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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1927-10-01 · 7 (10.1927) · p. Seite 117

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
7 (1927-1928)
Issue
7 (10.1927)
Date
1927-10-01
Page
Seite 117 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 7 Seite 117 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Was hat der Orden für das (udentum geleistet? Von Br. Expr. Rudolf Leszynsky (I. H.-L.) ln geschäftlichen Betrieben erscheint zu gegebener Zeit der Revisor, prüft Bücher und Belege und stellt Bilanzen auf. Im Judentum haben Neujahrs- und Versöhnungstag ähnliche Aufgaben. Sollten wir nicht auch im Orden Bne Briss eine derartige Einrichtung haben? In der Tat ist dies der Sinn des Ordenstages. Wenn wir hier nun die Frage aufwerfen, was der Orden — und wir meinen in diesem Zusammenhänge r.ur den deutschen Distrikt — für das Judentum geleistet hat, so ist das keinesfalls gleichbedeutend mit der Frage nach dem Sinn und der Daseinsberechtigung des Ordens überhaupt. Es gab eine Zeit und es gibt auch heute wohl noch eine nicht unerhebliche Anzahl von Brüdern, die die Notwendigkeit spezifisch-jüdischer Leistungen verneinen, denten es genügt, wenn der Orden dem einzelnen Bruder oder ihrer Gesamtheit, vielleicht auch der Menschheit, , etwas gibt. Allen, denen der Orden ein Menschheitsbund jüdischer Mitglieder ist. mag die Frage nach besonderen jüdischen Aufgaben und Leistungen unerheblich sein, wie andererseits für viele, auch Außenstehende, diese Frage der Mittelpunkt ihrer Einstellung zum Logenleben bedeutet. In drei Formen wären diese Leistungen möglich: der Orden könnte große jüdische materielle Aufgaben übernehmen, er könnte seine Mitglieder mit jüdischem Geiste erfüllen, und er könnte endlich aus sich heraus Gedanken erzeugen und ins’ Judentum hineinwerfen, die der Entwicklung jüdischen Lebens neue Bahnen weisen. Beginnen wir mit dem letzten, das wir verneinen müssen. In mehr als 40 Jahren hat der’ Orden dem Judentum wohl keine grundlegende Idee geschenkt. Selbst der auf nichtjüdischem Boden gewachsenen, Ordensidee hat er ein eigenes jüdisches GewJhd kaum zu geben vermocht. Der Orden war kein Vorkämpfer jüdischer Jugendbewegung, noch jüdischer Frauenbewegung, er war überhaupt kein Vorkämpfer. Auch die neue ’ Art jüdischer Wohlfahrtspflege hat er nicht geschaffen, sondern sie hat ihn nur ergriffen. Ob es sich um die neue jüdische Literatur, um das Palästinaideal, um Jugendertüchtigung, um die Friedensbewegung handelte, bestenfalls kamen wir um 20 Jähre zu spät. Eine Brutstätte genialer Himmelstürmer ist der Logentempel bisher nicht gewesen. Hat er wenigstens jüdischen Geist großgezogen? Es wäre ungerecht, hier mit einem Nein zu antworten. Hüten wir uns zwar, auf die vielen Männer im öffentlichen jüdischen Leben hinzuweisen, die an hervorragender Stelle stehen und sich Brüder nennen. Zu 90, wenn nicht zu 100 Prozent gingen sie nicht aus dem Orden hervor, sondern in ihn h in ein. Ungeheure jüdische Energien hat der Orden absorbiert. Immer neue jüdisch interessierte Menschen hielten es für ihre Aufgabe, in ihm tätig zu sein, um die schwerbewegliche Masse der Halbinteressierten mit sich fortzureißen. Die Erfolge lassen sieh l - schwer berechnen. Im großer, ganzen weht aber heute zweifellos ein jüdischerer Geist durch die Logentempel als früher, wenn er auch vielleicht hoch nicht in die Gescllschaftsräume cingedrungcn ist. Wieviel von dieser neuen Richtung auf die allgemein jüdischer eingestellte Gegenwart, wieviel auf die treue, unablässig« . Arbeit einzelner zurüokzuführcn ' ist, bleibe dahingestellt. Aber recht viel Erziehungsarbeit bleibt noch zu leisten, bis unsere Brüder es als selbstverständlich empfinden, daß man als Ben Briss den Maaßer und mehr als Maaßer geben muß, daß man das Wort E i n t ra c h t .nicht inur als schönes Wort unter seine Briefe Schreibt, sondern daß uns Schal’om ein Gruß und eine Verpflichtung auch außerhalb der Logenräume ist. daß wir, wenn wir den geistigen und sittlichen’ Charakter unserer Stammesgenossen weitereniwickeln und heben wollen, mit unserem eigenen anzufangen haben. Solche und tausend andere jüdische Gedanken zu lehren, ist wichtiger als alle Feste und alle Reden. Und eins ist sicher: die. Schuld, die der Orden dem Judentum gegenüber hat, ist erst abgetragen, wenn er auf eine größere Zahl von Männern hinweisen kann, die. ursprünglich indifferent und gleichgültig, erst durch ihre Zugdhürigkeit zum Orden mit dem Judentum vertraut wurden und ihr l eben .in seinen Dienst stellten. Und zum letzten: die materiellen, und doch so idealen Leistungen nach außen hin. -Im einzelnen sollen sic nicht unterschätzt werden. Das Kulturw.erk des hessischen Logenverbande.- unter den kleinen jüdischen Gemeinden seines Bezirkes wird immer ein Ruhmesblatt des Ordens bleiben, aber es ist eines der wenigen, auf die wir hinzuweisen haben. 'Wir wüßten für Berlin nichts Entsprechendes Zu nennen. Denn alle die Institutionen, an denen wir uns beteiligten — Beelitz. Jaffaheim, Gesamtarchiv. Akademie und wie sie alle heißen — wir haben doc.h nur einen unendlich kleinen Teil unserer unendlich kleinen Mittel dafür hergegeben. Die Alters- und Erholungsheime haben wir für uns errichtet, Und für die vielen Tausende von Menschen in den vielen Jahrzehnten sind die Pyramiden unseres' Ruhms nicht gerade sehthoch. Vielleicht wollten' wir zu vieles und haben 4. deshalb zuwenig geschaffen. Viele uhse'rer Brüder, die über den Orden so dachten, wie hier ausgeführt, haben daraus dieselben Konsequenzen gezogen, wie viele der' Besten unter den. Außenstehenden: sie sind von uns femgebliehen, haben sich an unserer. Arbeit nicht beteiligt und ihre tfräfte andern Kreisen dienstbar gemacht. Wir geben die Berechtigung einer solchen Preisgabe einer großen jüdischen Gemeinschaft, wie es der Orden ist, nicht zu. .Gebe jedeT seinem kleinep Kreise, seiner Loge, das Beste, was er a'n Kraft und jüdischem Willen hat, und wir zw eifein nicht daran, daß der Orden im Kreise jüdischen Lebens das wird, Was er sein soll: die große überparteiliche Schule für jüdische Persönlichkeiten — das - Erzieh'ungsinstitut für jüdische Ideale, die Hochschule jüdischer Gedanken Und die Werkschule für jüdisches Tun. Ritual und Sprache Von Br. Arnold Einige ^wenige Gebärden abgerechnet, ist der einzige Träger des Logenrituals das Wort. Nicht vom Logenleben wird hier geredet, um das zu Unterstreichende nochmals zu unterstreichen, sondern vom Ritual, das heißt von jener einleitenden und beendenden Formel, durch die sich eine Logensitzung auch äußerlich von einem Vereinsabend, einer Klubveranstaltung, einer Wohltätigkeitsversammlung unterscheidet. Der Sinn dieser Besonderheit ist durchsichtig. Durch eine einleitende und schließende Formel soll die Logensitzung dem sonstigen Alltag entrissen, über ihn emporgehoben werden. Dadurch, daß diese Formel beständig ist, ein auf jeden Fall Wiederkehrendes, knüpft sie ganz sinnfällig diesen Logenabend an denvorigen, und alle zukünftigen an alle vorherigen. Und indem sie als (estgelegtes Sprachgebilde der Willkür des einzelnen Logenpräsidenten und w e i g (I. H.-L.) der einzelnen Loge entrückt ist’, drückt sic das Gemeinsame des Logengedankens und die Verbundenheit aller Logen miteinander sinnbildlich aus. Darum muß sie sich auch im Wortiiraterial .von der Alltagsrede unterscheiden. Gehobene Rede muß sie sein wjc alles, was Feierlichkeit trägt. Und da sie aus dem Alltag hinaus und als Schlußformel wieder in ihn zurückleitet, muß sie Prosa sein, nicht Verse etwa, ebenso wie Gebet oder die Formel eines Urteils Prosa sein müssen. Soweit bedürfen wir einer allgemeinen Analyse des Formelhaften, um jetzt weiter zu erklären, daß dennoch ein wesentliches Moment, vielleicht das wesentlichsfc, noch nicht berührt worden ist: die Logenformeln müssen auch der Sprache nach von innerster Lebendigkeit getragen sein. Sie müssen in ihren Ged^nkeninhalten anklingen an Begriffe, Denk-

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