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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1927-02-01 · 11 (2.1927) · p. [Seite]

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
6 (1926-1927)
Issue
11 (2.1927)
Date
1927-02-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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derBEBUNE OG E N U.O.BB. BERLIN W 62. KLEISTSTR. 10. LOGENHAUS \ * 6. JAHRGANG FEBRUAR 1927 NUMMER 11 Julius Fen|chel-Loge U. O. B. B. Am Sonntag, den 30. Januar er., (and im festlich geschmücktem Logentempel die feierliche Installation der nennten Berliner Loge U. O. B. B. statt, zu der sich eine große Anzahl von Brüdern der Berliner Logen und zahlreiche Delegierte der Bne Briss Logen aus dem deutschen Distrikt cingefunden hatte. Aus technischen Gründen sind wir nicht in der Lage, heute bereits eingehend über die Installationsfeier zu berichten. Wir bringen deshalb heute nur die nachstehenden Ausführungen aus der Ansprache des w. Präsidenten unserer jüngsten U. 0. B. B.-Loge, Br. Sally Kirschstein, der nach herzlichen Dankesworten an 'den hw. Großpräsidenten folgendes ausführte: „Heute bin ich berufen, dem Gründer,des Ordens in Deutschland den Tribut unserer Dankbarkeit und Verehrung zu entrichten, und ich bin fest überzeugt, mit meinen Worten den Gefühlen von Tausenden von Brüdern im deutschen Distrikt gerechten Ausdruck zu geben. Julius Fenchel war am 7. Oktober 1836 in Frauenburg i. Ostpr. geboren, war Kaufmann in Berlin, schlichten Herkommens und schlichter Lebensart. Fenchel war kein frommer Mann in herkömmlichen Sinne, aber ein treuer Jude. Er war ein Bekenner. Der Jubel von J870 71 über den Sieg gegen den „Erbfeind" war verklungen. Damals, wie unser Erlebnis 1914.18, kannte man in Deutschland keine Parteien. Stand und Konfession, auch der Kampf der Rcfigionsgqmeinschaftcn verblaßten vor dem Donner der Geschütze und dem Marschtritt der Kolonnen — aber der Emanzipationskampf der Juden in Deutschland war noch nicht zu Ende gekämpft. Seine Etappen: 1776 Friedrich der Große verweigert Moses Mcndelsohn das Bürgerrecht — 1812 14 Friedrich Wilhelm III. bricht sein Versprechen, den Juden Gleichstellung in seinem Lande zu geben — 1847 Friedrich Wilhelm IV. genehmigt die Judengesetzgebung, die dieses Jahres Namen trägt und verurteilt hiermit das Judentum in Preußen zur Ohnmacht und Verelendung. 1870/71 bringt den Juden zwar das Bürgerrecht, aber Judenhaß und Judennichtachtung lasten, wie Friedrich der Duldende gesagt haben soll, als Schmach des Jahrhunderts weiter auf dem Lande der Dichter und Denker. Es war nicht nur ein Verbrechen des deutschen Volkes, daß das Jude-Sein ein Schimpf war, auch die Juden in diesem Lande halten ein gerütteltes Maß von Schuld. Die, die zu Macht, Ansehen, und Reichtum gelangten, ließen sich taufen oder sie waren ängstlich bemüht, ihre Judenzugehörigkeit zu verbergen. In der Politik, in Kunst und Wissenschaft, im Handel und Industrie wuchs ihr Einfluß und ihr äußeres Ansehen, und — die liberalen Christen in diesen Kreisen wünschten und hofften, daß. der Judenhaß verschwinden würde, wenn die Juden verschwänden — wenn sie aufgehen würden in ihre Umgebung — wenn die neunundneunzig Prozent Christen das eine Prozent aufsaugen würden. Besonders bemühten siefy die wohlhabenden und einflußreichen Juden, in das Offizierskorps und in die Freimaurerorden einzudringen, weil man hoffte, von hier aus die gesellschaftliche Gleichstellung zu erreichen, der man trotz aller Emanzipation noch immer weltfern stand. DiC schnöde' und hochmütige Abweisung, die man hier wie dort erfuhr, wirkte nicht abschreckend, die Rii(ckgratlosigkcit und Gesinnungslosigkeit in diesen jüdischen Kreisen war so stark, daß den meisten diese ihre Eigenschaften nicht zum Bewußtsein kamen. Dazu bedurfte es erst der ungeheuren antisemitischen Welle der achtziger Jahre, die vön Deutschland ausgehend (wie aller Antisemitismus) sich über den Osten und Südöst^n Europas ausbreitet und auch in die Westländcr flutete,' die diese Art des Menschenhasses seit über einem Jahrhundert’überwunden hatten. '■ i Wie so oft im Laufe der Geschichte, waren es auch hier äußere Einwirkungen, die zu den ersten Anfängen einer Re- . naissancc des Judentums führten. Aber die Männer, die zu Führern dieser neuen Zeit, wurden,' waren nicht die sonst im öffentlichen Lcbon stehenden, waren nicht die Prominenten. Nur im Mittelstände und im Kleinbürgertum hatte man sich nochr Tradition bewahrt, und .aus diesen Schichten kamen die Helfer der jüdischen Gemeinschaft. Einer dieser schlichten Männer war-Julius Ftnc.heh Ihn kränkte cs tief, daß seine Glaubensgenossen selbst im Freimaurerbund,. dem er selber seit Jahren angehörte, immer mehr nur geduldet waren und neuen Aufnahmen immer größere Schwierigkeiten erwuchsen. Ihn kränkte es tief, daß sie sich jeden Fußtritt gefallen ließen, nur um geduldet zu werden. Fenchel war eben einer jener Juden, die zwar nicht alle Rcligionsgesetze beachtc'ten, aber, für ihr Judentum den Schciter- , häufen bestiegen hätten. Deshalb warb er unter seinen Glaubensgenossen für eine jüdische Loge, wie sic in Amerika seit einem Menschenalter sichbewährt hatte, fand aber wenig Gegenliebe. „Eine jüdische Löge!" Die Prominenten schauderten vor dem Gedanken, sich öffentlich zum Judentum tu bekennen, und so waren es nur fünfzehn aufrechte Männer, später sogar nur' neun, alles so schlichte Menschen wie- Fenchel selbst, die das Wagnis unternahmen. Am 3t. Januar 1882 — morgen vor 45 Jahren — konnte Fenchel in der Zusammenkunft mit seinen Freunden, es war am Dienstag, da diese Zusammenkünfte immer stattfanden — mitteilten, daß er einen Brief vom Ordenspräsidenten Bien aus Amerika erhalten hätte': Ein’ Mitiglied des Exekutivkomitees sei nach Europa unterwegs, und Anfang März könnte mit der Installation der ersten Loge in Deutschland gerechnet werden. Meine Brüder! Wir können uns heute nicht mehr einfühlen in das Geschehenjener Tage 'vor 45 Jahren, wir können nicht mehr einschätzen, welcher Mut und, Charakter, Welche Geduld und Bekennertreue; dazu gehörte, um das Ordenswerk in Deutschland zu beginnen, welche Ausdauer, Entschlossenheit und Ver-

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