Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 7 (1927-1928)
- Issue
- 5 (8.1927)
- Date
- 1927-08-01
- Page
- Seite 77 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Seite 77 1 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. t Die jüdische Krankenschwesternstation der vereinigten Berliner Logen U. O. B. B. Von Br. Dr. E. M e y e Nach den verheerenden Jahren der Nachkriegszeit muß der Bericht einer jeden Wohlfahrtsinstitution unter den heutigen Bedingungen den' Nachweis erbringen, daß nicht allein die Idee dieser Einrichtung berechtigt ist, sondern daß auch die äußeren, vor allem wirtschaftlichen Bedingungen die Lebensfähigkeit einer jeden Wohlfahrtseinrichtung gewährleisten. Nach § 1 unserer Statuten ist Aufgabe der I. K. S.: Ausbildung und Bereitstellung jüdischer Krankenschwestern zur Verwendung auf allen Gebieten freier Liebestätigkeit, insbesondere der Krankenpflege für Bemittelte und Unbemittelte ohne Unterschied dfer Konfession. Das jüdische Gesetz und unser Ordensgesetz macht es uns zur Pflicht, Kranke zu pflegen, Kranken zu helfen. Das Bewußtsein, daß ein Aufgeben unserer Institution eine Liquidation eines unserer Ordensideale bedeutet hätte, hat auch in den schlimmsten Zeiten der Inflation, die unsere Tätigkeit zeitweise völlig lahmlegte, den Vorstand der I. K. S. veranlaßt, unsern Verband nicht zu liquidieren. In den Jahren, in denen die Logen nur mit Aufbietung der ganzen Kraft ihren Aufgaben gerecht werden konnten, hat cs nicht an Stimmen gefehlt, die auf Grund der derzeitigen Leistungen der Station uns den Rat gaben, uns aufzulösen. In solchen Zeiten fanden wir den moralischen Rückhalt vor allem bei der hochw. Großloge, dem Gemeinsamen Wohlfahrtsausschuß der Berliner Logen U. 0. B. B. und deren Vertreter. Wenn ich nun die Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahres vorlege, so buche ich als Hauptaktivum unserer letztjährigen Tätigkeit die Konsolidierung der Station. Wir begannen das Geschäftsjahr mit einer Schwesternschaft von einer Oberin und vier Schwestern. Statt vieler Worte gebe ich Ihnen eine Statistik des letzten Halbjahres: Okt. 19 2 6 Nov. Dez. Jan. 19 2 7 Febr. März Anzahl der Schwestern 5 6 7 7 7 t 8 Pflegetage 90 115 131 168 159 121 Tagpflegen 42 53 61 77 67 42 Nachtpflegen 9 5 16 30 25 11 Vollpflegen 39 57 54 61 67 68 Ambulanzen 31 13 14 13 11 20,66 Einnahmen 1003,26 1084.11 1793,64 1695,50 1577,05 1687,60 Ausgaben 716.35 805,62 1588,60 1598.70 1402,70 1790,52 146 Pflcgetage wurden zum halben Pflegesatz abgegeben, 71 Ambulanzen wurden unentgeltlich geleistet. Aus der Statistik ersehen wir, daß wir in den letzten Monaten außer der Oberin 8 Schwestern zur Pflege zur Verfügung hatten und daß eine Schwester in den letzten Monaten durchschnittlich pro Monat 20,4 Pflegetage geleistet hat, d. h., daß jede Schwester voll beschäftigt war. . Die Pflegesätze betragen entsprechend der örtlichen Taxe für eine Tagpflege 6,— M., für eine Nachtpflege 10,— M., für eine Vollpflege 8,— M. Logenbrüder haben nach unseren Bestimmungen auf ihren Antrag halbe Pflegesätze zu zahlen. Da wir aus der Statistik gleichfalls ersehen, daß die Selbstkosten für eine Schwester pro Monat 220,— M. betragen, so müssen wir verlangen, daß von diesem Recht nur Logenbrüder Gebrauch machen, die durch die Krankheit in eine bedrängte Lage gekommen sind. Das Ideal wäre es selbstverständlich, wenn wir die Pflegen sämtlich unentgeltlich abgeben könnten. Bei der augenblicklichen wirtschaftlichen Lage der Logen ist diese Forderung unerfüllbar. Die Krankenschwesternstation kann zur Zeit nur eine jüdische Wohlfahrtseinrichtung, nicht eine Wohltätigkeitsanstalt sein. Wir stellen für das jüdische Haus gut ausgebildete jüdische Krankenschwestern. Des öfteren wurden Schwestern zur Pflege in Provinzorte entr, I. Vors, der I. K. S. - randU Ich betonegerade : diese Tatsache, weil ein jüdischer ‘Kranker in der Provinz noch mehr wie jeder*andere das Wohltun unserer Logen in diesem Augenblick empfindet. Unseren Krankenschwestern wird außer emdm angemessenen Bargehalt freie Beköstigung, Wohnung, Kleidung gewährt. Dazu kommt ein Chanukkahgeld, Urlaubsgeld und die Altersversorgnung. Als soziale Einrichtung haben wir in Berlin ein Sparkonto (‘,ii des Bargehaltes), eingeführt, über das der Schwester freies Verfügungsrecht verbleibt. Einer Sehwester konnte, durch das Entgegenkommen des Besitzers, von Dr. Wiggers Sanatorium in Garmisch eine unentgeltliche Kur gewährt werden. Eine Schwester wurde zu einem achtwöchigen Wiederhojungskursus in das jüdische Krankenhaus nach Breslau geschickt. Ein geplanter ärztlicher Kursus im Heim selbst mußte aufgegeben werden, weil sich innerhalb der Logen nicht genügend Aerzte als Vortragende zur. Verfügung . stellten. Unser Heim befindet sich zusammen mit dem Mutterhaus der Krankenscbwesternorganisation (begründet von der Großloge U.jO. B. B.) jm Vorderhaus des Logengebäudes Kleiststr.il (Tel. Nollendorf 4781). ■ - Wenn ich mir eine Kritik des abgelaufenen Geschäftsjahres erlauben darf, so muß, ich sagen, daß die Station im Rahmen' des Möglichen die auf sie gesetzten Hoffnungen erfüllt hat. Wir haben ein gutes Schwesternmaterial. Wir haben für das Judentum eine Aufgabe übernommen, die an' sich von der , jüdischen Gemeinde Berlin geleistet werden mußte, und diese Aufgabe war im Augenblick um so dringender, da das jüdische Krankenhaus für die freie Pflege keine jüdischen Schwestern zur Verfügung hat. Wir haben kranken Brüdern und Schwestern geholfen und haben dem Ansehen der Logen gedient. Wir haben jüdischen jungen Mädchen einen würdigen Arbeitskreis geschaffen. Dies alles haben wir mit den geringsten Zuschüssen von. seiten der Logen erreicht. .Die weitere, Entwicklung und Vergrößerung der Station kann nur schrittweise entsprechend der Nachfrage nach jüdischen Krankenpflegerinnen geschehen, je größer die uns — und in diesem Zusammenhang will ich die Krankenschwesternorganisation (begründet von der Großloge U. O. B. B.) mit einbeziehen — zur Verfügung stehenden Mittel sind, desto größer werden auch unsere Leistungen sein. Was wir vor allem brauchen, ist die moralische Unterstützung der Logen. Es ist zunächst ein kultureller Zweck und bei kulturellen Bestrebungen darf man picht nach den Erfordernissen des Alltags fragen. Auf der'andern Seite erkranken in Not' geratene Brüder, unter denen sich viele im vorgerückten Alter befinden, mehr wie ajle andern; für diese werden Krankenschwestern gebraucht. Wir haben in allen Krankheitsfällen eine Krankenschwester zur Pflege stellen können. Wen» wir uns zur Deckung des Etats für die Pflege .eines erkrankten zahlungsunfähigen Logenbruders von der'betreffenden Loge diehalben .'. Pflegesätze haben ersetzen lassen, so möchte , ich' irf diesem Zusammenhang. darauf hinweisen, daß jiie Lögen hierbei nicht unbeträchtliche Ersparnisse gemacht haben.. W a r n u n g I Eine Berliner Kohlenhandlung versendet Reklamerundschreiben, in denen der Anschein erweckt wird, als ob die Inhaber unserem Orden angehören und' ieslialb Wert darauf legen, Aufträge aus unseren Kreisen zu erhalten. Wir bitten unsere Brüder vorsichtig zu sein und im vorkomiqenden Falle beim Logenbüro anzufragen. Der Ausschuß . . für die gemeinsamen Angelegenheiten , / der Berliner Logen U, O. B. B. , Norden, Vorsitzender. ’