Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 6 (1926-1927)
- Issue
- 10 (1.1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Seite 195 -s— MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Ghetto von Venedig Von A 1 i c e H o 1 d h e i m. Der Vaporetto schneidet mit scharfem Kiel durch das grünlich trübe Wasser des canale grande. Wir haben den Rialto hinter uns gelassen. Das Wasser wird hier schmutziger, zahlreicher die Lastkähne, und die Fassaden der Paläste — denn selbst hier am Ende der langen Kette von Prachtbauten stehen Paläste — die prunkendroten, marmordurchsetzten Fassaden sind längst brüchig geworden; zwischen abbröckelndem Putz blickt allenthalben der rohe Backstein hervor, und das schlammige Wasser der Lagune schlägt gegen die morsch gewordenen Landungspfähle, deren Bemalung die alten Wappenfarben der Adclshäuser aufweist, während im Souterrain längst schreiende Plakate den Sitz irgendeiner Agentur verkünden. Vielleicht daß der schimmernde Dunstschleier eines venezianischen Morgens auch diesen verfallenden Teilen der alten Stadt den Glanz und did zauberhafte Unwirklichkeit verleihen könnte, die dem gleich einem Stück Tafelkreide aufragenden Campanile und den wcißleuchtenden Marmorfiligranen von San Marco jede irdische Schwere nehmen. Aber in der grellen Sonne des frühen Nachmittags oder der kühlen Schärfe eines trüberen Tages klaffen unbarmherzig die Flecke an der Mauer, schwimmen die Strohhalme und Bretter auf dem salzig riechenden Wasser, und die Wäscheleine mit den halbzerlumpten Stücken spannt sich von einem schlanken Marmorpfeiler zum anderen. „San Marcuola!" Mit leichtem Knacken fährt der Vaporetto gegen die Landungspfähle. Wir steigen aus. Der blaue Condottiere nimmt die Fahrkarten ab. Ein paar verwahrloste Kinder drücken sich gegen das Gitter und halten die Händchen auf. Hinter uns ein paar alte Frauen. Vor uns jene merkwürdige Kirche San Marcuola, deren Fassade als einzige Venedigs aus Backstein ist — sichtbares Zeichen für die Vergänglichkeit aller irdischen Macht; die Welle des Reichtums und Glanzes, die auch diesen Prunkbau zu Ehren Gottes und sich selbst zum Beweis begonnen, verebbte, ehe sie aus den Steinbrüchen Carraras den Marmor zu seiner Vollendung herantragen konnte. Links und rechts und hinter der Kirche führen zahllose Gassen und'Gäßchen in ein solches Labyrinth ärmlicher Häuser, daß wir ratlos stehen bleiben. „Al 'tempio israelitico?" 'fragte- .plötzlich hinter uns eine Stimme, die zu einem besser gekleideten Herrn in. Schwarz gehörte. Es war der Synagogendiener selber, der gleichfalls auf dem Dampfboot gefahren war und mit dem im langjährigen Fremdenverkehr Venedigs glänzend geschulten Blick uns aus) der großen Sbhar der Aussteigenden sofort als Tempelbesucher rekognosziert' hatte. Es war eine Freude, an sicherer Hand in das Gewirr der Gassen vorzudringen, in denen wir ohne seine Führung wohl eine Viertelstunde fehlgelaufcn wären. Ein mächtiger Schlüssel, den er aus seinem Hause holte, öffnete die Tür zürn Tempel. Ueber ein paar Stufen und durch einen kleine.n Vorraum gelangt man in das Innere des Hauses, dessen ganze Anlage auf ältesten Ursprung deutet. Kein Schlechterer als Baldassare Longhena, der große Schüler des berühmten. Andrea Palludto —r ein Zeichen für-den unermeßlichen Reichtum der venezianischen Gemeinde — hat dem schon Vorhandenen Bau im Jahre 1655 die heutige Form gegeben. Das Allerheiligste nimmt die Mitte des Raumes ein, von Bronzegittern eingefaßt. Vielarmige Kandelaber hängen von der Decke. Und. die heilige Lade enthaflt zahlreiche uralte Thorarollen mit Gold und Silberschmuck, Die Gemeinde ist heute noch reich. Ihr gehören die angesehenen Juden vom Marcusplatz — dem vornehmsten, Teil der Stadt — an, die es nicht verschmähen, den weiten Weg zu diesem Tempel zurückzulegen, um hier zu beten. Dies alles: wird uns in raschestem Italienisch berichtet, kein Wort Deutsch — es .ist der Tempel der sephardis^hen Juden — aber auch kein Wort F. A. SCHUMANN BERLIN WS, LEIPZIGER STR. 10Q Geschenke: Porzellan / Kristall / Tischlampen Mefall / Küchenbedarf *«1111111111111 tt Ausstellung von moderner) Keramiken für die Tafel und Zimmer schmuck ^Brillen u. i"Kneifer für jeden Qebrouchtxweck «Büro, Sport, Theater, QeteUtchaft, Straße [ Beste Einrichtung für bistimmung der richtigen Augengläser ~] RODEMiTOCK NAC H F« OPTIKER WOLFF G.M.B.H. mnmcNsraASMiho uiwistastsassikxw» JOMHMSTHM» SI«. M BERLIN «OStHTMAUB STOASSE« «BUNEWAIDSTOASSE M ■ NEANOIRSTBASSE ZS Gpernglättr Sfeldtttcher iBntmenglätct Shoto-SKamera* u. Siedarj * Stadio-SlpparaU u. ZubthSr Sttuecbacfo |)rÄ(tMtu flberNante wrbuvgihoheCbuUäal ifotfriltttiagatmafcmc: FERNSPRECHER?MERKUR-*871-4d73 i. •-