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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1927-11-01 · 8 (11.1927) · p. Seite 141

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
7 (1927-1928)
Issue
8 (11.1927)
Date
1927-11-01
Page
Seite 141 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 8 MONATSSCHRIFT DER BERLINE sprachen ohne Unterschied der . Konfession übergegangen ist. Auch wir haben keinen Anstand genchmtlen, den Namen bei- . zubehalten. Der Gedanke freilich und die Bestrebungen, die für uns mit ihm verknüpft sind, sind urjüdisch. Es waren denn auch jüdische Kreise, die diese Institution nach dem Kontinent verpflanzten; sie erfüllten damit echt jüdische Ueberlieferungen. Altjüdisch ist der soziale ZujJ, sich der Bedrängten anzunehmen, altjüdisch das Streben, sic in den Segnungen der Kultur, der Bildung, und des Wissens, der Muße und Erholung allen gleichzustellen. Der langgehegte Wunsch nach einer Toynbeehalle in Berlin, zu der man wiederholt vergebens einen Anlauf gekommen hatte, konnte erst verwirklicht werden, als unsere Logen sich des Projektes annahmen. Allein unsere Logen verfügen über das geschulte und disziplinierte Mcnschenmatcrial, üm eine solche Organisation zu ermöglichen, um Leiter und Ordne» Mir die einzelnen Abende, Ehrendamen für die Bewirtung, KUnen und Vorträge zu stellen und zu werben. Dank dieser Opffesbweitschaft der stattlichen Schar von Mitarbeitern, getragen von der Liebe unserer Ordenszugehörigkeit, konnte sich das Institut erfolgreich entwickeln als eine segenspendende Stätte geistiger Erquickung und Erholung für die Aermstcn der Armen, die dankerfüllt an der Toynbeehalle hängen. Die Errichtung der jüdischen Toynbeehalle der Berliner -Logen war in erster Reihe dem Begründer und ersten Vorsitzenden, unserem unvergeßlichen Br. Justizrat Albert Joachim zu danken. Er war cs, der ziclbcwußt die Richtung dieser Bildungsstätte durchführte, seinem Rate war die bewährte Organisation zu danken, die im wesentlichen heute noch in Funktion jst. Einrichtung und Arbeitsplan der Toynbeehalle sind sich seit Beginn gleich geblieben. Die Darbietungen sind unentgeltlich I und jedermann zugänglich. Einem populären wissenschaftlichen Vortrag folgt eine Tee- und Erfrischungspausc, an die sich künstlerische Darbietungen anschließcn. |Die Organisation lehnt sich an die Logen £n und besteht aus einem großen Komitee, das sich in einen geschäftsführenden Vorstand und Spezialkomitees gliedert. Die Veranstaltungen finden in unseren etwa 300 Personen fassenden Räumen Gipsstr. 12a an jedem Mittwoch und Sonnabend Abend mit Ausschluß der Sommerzeit statt. Die diesjährige Arbeit begann wieder am Sonnabend, den 29. Oktober. Mit den Worten der Hagada rufen wir in bezug auf unsere Darbietungen aus; „Jeder, der bedürftig ist, komme und genieße". Statistische Erhebungen haben gezeigt, daß sich unter unseren Besuchern befanden: Handwerker, Arbeiter, Arbeiterinnen, Glaser, Tapezierer, Maler, Zigarren- und Sc r Zigaretten Schaft erinn|e macherinn setzer, aller Art, ihre Abend die Toynbs Ein weaenfl Zeit „ven Brot, aber Konzertes, diese verS' Publikum, allen upd'- fassen laufen, ge die Toynb : gebrauch sondern sondern sich zu Ul Offenbarun der Bevö zu wirken sine gänge zU| anspruchsiß: haltungsst zu heben* zur Lösun;; Der k jüdischen poch iBrüc Toyntieehc 1 tritt, kein« der Pflicht richtung n Das seit jeher Opferwilli) Entstehun(. jeden einz lebtet \ williges, sich uüserß samten B ausgcstaltc: Anregung.t sp R LOGEN U.O.B.'B. Seite 141 arbeiter und -arbeiterinnen, Näherinnen, Wirtn, Verkäuferinnen, Handelsmänner und Frauen, Putzl, Schlosser und Kellefarbeiter, Hausdiener, Schriftuhmacher, Hausierer. Dazu kommen junge Leute die kein eigenes Heim haben, die gezwungen sind, e in zweifelhaften Lokalen zu verbringen und denen ehallc eine besonders wohltätige Zufluchtsstätte ist. iches Kontingent unserer Besucher bilden in neuerer s|chämtc Arme". Sie haben vielleicht ein -kärgliches nicht mehr die „Möglichkeit', aich -den Luxus eines .den Genuß eines'Vortrages zu kaufen.. Wir zählen (jhämten Armen nicht minder zu unserem willkommenen wie jene im Arbeitskittel und schäbigen Rock. Ihnen all den vielen, die nicht in-, statistische Rubriken zu die in der Tretmühle schwerer Tagesarbeit Gefahr tytig zermürbt, stumpf und verdrossen zu werden, öffnet ehalfe gastlich ihre Pforten. Wie der jüdische Sprachden Armen niemals entwürdigend „Bettler" nennt, Säst", so bieten wir nicht demütigende Almosen, astfreundschaft. Der Aerrpste komme zu uns, um ben an den frischen Quellen des Wissens und den gen der Kunst. Es gilt, auf die ärmeren. Schichten 1 lerung durch Anlegung Änd Geselligkeit erzieherisch und die Barrieren meddrzulegyn, d'e ihnen die Zu- Bildung und Wissen versperren. So wächst unsere sc Volksbildungshalle' über eine bescheidene Unteralte hinaus. Indem .wir das Lebensniveau der Armen trachten; tragen wii' im Ktteinen unser Teilchen bei der sozialen Frage. » irzlich veröffentlichte Bericht über die Tätigkeit der Toynbeehalle müßte darauf hinweisen, daß es immer er gibj, die von der Existenz und Wirksamkeit der le, die nunmehr in das 22. Jahr ihrer Tätigkeit einnähere Kenntnis haben; sie würden sich sonst nicht entziehen, zur Erhaltung der volkstümlichen Ein-r ich Kräften beizusteüern. , „ sondere Merkmal aller .jüdischen Philanthropie war die unerschöpfliche Qpfecwilligkeit. Einer spontanen keit unserer Logen verdankt die Toynbeehalle ihre Nur durch die dauernde Opferwilligkeit eines einen Logenbruders .kqnq; ihre- Fortexistenz gewähr-! den.: Wie die Institution, entstanden ist durch freiendendes Zusammentragen -vieler, so hoffen wir, daß Toynbeehalle unter der. weiteren Mithilfe der getüderschaft in immer höherem Maße bewähren und n wird als eine bleibende „Fre>stätte der-Bildung und als ein Tempel sozialen und ethischen Fortschritts. bz ' Fassade und $til Von Br. Präs. Dr. A 1 f Br. Großpräsident Dr. B a e c k hat bei einer Berliner Logengründungsfeier das Vorkriegszeitalter treffend als das Zeitalter der Fassade und des Ornaments gekennzeichnet. Wie niemals die Baukunst nur etwas Aeußerliches ist, sondern der Ornamentalausdruck seine4 Zeitalters, so erzählen dem Kundigen viele Häuser, z. B. des Berliner Westens, wie statt Wahrhaftigkeit und Einfachheit das Mphrseinwollen, das Scheinen, dje Phrase das Zepter schwangen. In der Baukunst hajt der Judenstämmling Messel, der Erbauer des Warenhauses Wertheim, wieder den Weg zur Einfachheit und zur klassischen Linie gelunden. Nur in der Loge hat die Fassade in dem unlebendigen Wortgeklingel von Brüderlichkeit, Wohltätigkeit und Eintracht noch ihren alten Platz, wenn auch überall beachtliche Bestrebungen auftauchen, dem einfachen Stil der Gegenwart mit wahrhaftigen Logenidealen entgegenzukommen. Es ist außerordentlich schwer, hier den richtigen Weg zu finden, und es bedeutet die Herrschaft der Phrase im entgegengesetzten Sinne, wollte jemand auftreten ipit dem Anspruch, das Allheilmittel, neue Zustände herbeizuführen, gefundenzu haben. Der Weg zur wahren Wohltätigkeit, Brüderlichkeit und Eintracht red Wiener (J. H. L.). ■ ■ i ■ ' * ' * , 1 liegt in dem' Suchen danach. -Schon die Erkenntnis, daß man mit Wahrhaftigkeit nach diesen letzten Gütern strebt, ist ein-Stein für diese Straße. Bescheidenheit in der Erkenntnis der Größe dieser Aufgaben ist die unerläßliche' Voraussetzung für jeden, der sich Logenbruder nennt. Kampf gegen' die Sattheit und die Selbstzufriedenheit ist damit verbunden; die . Jehuda-Halevi- Loge (und mit ihr gewiß zahlreiche andere. Brüder) verlangt von dem Logenbruder vor allem das Naive, Kindlich-Aufgeschlossene, den Willen, diese neue Straße ohne jede Ucberhcblichkeit und Voreingenommenheit zu gehen. Der Nachdruck der Logenarbeit muß darum yor allem darauf liegen, eine Brüderlichkeit allmählich anzubahnen. Dazu reichen die* regelmäßigen Sitzungen im Logenhause bei weitem nicht aus. Die Jeh\ida-Halevi-Loge hat das ganze Jahr hindurch etwa alTe drei Bis vier Wochen neben den Logensitzungen private Veranstaltungen - in den Häusern der Brüder .abgehalten. Danüt “He Brüder ihr Haus öffnen können, besteht ein Beafntenratsbeschluß, wonach jeder Bruder für eine einfache Bewirtuflg eine Summe von 50 M. von der Loge annehmen muß. Diese privaten Veranstaltungen dienen auch -geistigen und gemütlichen Bestrebungen der verschiedensten Art.

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