Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 7 (1927-1928)
- Issue
- 8 (11.1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 149 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 Seite 149 MONATSSCHRIFT DER BERLINER L 0 GE N 0. 0. B, B. erste Teil dieser Reise ist bezaubernd, der zweite bietet nichts Außergewöhnliches. Die gepflegten Anlagen, die paradiesische Blumen- und Palmenpracht, die blitzenden Prunkhotels in Montreux, Vevey, Clärens, dann plötzlich vor dem Ufer ein kleines Eiland, tropisch bewachsen, darauf eine' schneeweiße Villa im südlichen Stil, im Hintergrund das berühmte Kastell von Chillon, all dies zwischen azurblauem Himmel und Wasser, wem lacht da nicht das Herz vor Freude?! Alors, die grünen Weinberge, die Felswand, die zum Ufer fällt, die flachdachigcn Franzosenhäuyr, über allem die Sonne und dahinter der Schnee, wer jauchzte da nicht auf vor Lust an der Gottesnatur?! Endlich Lausanne, majestätisch auf den Hügeln thronend, beinahe großstädtisch, rot all die Fenster, in denen der Glutball sich widerspiegelt. Doch schaut man hinüber nactaFrankreich, da sieht man zu seiner Ueberaschung, daß es don regnet. Schwarz' hängen die Wolken herunter an der französischen Küste, alles ist in Nebel gehüllt, Evian, das Glücksspielbad, ist kaum zu erkennen. Es ist zu befürchte'n, daß die Wolken herüberkommen, und tatsächlich, es dauert gar nicht lange, da sind die offenen Decks leergewischt von den Ladies and Gentlemen, Mesdames et Messieurs, Herren und Damen, Signores y Signorinas. Alles hat sich panikartig ins Innere, in den Bauch des Schiffes geflüchtet, und auf das Deck prasselt der Regen, während der See rast und die Schaumkronen sich überstürzen. Das währt etwa eine dreiviertel Stunde; zuweilen zucken auch Blitze dazwischen; doch allmählich legt sich der Sturm. Wir aber gehen aus diesem Intermezzo mit dem Bewußtsein hervor, den Lac Lcraan sowohl von seiner guten wie schlechten Seite kennengelernt zu haben. Der Herr aus Kairo, Jerusalem, Madrid, Venedig, Lausanne und sonstwoher steigt in Rollcs aus — wozu, weiß ich nicht — und verabschiedet sich höflichst von mir. , Nach 4!4stündiger Fahrt kommt Genf in Sicht. Das Wetter ist inzwischen ganz gut geworden, die Stadt liegt klar und offen da. II. Teil. Geneve. Anderthalb Stunden war ich in Genf. Lange genug, um den Namen zu rechtfertigen, den ich dieser einzigartigen Stadt gegeben habe. Schon während das Schiff hineingondclt in den Genfer Hafen, umfängt uns jenes Fluidum des Bcnzingcruches, Autogctutcs, Trambahngeklingels, Menschcngcwimmels, das nun einmal die Großstadt ausmacht. Dem höchsten Berge dieses Erdteils liegt diese Stadt zu Füßen, am schönsten See Europas streckt sie sich hin. (Ich weiß es wohl, Superlative zu gebrauchen, ist eine heikle Angelegenheit, aber wer kann mir diese beiden widerlegen?!) Helle, -prächtige, vielfenstcige Häuserfronten an beiden Ufern, herrliche Anlagen, duftende Blumenbeete, langblättrige Topfpalmen an den Kais: das ist der erste Eindruck von Genf. Am Kai Mont Blanc steige ich ans Ufer. Eine lange, breite Brücke führt hier über den Genfer See. der sich an dieser Stelle verengt und wieder zur Rhone wird. Der Verkehr ist hier sehr lebhaft. Ich trete an den nächsten Polizisten heran, der mit einem weißen Stabe um sich fuchtelt. Es handelt sich darum, in 114 Stunden die größten Sehenswürdigkeiten einer Stadt anzuschauen, die ja selbst eine einzige Sehenswürdigkeit ist. Die Polizisten sind hier sehr poli, was kein Angriff auf unsere einheimischen sein soll, denn die sind es ja auch geworden. Ich rase also in nurmimäßigem Tempo über die Brücke, am —- ich glaube — Grand Quai entlang und stehe alsbald vor dem grauen Bau des Reformationssaales, in dem der Völkerbund seine t Sitzungen abhält. Er ist an eine andere Hauswand angeklebt und von außen nichts weniger als imposant. Fenster hat er nicht, 1789 wurde er erbaut. 1 Das Innere allerdings ist schon etwas großartiger. (Ich hatte Glück, denn nur selten ist der Saal geöffnet.) Man kennt diesen Raum mit den vielen Bänken, auf denen die Namen der Staaten stehen, deren Vertreter dort sitzen, aus vielen Zeitungsphotographien und freut sich um so mehr, ihn jetzt in Wirklichkeit zu sehen. Vorn der Balfrathin, darunter die Staatsmänner ihre großen Reden halten, darunter Strescmann in den Bund der Völker aufgenommen wurde, ein historischer Ort, an dem sich die Geschichte jüngster Vergangenheit abgespielt hat. Das Gebäude des roten Kreuzes, das bekanntlich hier in Genf gegründet wurde, und dessen Flagge die umgekehrten medexne di-_ Kleicietpflei Menne ria£ %'aXtdiez'ezi hei&sb: Erdgtauheti'£)ämpfen.<föügetn1 \s/liixa^rMaideL>I{osfcim, TfcfeiZererL.. Chem. Ext)ress-Reinigung Sämtl. Reparaturen fachmännisch und schnell AufAnrofSteinpl. 12981-88 > freie Abholung und Lieferung in ca. .24 Stunden ' *■ i % AugsburgerStr. 3/a Motzstr. 43 Scklüterstraße 54 Schöneberg, Hauptstraße 49 \ 30 Annahmestellen Schwitzkabinen für den Hausgebrauch mit Spiritusöder mit elektr. Beheizung (eigene Fabrikation) BERNHARD GLADOW Berlin NW 6, Charit£strafie 5 Fernsprecher: Norden 4844 ' ’ t