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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1927-03-01 · 12 (3.1927) · p. Seite 236

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
6 (1926-1927)
Issue
12 (3.1927)
Date
1927-03-01
Page
Seite 236 (sequence 4)
Language
German
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Seite 236 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Nr. 12 IV. Die bisherigen Richtlinien der GroBlogc 1920 24 (vefgl. Novembcrnummer zu 11) sind, soviel glaube ich dort gezeigt zu haben, keine geeignete Basis für eint: durchgreifende schi_edtithe ^.ösung. Auch die in einer neuerlichen Sitzung des G.' K. vom hochwürdigen Br. Ehrengroßpräsidenlcn getroffene Feststellung ändert daran nichts: eine Feststellung, die nur die Arbeitssitzung betrifft. Es bleibt unklar, was Arbcitssitzurtgen ohne Stimmrecht der Frauen für eine Bedeutung haben sollen, ja, cs ist sogar schon unklar, welche Gegenstände der Beratung in gemeinschaftlichen Arbeitssitzungen unterliegen. Nach unserer Konstitution des U. O. B. B., Abteilung I 1 § 4 können in Log e.n - Versammlungen Nichtmitgliedcr pur zuge- I a >_s_e n werden, wenn dort nicht Logcnangelcgcnheiten beraten werden! Vor i(N i c h t m i t gliedern des Ordens (Offene Logen) können also wohl Aufgaben, die bereits einer bestimmten selbständigen Institution zugewiesen sind (Altersheim, Ferienkolonie u. dgl.) besprochen werden, nicht aber Ordensprobleme. Diese sind sicherlich von den Brüdern und nur im Kreise der Brüder zu erörtern, z. B. die Frauenfrage, welche für uns zunächst eine .Bruderfrage, ein Problem unseres Ordens ist. Auf Schritt und Tritt droht die Grenze der notwendigen Abgeschlossenheit unseres Ordens überschritten zu werden, und zwar in sachlicher und persönlicher Beziehung, wenn wir diese ..Arbeitssitzungen", an welchen sich auch die Damen debattierend beteiligen dürfen, nicht auf Fragen beschränken, welche „außerhalb des Ordenshauses" liegen. Eine Kritik von Beschlüssen des G. A. und des G. K. ja sogar einzelner Personen läßt sich nicht vermeiden, wenn man in diesen ..gemeinschaftlichen Arbeitssitzungen" den Fragen wirklich a u f den Grund gehen und ihnen nicht oberflächlich ausweichen' will. Hier wäre also eine klare Richtlinie der zulässigen Themata sehnlichst erwünscht ’). Uebrigens haben sich die gemeinschaftlichen Arbeitssitzungen, durch welche doch das Interesse der Brüder und der Besuch der Logen gehoben werden sollte, wohl nicht bewährt, wenigstens nicht in Stettin (Allemania-Loge), welche bekanntlich auf diesem Gebiete mit ihrem besonderen Ritual bahnbrechend selbstbewußt vorgegangen ist In zwei hintereinander folgenden Berichten hat meines Wissens der Präsident der Stettiner Loge erklärt, daß die Brüder sich von den gemeinschaftlichen Arbeitssitzungen mehr und mehr zurückziehen. Uebereinstimmung herrscht darüber, daß die Kommissionen, in welche die Damen gewählt oder kooptiert werden dürfen, von der Großloge zur Beseitigung von Zweifeln bestimmt werden müssen. Es gibt wohl keinen Bruder, der nicht das Wirken der Damen auf vielen Gebieten nahezu für unentbehrlich erachtet, und es bleibt neben vielem anderen das unvergängliche Verdienst unseres Ehrengroßpräsidenten, diese Entwicklung, das Interesse der Damen für die Arbeit auf dem sozialen Gebiete des Ordens gefördert zu haben. Aber über die Frage, in welcher Form diese Mitarbeit zu erfolgen habe, ob in eigenen selbständigen Vereinen oder Logen oder ohne Selbständigkeit nur als Annex des Ordens, darüber gehen die Ansichten weit auseinander. Diese Differenz, wie »sie in den Anschauungen der Plenarversammlung der Großloge oder ihrer 'Beamten in dem Jahre 1920 einerseits bzw. 1924 andererseits zum Ausdruck kam * (vergl. den Novemberartikel) darf nicht verhüllt werden, wenn man klar sehen will -). Ich scheue, mich nicht, diesen Punkt hier zu erörtern, weil auch die Protokolle der Großloge nichts verschweigen und weil 11 Zulässig etwa alle Themata außerhalb des Ordensbaues, der Ordensorganisation, zulässig insbesondere alle Besprechungen über Ordens* Institutionen, d. h. verselbständigte Gründungen des Ordens oder der Logen. -) Ki in Großpräsid<*Pt v-ird die gradlinige Fortsetzung seines Vorgängers bilden. Line gewisse Verschiedenheit der jeweils führenden Persönlichkeiten ist sogar wünschenswert. Man hat es immer dankbar als eine Fügung des Geschickes begrüßt, daß der erste Großpräsident, wie man launig sagte, gewissermaßen im ..Arbeitsrocke“, der zweite im ..Gchrocke“ und der dritte im ,,Frack“ seine Funktionen als Ordenspräsident erfüllte. Vielleicht wird man, um in dem Bilde zu bleiben, unseren jetzigen Führer ohne jede Gegensätzlichkeit, der* einst den Großpräsideaien ..im Ornat“ nennen, weil er als Priester im Ein* klang mit den Zeitläuften die jüdische Note stärker betonen läßt und ihn. den Historiker und Philosophen auch das Ornat akademischer Würde zieren könnte. sogar zur Erörterung des Fraüenproblems in der Großlogc di»- Zuziehung Außenstehender für angezeigt erachtet wurde, diese Zuziehung, wenn ich richtig informiert bin, auch weiterhin® in der Großloge erfolgen soll. Meine Zustimmung zu diesem Modus will ich damit keineswegs ausdrücken, halte vielmehr aus den oben gegen die Zweckmäßigkeit und Zulässigkeit gemeinschaftlicher Arbcitssilzungen vorgebrachten Gründen eine Nachprüfung für dringend erforderlich, ob überhaupt die G e schlossenheit der Plenarversammlungen der Groß löge durchbrochen werden darf. (Die Ausnahmebestimmung Konstitution A. I. 1 § 4 ist für die Plenarversammlung nicht vorgesehen.) Alle diese Erörterungen wären uns übrigens eispart geblieben, wenn die Frauen sich von Anfang an dafür eingesetzt hätten, selbständig ihren Weg zu gehen, wenn sie also nicht vor den Kommissionszimmern gewissermaßen bittend antichambrierten, sondern als Vertreterinnen selbständiger Vereine oder Logen verhandelten. Nicht nur in dem revolutionär vorwärtsstürmenden Orient, sondern auch in England und Oesterreich werden die Damen unseres Ordens zur Selbständigkeit und Autonomie erzogen. V. pic Ablehnung der Anrede als „Schwestern“ wird vorn den Frauen sehr zu Unrecht als Kränkung empfunden. Auch hohe Ordensbeamtc sollen grundsätzlich die Anrede „Schwestern" vermeiden. Soll auch in deren Verhalten die Absicht einer Kränkung erblickt werden? Nur mit meinen Ordensgenossen verbindet mich das höhe Gelübde der Brüderlichkeit!1). VI. Bei der. kurzen Erörterung der Gründe gegen die Mit - . gliedschalt der Frauen in unserem Orden sind aus technischen Gründen markante Sätze aus Rosenfelds Artikel „Frauen im Bruderbund" (6 7 U. O. B. B., 1925) gestrichen worden. Durch jene Lücke mußte vielen, Lesern so manches unverständlich bleiben. Ich hole deshalb nach: \ a) Männer und Frauen sind zwar gleichwertig, aber nicht gleichartig. Sicherlich ist auch die Arbeit der brauen .gleichwertig und eben so sicher ist, daß die Gleichberechtigung der Damen politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich , nicht bezweifelt werden kann. Aber: Daraus folgt nichts für die restlose Zusammenarbeit von Männern und Frauen im Orden. Für den Orden fragt sich, ob sich der Kraftstrom der Logen durch die Zusammenarbeit verstärkt oder ob sich Nebenströme und Hemmungen auslösen, die den Kraftstrom schwächen. Nach den Erfahrungen im Freimaurerorden sind alle Orden, welche Frauen aufnahmen. nach kurzem Bestände zugrunde gegangen (vergl. Kneißel: Geschichte de_r Freimaurerei). Das erscheint uns zunächst unbegreiflich, zumal in der Jetztzeit, da die Frauenarbeit — ich zitiere Rosenfeld selbst — auf vielen Gebieten sogar als vorbildlich anerkannt wird und alle möglichen Vereinigungen, auch wissenschaftliche, Frauen aufnehmen, ohne Schaden zu leiden. Mit Recht meint darum Rosenfeld, daß es nur im Wesen des Ordens selbst liegen kann, eingeschlechtlich zu bleiben oder zu verderben. Das erklärt sich wie folgt: b) Der Grundgedanke des Ordens, der Loge, ist doch die Herbeiführung einer Art von geistiger Lebensgemeinschaft durch Verbrüderung in gleichgerichtetem Streben, anders als in den Vereinen, Geselligkeitsklubs und dergl. D i e Mitglieder der Loge treten sich hier grundsätzlich viel näher. Diese Logenfreundschaft ist restlos ohne jeden Nebensinn nur unter Männern möglich. Mann und Frau dagegen beeinflussen sich nich* nur als Menschen, sondern — ib nach Anlage, zarter oder gröber — als Wesen verschiedenen Geschlechts. An Stelle schlichter Sachlichkeit muß die Tendenz des Sich-Zeigen-Wollens vor dem anderen Geschlechte, die Sucht, irgendwie zu'glänzen oder wenigstens die Angst, nur ja nicht zu unterliegen, treten. Empfindlichkeiten bei Mißerfolgen, die im *) Vgl. im übrigen die Ausführungen vom November 1926, Februar 1927-

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