Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 7 (1927-1928)
- Issue
- 5 (8.1927)
- Date
- 1927-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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derBEBLINERALOG E N UO.BB. BERLIN W 62, KLEISTSTR. 10. LOGENHAUS , 4 7. JAHRGANG AUGUST 1927!> NUMMER 5 Logengemeinschaft Von Br. H. Fa 1 k e n b e r g (T. J. L.). Logengemeinschaft f— das ewige Logenproblem. Schwer, fast unmöglich restlos zu lösen. Hängt es. doch aufs innigste mit anderen Grundfragen des Logenlebens zusammen, die noch der Klärung harren: Schwesternfrage, Logenritual, Form in der Loge überhaupt. ' Die eigentliche Schwierigkeit aber liegt nicht so sehr darin, als vielmehr im Wesen des Logenbegriffs selbst. Was ist «iie Loge? Loge ist Gemeinschaft. Gemeinschaft, aber nicht Masse. Nicht Summe sich angleichender Menschen, sondern Zusammenwachsen von Persönlichkeiten, deren jede in ihrem. eigjjxelf’Wesen schärfste Ausprägung zeigt, die aber in dem einen zusammenfließen, in dem Willen zu dieser Gemeinschaft. Der Bruder, so ausgeprägt er als Einzclpersßnlichkeit auch sein mag, in der Loge ist er somit kein Objekt für sich, sondern das lebendige Glied seiner Gemeinschaft und damit ihr Diener, der hier nur im Aufgehen in die Idee' und in di>r Gemeinschaft etwas leistet. Wer Bruder wird, muß das Bewußtsein gewonnen haben, daß er aus seiner Vereinzelung herauszutreten hat, um sich einzuordnen unter die Diener der Idee. Dies Zurücktreten des Persönlichen, das selbstlose Aufgehen in der Idee ist jedoch nichts Selbstverständliches, kein leicht zu erwerbendes Allgemeingut, sondern hat naturgemäß zur Folge, daß die Logengemeinschaft immer nur die „Wenigen" umfassen wird, gegenüber den „Vielen", die Wenigen, die den reinen Willen aufbringen für unsere Gemeinschaft. Dies.? Gemeinschaft unterscheidet sich von allen übrigen vorzüglich dadurch, daß sie nicht — wie sonst jede es tut und tun muß — fragt: Wozu? Und darin liegt vielleicht die größte Schwierigkeit, die der Logengedanke in sich birgt. [ Die Loge ist nicht für einen Zweck geschaffen. Religiöse, politische, wissenschaftliche, soziale Vereinigungen haben einen Zweck, -müssen ihn haben, wenn sie ihre Existenzberechtigung aufweisen wollen. Aber es bedeutet eine Verkennung des Logenwesens, wenn man z. B. die Wohltätigkeit als eine ihrer wichtigsten Aufgaben hinstellt. Nein, — die Loge hat nicht Aufgaben, sondern sie ist selbst Aufgabe, sie hat nicht Zwecke zu erfüllen, sondern ist Zweck an sich. Soziale Arbeit, so großen Umfang sie auch im Logenleben einnimmt, wird hier nicht geleistet als Aufgabe der Loge, als soziale Art, sondern als Erziehungsmittel zur Logengemeinschaft. Das ist nur eins, wenn auch eins der wichtigsten Erziehungsmittel, um den Logengedanken im Bruder zum Erlebnis werden zu lassen. Die Loge ist demnach l^eine Zweckgemeinschaft, sondern eine Erlebnisgemeinschaft. Wer in sich den Willen zur Loge trägt, muß erst durch das Medium des Erlebnisses die Idee der Loge in sich aufnehmen. Es ist etwas Irrationales, nur mit dem Gefühl zu Erfassendes, was den Impuls zur Loge gibt. Ohne dies gefühlsmäßig, vernunftmäßig nicht restlos zu Bestimmende, ist die innere Verbundenheit zur Loge nicht möglich. 1 Solche' Auffassung vom Wpsen der Loge führt zunächst zu der unbedingten Forderung, daß für die Loge nicht der. Grundsatz der Quantität, sondern nur der. Qualität richtunggebend sein kann. Nicht jeder „edeldenkende Israelit" an sich ist für die Logenmitgliedschaft geeignet, son4ern 'Sie stellen erst das Material dar, aus dem Logenbrüder gewonnen und geschaffen werden können. Und deren Zahl kann und'darf nicht allzu groß sein. Logen, deren Größe ein Zusammenwaehscn-zu solcher Gemcinschaftsidce unmöglich macht, stellen eine Verleugnung der Grundidee dar und widersprechen, dem - inneren Wesen einer Loge. Es ist deshc^b, dringend zu wünschen daß das Prinzip der kleineren Logen immer mehr sich durchsetzt. ~ Eine wichtige'Aufgabe bei der Durchführung in die Praxis liegt in'dc^i Händen des Vorprüfungs-Ausschusses: Nicht bloß die geistige und materielle .Vorbedingung'ist zu prüfen, sondern in noch viel höherem Maße die seelische Einstellung. zur Gemeinschaft. uiKU/es ist vor allem zu prüfen. w>e weit der Wille und Fähigkeit vorhanden ist. in der Idee aufzugehen und in die Gemeinschaft hercinzuwachscn. Dazu ist ferner nötig, daß dem Kandidaten, ehe er und die Loge sich formell binden, Gelegenheit gegeben werde, mit seiner zukünftigen Gemeinschaft vertraut zu werden, sowohl mit den Brüdern als adch — und daV vor allem mit'denen, die gleich- < zejtig mit ihm in die Logengenteipschaft einlreten wollen. Vor wie vielen Enttäuschungen wird, der neue Bruder ebenso wie die Loge bewahrt, wenn er den Kreis.und die Ideen, in denen und für die er leben will, schon vorher kennt, oder wenn ihm die Möglichkeit gegeben ist. noch rechtzeitig zurückzutreten, sowie ihm die Unmöglichkeit . der. Erfüllung, klar wird, wie cs auch möglich sein muß, daß ihn die-Loge zuletzt noch zurückweist, wenn die Prüfung nach ihrer Ueberzcugung negativ ausgefallen ist. So ist der oft besagte Mangel an wahrer Gemeinschaft zum großen Teil in der nicht genügend zweckmäßigen Art der Vorprüfung und der Vorbereitung der neuen Brüder begründet. Denn ehe der Kandidat die formelle Bindung eingeht,, muß er innerlich schon auf die neue Gemeinschaft eingestellt sein. Dann aber kommt ..es darauf an, daß im, Augenblick des Eintritts die Logengenteinschäft ihm zum ersten Male zum vollen Erlebnis werde. . Die feierliche Einführung ist deshalb eine natürliche Forderung, und, sie'so feierlich und das Ritual so eindringlich wie möglich zu gestalten, ist unbedingt notwendig. Das alte Ritual ist z. T. zu nüchtern, aber auch nicht alles am neuen hält der ernsten Prüfung stand, Es wäre zu erwägen, ob nicht hierbei dem Gefühlsmäßigen ein größerer Raum gewährt werden könnte. Jedenfalls muß alles ggtan werden, um eine Hochstimmung zu erzeugen und so die Eindrucksmöglichkeit zu vergrößern.