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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1927-10-01 · 7 (10.1927) · p. [Seite]

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
7 (1927-1928)
Issue
7 (10.1927)
Date
1927-10-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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derBEBUNE ,O€ENU.0.RR BERLIN W 62. KLEISTSTR. 10. LOGENHAUS 7. JAHRGANG OKTOBER 1927 NUMMER 7 «Henry Jones Von, Br. Vizegroßpräs. Alfjed Lisser, HambuiL. Man schrieb den 13. Oktober 1843. In seinem G^chäftslokal Grand Street 450 in New York saß Isaac Rosenbourg über seine Bücher gebeugt, als ein Klopfen an der Tür ihn emporschreckte. Auf seinen Ruf „comc in, please!" trat sein Freund Henry Jones in die kleine, nur mit den notwendigsten Büromöbeln ausgestattele Stube. „Du hättest Yuhig „Herein“ sagen können“, sagte der Eintretende, den Freund mit einem kräftigen Händedruck begrüßend. „Jetzt aber lasse Dich nicht stören, ich warte hier ruhig, bis unsere anderen Freunde vpllzählig erschienen sein werden." Henry Jones rückte sieb den Lehnsessel ans Fenster und blickte sinnend auf die Straße hinab, in welcher das fiebernde Leben der Großstadt allmählich verebbte. Sein träumerisches Auge zeigte einen fast visionären Blick, und seine Gedanken trugen ihn weit hinaus über den Ozean in die alte Heimat Hamburg am Strand der Elbe. Kaum ein Jahrzehnt war verflossen, seitdem der (junge deutsche Maschinenbauer Heinrich Jonas Elternhaus und Heimat verlassen hatte, um, im Lände der Freiheit sein Glück zu versuchen. In zäher Arbeit war er vorwärts gekommen, aber der eigene Erfolg genügte ihm nicht, um sich glücklich zu fühlen. Das Los seiner Stammesgenossen, insbesondere derer, die aus der trauten deutschen Heimat gleich ihm den Weg über den Ozean angetreten hatten, lag ihm am Herzen, und mit seinen gleichgesinnten deutsch-amerikanischen Freunden strebte er danach, den Einwanderern bei den ersten Schritten in die neue ungewohnte Umgebung behilflich zu sein, sic zu gleichwertigen, nützlichen Bürgern des schönen freien Landes zu erziehen, das ihnen die bessere Heimat bereiten sollte. In langen, bis in die Nacht hinein währenden Besprechungen hatte der kleine Kreis deutsch-amerikanischer Juden unter Henry Jones' Führung das Problem erörtert. Vorschläge wurden gemacht und verworfen, die Angliederung an die mannigfachen, der brüderlichen Hilfstätigkeit dienenden amerikanischen Orden erwogen, bis sie schließlich zu der Uebcrzeugung kamen, daß die ZU| leistende Erziehungsarbeit an den jüdischen Einwanderern nur in; einem auf Juden begrenzten Kreis erfolgen könnte, da der Freund den Freund nur erziehen-dürfte innerhalb des Freundeskreises. In Henry Jones' Kopf, und mehr noch in seinem Herzen, war der Plan gereift zur Gründung des Unabhängigen Ordens BneBriss. Er sah schon im Geiste die Ausbreitung dieses Bundes über ganz Amerika und von da über die ganze Welt, alle die Glaubensbrüder umfassend, die reinen Herzens waren und den festen Willen hatten, die Ideale des Väterglaubens in ihrer Reinheit zu erhalten und durch Taten der Menschenliebe und Brüderlichkeit zu verwirklichen. j' Stimmengewirr vor der Tür schreckte ihn aus seinen Träumen auf. Hinein traten William R e n a u , Isaac Dittenhöfer, Michael Schwab, R. M. Rodacher, Henry Kling, Valentin Cöon, Samuel Schäfer, Jonas Hecht, H. Hcinemann und Mi Ansb'ächer.. Sie gruppierten sich rings uni Henry J o ji e s , der, von allen als der geborene Führer anerkannt, die Verhandlungen leitete. Henry Jones seläte den' Freunden in begeisterter Rede den Plan auseinander. Seine Rede, klar und durchdacht aus dem Innersten seines edlen Herzens.qucll&nd, ergriff die Freunde aufs tiefste. Etwas . Prophetisches ging von ihm aus und griff auf seine Hörer über, .als er zeigte, daß aus der winzigen Keimzelle des'in dem kleinen Stübchen versammelten Freundeskreises ein großer Bund entstehen könne. ' '! Die Freunde,' alle bescheidenen Verhältnissen entstammend und, noch im harten Kampf um die . eigene .Existenz stehend, zeichneten bereitwillig die zur Inangriffnahme des edlen Planes notwendigen Beträge. Zu äpätcr'Abendstunde trennte man sich. Roaenbourg brachte den Freund in seine nahegelegene Wohnung, .dort blieben dip beiden ' fast bis zum grauenden Morgen zusammen, immer und immer' wieder das Vorhaben besprechend, an das sie Herz undvSecle hingegeben, das den Grundstein bildete zu dem weltumspannenden Orden, unter dessen Schutz sich beute in allen Teilen der Welt Juden zusammenfinden, um Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht zu pflegen. Von der Wand des traulichen Logentompels, den die erste Loge in der Geburtsstadt Henry Jones’, in Hamburg, errichtet hat und die seinen Namen trägt, grüßt sein Bildnis die Brüder. Sein mildes.Auge blickt hernieder auf die, welche stolz darauf sind, daß dc:r Gründer des Ordens Bne. Briss in dreifacher Beziehung der Ihrige ist: als Deutscher, als Jude, als Bruder. Indem der Orden nach höchsten Menschheitszielen strebt, ruft er den einzelnen Bruderzur Selbsterkenntnis und zur Arbeit am eigenen Charakter auf. Damit schafft tor die Grundbedingung für -die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, die wiederum das Verhalten zu den Brüdern bedingt. Jeder hat die Pflichtder Selbst Vervollkommnung. Er hat nichts erreicht, wenn er sich nicht zu einem gütigen Menschen zu erziehen vermag. Erst dann ist er selbst liebenswert. Einen gütigen Menschen erfüllt der Glaube an die Menschheit, der Glaube an die Liebe zu den Menschen. Nur der wahrhaft gütige Mensch khnn Bruderliebe empfinden und Bruderliebe für sich erwarten. Aber ebensowenig wie man selbst die höchste Vollkommen-- heil erreichen kann, ebensowenig kann man Brudcrljebe in - weitestem Ausmaß empfinden. Beides sind Ideale, die wir nie erreichen köAnen, aber das Streben nach ihn^p -sollte jedem eine heilige Pflicht sein. ,, Warum ich Logenbruder bin? / - Weil mich der Orden lehren'will, die Menschen lieben, und weil er mir Menschen zeigt, die liebenswert sind. f ' Zum Ordenstag Von Br. Präs! Willy Cohn (Sp.-L.) I

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