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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1927-10-01 · 7 (10.1927) · p. Seite 118

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
7 (1927-1928)
Issue
7 (10.1927)
Date
1927-10-01
Page
Seite 118 (sequence 6)
Language
German
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•Seite 118 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Nr. 7 und Gcfühlsinhalte unserer Zeit. Sie müssen Seelenzentren in uns zum Schwingen bringen, also an unsere Erlebnisse, unsere Absichten und unsere Sprachweise rühren. Wir müssen nicht zum Beispiel „alle edeldenkenden Israeliten", sondern „alle überzeugungstreuen Juden" auffordern, unsere Bestrebungen zu unterstützen; und nicht „unsere Bestrebungen zu unterstützen", sondern „unsere Kräfte zu vermehren". Nicht „wirken und wachen" müssen wir, sondern „bereit sein und arbeiten". Dabei soll nicht verkannt werden, daß gerade die Formel „wirken und wachen" die Aufgabe der Loge in ihrer Gründungszcit gut und bündig formuliert hat. Aber mit den Zeiten und den Menschen, die härter und strenger geworden sind, haben sich auch die Aufgaben der Loge geändert. Dieser neuen Situation der deutschjüdischen Gesellschaft muß im Sprachenausdruck der Logenformel Wort gegeben werden, und dieser Aufsatz soll zunächst nichts anderes bewirken, als die Aufmerksamkeit der Brüder und der würdigen Präsidenten auf die Bedürfnistatsache einer neuen Sprachgestaltung unseres Rituals zu lenken: denn wie die Dinge heute liegen, werden sicher sehr viele Brüder die Logenformeln über sich ergehen lassen, ohne zu spüren, daß sie nicht ein mechanisches Zeichen Tür Beginn und Schluß .der Sitzung sind, vergleichbar den Hammerschlägen des Präsidenten, sondern ein Appell an lebendige Empfindungen und seelische Werte, und darin ehjK'dejn Vor- und Nachspiel einer Orgel im protestantischen Gottesdienst zu vergleichen. Wenn es unsere Aufgabe ist< in der Loge eine lebendige Institution der Selbstverteidigung und Stärkung des deutschen Judentums zu besitzen, müssen wir auch in den wenigen Ueberresten, die an Feierlichem im Logenalltag geblieben sind, verlangen und bewirken, daß sie Träger lebendigen Geistes seien, und nicht veraltetes Erbe unserer Vorgänger. . Studentenfiirsorge, eine Ordenspflicht Von Br. Expr. I. El bogen (B.-A.-L.) Der stärkste Erfolg der amerikanischen Schwesterlogen seit langer Zeit ist die Einrichtung der „Hillel-Foundation", die an mehreren Universiäten der Vereinigten Staaten eine geistige und seelische Zentrale für die jüdischen Studierenden geschahen hat. . \ oller Stolz berichtete der Ordenspräsident in der Berliner Festsitzung am 4. Juli d. J. von dieser segensreichen Einrichtung und der Millionensammlung, die für sie geplant ist, und der -hochwürdige Großpräsident unseres deutschen Distrikts, Br. Baeck, fügte seiner meisterhaften Wiedergabe der Ansprache des Ordenspräsidenten die Mahnung hinzu, auch in unserem Distrikt eine solche großzügige Sammlung für wissenschaftliche Zwecke zu unternehmen. Damit wurde ein sehr ernstes Problem berührt, aus dem ich hier ein Teilgebiet herausgreifen möchte, weil mir seine Behandlung-durch die deutschen und ganz besonders auch durch die Berliner Logen ebenso dringlich wie aussichtsreich erscheint. Auch die jüdische Studentenschaft in Deutschland bedarf der geistigen und seelischen Betreuung, ein großer Teil von ihr bedarf auch der materiellen Unterstützung. Der letzte Satz bedarf keiner Begründung; dje Vermögen sind zusammengeschmolzen. die Kosten der Lebenshaltung sowie die Unversitätsgebühren sind _ gestiegen. Stiftungsmittel für Studierende gibt cs kaum mehr, und die Arbeitsgelegenheiten haben sich vermindert. Daß nur junge Leute aus den Universitätsstädten oder Söhne wohlhabender Eltern studieren, wäre eine soziale Ungerechtigkeit und ein schlechtes Prinzip der Auslese: es muß auch denen das Studium ermöglicht werden, die zwar nicht die Mittel, aber die erforderliche Begabung besitzen. Gerade aus diesen Kreisen sind vielfach die tüchtigsten Menschen hervorgegangen: „achtet auf die Kinder der Armen, von ihnen, geht die Lehre aus" lautet ein Wort des Talmuds, das ich unseren Logen zur ernstesten Beherzigung empfehlen möchte. Viele werden fragen, wozu denn überhaupt so viel studiert werden müsse, ob wir Juden nicht genügend Akademiker, unter uns haben, und ob nicht auch hier eine Berufsumschichtung geboten ist. Soweit^es sich darum handelt, ungeeignete Elemente vom Studium und den akademischen Berufen fernzuhalten, ist nicht eine innere Berufung in sich fühlt. Die Gefahr des Zustroms ungeeigneter Elemente trifft für die wohlhabenden Schichten weit stärker zu als für die unvermögenden. Sehen wir aber von der Vermögensfrage ab, so haben wir meiner Ansicht nach heute keinen Anlaß, unsere Jugend, soweit sie begabt und ernst ist, vom Studium zurückzuhalten. Wir brauchen Menschen mit guten Kenntnissen, mit tüchtiger Bildung, mit sorgfältiger Erziehung. Unsere Feinde streben danach, uns aus den akademischen Berufen herauszudrängen, uns alle in die untergeordneten Beschäftigungen herabzudrücken. — Wir brauchen den Nachwuchs, der die gehobelten Positionen für uns behaupten oder erobern, der dem jüdischen Namen Ehre machen kann. Gerade unsere Logen sollten mithelfen an dieser Arbeit zur Erhaltung unserer geistigen Höhe. Aber der Mensch* lebt nicht vom Brot allein, er bedarf nicht nur des schützenden Daches, sondern auch einer Heimat für seine Seele. Studenten finden sie vielfach in Verbinduhgen. Nicht jeder aber mag in eine Verbindung eintreten, di4 ihn vielleicht politisch fcstlegt, sicher um tunen großen Teil seiner freien Zeit bringt. Auch in die Jugendvereine sind die Studierenden nicht immer zu bringen, teils aus den gleichen Gründen, teils weil ihre Interessen ganz andere sind. Wir aber haben allen Anlaß, die jüdischen Studierenden an uns zu fesseln, gerade denen, die sich geistig beschäftigen, auch jüdisch geistige Anregungen zu .bieten. Ein starker Prozentsatz der älteren Akademikergeneration ist uns durch Taufe und Mischehe verloren gegangen, andere-stehen gleichgültig beiseite — auch das gegenwärtige Geschlecht ist von allerlei Gefahren bedroht, wir haben allen Anlaß, sie zu stärken,' ihr zu einer festen Verwurzelung im jüdischen Mutterboden Gelegenheit zu g^ben. Schaffen wir Mittelpunkte, in denen jüdische Akademiker sich heimisch fühlen, in 'denen sie die geistige ünd seelische Ausrüstung für ihr künftiges Wirken finden.' An der Hillel-Foundation haben wir ein anregendes Vorbild, der Orden hat damit geradezu sein Prestige erneuert. Von unseren deutschen Logen sind die nützlichsten und andieser Einwand sicher berechtigt und rücksichtsloser Durchführung würdig, aber der Kampf ums Dasein ist für einen armen Studenten heute so hart, daß kaum jemand ihn führen wird4 deV gesehendsten sozialen Einrichtungen ausgegangen — hier stehen wir vor einer neuen Aufgabe, wenden wir der Studentenfürsorge unser Wollen und Wirken zu! |= bie Eröffnung der Handarbeits-Ausstellung findet am ■ DIENSTAG. ■ DEM 1 NOVEMBER 1927, NACHMITTAGS 5 UHR. im Damenzimmer des logenhauses statt. p= Es Ist Pflicht jeder Schwester, die Aus- Stellung nach Kräften zu fördern V ■ gl DEß DISTRIKT der Berliner Schwestemvereinigungen Die Deutsche Reichs-Loge veranstaltet am Sonnabend, dem 29. Oktober 1927. abends 81 Uhr, im Logenhause, KJeiststraße 10 IC ein Grinzinger~Fest ‘VB Näheres ergeben die Einladungen. Der Geselligkeits-Anssciinß. , I. Becker.

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