Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 7 (1927-1928)
- Issue
- 9 (12.1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 165 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 9 MONA L 4 '• '' , ' ' , TSSCHRIFT DER BERLINER LOGE>N U.O.B.B. •' 9 Seite 165 ung, Familienzusammensetzung sich bereitlinden, sich auszusprechen, sich belehren zu lassen, sich gegenseitig gelten zu lassen, ohne, daß Anwürfe fallen — fallen dürfen? Dies allein schon ist ein Ruhmesblatt des Ordens. Hervorragende Führer des Ordens, des Judentums haben es offen ausgesprochen, daß sie dem Orden ihre seelische Rückkehr zum Judentum verdanken. Nicht bloß von ihnen — von Tausenden der Masse darf es ohne Uebertreibung gleichfalls gesagt werden. Was das an seelischer Aufrichtung für den Lebensweg des einzelnen bedeutet, läßt sich schwer in Erklärungen oder Ziffern fassen. Für unendlich viele hat er ein — oder sagen wir lieber: das Lebensgefühl geschaffen, das es ermöglicht, den Kampf des Lebens siegreich zu bestehen — nicht in einem äußerlichen Sinne — der Erringung eines materiellen Sieges — wohl aber im Sinne einer geraden, stolzen, aufrechten Lebensführung. Das sollte wenig sein oder so gut wie nichts? Wo doch — wie wir täglich spüren — im Allgemein-Menschlichen das Jüdische bedroht ist! Es ist gesagt worden: der Orden ist kein Vorkämpfer für irgendwelche jüdische Ideen gewesen, er ist überhaupt kein Vorkämpfer. Im besten Falle kam er um 20 Jahre zu spät. Ja, ist denn dem Orden die Aufgabe gestellt, neue jüdische Ideen zu fassen und sie in die Massen zu werfen? Wenn's so wäre, dann müßten allerdings die Beamtenräte an erster Stelle darauf achten, die genialen Himmelsstürmer in den Orden hineinzubekommen und möglichst eine Brutstätte für solche anzulegen. Ist denn eine solche Aufgabe möglich und denkbar — insbesondere bei einer mit Absicht heterogen zusammengesetzten Gemeinschaft? Aber hat nicht der Orden eine ganz andere Aufgabe und hören wir sic nicht an jedem Logenabende zu Beginn unserer Sitzungen! Sie beginnt mit den Worten: „Unser Orden hat sich die hohe Aufgabe gestellt, Juden zu vereinigen zur . . ." Ich kann mir die Aufzählung im einzelnen vor dem Leserkreise, dieser Zeitung ersparen. Jeder Satz ist jedem Leser geläufig. Was da gefordert wird, ist nicht neu und nicht himmclstürmerisch, cs ist uralt und — soweit man von einer Ewigkeit sprechen kann — urewig, denn es geht zurück auf die Forderungen des uralten klassischen Judentums. Die Erfüllung ist. nur darum etwas schwierig, weil'das Gute in der Welt mit den nun leider schwachen menschlichen Kräften nicht gar so rasch überall zur Tat werden kann. Aber: Sclbstveredelung als Juden, als Menschen, Förderung alles Großen und Schönen, Hilfe allem Leidenden — und dies in Eintracht. Es lohnt sich.schon, damit den Orden und das Leben —, auch im Jüdischen' — zu bejahen. Denn cs gibt eine der . .. . oder d i e Möglichkeit, die Welt besser und schöner zu gestalten. ' ■ t Ist es.’nötig, materielle Leistungen,'die in außerordentlichem Maße als jüdische Leistungen, zu bezeichnen sind, aufzuzählen? Ein paar Beispiele mögen für die vielen,*! die den Rahmen dieser Ausführungen sprengen würden, stehen, ln die Jahre 1890—1896 fielen die Bemühungen unseres Ordcris, Juden vom Hausier- und Viehhandcl abzulenken "und sic deni Handwerk, der Landwirtschaft und den technischen Berufen, zuzuführen, seit 1897 setzte die Fürsorge für die Wanderarmen ein, 1898 Maßnahmen — in Verbindung mit dem früheren österreichischen Distrikt — zur Hebung des fürchterlichen Judenelends in Galizien —, weiter: Rumänien — Pogromopfer, r-, ich möchte hur in Stichworten reden —, Förderung osteuropäischer. Juden — Toynbcchallen — Arbeitsnachweise — jüdische Krankenpflegerinnen — Beelitz (gemeinsam mit DJGB.) —1 Gesamtarchiv (desgl.) — Mitschaffung der Zcntralwohlfahrtsstellc der deutschen Juden usw„ usw. Das Kulturwerk des hessischen Logenverbandes ist nur eines unter vielen anderen der Vergangenheit. Wer will das menschliche, das jüdische Leid, das über 100 deutsche Logen in über 40 Jahren gelindert haben, in eine Liste zwingen? i , . Gewiß — wenn man das unendliche Judenleid vor Augen hat, cs ist noch unendlich viel zu'leisten und auch in der Vergangenheit hätte mehr geschehen können und müssen, wenn nur. alle Kräfte und Mittel uns zur Verfügung gewesen wären. Jedoch — nehmt alles in allem — wenn man die seelischen, gei- stischcn, materiellen —■ die jüdischen — Leistungen des Ordens n 40 Jahren überschaut, —'der Orden darf auch vor kritischem ^uge — in seiner Bilanz am Ordenstage — bestehen. *) V’ergl. hierzu die htenswertt .Übersicht, die Br. Pinkel unter dem Titel: '/-I0 Jahre Großlogc" gegeben hat. .Der Orden Bne Bris» Nr. 6—7 1925. ' Neuaufnahmen: Deutsche Reichsloge: S e e 1 i g , Dr. Arthur, Steglitz, Bismarckstr. 70. Montefiore-Loge: Landau, Dr. Leo,.S 59, Boppstr. 10. Jehuda-Halevi-Loge: 1 Cohn, Rabb. Dr. Emil B., Grunewald, Ilmenauer Str. 11.' Feuerring, Isaac, Grunewald, Teplitzer Str. 25. H a a s e , Dr. Felix, W 15, Ludwigkirchstr. 10a. Michael, Dr. Max J-, Grunewald, Auerbachstr. 5. Stern, Max, W 35, Steglitzer Str. 27. Strauß, Dr. Max, W 62, Lutherstr. 53. Julius-Fenchel-Loge: Alcalay, Sabbat, W 15, Fasanenstr. 67. Beermann, Hans, W 15, Joachimsthaler Str. 21. Blumenthal, Arthur, C 2, Spandauer Str. 37. Braunsberg, Max, Steglitz, Fichtestr. 31a. Cohn, Georg, Rechtsanwalt, NW 87, Levetzowstr. 14. Hamm, Willy, W 15, Kaiserallee 203. L o e s e r , Dr. Alfred, W 35, Magdeburger Str. 22. Schweitzer, Gustav, W 15, Duisburger Str. 5. Dem Orden gehören nicht mehr an: Deutsche Reichsloge: Baruch, Leo, W 15, Kurfürstendamm 167. Friedländer, Salo, NW 21, Oldenburger Str. 42. Monteiiore-Loge: Baruch, Bruno, W 62, Kleist Str. 4. Freudenthal, Erich, Charl. 2, Bleibtreustr. 38/39. t % / Badt, Hermann, W 15, Bregenzer Str. 11. L a c h m a n n ..Georg, O 27, Blarfkenfeldcr Str. 14. Wolfsohn, Erich, Charl. 2, Kantstr. 143. Drcyfuß, Arnold, Charl. 5, Kunö-Fischer-Str. 14. .- ' Michaelis, Leo, Wilmersdorf, Emser Str. 16. A 11 m a n n , Kurt, SW 11. Hallcsches Ufer 14. ' r Blume n t ha I, Löuis, NW 23, Flotowstr. 1. Juliusburger, Jacob. Halensee, Ncstorstr. T. Kirschhcr, Wilhelm, Charl., Mbmmsenstr. 44. Berichtigung: Dr. Ludwig M e n d 1 o w i c z, O 34, Tilsiter Str. 91, ist nicht aus dem Orden, sondern nur aus der Montefiore-Loge ausgetreten. UNSERE TOTEN Der Orden beklagt den Heimgäng folgender Brüder: Name Eingetret. Geboren Verstorben Berthold Auerbach-Loge Felix Herrmann ' 5. 11. 1900 15. 12.1855 21. 11. 1927 Montefiore-Loge 1 Adolph Rosenthal 2. 1.1890 21. 9. 1847 6. 11. 1927 Isidor Felsenburg 4.12.1917 2.12.1869 11.11.1927 Moritz Bock; 15. 2. 1898; iS. 2. 1851, 17. 11. 1927 * Ehre ihrem Andenken I I i i r? / '7 / I ' I 1 1 i /