Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 7 (1927-1928)
- Issue
- 9 (12.1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 166 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite J66 ._MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B._Nr. 9 \ ~ Ordensgedanke und Religionsunterricht Von Br. "Robert *. Unser geliebter Orden hat sich die hohe Aufgabe gestellt, seine Mitglieder zu den höchsten und idealsten Gütern der Menschheit zu führen. Zu diesen höchsten und idealsten Gütern gehört unstreitig die Religion, weil sie in der Tat imstande ist, dem Menschen Kraft zu geben, alle schweren und großen Momente des menschlichen Lebens, all seine Freuden und Schmerzen zu ertragen und zu überwinden. Daher muß jeder wirkliche Bruder unseres Ordens cs als eine wichtige Aufgabe betrachten. seine Kinder der Religion zuzuführen, d. h. ihnen Religionsunterricht geben zu lassen. Aber nicht nur die Brüder haben diese Aufgabe, sondern vornehmlich auch unsere Frauen. Ist es doch eine uralte Erfahrung, daß die, Frau den stärksten Einfluß auf die religiöse Ausbildung der Kinder haben kann und, daß" sie ihn ebenso sehr fördern wie hindern kann. Wer die Verhältnisse kennt, unter denen der jüdische Religionsunterricht erteilt wird, der weiß das auch und versucht, die Kraft der Frau dem Religionsunterricht in freundlicher Weise dienstbar zu machen. Darum wende ' ich ihich mit meinen Ausführungen ganz besonders an unsere lieben Schwestern. PWenn ich in unserer lieben Loge manchmal, und cs war gar nicht sehr selten, über. Religionsunterricht zu reden angefangen habe, so habe ich sehr häufig die Beobachtung gemacht, daß in vielen der Brüder eine Erinnerung an’ heitere Stunden aufzusteigen schien. Das war wohl das Gedenken an die Zeiten(jp, derten sie als Knaben alle ihre heitere!. Laune an dem Manne ausließen, der dazu bestimmt war, ihnen Religionsunterricht zu s ertbilen. Noch vor kurzem hat bei uns ein Bruder einer anderen Loge vom Religionsunterricht so gesprochen, als ob dies ein , minderwertig behandelter und in den Augen dfcr Kinder lächerlicher Gegenstand wäre. Wer aber mit wirklicher Aufmerksamkeit und vor allen Dingen mit dem nötigen inneren Interesse sich um den Religionsunterricht kümmert, der muß zugeben, daß insbesondere bei uns in Berlin eine große Zahl .ernsthafter, Männer und Frauen danach streben. den„ Schülern Liebe und Achtung-vor unserer Religion beizubringen und ihnen zu zeigen, daß sie nur durch tiefes Eindringen in die hohen Probleme der Religion wirklich sittlich gefestigte Menschen utld gute Juden werden können. Er wird auch beobachten, daß in den letzten , Jahrzehnten eine wesentlich stärkere Hinneigung unserer Jugend jüdischen Dingen festgestellt werden kann, die auf religiöser Grundlage ruht und nicht etwa andere Gründe hat.. Hirschfeld. (Sp.-L.) Die Gründe, die früher einmal dazu geführt haben, den Religionsunterricht herabzusetzen, sind mindestens für Berlin heute nicht mehr vorhanden, und wenn trotzdem sich noch Widerstände gegen ihn zeiged, so müssen wir, denen die Verbreitung des Ordensgedankens am Herzen liegt, dafür sorgen, daß darüber aufgeklärt wird, wie unberechtigt sie sind. Religionsunterricht heißt nicht nur Belehrung über Formen oder Unterricht im Hebräischen. Beides ist auch nötig, aber mindestens ebenso wichtig sind die Kenntnisse von der geschichtlichen Entwicklung unserer Religion und von den Erlebnissen unserer Vorfahren als der , Träger dieser Religion. Darum müssen.alle Gegenstände des! Religionsunterrichts als gleich wichtig angesehen werden und wie für jeden anderen Unterrichtsgegenstand muß Zeit und Kraft für ihn gefunden werden. In den meisten Schulen Berlins findet der jüdische Religionsunterricht gleichzeitig mit dem evangelischen statt, aber oft stehen so viele Hindernisse im Wege, daß selbst beim be-sten Willen aller beteiligten Kreise dies nicht erreicht werden kann. Dann sollten wirkliche Ordensbrüder und ihre Familien sich selbst und ihren Kindern es nicht als ein allzugroßes Opfer erscheinen lassen, wenn ein paar besondere Stunden für den Unterricht geopfert werden müssen. Unsere Vorfahren haben Gut und Blut geopfert, um ihrem Glauben treu bleiben zu können, so daß es beinahe lächerlich klingt, wenn man von einem Opfer spricht, wenn ein Kind ein- oder zweimal nachmittags zum Religionsunterricht gehen muß. Und ebensowenig kann man es als ein wirkliches Opfer ansehen, wenn ein Kind, um zum Religionsunterricht zu kommen, einejn etwas weiteren Schulweg machen muß. was sich in den Vororten nicht immer vermeiden läßt. Man muß immer bedenken, daß jeder Unterricht auch Geld kostet und, daß dieses Geld aus den Taschen der Steuerzahler fließt, und daß man darum im Interesse der Allgemeinheit so sparsam wie möglich, sein muß. Darum darf es auch einmal nicht darauf ar.komnin, ,.das zarte Kind", das allen möglichen Sport treibt, einmal einer. \\ eg von mehr als einer Viertelstunde machen zu lassen, um zum Religionsunterricht zu kommen. Darum ergeht die Mahnung an alle, denen die Verbreitung unseres Ordensgedankens am Herzen liegt, die Bitte, ihre Kinder möglichst früh* diesem Ordensgedanken zuzüführen, wie er ihnen im Religionsunterricht cntgegenlritt. Mitteilung Es wird gebeten, die für die einzelnen Logen bestimmte.'! Beiträge und Spenden auf die nachstehend aufgeführten Postscheckkonten einzuzahlen. Bei anderweitiger Adressierung sind Verzögerungen und Irrtümcr nicht ausgeschlossen. Deutsche Reichs-Loge: Deutsche Reichs-Loge U.O.B.B., W 62. Kleist Str. 10, Nr. 15 676. Berthold-Auerbach-Loge: Herrn Julius Rothschild. Logenkonlo. Berlin Nr. 100 356. Montefiore-Logc: Herrn James Lissauer, Grüne wald, Nr 70 720. Spinoza-Loge: Herrn Leo Jacob. Universitätsstr 2—3 Nr. 25 233. Timendorler Jub.-Loge: 'Herrn Jacob Mendelsohn, NW 40, Nr. 75 952. Akiba-Eger-Loge: Herrn Arthur Simon. Berlin, Nr. 14 183. Jthuda-Halevi-Loge: Herren Schwarz. Goldschmidt & Co.. W' 8. Nr. 28 309. Julius-Fenchel-Loge: Herren D. & M. Lewy, Bankgeschäft, Halensee, Nr. 109 111. Abraham-Geiger-Loge: Herrn Hugo Philips, Logenkonto Nr. 90371. Der Verband der Frauenvcrcinigungen der U. O. B. B. Logen, Beratungsstelle Berlin. Alle Meldungen für Pensionen und Zimmer sind nur schriftlich cinzureichen an Frau Else Schwabe, Ch.arlottenbu.rg, Mommsenstraße 52. Zur. Erleichterung unserer Arbeit bitten wir, das Ergebnis jeweilig mitzuteilen. Die Meldungen gelten njur für einen Monat und werden dann von der Liste gestrichen. Wir bitten, von diesem Anerbieten Gebrauch zu maehen. FÜR UNSERE KINDER FÜR DIE CHAN U KAM-FRIER IM LOGENHAUS KLEIST STRASSE 10 AM M.O N T A G, DEM 19. DEZEMBER 1927, ' NACHMITTAGS 15ü UHR VORTRÄGE ÜBERRASCHUNGEN, TANZ DIE SCHWESTERNVEREINIGUNG DER BERTHOLD AUERBACH-LOGE U.O.B.B. I. A. DER GESELLIGKEITS-AUSSCHUSS BEWIRTUNG DER KINDER WERDEN 70 PF. ERHOBEN