Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 7 (1927-1928)
- Issue
- 6 (9.1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- Seite 92 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 92 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Nr. 6 müßigen Geschäftigkeit, oft ein Merkmal des vielseitigen Vereinstebens draußen. Die Sanierung muß Im Mittelpunkt des Logenlebens ein-, setzen. Der Brudergedanke muß gefördert, gestärkt, befestigt werden. Zu diesem Zwecke müssen zweimal im Monat regelmäßige, zwanglose Zusammenkünfte, der Brüder in geschlossenem Kreise nach der Sitzung stattfinden, um sich nach der strengen Form der Verhandlungen im Logentempel in freier, das Gemüt anregender Art zu sammeln, zu vertiefen, sich gegenseitig kennenzulernen, die Redeschüchternheit der Brüder zu überwinden und auch Fragen zu erörtern, die sich für die offizielle Erwägung in der Logensitzung nicht recht eignen. Sind diese Bruderabende nicht eine Selbstverständlichkeit und vor allem für die übergroßen Logen eine Lebensnotwendigkeit? Müßte nicht ferner jede Berliner Loge die Pflicht empfinden, die anderen Logen, die in demselben Hause tagen, regelmäßig besuchen zu lassen, um von ihnen zu lernen und das Bewußtsein der tiefen Zusammengehörigkeit zu einer großen ethischen Weltorganisation zu pflegen? Würden sich dann nicht wertvolle gemeinsame Ziele leichter und schneller verwirklichen lassen? Nur auf diesem Wege wird es möglich sein, einen wahren Bruderbund immer neu zu schaffen, Führer zu erziehen, die ihr Ideal in einer umfassenden, auf Wohltun, Bruderliebe und Eintracht gegründeten Gesinnung sehen. Von hier aus verstehen wir das Goethewort: „Die Menschen werden durch Gesinnungen vereinigt, durch Meinungen getrennt. Jene sind ein Einfaches, in dem wir uns zusammenfinden, diese ein Mannigfaltiges, in das wir uns zerstreuen.“ Von solchen Gedanken wollen wir uns in der kommenden Zeit innerlich durchdringen lassen, damit wir die Loge und den Orden zum höchsten Menschentum emportragen. .Anmerkung der Redaktion: Wir setzen die vorstehenden inhaltsvollen Ausführungen, mit denen Br. Expras. Löwenstarara (B. A. L.) seinerzeit die Ucbernahme des Präsidiums der w. Bcrthold-Auerbach-Loge ein- Icitete, an die erste Stelle der September-Nummer unserer Monatsschrift, die den Beginn der .. Winterarbeit in den Berliner Logen ankündigt. Wir haben die Genehmigung zum Abdruck dieser Ansprache erbeten, weil sie von besonderer Bedeutung für ein Hauptproblem unserer Gemeinschaft ist. Weg und Ziel der inneren Propaganda Von Br. Bruno Schießer (B. A. L.). * Als die würdige Berthold-Auerbach-Loge im Jahre 1923 den Antrag ihres Organisationsausschusses, einen Propaganda ausschuß'zu begründen, annahm, wurde dessen Zweckmäßigkeit vielfach angezweifelt und die Möglichkeit erfolgreicher Tätigkeit eines solchen Ausschusses gering erachtet. Es darf daher angenommen werden, daß eine Darstellung der Ziele und Arbeitsweise dieses Ausschusses nach seinem mehrjährigen Bestehen allgemeinem Interesse in Bruderkreisen begegnen wird und dem Gedanken der inneren Propaganda damit neue Anhänger und Fürsprecher gewonnen werden. Die Idee, innere Propaganda für die Vermehrung des Logenbesuches zu entfalten, basiert .auf der Beobachtung, daß die zahlenmäßige Entwicklung des Logenbesuches mit der stärken Vermehrung der Logenmitgliederzahl nicht im Einklang blieb und dadurch die Werbekraft des Logengedankens trotz der Vermehrung der Brüderzahl an Intensität einbüßte. Diese innere Propaganda soll also der Stärkung des Logenlcbens und der Intensivierung des Logenbesuches gelten, deren jede Loge zur sinngemäßen Durchführung ihrer Arbeit zwingend bedarf. Es galt, die neuen Mitglieder in den Kreis der Brüder wirklich einzuführen. ihr Interesse für die Ordensidee zu festigen, mahnend darauf hinzuweisen, daß der persönliche Kontakt mit dem Bfuderkreise ein unbedingtes Erfordernis für die Erreichung des auf die Förderung der Persönlichkeit gerichteten Logenzietes ist, säumige Brüder an ihre Verpflichtung zum Logenbesuch zu erinnern und an das Gewissen der Lauen zu appellieren. Die Verwirklichung dieser Gedanken wurde de« Mitgliedern des Ausschusses zur Aufgabe gestellt. '* Die große Mitgliederzahl der Loge und die in der räumlichen Ausdehnung der Großstadt bedingten schwierigen Verhältnisse erforderten eine äußere Schematisierung der Propagandatätigkeit. Es wurde eine Mitgliederkartothek geschaffen, welche für jeden Bruder ein beshnderes Karte^blatt mit den Angaben seiner Personalien und den Daten aller Logenabendbesuche für zehnjährige Uebersicht enthält. Diese Bcsuchskontrolle lieferte erst die Grundlage für die praktische Arbeit. Der aus 36 Brüdern bestehende Ausschuß erhielt eine Einteilung in vier Gruppen mit je einem Gruppenführer. Die Gruppen sind verpflichtet, in vierwöchentlichem Turnus die Besucherristen zu führen und den inneren Propagandadienst an ihrem Logenabend auszuüben. Auf Grund der Karteifeststellungen werden die Gruppen mit dem Besuch solcher Brüder beauftragt, welche den Sitzungsabenden längere Zeit ohne bekannten Grund ferngeblieben sind. Alle Ermittlungen sind persönlich auszuführen. Lieber deren Ergebnis werden schriftliche Berichte auf besonderen Formularen erstattet und deren Resultat auf eine jetzt neu angelegte Besuchsübersicht übertragen. Die Verteilung der Besuchsaufträge und die Erstattung der Berichte erfolgen in den monatlich stattfindenden Vollversammlungen des Ausschusses. Nach der Erledigung der Aufbauarbeiten wurde für das Jahr 1926 ein Bericht über das Ergebnis der Ausschußtätigkeit gegeben und hierin unter anderem mitgeteilt, daß der Ausschuß im Berffhtsjahre 209 Besuche ausgeführt hat, wodurch 45 Brüder für den regelmäßigen Logenbesuch wiedergewonnen wurden. Wenn auch dieser Erfolg im Verhältnis zur Mitgliederzahl zahlenmäßig unbedeutend erscheinen mag, ist er doch für die Belebung der Logentätigkeit wesentlich und allein schon eine hinreichende Rechtfertigung für die Notwendigkeit solcher Prppagandaarbeit. Der Ausschuß ist bemüht, das Logenleben im Sinne der ihm im Verlaufe seiner Besuchstätigkeit bekanntwerdenden Wünsche der Brüder fördernd zu tj&einflussen. Seine Gesamtarbeit ist geleitet von den beiden ideen unserer Ordensdevise und erstrebt dergestalt in dem engeren Rahmen seiner Aufgaben die Verwirklichung von „Bruderliebe und Eintracht". Dem Orden gehören nicht mehr an: Berthold Auerbach-Loge: Kurt Wittgenstein, W 15, J-ietzenburger Str. 24. Spinoza-Loge: Leo Schleyer, Charl. 2, Goethestr. 9. Timendorter Jubiläums-Loge: Norbert Fischer, C 2, Neue Friedrich’str. 23. — Akiba Eger-Loge: Isidor Goldschmidt, NW 87, Siegmundshof 10. Max Reißner, S 59, Hasenheide 71. Neuaufnahmen: Julius Fenchel-Loge: Dr. Hermann Fried, SW 61. Tempelhofer Ufer 6. Dienststunden des Logenbüros Wochentags: 10 bis 3 Uhr. Sonntags: 10 bis 12% Uhr. An Sabbaten und jüdischen' Feiertagen ist das Büro geschlossen. Sprechstunden des Verwaltungsdirektors 12 bis 2 Uhr. Außerhalb dieser Zeit ist Br. Baer weder persönlich noch telephonisch zu sprechen. Die lieben Brüder werden dringend gebeten, sich in allen Angelegenheiten, deren Erörterung mit Br. Baer persönlich n cht unbedingt erforderlich ist, an das Logenbüro zu wenden. Berliner Gemeinsamer Ausschuß gez.: Oskar G. Norden, Vorsitzender.