Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 7 (1927-1928)
- Issue
- 9 (12.1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 176 (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 176 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Nr. 9 Ich bin nicht abergläubisch! Von U. Schöneberg. Lieber die rein wissenschaftliche Deutung und Zergliederung des Begriffes Aberglauben wrollen wir uns an dieser Stelle nicht unterhalten. Jeder kennt die Auswüchse des mittelalterlichen Hcxenglauberts, die Verquickung von Glauben und Aberglauben in den klassischen Ueberlieferungen und weiß, daß außer psychischer Veranlagung hauptsächlich Furcht und Eigennutz die Fundamente des Aberglaubens bilden. Nebenbei: beim Spiritismus und Okkultismus liegen die Dinge ähnlich. Auch hier sind Furcht und Eigennutz nicht zu unterschätzende Faktoren. Ich bin nicht abergläubisch, mir fehlen die Vorbedingungen: Furcht und Eigennutz! — Da ich gezwungen bin. gesellschaftlichen Verkehr trotz schlechter Zeiten — besonders mit der Verwandtschaft — aufrechtzuerhalten. lade ich hin und wieder zum Frfeitag ein und nenne_die Anzahl der dazu Geladenen, insgesamt dreizehn Gäste. Trifft der Freitag auf einen dreizehnten, so bin ich selten froh. Es ist keineswegs Eigennutz, der mich veranlaßt, abergläubische Menschen mit meiner freundlichen Bitte, die meistens nicht angenommen wird, in Schrecken zu versetzen, sondern ich verbreite das Gerücht, cs handele sich um eine Erziehungsmethode. Man dürfe nicht abergläubisch sein, das paßt nicht zu unserem aufgeklärten Zeitalter usw. Es gibt eben für alle Ansichten, selbst wenn sie an Eigennutz erinnern, eine Erklärung! Idh habe zunächst bewiesen, daß ich nicht eigennützig bin, und nun werde ich auch meine Furchtlosigkeit anerkannt sehen. Eswäre mir übrigens sehr tyiangenehm. wenn tatsächlich am Freitag dreizehn am Tische säßen . . . man kann doch nicht wissen. — Das der Erklärung meiner Furchtlosigkeit dienende Geschehnis spielt in einer Gegend, die fast allen Berlinern wohlbekannt ist: Zwischen dem sagenumsponnenen Sakrower See, wohlbekannt aus Theodor Fontanes Wanderungen durch die Mark, Brandenburg,. der herrlich an der Havel, zwischen dem Jungfernsee und der Sakrower Bucht,| gelegenen Gaststätte „Faust", dem düster aus Kiefernwäldern steigenden Nikolskoe und dem von hohen, breiten Mauern umgebenen Glienicker Herrschaftssitz. Ein Kreuzweg, um Mitternacht, unheimlich, begrenzt von alten, uralten Baumriesen, ist die schaurige Kulisse der Probe auf meine Furchtlosigkeit. Nach fröhlichem Zusammensein in Sakrow kam erst spät die Trennung von guten Freunden. Ein hellklingendes Glockenspiel meldete die elfte Stunde. Noch immer wurden Worte gefunden, und es war schließlich halb zwölf, als ich das Parktor hinter mir schloß. Eine tiefdünkle, schwüle Sommernacht umfängt mich. Kein Licht. Allein. Zunächst heißt es, die Chaussee zu gewännen, um dann links durch das bei Tage idyllische Sakrow nach „Faust“ zu gelangen, von dort überzusetzen, um dann längst des .Jungfernsees die Glienicker Brücke zu erreichen. Alles in allem vierzig Minuten. Kein Windhauch, im Oertchen unheimliche Ruhe, selbst die Hunde lassen den einsamen Wanderer unbehelligt ziehen. Ich kann nur langsam tastend vorwärtsschreiten. Auf der kleinen Brücke, unter mir die Wasserverbindung des Sakrower Sees und der Sakrower Bucht,-sehe ich im unerwartet durchbrechenden Mondlicht ein unbeschreiblich schönes, grausiges Bild. Hochgehende Wolken, in großer Eile, Heerscharen vortäuschend, ziehen unter dem willkommenen Lichtspender dahin. Beängstigende Schwüle. - Kein Luftzug. Die weite Fläche nach dem heiligen See, Wiesen ynd Sträucher fahlgelb, wallende Nebel, geisterhaft, zur Linken alte Ebereschen ohne jede Bewegung des Laubes. Von Zeit zu Zeitein Durchblick nach der grabesruhigen Havel, riesige Weidenstümpfe, von vergangenen Jahrhunderten träumend, Gnomen gleich, vor dem Schilf. Alles unbeweglich. Kein menschlicher Schritt zu hören, kein Flügefschlag, kein tierischer Laut. Plötzlich völlige Dunkelheit. Habe V A BERLIN W 6 Cotrim * iääfiitttftM, *• 'Verbürgi hohe CfagiUtri K3etf<iln«»aäa«maStmc: - FERNSPßECHEß^MERKUR-4871-4673 LEIPZIGERSTR-24 Der 1928 IIIIIIIIIIUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIMHlllllllllllll Die neueste Form Stammhaus Neubauer Unter den Linden 60 Königs». 37 Maliers». 68 * Verkauf für Mayser, Ulma. D. TEPPICH-VOOEl PolHtamer Sfr. *41 rrledrldimSr. 4S3 IIIIIIIIHIIIIIIIHI KleU-VtrkMi IIIIIIIIIIIHIIIHII llllllllllllllll GroB-Vertu«! j||||||||||||||| Sonderangebot tu Teppichen c«. 140X200 175X250 200X300 250.050 300X400 Bernde S M. 22.- 34. - 45,— 67.50 90.— Boucle Ia - 28.- 44.— 61.— 91,- 122.— Axminstcr - 28.- 37,— 55.— 87,— 110.— Velour« „ 34 r- 49.— 72.— 110,— 144.— Tournay .. 58 — 89.— 127.— 19!.— 254,— Lauferstotte ca;68 cm breit, Kokos 1,68, Bouclä 2,35, Haargarn 5,20 Tischdecken M. 7,—, Divandecken M. 15,— Linoleum, gemustert, per qm von M. 3,10 an 150 200 200 stngua-Teiipitiia ca. ^0 m. d.id, 250 M- 15.15. 300 M-18-1° Ami all« amderen Artikel, ae6 tt Liaoleoa a. Marken-Artikel, 7°/0 Kms«e*Rmbmtt