährmann. Da, vor r tir, sehe ich ihn in gebückter Haltung, das Windlicht in der Hand. Weiden, Schilf, Wasser, die, jenseitigen Baumriesen liegen scharf umrissen: Geisterlicht! Wieder tiefschwarze Nacht. Nur das Licht des Fährmanns zeigt mir den Weg. Ich steige in das Boot . . . nebelschwangercs Dämmerlicht: ich empfinde die Fahrt zur Toteninsel. Oder sitzt vor mir der Ferge Charon, der die unsterblichen Seelen zur Unterwelt geleitet? Düster steigen vor mir die auf stark ansteigender Anhöhe des jenseitigen Ufers stehenden Bäume auf. Eine tiefe Schlucht, der Weg, der zum Kreuzweg führt. Ich muß sprechen. Es ist ja nur der Fährmann. Frage nach dem kommenden Wetter. Er spricht müde, zittrig. Heute, kurz vor der Dämmerung, hat er eine junge Frau aus dem Wasser gezogen, fest umschlossen hielt die Totenhand einen Brief, der von der Schlechtigkeit der Menschen sprach. Es ist gleich zwölf Uhr. Ich mag nicht umkehren,, es sieht zu peinlich aus! Dfister wird es, jetzt undurchdringliches Dunkel, nur das Fährlicht leuchtet aus dem Nebel. Wir landen. Kern Weg zu sehen, der Ciedankc, Baum oder Strauch zu berühren, läßt mich unangenehm erschauern. Keinel zehn Schritt, und ich bin am Kreuzweg, um Mitternacht. Totenstille. Wieder ein kurzer Windstoß in den höchsten Baumgipfeln. Ich muß stehen bleiben. Habe ich Angst? Kurz vor mir bewegt sich ein haarfeiner heller Feuerstreifen, sind es drei, sind es fünf Meter, bis er den Boden erreicht? Er erlischt. Nichts rührt sich. Sind Menschen in der Nähe? Kein Laut. Ich stehe und lausche angespannt. Grausaiq. wirkt das Nachtdunkel, beängstigend die Schwüle, und die Unheimlichkeit des Ortes. Wieder ein scharfer dünner Feuerstrahl, das Dunke! durcheilend. Erlösend :ritt' den Mond aus den Wolken, und vor mir sehe ich ein Pär :hen, nur die Umrisse. Erleichternd will ich aufatmen und um Feuer für meine längst ausgegangene Zigarre bitten. Ich trete näher und höre unartikulierte Laute, ein. jähes Auscinanderspringen des Paares. Ich muß sprechen. Laut bitte ich um Feuer. Nichts regt ^ich. Doch! Eilende Schritte. Jetzt wieder Ruhe. Will man mich überfallen? Ich verwejle ruhig. Nichts rührt sich. Ich wiederhole laut meine Bitte um Feuer. Meine Stimme ist nicht volltönend, vielmehr beängstigend brüchig. Ich mache in der rabenschwarzen Nacht einige Schritte und berühre einen weichen menschlichen Körper. Ich springe, zurück. Wieder unartikulierte Laute und Getrippel eilender Menschen. Selbstmörder? Verbrecher? Das Licht erscheint wieder, fahl und unheimlich das Wasser des Jungfernsccs durch die Weiden. Vor mir das Pärchen. Sind sie wesenlos? Ich trete heran,, finde .ein Scherzwort, das ich mir quälend erpresse. Wieder kein Laut, nur ein namenloses Erschrecken, . fast ein Grauen glaube ich zu fühlen. Immer noch keine Antwort auf meine Frage. Der Weg, ich brauche bis zur Glienicker Brücke zwanzig Minuten durch den Wald, wird mir zur Ewigkeit. Mein Kragen ist durchgeweicht, Angst im Herzen und Grauen .vor etwas. Unfaßbarem zwingt mich, und matt erreiche ich nach mehrmaligem Zusammentreffen mit dem Paare, das schweigend verbleibt, ' das sinnlos enteilt, die beleuchtete Chaussee, den Endpunkt der Pötidamcr Straßenbahn. Das Pärchen steigt ein — es sind Taubstumme, die heftig in ihren Zeichen.'gestikulieren, maßlos erregt sind, dieebenso erregt sind, wie ich erschlafft bin. Was hatte ich gefühlt: Walpurgisnacht, die Toteninsel, Böcklins' großes Werk, den Styx, den Fergen Charon-, klassischer Aberglaube hatte mich beherrscht. - Ich bi« furchtlos . .... erzähle ich stets meinen Freunden. | JULIUS KIWI, MÖBELFABRIK nur Chausseestr. 60 Fernsprecher: Norden 2260 — U.-Station: Schwartzkopffstraße (Nord - Süd - Bahn) Mitglieder erhallen 5 Prozent Rabatt bietet Ihned Vorteile in Preia Form und Qualität. 'Darum besieh-* tigen Sie beim . Einkauf meine Sonderausstellung Zahlungsweisenach Übereinkunft Verlangen Sie Kosten-Anschläge / Wohnungstausch '. kostenlos A. SCHÄFER Berlin-Wilmersdorf, 36 Wilhelmsaue fitiriaftcvair irfDrnraasiiorie| etiirmi um Kristall' / Porzellan ./' Tischlampen Metall / Silberplated' / Einrichtungen für Küche/ Haushalt und Bad Übersendung von reich JiUusJrierfem weihri&chts- . Prospekt! 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