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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1927-11-01 · 8 (11.1927) · p. Seite 140

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
7 (1927-1928)
Issue
8 (11.1927)
Date
1927-11-01
Page
Seite 140 (sequence 4)
Language
German
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Seite 140 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O. B. B. Nr. 8 halb der Loge. Für mich sind die offenen Logen nur ein Neben-, sächliches, ,und ich. verlege die eigentliche Logentätigkeit, wie man xersteheri wird, ln die geschlossene Loge. Hier in der, geschlossenen Loge soll durch immer engeren Zusammenschluß, durch*? gemeinsame Aussprache und gemeinsame Arbeit die Selbatcrziehung der Brüder jm Sinne meiner Ausführungen vor sich geheri. Es kann gar nicht häufig genug in unseren geschlossenen Logensitzungen von der Größe, Erhabenheit und Schönheit der Ideenwelt des JudAitums und ihrer innerlichen Beziehung und Auswirkung im Orden gesprochen werden. Nur wenn unsere Lögensitzungen,'.wirklich wieder einen tiefen innerlichen Gehalt JbekomihdTij' w(enn das rein Geschäftsmäßige und Formale in ih^ep gegenüber dem Gedanklichen, d. h. eigentlich Logenmäßigen in den Hintergrund treten wird, wird die Logensitzung den Brüdern die Weihe und Erhebung verleihen, die wir aus der Loge ins Leben hinausnehmen wollen. Ein Teil von dieser Aufgabe kann auch in dieoffene Loge hineingetragen werden, dieaber für mich nur ein Nebenher bedeutet. Das letzte Ziel der Logenarbeit wird freilich auch in der geschlosserten Loge, in der der Kreis der Brüder immer noch zu groß ist, nicht erreicht werden. Hierzu bedarf es einer viel engeren menschlichen Gemeinschaft, die nur im kleinen Kreise zii erzielen ist. So kommen wir zu der Forderung, die, großen Logen in kleine Arbeitsgruppen aufzuteilen. Die Präsidenten sollten am Beginne der Winterarbeit die Brüder dazu aufrufen, sich in kleinen Arbeitsgruppen zur Erfüllung besonderer geistiger Aufgaben zusammenzuschließen. Es ist dabei unerheblich, welches Arbeitsgebiet sich eine solche Arbeitsgruppe wählt. Erheblich aber ist, daß ihre Arbeit von echtem Gemeinschaftsgeist, d. h. Logengeist getragen, und daß sie von den großen Gedanken der Menschheit und des Judentums in ihrer Arbeit befruchtet wird. Aus diesen Arbeitsgruppen wird wirklich echter .Logengeist hervorströmen, die Glieder der Gruppe zusammenbindend und ijber ihren engen Kreis hinaus die ganze Loge auf ein höheres menschliches Nitfeau heben. C. Wohlfahrtspflege an den Brüdern. Es scheint, .daß auch auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege in unseren Logen, die mehr und mehr das A ur.d O der ganzen Logenarbeit geworden ist, vieles im argen liegt. Ich denke dabei allerdings nicht an unsere Witwen'- und Waisenpflege, die, wie mir scheint, auf dem rechten Wege ist und Ersprießliches leistet. Wohl aber denke ich an die Wohlfahrtspflege an dem einzelnen Bruder, der in Not gerät. Der Präsident meiner Loge, hat in ■ seiner Programmrede am Beginn des laufenden Termins davor gewarnt, in der Loge eine „Rettungsgesellschaft" zu sehen. Mir kommt es vor. als ob unsere Logen solche Rettungsgesellschaf^en .geworden sind, die erst in Funktion treten, wenn das Unglück schon fertig und die Nog schon beinahe nicht mehr zu beseitigen ist. Dies ist ein einer Loge unwürdiger Zustand, der dringend geändert werden muß. Wir sollten uns um unsere Brüder Immer und so rechtzeitig kümmern, daß es gar nicht erst dazu kommt, Rettungsaktionen zu veranstalten. Wir aber wissen ja gar nicht, wie es unseren Brüdern geht, was sie menschlich durchmachen, weil wir mit ihnen nicht genügend menschlich, und das ist doch wohl brüderlich, verbunden sind. Wie aber können wir es erreichen, daß wir. wirklich um einander wissen,, daß wir die Schmerzen und Nöte des Bruders erfahren. Wir werden dies im großen Kreis der Brüder gewiß nicht erreichen. Und wiederum fordere ich: teilet die Logen in Arbeitsgruppen auf. Nichts verbindet menschlich so sehr, wie gemeinsame Arbeit im kleinen Kreise. Brüder, die sich in der Arbeit sachlich berühren, werden sich auch menschlich nahekommen, werden einer .vorn anderen wissen, werden einander helfen durch Rat und Tat und, wenn die eigenen Krälte nicht ausreichen, die Mittel der ganzen Loge bewegen, um dem in Ratlosigkeit; Not oder Verzweiflung befindlichen Bruder durch Rat oder durch Tat zu helfen. Aus diesen Arbeitsgruppen wird so ein neuer Logengeist, neue brüderliche Gesinnung' ganz anderer und tieferer Art, als wir sie heule kennen, auch auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege am 3ruder geboren werden. D. Entwicklung des Gemeinschaftslebens der Brüder. Nach meinen bisherigen Ausführungen brauche ich diesem letzten Punkte nur noch wenige Worte zu widmen; denn das Ergebnis der Verwirklichung der Forderungen, die ich aufstelle, kann nur sein, daß in unseren Bruderkreis ein' ganz anderer Gemeinschaftsgeist einzieht, als wir ihn bisher halten. Und das ist doch letzter Sinn dessen, was eine Loge zu leisten hat. Loge ist im eigentlichen Sinne des Wortes, in seinem etymologischen Sinne die Gemeinschaft im engen Raume. Wir wollen eng beieinander sitzen, eng miteinander verbunden sein, weil sich nur im engen Raum das Herz dem Herzen öffnet und weil nur aus geöffnetem Herzen das Große und Erhabene hervorquillt. Wenn wir die Forderungen verwirklichen, die ich heute aufgestellt habe, dann schaffen wir das, was wir bisher durch unsere Geselligkeit 'nicht erreichen konnten, das brüderliche Gemeinschaftsleben der Loge. In diesem Gemeinschaftsleben verbindet uns dann Geselligkeit, Arbeit und Idee. Ich gebe mich keinem Zweifel darüber hin, daß die Forderungen, die ich aufgestellt habe, nicht von heute auf morgen, auch nicht vön einem Termin zum anderen, ja vielleicht in sehr langem Zeitraum nicht zu verwirklichen sind. Eg sind Maximalforderungen. Aber der Anfang muß gemacht Werden. In großen Dingen genügt es, das Ziel zu kennen und den Weg zu wissen, den man einzuschlagen hat. Auf den Zeitraum, jn dem man das Ziel erreicht, kommt es nicht an. In großen Dingen genügt cs, gewollt zu haben, zu wollen. Die ToYnbeehalle der Berliner Logen U. O. B. B. Von Br. Maximilian Stein (M. L.). Die Berliner jüdische Toynbeehalle_jst im Oktober 1904 von unseren hiesigen Bne-Briss-Logen begründet worden. Sie hat ihren Namen von dem edlen englischen Philanthropen, der sich zur Aufgabe gemacht hatte, der großen Masse der armen Bevölkerung in London derartige Eildungs- und Erholungsstätten großen Stils zu schaffen. Dieser Aufgabe widmete er sein Leben. Arnold T o y n b e e, 1852 bis 1883, war ein aristokratischer Angehöriger der Oxforder Universität und Lehrer der Volkswirtschaft in England. Ein Mann hervorragenden Geistes und edlen Herzens, verfocht er eifrig sozialpolitische Ideen, denen er eine glühende Begeisterung und Beredsamkeit lieh. Von großen Gesichtspunkten ausgehend, blieb er ein Mann der praktischen Tat und der zugreifenden Selbsthilfe. Unter Verzicht auf den Glanz einer bevorzugten gesellschaftlichen Stellung lebte er inmitten des kleinen Volkes, um den Herzschlag desselben besser zu belauschen, die Bedürfnisse der Menge aus nächster Nähe zu erkennen. Der junge Volksfreund gewann großen Einfluß auf weite Kreise und entflammte die bevorzugten Klassen zu sozialen Opfern im Interesse der niederen Schichten. Viel war auch bishin für das leibliche Wohl der Armen in England getan. Arnold Toynbee forderte, daß man sich mehr und systematischer ihres geistigen Wohles annehme. Er ging darauf aus, unter Zuziehung ehemaliger Universitätshörer die Bildung in wahrem Sinne des Wortes zu popularisiere^, sie der großen Menge des gemeinen Volkes zuzuführen und ihr damit zugleich geselliges Vergnügen zu untermischen. Die umfassende Wohltätigkeit der Wohlhabenden und Reichen verhalf zu Arbeit und, zu Erwerb. Die Studierten sollten das Werk ergänzen und den Bedürftigen zu einer menschenwürdigen Erholung verhelfen. Arnold Toynbee starb allzu früh, nicht viel über 30, Jahre alt. Aber seine Ideen waren bereits geteift und ins Volk gedrungen. Zwei Jahre nach seinem Tode erhob sich in Whitechapel im Bezirk der Armen in London^das erste große Volksheim, das nach den und für die Ideen' Arnold Toynbees errichtet, seinen Namen erhielt, die erste Londoner Toynbeehalle. Es ist das schönste Denkmal für jenen edlen Volksfreund, daß seither der Name „Toynbeehalle" ein Begriff geworden ist, der (wie Fröbelheim, Pestalozzischule usw.) in alle Kultur-f J'i 1

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