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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1927-08-01 · 5 (8.1927) · p. Seite 76

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
7 (1927-1928)
Issue
5 (8.1927)
Date
1927-08-01
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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Seite 76 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Nr.'5 Aber es ist ein Irrtum, wenn man dies durch lange und feierliche Reden, mögen sic noch so bedeutsam sein, zu erreichen glaubt, oder durch eine geistreiche, aber doch recht weitschweifige Erklärung des Rituals. Wie oft wird schon bei der Einführung das Gefühl der Leere und der Enttäuschung hervorgerufen! Einführung der neuen Brüder aber ist Logengottesdienst, ist weihevollster Gottesdienst und es darf hier niemals, ebensowenig wie in der Synagoge, auch nur einen Augenblick das Gefühl der Leere entstehen. Aus der Weihestimmung der Einführungsfeicr fällt der neue Bruder meist in den Alltag hinein. Denn was sich Brudermahl r.ennt. das unterscheidet sich — ob mit oder ohne Schwestern — in überwiegender Zahl sö gut wie gar nicht von dem Mahl irgendeiner Vereinigung. Sollte das Wesen des Brudermahls wirklich darin bestehen, möglichst reichhaltige und hochwertige Tafelgenüsse zu bieten und möglichst viele und lange und geistreiche Reden der Beweihräucherung? Sollte nicht vielmehr Brudermahl die Fortsetzung des Logenabends sein in einer anderen Form, in der des Gesellschaftlichen, der zwanglosen und doch in sich geschlossenen Gemütlichkeit? Schon ist hie und da der Anfang gemacht, solche ..Tafelloge" zu schaffen, wenn es auch noch nicht immer gelungen ist,. die ..Fidelitas ' vor den Irrwegen zu bewahren, die sie sonst gemeinschaftlich geht. Aber cs sollte nicht als ein unwichtiges Moment betrachtet werden, hierfür einen rechten Weg zu finden. Weihevolle Einfuhrungsfeier und fröhliche ,.Tafelfolge'' sind in ihrer rechten Form und Vereinigung ein geeignetes Mittel, die Verbundenheit der Brüder anzubahnen. Freilich nur anbahnen. Denn ein einmaliges Erlebnis, so stark es auch wirkt, ist noch nicht imstande, eine dauernde seelische Verbundenheit zu erzeugen. Darum hat die Loge die Aufgabe. Feierstunden in periodischer' Wiederkehr zu veranstalten. Logentag, Gedächtnistag könnte Anstoß dazu sein, und es dürfte möglich sein, noch andere Gelegenheiten zu schaffen und hierfür auszugcstaltcn ^Feierstunde weckt nicht bloß augenblickliche Feierstimmung. sondern wirkt aus über den Tag hinaus, indem sie den Alltag aus der Seele hinwegspült und den Antrieb zu Feiertä’gstun gibt. Damit aber aus der Feierstimmung der Feiertagsmensph erwächst, sollte regelmäßig die Logenarbeit so eingerichtet sein. daß_ sie stets als Feierstunde zum Erlebnis wird. Deshalb muß aus den Logensitzungen in der Regel alles eliminiert werden, was man gemeinsam mit Geschäftlichem, Materiellem bezeichnet. Für alle diese Dinge ist der Beamtenrat und die Ausschüsse .eingesetzt, die es so weit vorzubereiten haben, daß gegebenenfalls in der Lögensitzung nur noch kurz der Wille der Loge zum Ausdruck zu bringen ist. Dafür sollte jede Logensitzung, im Zusammenhang mit dem Vortrage oder auch ganz unabhängig von ihm; unter einem bestimmten Ideengehalt stehen, ebenso wie jeder Sabbat, jeder Festtag von einer Idee getragen wird. Nach dieser Idee ist die Gesamtarbeit des Abends einheitlich zu gestalten. Solche Logcnabendc können und sollen die Quelle der Kraft werden, die sich auswirkt in dem geistigen und materiellen Einstehen füreinander, auch außerhalb der Loge. Denn die Logengemeinschaft beschränkt s^ch nicht 'auf das Logenhaus und erschöpft sich nicht in der Anwendung des Wortes „Bruder". Es sollte vielmehr davon Gebrauch gemacht werden, die Bruderschaft im Leben draußen zu bewähren. Freilich nicht in dem Sinne, daß man Seine Zugehörigkeit benutzt, um geschäftliche Verbindungen anzuknüpfen. Aber es ist kein Zweifel, daß die innere Verbundenheit außerhalb der Loge nicht immer in wünschenswerter Weise in die Erscheinung tritt, in Freud und Leid, in materiellen und geistigen Dingen, und daß sie oft ganz in die Brüche geht, wenn religiöse und politische Fragen die Gemüter bewegen. Wo ist ein Weg? Hinweise in der Logensitzung wirken meist nicht über den Tag hinaus — die Kraft der Imponderabilien ist zu stark, Per sünlichkeit, Takt, Gefühlswerte, die sich meist vernunftgemäßer Einwirkung entziehen, beeinflussen die Handlungsweise im Leben, wenn sie auch in der Loge zurückgedrängt sind. Da heißt es durch die Tat aufbauen, im kleinen: Gemeinschaften schaffen innerhalb der einzelnen Loge, von besonders Gleichgestimmten, von solchen Brüdern, deren Logengewissen sie dahin führt, Anlehnungsbedürftige an sich zu sammeln. Und diese kleinen Gemeinschaften werden allmählich in sich und mit den anderen zusammenwachsen zur wahren Logengcmcinschaft, die sich nicht auf die Logensitzung beschränkt, sondern die Kraft hinaustiägt zum brüderlichen Sein draußen im Leben. Br. Expräsident MAX STEIN, s. A. Die Montefiore-Loge und die Gemeinschaft der Berliner Logen haben einen schweren Verlust erlitten: am 17. Juli ist nach langem, schweren Leiden, im Alter von 64 Jahren Br. Expräsident Max S t e i n in die Ewigkeit abberufen w orden. Ein Stück Berliner Logengeschichte sinkt mit dem Heimgegangenen ins Grab. Fast 4 Jahr-’ zehnte hindurch hat Max Stein an führender Stelle im Berliner Logenleben gewirkt. Seine ungewöhnliche Klugheit, seine innige Verknüpfthcit mit der Tradition des Judentums, seine Liebe zu dessen Medien und seine tiefe Verbundenheit mit dem Orden Bne Briss prädestinierten ihn zur Führerschaft in der Loge. So hob ihn das Vertrauen seiner Loge dreimal auf den Präsidentensitz (1899. 1910, 1917), entsandte ihn die Montefiore-Loge in den Ausschuß.für die gemeinsamen Angelegenheiten der Berliner Logen. Und so stark war die Wirkung, die von seiner aufrechten Persönlichkeit auf alle Berliner Brüder ausging, daß, als 1920 die Timendorfer-Jubiläums- Loge ins Leben gerufen wurde, keinem Würdigeren als ihm die Leitung dieser neuen Loge in ihrem ersten Arbeitsjahre überfragen werden konnte. Max Stein ist bald wieder zu seiner Montefiore-Loge zurückgekehrt, aber sein Wirken galt nicht nur dieser, sondern war der Entwicklung aller Berliner Logen und des ganzen Ordens zugewandt. Sein Andenken wird im Kreise der Berliner Brüder und ganz besonders in der Montefiore-Loge niemals vergessen werden. ' UNSERE TOTEN Der Orden beklagt den Heimgang folgender Brüder: Name Eingetret. Geboren Verstorben Deutsche Reichsloge Hermann Brasch 27. 1.1883 27.11.1848 Dr. Hermann Strauß 25.11.1916 17. 9.1859 WilKam WolffenStein 21. 2. lj903 6. 3.1853 Julius Abraham 10. 1 ] 1914 17. 8.1874 12. 7. 1927 15. 7. 1927 22. 7. 1927 1.8. 1927 ' Berthold Auerbach-Loge Leo Holdheim 9. 3. 1&85 18. 7. 1858 24. 7.1927 Hermann Olschki 1. 2.1904 9.10.1857 26.7.1927 Moritz Dresdner 15. 4. 1912 25 6. 1852 3.8. 1927 Montefiore-Loge Max Stein 2. 1. 1890 1. 3. 1863 17. 7. 1927 Jacob Bukofzer 16. 9. 1906 14 8 1859 31 7. 1927 Ehre ihrem Andenken! Die Beratungsstelle des Frauenverbandes U. O. B. B. teilt mit, daß Meldungen von Zimmern, Wohnungen und Pensionen nur schriftlich angenommen'werden. — Das Heim der Zion-Loge auf Norderney hat für den Monat September noch einige Platze frei. Meldungen erbittet Frau Else Schwabe, Mommsenstr. 52, Telephon: Bismardk 1777.

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