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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1927-07-01 · 4 (7.1927) · p. Seite 60

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
7 (1927-1928)
Issue
4 (7.1927)
Date
1927-07-01
Page
Seite 60 (sequence 4)
Language
German
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Seite 60 Nr. 4 il MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Br. Max Lewin 75 Jahre Am 18. Juli vollende! unser lieber Br. Max Lenin sein 75. Lebensjahr. Beruflich noch emsig tätig, hat sich Br. Lenin diirch eine w ohiverdiente Erholungsreise der ihm zugedachten ebenso wohlverdienten Ehrung entzogen. Es ist uns aber ein Bedürfnis, ihm an dieser Stelle ehrend zum Aufdruck zu bringen, daß Br. Ljs u i n ein volles Recht auf Rückschau an diesem Tage hat. In mehr denn 43jähriger Zugehörigkeit zu unserem Orden hat Br. L e w i n in vollstem Sinne unseres Ordensgedankens in hingebungsvoller Liebe. Treue und Opferwilligkeit für unsere Gemeinschaft gewirkt. Br. L e w i n ist uns ein vorbildlicher Bruder, ein allzeit trefflicher Mentor unserer Ordensidee. Wir wünschen von ganzem Herzen, daß unserem lieben Br. Max L e w i n ein glücklicher Lebensabend beschieden sei und wir uns noch lange seiner wertvollen Mitarbeit erfreuen dürfen. Bertbold-Auerbach-Loge. Ludwig D a n'i e 1 , Präsident. DiereligiöseErziehungderjüdischenJugend ist nicht weniger Sache des Gemeinsinns' der Juden, wie die Wohltätigkeit und Humanität. Ja, die Zeit ist nicht mehr fern, da der Religionslehrer für unsere Jugend wird mehr sein müssen als ein Amateur mit etwas gutem Willen und nichts mehr. Wohlorganisierte Religionsgenossenschaften werden Normalschulen ’ schaffen, und unsere Colleges zur Heranbildung von Rabbis werden auch Lehrerbildungsinstitute führen, um pädagogisch qualifizierte männliche und weibliche Lehrkräfte hervorzubringen. Nicht etwa Religionsschulen mit ihrem beschränkten Programm wie ehemals, welche ihre Schüler bei erreichter Konfirmation entlassen haben! Wir haben Hochschulkanzeln mit Fortbildungskursen, welche mit der profanen Schülererziebung parallel gehen, solange als das Kind diese genießt. Wir waren nie so reichlich versehen mit jüdischen Wochen- und Monatsschriften, Magazins und periodischen Zeitschriften jeder Sorte, welche ihren Weg bis in die entferntesten Winkel des Landes finden, wo sie in wahrhaft jüdisch-liberalem Sinne erzieherisch wirken. Auch mögen die jüngst gegründeten, sich aus jungen Männern rekrutierenden Tempel-Bruderschaften nicht übersehen werden. Und wer könnte den Bund jüdischer Frauen geringschätzen mit seinen weitverbreiteten Zweigstellen, sowie der Conföderation der Tempel-Schwesternschaften, welche gleichfalls ihren wohltätigen Einfluß im ganzen Lande verbreiten! Und letzthin die Frauenhilfe dir B'ne B'rith, welche aufs werktätigste dahin wirkte, das jüdische Heim auf eine höhere, idealere Stufe jüdischen Seins zu erheben, wie es die anderen Vereinigungen gleicherweise erstreben. Ich sehe noch andere Anzeichen dafür, daß das Judentum sich. erneuert. Es hat dort Wiederaufnahme gefunden, wo es abgelehnt war. Und wie kam das? Die Kinder dieser Familien brachten es zuwege. Oeffentliche Seder sind in größeren Gemeinden wieder in Uebung, Purim und Chanukah sind wieder vielen nähergekommen, die deren Bedeutung schon fast ver gessen hatten. Die religiöse Schulerziehung stellt diese Gebräuche ins entsprechende Licht, und das jüdische Kind erweckt dem Widerhall in der Seele der Eltern; das Kind ist b u chstäblich zum Führer seiner Erzeuger geworden. Nun fragte ich nach Mr. C. Ansicht über den Zio’nismus und Palästina. Wir sind dem Zionismus verbunden, sagte Mr. C., weil er ein weitverbreitetes Interesse für Palästina erweckt hat. Wenige gibt es unter den Juden, die nicht ergriffen wären, wenn sie sehen, daß dieses kleine Land, wo einst die Wiege unseres Volkes und unseres Glaubens stand, heute das meistgenannte Land der ganzen Welt geworden ist. Wie vielen ist es ein RettungshafSn geworden! Anderen ist es Veranlassung zum Sinnen und Forschen, und unter welchem Gesichtswinkel immer man Palästina betrachten mag, alle, die ihre Gedanken zu ihm lenken, sind sich bewußt, daß sie einer bedeutenden Phase des Judentums dienen — und sie zählen nach Millionen. Die Aufmerksamkeit Mr. C. wurde auf den Antisemitismus gelenkt. Er glaubt, daß der tiefsitzende Antisemitismus niemals in Amerikas Boden Wurzel fassen werde, solange die frühere und heutige Stimmung des amerikanischen Volkes vorherrscht; er ist den amerikanischen Verhältnissen nicht eigen. Damit sei natürlich nicht gesagt, daß der Jude nie unter einer gewissen. Abscheidung zu leiden haben wird, zumal in sozialer Beziehung, welche verhältnismäßig nicht bedeutend, aber immerhin kränkend wirken muß. Damit meine er den systematischen, offiziellen Antisemitismus. Er wies auf die Antidefamationsliga der B. B. h.in. welche durch ihr verständnisvolles Vorgehen glänzende Resultate gezeitigt habe. Sie gebrauchte sachliche, überzeugend einleuchtende Methoden, schälte aus der Unmasse von Beschwerden diejenigen heraus, welche ernstliche Aufmerksamkeit verdienten, so daß die Bemühungen auf die Hauptpünkte eingestellt und nicht durch ein Vielerlei abgeschwächt werden. Er wics auf das Zusammengehen der B. B. mit der Föderation der christlichen Kirchen als auf eine Tendenz hin, die, zum besseren Verständnis mit den Anhängern des christlichen Schwesterglaubens führt. Der Refrain eines alten Liedes „So wir einander gründlich kennen" gelte ihm als Basis zur Betätigung eines stets besseren Willens. Der Interviewer lenkte das Gespräch auf die Mischehen. Augenscheinlich ließ sich erkennen, daß Mr. C. ein erklärter Gegner der Mischehe zwischen Juden und Andersgläubigen ist. Er ist des festen Glaubens, daß solche Ehen eine Entfernung vom Judentum bedeuten. Er sei überzeugt, daß in diesem Lande relativ weniger solcher Ehen geschlossen würden als anderwärts. Ab und zu gelangt eine solche Verbindung von prominenten Personen an markanter Stelle der Tagesblä{ter zur Anzeige, und das macht den Eindruck, als ob solche Heirä'ten an der Tagesordnung wären, was nicht entfernt der Fall sei. Darauf besprachen wir den College-Studenten. Es war die Frage: Verläßt der jüdische Student von heute die Universität I

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