Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 6 (1926-1927)
- Issue
- 12 (3.1927)
- Date
- 1927-03-01
- Page
- Seite 237 (sequence 5)
- Language
- German
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I DER BERLINER LOGEN U.O. B.B. Seite 237 Nr. 12_MONATSSCHRIFT i Bruderkreise schnell. vergessen werden, setzen sich bei Anwesenheit von Frauen in heimliche Erbitterung nm. Die sachliche Niederlage hochgeschätzter Männer empfindet die Frau als persönliche Kränkung und umgekehrt Die Folgen lür die Logenatmosphäre kann man sich ohne weiteres ausmalen. Diese „zarte oder gröbere Beeinflussung" der verschiedenen Geschlechter ist keine bloße Vermutung. Mir haben hochstehende Brüder versichert, daß sie selbst unwillkürlich bei Anwesenheit von Damen anders sprechen, sich anders geben, als in einer geschlossenen Männerloge. (Von mir befragte Damen gaben die Beeinflussung zu, ajjer nur bei anderen Damen.) Mit „rückständig", „materialistisch", und d'gl. Benennungen lassen sich diese Tatsachen nicht beseitigen. Es: ist vielmehr mit Bestimmtheit davon auszugehen, daß diese psychische, gesellschaftliche Eigenart bestehen bleiben wird, solange Menschen leben, trotz allen Fortschritts und der „Vermännlichung“ der Frau. c) Aus dieser Ungleichartigkeit folgen gewisse gesellschaftliche Rücksichten, die sich zum Schaden der Ordensidee auswirken. Ich umgehe den Fall, daß Brüder, anläßlich von Fanfiiienfestlichkeiten sowohl von ihrer Loge, wie von der Damenvereinigung Glückwünsche empfangen, und „ritterlich“- nur die Kasse der Damen durch eine Spende beglücken trotz der ihnen bekannten Notlage der Logen. .Besonders charakteristisch erscheint mir aber folgender oben in anderem Zusammenhänge erwähnter Vorgang: In der Großlogentagung von 1920 hatte ich die Ehre des Referats zur Frauenfrage. Nach mir sprachen zwei Damen. Als r diese schlossen, gab es einen nicht endenwollenden Applaus. Alles lief auf die Damen zu und versicherte ihnen die Anerkennung. Das offizielle gedruckte Protokoll erzählt darüber: „Die Brüder drücken den Rednerinnen vielfach die Hände, der Großpräsident fährt schließlich dazwischen, weil die Zeit nicht ausreichc, daß jeder einzelne den verehrten Rednerinnen die Hand drücke." Dann kam die Abstimmung. Von den etwa 200 Stimmberechtigten gaben etwa 28 ihre Stimmen für die Damen ab. nachdem diese den Saal vor der Abstimmung verlassen hatten, die anderen Brüder stimmten in meiner Richtung gegen die Aufnahme von Damen in den Orden. Man stelle sich vor: Ein nichtendenwollender Beifall, Händeklatschen alle, Anwesenden und — Ablehnung mit vernichtender Majorität! — Kann man sich ausdenken, daß einem Bruder frenetischer Beifall gezollt wird und trotzdem sein Antrag gegen eine verschwindende Minderheit abgelehnt wird? Im vorliegenden Falle galt der Beifall gewiß der Seelenwärmc, dem Streben, dem Ernst, der Hingebung, aber auch dem sympathischen, gewinnenden Wesen, den Erscheinungen, kurz und gut den „Damen“, welchen Anerkennung zu zeigen, selbstverständliche, kavaliermäßige Pflicht der — gegen sie stimmenden — Brüder war. Und diese Rücksicht, diesen sich hier in einer chevalereskcn Verbeugung vor dem anderen Geschlecht auswirkenden „Nebenstrom", welcher das ganze Ordensbild retouchiert, können wir vom Männerbunde nicht vertragen, weil ihn der Orden, wie w i r ihn lieben, nicht verträgt, weil der Orden dadurch ein ganz anderes weniger klares, weniger aufrichtiges Gesicht erhält. Rücksichten dieser Art wird cs immer zwischen Mann und Frau — erst recht in der Loge — mit deren grundsätzlicher Logenherzlichkeit — geben. Sind die Damen erst Mitglieder, so findet auch die Abstimmung in ihrer Gegenwart statt! Auch wenn man die Schuld, sofern von einer Schuld bei diesen Imponderabilien überhaupt die Rede sein kann, lediglich auf den Charakter der Männer abwälzen wollte, so bestehen doch’ diese Rücksicht erheischenden Beziehungen nun einmal, dieser „erderitsprossene, psychophysische Einschlag“ und gestaltet das Bild . der Loge, ihre Arbeitsart anders, als in der Männerloge ohne dieses Weibliche Fluidum. d) Der geschilderte Unterschied muß sich ■ auch. in den Kommissionen auswirken, nur ist /es hier u. a. wegen der zahlenmäßigen Beschränkung unbedenklicher. ' e) Der Vollständigkeit halber seien neben dem „gesellschaftlichen Scxualproblem“ nur noch zwei Gründe gegen die Mischlogen angedeutet: . ♦. ■ 1. Wenn Mann und Frau allgemein’, das heißt, beide sozial und ethisch wirken, könnte der häusliche Tempel immerhin darunter leiden. Wir sehen denn auch in Gegenwart und Vergangenheit charakteristisphcrweise gerade -die Damen der allerhöchsten Führer unseres Ordens ohne jeden Ehrgeiz in der F rauenfrage, sogar ohne weitergehende Anteilnahme an den Frauenvereinigungen, < 2. Wir Brüder treffen eine Auswahl in der Mitgliedschaft durch unsere Vorprüfungskommission, Ballotage, pp.; d. h. w i r v sichten, die Mitgliedschaft der Damen in den Frauenvereinen als Ehefrauen unserer Brüder ist aber ohne weitere Prüfung der Eignung sofort eine vollendete ^Tatsache. VII. . Mitarbeit in Kommissionen. Die Logenarbeit ist begrifflich von'den Mitgliedern zu leisten. Das ergibt sich grundsätzlich aus den Statuten und der „Konstitution". Zum Teil ist .diese Tätigkeit eine geheime. Iri den Kommissionen arbeiten sogar nur in langjähriger Logen- 7 arbeit besonders erprobte Männer mit. Nach den Wünschen der Domen sollen aber nunmehr ohne weiteres Mitglieder der Frauenvereinigungen — d.‘ h..' N i c ht’m. i t g 1 i e d c r unseres Ordens, N i c h t b a 11 o t i e r t c , welche eben deswegen nicht nach unseren Logengesetzen zur Verantwortung für ihre Tätigkeit gezogen werden können, in alle (?) Kommissionen. In diese ' Kommissionen gelangen besonders vertrauenswürdige Brüder sogar erst nach .längerer Vorberatung durch ein besonderes Wahlkomitee. Es sinkt zur sinnlosen Geste herunter, wenn wir den Tempel schließen,' Schweigepflicht geloben und Nicht - m i t g 1 i e d c r , welche nicht w i r wählen, in unsere Ordenskommissione, n hineinlassen. Für die Zulässigkeit (nicht Pflicht) der Wahl oder Koöption von Frauen in die -Kommissionen, welche nicht den Ordensbau selbst betreffen,'sondern die Arbeit des Ordens auf dem Gebiete ihrer r gemeinnützigen verselbständigten Gr ündungen, bin ich selbst eingetreten und zwar sollen und - müssen die Damen d o'r t Sitz und Stimme haben. . wm. Mein Standpunkt, soweit die Arbeit der Frauen in den Witwen - und Waisertausschüsseh in Frage kommt, ist von vielen Brüdern verkannt worden. Ich selbst will und kann keineswegs leugnen, daß teilnehmende Fürsorge der Frau gerade ein Segen für die Witwen sein kann, wenn auch manche Witwen die Betreuung lediglich durch erfahrene, ’ sachkundige’ Brüder vorziehen. Witwen- und Waisenpflege ist jedenfalls höchste Bruderpflicht! Die Frau als Helferin ist dazu willkommen, aber durchaus nicht in allen Fällen notwendig. Ich persönlich empfinde es als eine objektive Unaufrichtigkeit, als Bruch des Gelübdes, der den Eindruck einer sicherlich nicht (Fo'ttctzang «ul Seit« 241) ) Spinoza-Loge - Aklba Eger-Loge 1 Donnerstag, den 17. März d. J., abends 9 Uhr 1 Purimball ( „Am Hole der Königin Esther" (Kostümfest) | in den Gesamträumen des Logenhauses Kleist Str 10,1. Stock 4 2 Jazzbandkapellen — Ueberraschungen! Die vereinigten GeselligkeitsauS'Schüsse: | Arthur Hurtig ’’ A’ Paul Kaminski f Eintf ittskä'ten k 2.— Mk. einschl. Steuer lind ftn den Logenebcnden erhältlich T t t * * t t t t VEREIN BERLINER LOGENHEIM U. O. B. B. (E. V.) Zu der am Sonntag, den 3. April-1927,' vorm. 11 Uhr, im Logenhaus Kleist Str. 10. Stattfindenden Generalversammlung unseres Vereins gestatten wir-Uns, unsere werten Mitglieder ergebenst einzuladen. Tagesordnung: 1. Jahresbericht des Vorstandes — 2. Entlastung für Vorstand und Kuratorium — 3. Etat 1927. — 4. verschiedenes. Der Vorstand: A.ronsdhn, Elle ) . > i