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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1927-09-01 · 6 (9.1927) · p. Seite 93

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
7 (1927-1928)
Issue
6 (9.1927)
Date
1927-09-01
Page
Seite 93 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 6 Seite 93 MONATSSC H^I FT DER BERLINER LOGEN U.aB.B Das Mutter- und Kinderheim des Frauenvereins der Berliner Logen O. U. B. B. t * u ■ t J , Von Br. Dr. Josef Hirse h. (J. F. L.) ' •< . / Das soziale Bewußtsein geht von dem Gedanken aus, daß der Mensch der wertvollste Besitz einer Gemeinschaft sei, daß eine Gemeinschaft um so stärker sei, je mehr sie es versteht, wertvollen Menschenbesitz, und auf das Wort „wertvoll" ist zu achten, anzuhäufen. Diese Häufung von wertvollem .Menschenbesitz wird gewährleistet durch die F o r t p f 1 a n z u n g. Es müßte also die Gemeinschaft, das Volk oder die Rasse die kräftigste sein, die diq größte Fortpflanzung aufweist. Dies ist in großen Zügen eine allgemein anerkannte Wahrheit geworden. Wir dürfen uns in unserer Anschauung nicht beirren lassen durch die Tatsache, daß ein Land zuweilen nicht genügend Nahrungsmittel, nicht genügend Wirtschaftsmöglichkeiten besitzt, um die Masse seiner Menschen zu ernähren, daß ein Land zuweilen durch künstlich cingedämmte Wirtschaftsmöglichkeiten, wie Deutschland zurzeit, seinen Mchschenbesitz zi< wahren und zu erweitern außerstande ist. Diese ungesunden Verhältnisse müssen durch eine innere Logik des Weltgeschehens überwunden werden. Die Wahrheit des Leitmotivs dieser Betrachtung, daß der Mensch der wertvollste Besitz sei, bleibt bestehen, ungeachtet aller Wellenbewegungen des Gemeinschaftslebens, ferner auch der Gedanke, daß das Mittel zur Erringung eines wertvollen Menschenbesitzes die Fortpflanzung sei. Bei dem Begriff der Fortpflanzung ist zu unterscheiden zwischen Quantität und Qualität. Ich füge hinzu, daß eine Vermehrung des ^Aenschcnbesitzcs einer Gemeinschaft durch Zuzug von außen her, also nicht durch organisches Wachstum auf dem Wege der Fortpflanzung wertlos r ist, im Gegenteil eine gewisse Gefahr bedeutet durch Uebcrfremdung der eigenen Kulturgüter dieser Gemeinschaft, durch Ucberfrcmdung der Erbwerte, die sonst die Gemeinschaft durch die Fortpflanzung zu sichern imstande ist. Es würde zu weit führen und von dem eigentlichen Thema dieser Betrachtung ablenken, wollte ich auseinandersetzen, wie ganze Völker und große Kulturen dadurch zugrunde gegangen sind, daß die Fortpflanzung nicht gewährleistet wurde und durch Ucbcrfremdung des Menschenbesitzes die Erbwerte der eigenen Genleinschaft verlorengingen Ein gutes Beispiel bildet die Zunahme der Berliner Jüdischen Gemeinde. Es soll damit nicht gesagt sein, daß der Zuzug von außen für die geistige, körperliche oder seelische Struktur der Berliner Judenheit von Nachteil sei, sondern nur zum Ausdruck gebracht werden, daß die Berliner Jüdische Gemeinde nur durch Zuzug von außen zunimmt. Ich beziehe mich dabei auf das Jüdische Jahrbuch für Groß-Berlin für das Jahr 1926 (Segall): Jüdische Jüdische Bevölkerungsbitanz Jahr Geburten Stcrbcfälle plus minus 1921 2444 2258 186 — 1922 2212 2542 — 330 1923 2292 2493 — 201 1924 2184 2450 — 266 1925 1969 2401 -- 432 Aus diesen Zahlen ist ersichtlich, daß die Zunahme der Berliner Jüdischen Gemeinde nur durch Zuzug von außen gegeben ist, trotzdem die Sterblichkeitsquote der Juden Berlins selbst nach dem Kriege als eine günstige zu bezeichnen ist. Interessant dürften dabei auch folgende Zahlen sein, die Segall angibt: 48,6% der Geburten betreffen Erstgeburten, 32,8'/ „ „ „ Zweitgeburten, und nur 10,8% „ ■ „ ,, Drittgeburten, das heißt nur ein Neuntel der Neugeborenen sind dritte Kinder. Was unter dem Begriff einer Qualität und Quantität der Fortpflanzung zu verstehen ist, bedarf keiner Erörterung. Es sind Begriffe, die nicht etwa einen Gegensatz bedeuten, indem man sagen könnte, daß, je mehr die Quantität maßgebend sc:, um so weniger die Aussicht bestehe die Qualität höher zu entwickeln. Bei einer gesteigerten Quantität die Qualität des Nachwuchses zu sichern, ist nur Sache des Kulturbewußtseins. Aber eines ist ganz sicher: je geringer die Quantität der ** Fortpflanzung ist, um so größer muß der Wunsch sein, die Qualität des Nachwuchses zu sichern, ln diesem Falle befindet sich das deutsche Judentum bzw. das westeuropäische Judentum überhaupt. Auf .die Gründe cinzugehen, würde den Rahmen dieser, Erörterung überschreiten, man kann kurz sagen, daß die Tatsache' eine Kultprerscheinung ist, daß mit Wachsen kultureller Fortentwicklung'der Nachwuchs und damit der Menschheitsbesitz einer .Gemeinschaft gefährdet sei., Für uns deutsche Juden besteht also die Notwendigkeit, eine größere Sorgfalt für den Nachwuchs auszuübeu, durch eine Sicherung der Fortpflanzung den Ausfall der Quantität und damit der Qualität zu schützen. ' / Von diesem Gedankengang bewußt oder unbewußt ist die GcscTiichte des Frauen Vereins der Berliner Log c n geleitet. Als im Jahre 1888 der Frauenvercin gc-gründet wurde war er ein Verein zur Unterstützung hedürftiger Glaubensgenossen. Erst die geniale Voraussicht unseres unvergeßlichen Führers M a r e t z k i erkannte, daß ein Frauenverein nur die Aufgabe haben könne, zu helfen aüf dem ureigensten Gebiet der Frau: der Mitsch.wcster zir helfen in der Stunde der Not, da sie al.-> Trägerin ' jler. Fortpflanzung eine kommende Generation vorbereitet lind den Begriff de^ heiligen- und weihevollen Mutterschaft in sich schließt. Unser Führer Marelzki, dessen unvergeßliches Bild int Orden lebendig ist, sorgte dafür, dajl das Wochenbett unserer bedürftigen Glaubensgenossen frei von täglicher Sorge bleibe. Er fand die Mitarbeit von Frauen, deren Namen zu nennen das Bewußtsein verbietet. Bekanntes zu. sagen. Marctzki war der Mann, der frühzeitig den Wert sozialer Frauenarbeit erkannte, er überließ daher den Händen der Frauen ihr Ureigenstes Gehict. . In den Jahren bis 1908 wurde, diese soziale Arbeit geleistet durch Stellung von Pflegerinnen für das Wochenbett, durch Gewährung von Lebensmitteln, Wäsche und Kinderaosstattung. Die Führer erkannten bald in richtiger Weise, daß die häusliche Pflege nicht ausreiche, sondern durch die Unterbringung in Entbindungsheimen zu ergänzen sei. Das Haus der Armen ist der ungeeignetste Ort zur Entbindung, eine traurige Wahrheit, die aber durch das Nichtaussprcchen nur verdeckt, aber nich! geändert wird. UNSERE TOTEN Der Orden beklagt den Heimgangfolgender Brüder: Name Eirigetret. Geboren .Verstorben Deutsche Reichsloge Daniel Schindler 5. 3.1904 11. 8. 1852 9.8.1927 Berthold Auerb a c h - L o g e Josef Berger 5. ‘ 3. 1906 1 6. 5.1854 11.8.1927 Martin Salomon Ewald Friedländer 9. 11. 1903 24.9. 1862 3. 12. 1923 22. 4. 1883 1.9. 1927 4.9.1927 Monte! iore-Loge Wilhelm Samson 31. 10. 1893 3. 9. 1846 14.8! 1927 Jonas Jacob 20. 1.1914' 3. 3. 1851 25; 8, 1927 Max Elias 28 10.1919 1. 1.1875 1 9.1927 Abr aham Gei ge r - L o g^. . Dr. Curt Kochmann 2. 4. 1927 25. 8.1882 1.9.1927 . Ehre ihrem Andenken!

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