Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 7 (1927-1928)
- Issue
- 7 (10.1927)
- Date
- 1927-10-01
- Page
- Seite 116 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 116 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B. B. Nr. 7 Was uns not tut Betrachtungen zum Ordenst > - . Die ehrfurchtgebietenden und heiligen Tage, Zeiten des Selhstbesinnens und der Selbstbetrachtung, sind an uns vorübergezogen und haben die Aufgaben: Mensch und Jude in uns geweckt. Ein neuer Tag, der Ordenstag folgt der uns Brüdern das Dichterwort zurultf „Aut, laßt uns anders werden als die vielen, die da wimmeln in dem großen Haufen." der unsere Augen_ schärfen und unser Ohr höriger werden lassen soll für das. was uns not tut. Wie ein jeder Organismus sich aus Zellen aufbaut, die die Innenarbeit für Jas Ganze leisten, so liegt bei unserem Orden die. aufbauende Tätigkeit in den Logen, doch dürfen wir nie vergessen, daß das Primäre stets der Orden sein muß. Der Ordenstag soll unseren Blick weiten, wir sollen über unsere Tcmpelmauern hinausblicken, wir sollen uns als Glieder einer großen Gemeinschaft fühlen und die Pflichten erkennen, die diese von uns fordert. Was will der Orden? Er will, sich stützend auf die bedeutende Innenarbeit der Logen, sich dieser als wirksamstes. Erziehungsmittel bedienen, sowie Lehren und Anschauungen IjinaustTagen in weitere Kreise, um so einer dauernden Versöhnung der herrschenden Gegensätze die Wege zu ebnen und uns selbst auf die leuchtenden Höhen des Lebens zu tragen. Wie viele edcldcnkende Glaubcnsbrüder dursten nach den Quellen, die in unseren Logen erschlossen, nach dem Lichte, das in unseren Tempeln leuchtet. Sie alle mit dem Bande der brüderlichen Liebe zu umschlingen, ist unsere Aufgabe, ist das höchste Ziel unseres Strebens. Können wir nach den Sternen greifen, können wir diesen Zukunftstraum verwirklichen, wenn wir Brüder, die wir dem Orden angehören, uns nicht erst selbst fester zu einem großen Bruderbünde zusammenschließen? Können wir dem Fremden unsere Logen öffnen, wenn uns die Brüder anderer Logen noch fremd sind7 Der Ordenstag richtet an uns die Mahnung, die Brüderlichkeit unter den Angehörigen der verschiedenen Logen stärker zu pflegen, denn alle Glieder 3es Ordens sollten unserem Herzen gleich nahe .stehen: das ist es, was uns not tut. An die Brüder der Berliner Logen sind diese Betrachtungen gerichtet, denn hier bewahrheitet sich die bekannte Erfahrung, daß dee Raum trennt. Der berufliche uno*gesellschaftliche Verkehr in der kleinen Stadt bringt die Brüder von selbst einander näher, ein Aktivum, das wir in der Großstadt Berlin entbehren müssen. a g von Br. S. Schiff (Sp.-L.) I Wie ist dem abzuhelfen? Der Freimaurerorden, der unter den gleichen ungünstigen Großstadtverhältnissen zu leiden hat, war stets bestrebt, diese Uebel zu beheben und hat auch die Mittel und Wege hierzu gefunden. So feiern z. B. die Logen, die einer Großloge angehören, ihr Johannisfest zusammen. In jedem Jahre ist eine andere Loge die Gastgeberin, die auch den geistigen und geselligen Teil des Festes bestreitet. So führt gemeinsame Arbeit, gemeinsames Feiern, gemeinsame Erholung die Brüder eines Systems zusammen, die Brüderlichkeit stärkend und das Zusammengehörigkeitsgefühl weckend. Könnten wir nicht ebenso unseren Ordenstag feiern? Acht Berliner Logen (Freimaurer) vereinigen ihre neuaufgenommenen Brüder jedes Termins zu gemeinsamen Instruktionslogen, so den Blick des Novizen weitend, für die großen und gemeinsamen Aufgaben des Ordens. .Die Unterweisung in den Lehren des Ordens wird abwechselnd von den für diese Logenarbeit befähigten Brüdern erteilt. Sollten' wir nicht auch diesen W£g besphreiten? £ Doch, noch einen neuen, nicht! begangenen Weg möchte ich den Brüdern an diesem Ordenstaglin Vorschlag bringen. Berlin, dessen zwanzig Bezirke einer Vereinigung von zwanzig Groß-' Städten entsprechen, bedarf besonderer, auf andere Städte nicht anwendbarer Mittel, um durch die Pflege veredelter Geselligkeit die Brüder verschiedener Logen in wahrer Brüderlichkeit zusammenzuführen. Mein Vorschlag geht dahin, daß sich in’ den einzelnen Bezirken Logenkränzchen bilden, in denen die in diesem Bezirke wohnenden Brüder der verschiedenen U. Q. B. B.-Logen sich vereinigen, um abwechselnd in der Häuslichkeit der einzelnen Brüder die Bande der Zusammengehörigkeit zu stärken und zu festigen, und so zur echten und wahren Brüderlichkeit zu erziehen. Gleichzeitig ist die Möglichkeit gegeben, dä das Kränzchen ohne jedes Ritual arbeitet, auch Außenstehende mit den Ideen und Aufgaben des Ordens bekannt zu machen und'so neue Glieder dem Bunde zu gewinnen. Darum, liebe Brüder: „Auf, laßt uns anders werden als die vielen, die da wimmeln in dem allgemeinen Haufen, denn so wir r.aeh gemeinem Beispiel richten unseren Brauch, so werden wir gemeinen Lohnes sein, und nimmer spüren adeliges Glück und seelenvolle Schmerzen." Logenbesuch Bruderpflicht Von Br. Expr. Norden (Sp.-L.) Jeder wird so behandelt, wie er sichs gefallen läßt — das gilt auch für unsere Logen! Wenn die berechtigten Klagen aller Präsidenten über den schlechten Besuch der Sitzungen nicht aufhören, wenn .uns unsereältesten Brüder erzählen, daß diese Klagen bis in die allerersten Lebensjahre unseres deutschen Distrikts zurückreichen, wenn von jeher jeder Präsident ohne^Erfolg alle milden Mittel versucht hat, die Brüder in die Loge zu ziehen — warum lassen die. Präsidenten^ warum die Logen sich diese Logensprödigkeit der Fcrnbleibende*-^ejallen? Wenn zuerst freundliche, brüderliche Bitten, dann ernste Mahnungen an die übernommenen Logenpflichten fruchtlos bleiben, darf die Loge dies in gedu'diger Ergebenheit hinnehmen? Muß sie nicht vielmehr den Gleichgültigen gegenüber die Folgerungen ziehen, die sie ihrer Selbstachtung schuldig ist? Mitglied sein ist nichts, Bruder sein alles. Die Loge braucht keine Reklame, keine -prominenten Namen als Aus-- hängeschild, sie ist nicht auch ein jüdischer Verein unter den vielen, denen man eben den Mitgliedsbeitrag-durch seine Privatsekretärin überweisen läßt — womit man dann weiterer Vereinsverpflichtungen ledig ist. Die Loge hat die unabweisbare Pflicht, jedem sogenannten Bruder, der dauernd den Sitzungen fernbleibt, den Austritt nahezulegen, ohne Rücksicht auf Namen, Titel, soziale Stellung. Selbstverständlich bleiben von dieser Maßnahme alle Brüder verschont, die durch Alter, Krankheit oder irgendwelche finanziellen Rücksichten am Logenbesuch vcrl.indert sind; ist ein] Bruder durch andere Verpflichtungen dauernd außerstande, sich > gerade für den Sitzungsabend seiner Loge freizumachen, soll er zu einer Schwesterloge übertreten. Macht Ernst, würdige Brüder Präsidenten, mit der Drohung, die ihr schon so oft gegen die Logenflüchtlinge gebraucht habt, ohne ihr die Tat folgen zu lassen! Noch besteht die Hoffnung, daß ein großer Teil der Lauen sich auf sein Logeninteress.e besinnen wird, wenn erst einige Exempla statuiert werden. Darum: laßt Euch, die Vernachlässigung Eurer Loge nicht gefallen, Ihr werdet sehen, wieviele Brüder, die Ihr nie kanntet, plötzlich Zeit für die Sitzungen finden, wenn ihnen andernfalls der Ausschluß droht. Nur auf die in der Sitzung anwesenden Brüder kann der Präsident, können die Mitbrüder im Logensinne wirken: schafft vollzählige Logensitzungen, Ihr werdet das geistige und materielle Interesse für alle unsere Aufgaben wecken und lebendig erhalten, und die Sorgen, woher eifrige Mitarbeiter und . willig fließende Geldmittel für den Dienst an unserer guten Sache nehmen, werden nie mehr unser Streben lähmen.