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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1927-01-01 · 10 (1.1927) · p. Seite 196

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
6 (1926-1927)
Issue
10 (1.1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 196 (sequence 12)
Language
German
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Seite 1% MONATSSCHRIFT D £ R BERLINER LOGEN U.O.B.B. Nr. 10 Hebräisch, das ein Verständnis der Sprache über den Text der Gebete hinaus verriete. Nach vielen Bücklingen dreht unser schwer verständlicher Führer wieder den Schlüssel knarrend im Schloß und kehrt zu seiner Behausung zurück. Wir aber gehen durch das eigentliche Ghetto. Es sind nur wenige Gäßchen. An ihrem, der breiten Wasserstraße Canaregio zugewandten Eingang stehf mit genau den gleichen Antiqua- Lettern und auf dem gleichen' weißlich-gelben Feld wie beim Anfang aller anderen Straßen der Name: GHETTO VECCHIO. Wir gehen mehrfach durch die engen grauen Gassen hin und her, um uns ihr Bild tief einzuprägen. Sie zeigen das gleiche Elend wie das übrige Armenviertel: die gleichen, Immer grauen, verfallenen Häuser, deren Fenster statt der Scheiben, die längst zerschlagen, vielfach mit Latten zugenagelt sind. Aber die Häuser sind hier noch höher emporgebaut. Drei, ja vier Stockwerke höch türmen sich die Fenster übereinander. Uebervölkerutfg, die auf der Erde nicht genügend Platz fand, schul sich Raum, indem sie in die Luft baute. Wie mußten die. Seuchen dieser seuchenreichen Stadt hier wüten! mußten die Schergen dar grausamen Signoria hier leichtes Handwerk haben! f Die Geschichte dieser Gassen kommt uns wieder in den Sinn. Sie ist traurig, wie ihre Geschichte in der ganzen übrigen Welt. \ enedig kann das Ruhmesblatt für sich in Anspruch nehmen, als er|te aller Städte Italiens im März des Jahres 1516 seine Juden ins Ghetto eingepfercht zu haben. Ihr Schicksal in der freien Republik ist das gleiche wie überall: eine Welle der Unterdrückung folgt dcr anderen. Nur sind deren Motiye nicht allein in Religionseifer zu suchen. Das geschickteste Händclsvolk des Mittelalters, schlau, berechnend, egoistisch, versteht es, selbst die Juden in seiner Handelsbilanz als Faktor aufzustellen. Und wenn das jüdische Kapital den Venezianern über Verlegenheiten weghilft, loder wenn sie in ihrer Eigenschaft als Judenjhnen beim Handel mit den Juden der Levante unschätzbaren Vorteil bringen, dann wird ihnen allgemein der Hof gemacht. Fürchten aber die großen Handelskontorc an der Adria die jüdische Konkurrenz, gleich setzt die furchtbare persönliche Bedrückung in erhöhtem Maße WILHELM PERLWITZ e. M. B..H. Grundstücke Hypotheken Nollnndorf 8489 91 BERLIN WäO Nollendorfplatz 7 I I. Hypethekenkapital bei barer Auszahlung auf Groß-Berliner Wohn- und Geschältshäuser und Villen unter günstigen Bedingungen Wir suchent Wir bieten an: Grundstücke in allen Stadtgegönden Groß-Berlins besonders City- und Westenhäuser mit allem Komfort Villen und LandhäJser in den schönsten Lagen des Westens ein. Im Jahre 1573 entgehen sie dem Los der vollständigen Ausweisung nur dadurch, daß der jüdische Arzt und Diplomat „Rabbi Salomon Aschkenasi", selbst venezianischer Staatsbürger, — dem von der Türkei kein geringerer Auftrag zuteil geworden war, als den Frieden mit der mächtigen Republik Venedig abzuschließcn — mit leidenschaftlicher Energie und diplomatischem Geschick den Widerruf des schon erlassenen Ausweisungsdekretes durchsetzt. Welche Widersprüche: seine Söhne, Angehörige derselben Gemeinschaft, die man niefit einmal mehr in der Knechtschaft eines Ghettos dulden will, werden in Venedig und auf Staatskosten erzogen, ja sogar vom Dogen selbst durch' besondere Aufmerksamkeit ausgezeichnet. Und kaum 50 Jahre später muß wieder ein hervorragender Jude die bedrängte Ghettoexistenz vor weiteren Pressionen schützen; Simone Luzzato schreibt seine glänzende „Abhandlung über den Stand der Hebräer", in der auch er die vorhin erwähnten Argumente, die allein bei der geld- und machtsüchtigen Signoria von Wirkung sind, sorgfältig in den Brennpunkt rückt. Der allgemeine Niedergang der Stadt geht auch an den Juden nicht spurlos vorüber, bis im Jahre 1797 der Siegeszug Bonapartes durch Italien die Mauern des Ghettos einreißt und ihnen die Freiheit gibt. Noch heute wohnen zahlreiche Juden in diesen ärmlichen Gassen. Ein volles Dutzend Kinder läuft händeaulhaltend hinter uns her und schreit: „Judi! Judi!", weil sie mit fabelhaftem Instinkt genau wissen, daß sie damit am sichersten an unsere Herzen rühren. Und während wir Kupfer- und Nickelmünzen in die schmutzigen braunen Händchen legen, treten wir aus der kühlen, in steten Schatten gehüllten Gasse in das helle Licht des Canaregio, wo mitten im Auf und Ab der Menge auf den weißen Stufen einer Marmorbrücke, deren sich Märchenfürsten nicht zu schämen brauchten, ein paar zerlumpte braune Burschen sitzen und sich mit Wohlbehagen die Sonne auf den Rücken scheinen lassen: Bild eines göttlichen far niente. In dieser Nummer befinde! sich ein Preisausschreiben aus Inserentenkreisen! EDMUND ■ franzkowiakH & CO. ■ bcrlin-wilmersdorf^M Pfalzburger fraßt 43-46 Telefon: Pfalzburg 645 646, 647 646 11 ß E WQhnungt-Tautch Ubersee -Transporte Hambmy OmM. (Stamiwl) EIGENE MODERNE LAGER - HÄUSER Schlesische Spielkarten- /?. W. friedlich Sc Co. / Breslau Gebrauchs - Spielkarten Reklame - Spielkarten Luxus - Spielkarten Generalvertreter für Berlin: J. 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