Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 7 (1927-1928)
- Issue
- 9 (12.1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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derBERUNERALOä EN U.O.BR BERLIN W 62. KLEISTSTR. 10. LOGENHAUS 7. JAHRGANG DEZEMBER 1927 NUMMER 9 Chanukah und der Orden Von Br. Expr. Das Wort Chanukah sendet Wellen aus, denen die Herzen der Bne' Briß besonders warmen Empfang bereiten. Es schwingt auf ihnen mit dem Klang zugleich ein Licht, beide gerade uns innerlichst vertraut: das Klang- und Lichtphänomen „Menorah". Wir wissen ganz gut, sic sind beide nicht dasselbe, seihe und unsere Menorah, der wcihfcstliche Achtarm und der Siebenarm unseres Gemeinschaftsbundes. Aber nicht die Zahl ist das Wesentliche, sondern das Pripzip, und das ist im Grunde das Gleiche: die Idee des Lichts. Nicht des einsamen, selbstgenügsamen. für sich entflammten, in sich verlöschenden, traditions- und folgelosen Individual-Lichts, sondern der mehreren, gereihten, gleichen, einander wärmenden, spiegelnden und erhöhenden Brüderlichtcrßeidc Menoroth, so empfunden, sind Symbole jüdischen Menschenweschs: unisolierte, gemcinschaftsfreudige, himmelwärts strebende Lcbensflamme. Unser Sicbenleuchter, Abglanz der Tempellampc, ist die Versinnbildlichung des Sabbattages, also des Schöpfungswunders, des geheimnisvoller Werdens der irdisch-organischen Dinge in sechs Lichtertagen und ihrer göttlichen Jtf'eihe im Frieden des siebenten.- Die Chanukah-Menorah aber Vor iinbildlichung des Weltgeschichtswunders, der Geburt und Entfaltung Seelenkraft, des Ucberspringens und Umsichgreifen. - Jes unwiderstehlichen Fortgangs und Sieges der geistigen Mächte über die Mächte der Gewalt und der Dunkelheiten. Bei beiden ist im Grunde nicht die Helligkeit der Sinn, sondern das Entzünden: beim Siebenarm die unsichtbare Hand des großen Schöpfers, beim Achtarm die irdische Hand des Schamasch, des Dieners am Licht, als welchen sich von Urzeit her das jüdische Volk bekannt hat. Ohne Lichtbringer kein Licht; kein Werden im Universum ohne Ihn und Seine ewig erneuernde Schöpfung, kein Werden in der Menschheit ohne ewig erneuerndes Zünden durch die Seclenkraft der Genien und genialen Völker. Das ist der jüdische Wcltgedanke. Hier steckt der tiefste Sinn des Unterschiedes zwischen der Chanukahlampe und dem Weihnachtsbaume. Hinter verschlossener Tür geheimnisvoll vorbereitet, bricht, wenn die Tür sich öffnet, überwältigend der Strahlcnglanz des Lichtbaums über das Menschenkind, das überraschte, geblendete und beschenkte. Aber tagbekanntes, irdisches Metall, gereinigt und hergerüstet im Angesicht (Unsrer mitzugreifenden Kinder, harrt die Chanukah-Menorah der zündenden Kerze, die, mit frommem Sang aus der Dunkelheit geweckt, die feste Faust des Vaters und die zaite Hand des, Kindes gemeinsam herantragen und in Flamme verwandeln, in ein einziges' vorerst bescheidenes, aber verheißendes Licht; das Sicgcslicd, dassein Flackern. begleitet, veikündet jubelnde Zuversicht in die kommenden Tage, daß das heute Gelinge morgen größer und groß und dereinst gewaltig sein w;rd. wenn wir nur tagtäglich rüsten, wecken und zünden. So ist der Weihnachtsbaum Bild der überirdischen Gnade, der. Hände im Schoß, entgegengeträumt wird; die Menorah aber Bild irdisch-menschlicher Tat, welche Zukunft herbeiewingt. Die Welt des Juden ist und bleibt dynamisch. Dai stellen unsere alten Volkssyirbole dar, das übernehmen sie, von Hand zu Hand, durch die Geschlechter und reichen sie weiter den .kommenden. Hier ist die Urkraft, ist eines der Geheimnisse, vielleicht das Mirakel unserer Erhaltung. * Kein Wunder, daß unser Orden, dfcr selbst die Tat der I.icht.antzindung und Lichtverbreitüng, aus kleinen Anfängen engsten Brudcikrciscs hinaus in die stetig wachsende Größe eines über die. f.änder und Meere gespannten Bundes; vollbracht hat, mit besonderer Sympathie die Tat. der Makkabäerbrüder in. Erinnerungruft und feiert. , Er sicht in ihnen die heroischen Erneuerer und Festiget des alten, durch feindlichen Kulturstürm fast überrannten jüdischen Menschenbundes, dessen Erneuerung und Festigung in individueller und sozialer Ausprägung er sich selbst vorgeselzt hat. Kein Wunder daher, daß. unser Orden an der Renaissance dieses FcstcS teilnimmt, die für die regenerierende jüdische Entwicklung unserer Tage bezeichnend ist. Entschlummertes Judentum zu aktivieren, ist bewußtes und freudiges Streben des Bne Briß, dessen innerste und höchste Gedanken mit denen des Judentums substanziell eins sind. In diesem Sinne stehen die beiden Menoroth zusammen, leuchten dieser Tage die Kerzen des achtarmigen Leuchters. unter dem siebenarmigen Zeichen unserer Brudergemeinschaft. ' ' ’ ARCHIV DER BERLINER LOGEN D.O.D.D. IIIIIMIIHIIIMIUIMIMIIIMMIIIIMHIimMtmmilllllllllIHMIIIIIIIIIIMIIMIIMIIIIIIIIlIHHIIIItlHIHIIlIHmilllimimmUllilllimilllllMIHIIIIHI Wir bitten die lieben Brüder herzlich, alle Nummern der Ofdenszeitschriften des deutschen und der auswärtigen Distrikte, die von ihnen nicht gesammelt werden, dem Büro ' der Berliner Logen zu überlassen. Für unser Archiv erbitten wir auch Zuwendung von Literatur über unseren wie auch über fremde Orden und ordensähnliche Vereinigungen. BERLINER LOGENARCIIlVr DAER