Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 7 (1927-1928)
- Issue
- 9 (12.1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 164 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 164 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Nr. 9 Hat der Orden etwas für das Judentum geleistet? Von Br. Alfred Goldschmidt (Sp.-L.). In der Oktober-Nummer der Monatsschrift der Berliner Logen hat Br. Expräs. Rudolf Leszynsky (IHL.) die Frage aufgeworfen: Was hat der Orden für das Judentum geleistet? Er läßt dem Orden — er denkt bei seinen Ausführungen nur an den deutschen Distrikt — seine Leistungen als Menschheitsbund jüdischer Mitglieder, verneint sie fast völlig, soweit nach seiner Meinung spezifisch-jüdische Aufgaben in Frage kommen. Von Zcla stammt das Wort: Kunst ^ist ein Stück Natur, gesehen durch ein Temperament. Variieren wir ein wenig: Der Orden ist ein Stück Welt, jüdischer Welt — gesehen durch verschiedene Temperamente. Weltanschauungen. Ihn richtig zu sehen — vielleicht ist’s eine Kunst. W'er s;am besten kann?— Vielleicht ist es der. der Nathans echten Ring unsichtbar am Finger trägt! — In den folgenden Ausführungen soll nun bcscncidentlich eine Betrachtung von einem anderen Standpunkt’ aus angestrebt werden, der es ermöglicht, auch die jüdischen Dinge im Orden zustimmender. bejahender, hoftnungsfreudiger zü sehen. Es wird heutzutage kaum einen unter den fast 15 000 Brüdern des deutschen Distriktes geben, der nicht im Mcnschheitlichen auch das Jüdische sehen möchte, dem nicht das Jüdische Führer zum Mcnschheitlichen bedeutet. Das eben ist das Bedeutsame im Orden, daß er in allen seinen Gliedern — auch in denjenigen die zunächst unbelastet in* Jüdischen zu ihm kamen — irgend etwas Jüdisches geweckt hat. Ein Treugefühl ist entstanden, das sich aus verschiedensten Komponenten zusammensetzt: mag es da Religion, dort Nationalgefühl. Stammesbewußtsein, traditionelle Empfindung oder ein soziales Seelengefühl sein. Immer ist etwas Positives dabei: uäre es gar so wenig — fast nichts, wahrlich — dann wäre es besser, die Tür zum Orden zu schließen oder sie nur noch einmal zu öffnen, um sie hinter sich für immer zuzuwerfen. Wer Partei im Orden sucht — gleichgültig welche —, wer den Wunsch hat, daß seine Partei — welche auch immer — irgcndeinmal im Orden siegreich sein möge, der wird und soll sich im Orden enttäuscht fühlen, wenn der Orden seine wahre Form und Seele bewahrt. Solche Enttäuschung kann dem Orden nur als Ruhmesblatt ausgelegt werden. Der Ausschluß der Paiteilichen hat einen Zustand geschaffen, d$r turmhoch über dem Begriff des bloßen Burgfriedens steht. Man wird ihm nicht gerecht, wenn man ihn mit dem Wort N e u t r a 1 i t ä t bezeichnet. Hier sagt der Sprachgebrauch zu wenig: denn in diesem Worta soll — richtig aufgefaßt — etwas von- Sichkennenlemenwollen, von Verstehen und Sichfinden, 1 von Größe der Auffassung bei verschiedenem Denken liegen, irgendwie soll unsichtbar und unwägbar so etwas wie der Druck zweier Hände gespürt werden. AU' das soll in diesem Wort liegen, dem man ohne dies Farblcsigkcit, Vcrwaschenheit, Saft- und Kraftlosigkeit nachsagen könnte, so ähnlich wie man das Wort Assimilation mit Gewichten belastet hat, die es nicht zu tragen brauchte. Mit dem richtig verstandenen Wort „Neutralität" aber hat der Orden eine ungeheure Leistung — Leistung in jüdischem Sinne — vollbracht: er hat ein Gemeinschaftsbewußtscin geschaffen, das die Seelen- — aus verschiedensten Quellgebieten stammend — zueinander führt. Wo in aller Welt gibt es ein Forum, auf dem Menschen derunterschicdlichsten Parteigruppierung, Weltanschau- # VEREIN BERLINER LOGENHEIM E. V. ♦ ♦ Der Verein Berliner Logenheim U. O. B. B., E. V. gestattet sich, die Brüder der Berliner Logen und ihre Angehörigen zum SILVESTER IM LOGENHAUS in sämtlichen Räumen, Kleist Straße 10, ergebenst einzuladen. Künstlerische Darbietungen 3 erstklassige Tanzkapellen ~ Damenspende, Herrenspende Um eine Ueberfüllung zu vermeiden, kann nur eine begrenzte Anzahl Karten ausgegeben werden. Es wird gebeten, Bestellungen bis spätestens 17. Dezember vorzunehmen. Soweit nach dem Vorverkauf noch Karten vorhanden sind, werden dieselben an den I+ogenabenden ausgegeben. Berlin, im Dezember 1927 / DER VORSTAND. Eintrittspreis inkl. Steuer Mk. 6.— * Gesellschaftsanzug * Kein Wein- und Speisezwang