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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1927-02-01 · 11 (2.1927) · p. Seite 212

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
6 (1926-1927)
Issue
11 (2.1927)
Date
1927-02-01
Page
Seite 212 (sequence 4)
Language
German
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Seite 212 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Nr. U trauen in den Sieg unserer Sache aufgebracht werden mußte, es trotz aller Widerstände, aller Hindernisse, allem Hohns und Spotts in jüdischen Kreisen fortzuführen un3 zu vollenden. Versenken wir uns in den Geist jener Zeit, suchen wir ihn mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele, um aus dem Geschehen von einst unser Wollen unserer Zeit aufzudecken und zu er- - kennen,- dann finden wir richtunggebend für heut und die Zukunft rteben dieser für das jüdische SelbstbewuBtsein bahnbrechenden Tat des Bruder Fenchel: „Der Gründung des Ordens“ eine tragische Duplizität der Ereignisse. Gleichzeitig im Jahre 1882, ich darf wohl sagen, im selben Monat, fanden die ersten Zusammenkünfte zur Begründung des modernen Zionismus, der Chowewe Zion (der Zionsfreunde) statt, die sich dann im Gründungsjahre der Großlogc in Kattowitz und im' Odessaer Komitee zu einer festen Organisation zusarpmcnschlosseo. ■ Meine Brüder, kein Zufall, daß diese beiden Ströme der wahren und echten Judenemanzipation zu gleicher Zeit zu fließen begannen. Hatten sie doch einen Quell, ein Entstehen — die Liebe und Treue zum Judentum. Diese Ströme echten und._ starken Selbstbewußtwerdens und Selbstvertrauens flössen durch verschiedene Länder, düngten den Westen und Osten dieses" Erdteiles und trugen dementsprechend unterschiedliche Frucht. In den westlichen Ländern, in denen die'Juden doch ' schon die politische und staatsrechtliche Gleichberechtigung erreicht hätten» führte jene Zeit und ihre Ereignisse zur Gründung eines Bruderbundes, der Bruderliebe, Freiheit und Gleichheit aller zum Ideal erhob. Dort im Osten, im Lande der Knechtschaft, riß sie die alten, nie vernarbten Wunden aus Mizrajim wieder auf. und wieder erscholl aus tiefstem Sehnen wie so oft seit 2000 Jahren der Ruf: „Leschonoh haboo B’Jeruscholapm", „führe uns aus dem Lande der Knechtschaft in das Land der Freiheit!” Meine Brüder! Ich habe vorhin schon darauf hingesyiesen. daß aus einem Quell diese beiden Ströme gleichzeitig zu fließen begannen, beide aus dem Quell: Liebe und Treue zum Judentum, beide kämpften sich ihren W’eg über Höhen und durch Tiefen, aber beide mündeten in den Ozean, in das unendliche Meer, beide vereinten sich zu dem erhabenen Ziel unserer Gemeinschaft: Waanachnu kaurim u mischtaehawiöi u maudim . . . „Ja! Alle Völker der Erde werden sich besagen vior^der Erhabenheit deiner Größe, du Ewiger!" : M’eine Brüder! Können wir. dürfen wir Feindschaft hegen, wo gemeinschaftliches Handeln zu gemeinsamem Ziel uns bindet. darf Glaube, Üeberzeugung, Rasse, wenn sie unterschiedlich sind, Haß zeugen, dürfen wir zugeben, daß Parteiungen zu Verfolgungen führen, und daß die Grenzen der Länder Krieg und Vernichtung gebären? Täten wir es, wir dürften nicht klagen, daß die Menschen gegen uns -ohne Liebe sind. Wir müssen uns doch darüber klar sein, daß der Inhalt der Brüderidee auch in der Blutszugehörigkeit das Maß von Liebe erst später erhalten hat, das wir ihm heute zuweisen. Schlagen w-ir das Buch der Bücher auf, um aus den Anschauungen unserer Vorfahren ihre Ideen zu ernennen, so finden wir eine Anschauung, die zu überwinden der Inhalt unseres Bruderbundes ist. Die Bibel erzählt uns, wie aus einem Mutterlcibc zwei Söhne geboren wurden: Kain und Abel, und — Kain erschlug seinen Bruder — Abraham hatte zwei Söhne gezeugt und einer vertrieb den anderen aus dem Hause seines Vaters — Jakob und Esau saßen beisammen im Hause von Vater und Mutter, und Jakob betrug seinen Bruder um seine Erstgeburt — und Jakobs Söhne verkauften ihren eigenen Bruder uro eines bunten Rockes willen in das Land der Knechtschaft. Bruder Fenchel aber gründete den Orden jüdischer Brüder, daß sie über die Blutsverwandtschaft hinaus einander helfen in Liebe, Treue und Eintracht, und dort im Osten wandern unsere Brüder gemeinsam in das Land ihrer Sehnsucht, um dort die von den Tränen unserer Väter und-Mütter zu Gestein gewordene Erde Zions zu neuem Leben zu erwecken Und da sollte kein Frieden in Israel sein, keine Eintracht, ■keine Bruderliebe und Menschenliebe! Bruder Fenchel hat das Panier des Ordens U. 0. B. B. in diesem Lande aufgerichtet. "Er hat 40 Jahre lang bis zu seinem Lebensende seinem Werk und uns Treue gehalten. Wir werden es ihm und denen, die mit ihm kämpften vergelten mit ganzer Kraft, mit ganzem Herzen, mit allem, was wir vermögen, nur wenn .wir dem Frieden dienen. Mit diesem Gedanken tritt heute in den Kreis des deutschen Distrikts die 100. Loge, die den Namen Julius Fenchel trägt. Ihr Brüder der heute begründeten Julius Fenchel-Loge übernehmt eine heilige Verantwortung, seinen Namen in Ehren zu halten, sein Werk zu fördern in seinem Geist. Jeder von euch muß zu einem Apostel der Friedensidee werden, zuerst, zu allererst in unserer jüdischen Gemeinschaft, dann erst —■ aber auch erst dann dürft ihr hinaustreten zu den Menschen, die noch nicht -Brüder ihrer Mitmenschen sind — dann erst, aber auch erst dann, dürfet ihr sprechen: „Wir wollen jeden edeldenkenden Menschen cinladen, mit uns zu wirken tür Wohlfahrt, Bruderliebe und Eintracht “ Unser Logenheim in Uid*ferfel€le~Ost, Lange Str. gewährt jetzt 60 Brüdern und Schwestern einen sorglosen Lebensabend. Die Berliner Logen schenken unserem Heim mit Herz und Hand ihre ganze Liebe und tatkräftigste Forderung. Aber diese bis an die Grenze der Leistungsfähigkeit von unseren Logen geleistete Unterstützung bedarf der weitgehendsten Ergänzung durch die Mitgliedschaft aller Brüder, die dazu in der Lage sind. Viele dieser lieben Brüder vermissen wir noch unter unseren Vereinsmitgliedern, Kommt zu uns, wir rechnen auf euch, zahlt den Jahresbeitrag für 1927 von 10 Rm. oder mehr äuf das Postscheckkonto Nr. 38 487 des Vereins Berliner Logenheim U. O. B. B. (E. V,). Besucht unser Heim, lernt es kennen, und ihr werdet mit einstimmen in den Ruf: „Unser Logenheim ist der Stolz der Berliner Logen." Der Vorstand. Carl Aronsohn, 1. Vorsitzender. BERLINER LOGEN U. O. B. B. Zugunsten unseres Logenheims in Lichterfelde veranstalten wir am Sonntag, den 13. Februar 1927. abends 7'a Uhr präz., im Marmorsaal und angrenzenden Räumen des Zoologischen Gartens einen Ge§ellschaHsabend mit anschließendem Ball, zu welchem wir Sie und Ihre verehrten Angehörigen herzlichst einladen. PROGRAMM. I. TEIL: il. TEIL: Hedwig v. Debicka, Kammersänger Prof. Carl Cle,wing (Staatsoper). Fritz Kortner (Staatstheater). Jan D e 1 m a. Konzertsänger, am Blütnnerflügel Waldemar Liachowsky. Ball, Kapelle Eric Borchard und Jazz-Band. 1 Jede Eintrittskarte ein Gewinnlos. Eintritt nor in Gesellschaftskleidung. Abendkasse findet nicht statt. — Während der Vorträge bleiben die Saaltüren geschlossen. Karten ä 4. 5 und 6 Rm. sind zu haben an den Logena b e n d e n und bei Dr. Erich G u t t f e 1 d , W 62, Lutherstraße 27, Nollendorf 539, Max Jacoby, NW 87, Elberfelder Str. 25, Moabit 1687; Ludwig Alexander, NO 55, Hufelandstr. 11, Alex. 170; Max Kamins ki, Charlottenburg 2, Niebuhrstr. 77, Bism. 6880; Martin Hirschfeld, NW 23, Holsteiner Ufer 16, Moabit?437; Hermann Perl, W 15, Bayerische Ster. 4, Pfalzburg 666; Apotheker Arthur Hurtig, SO 33, Schlesische Str. 39 40, Moritzpl. 786; Max Schildberger, W 62, Schillstr. 3, Lützow 2191, und beim Hausmeister des Logenhauses, Kleiststr. 10, Nollendorf 350. Soweit Karten noch verfügbar, findet am Sonntag, den 13. Februar, vorm, von 11 bis 1 Uhr, ein Verkauf im Wintergarten des Logenhauses, Kleiststr. 101, statt.

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