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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1927-01-01 · 10 (1.1927) · p. Seite 189

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
6 (1926-1927)
Issue
10 (1.1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 189 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 10 Seite 189 MONATSSCHRIFT DER Zur Frauenfrage Von Ernestine Eschelbacher, Verbandsvorsitzende. Es sei mir gestattet, als Vertreterin der deutschen Schwesternvereinigungen, unseren Frauenstandpunkt klarzustellen gegenüber dem Artikel in Nr. 8 Ihres Blattes von'Expräsident Schindler, D. R. L. „Klarheit in der Frauentage". Wie jede wahre Ueberzeugung einer sittlich gefestigten Persönlichkeit respektiert zu werden verdient, auch wenn sie einer anderen, nicht minder sittlich ernsten und gefestigten gegenübersteht, so sei auch mir die Anschauung des geehrten Schreibers unangetastet. Ich überlasse diese der Revision einer höheren Instanz, dem Forum der Einsicht in dem Wechsel und Wandel der Zeiten. Ich verweise hier einzig auf die Punkte, die solchen Wandel hervorgerufen haben und hervorrufen müssen, und denen er sich bis jetzt noch nicht hat erschließen können. Ich muß hierzu chronologisch werden, wenn ich logisch sein und für meine Sache wirken will. lieber 70 Jahre ist es her, daß in Amerika der Orden B. B. gegründet wurde. Heimat, jüdische Heimat, gab er den landfremden jüdischen Männern, die schwer ringen und arbeiten mußten, um sich durchzubringen. Sie kamen aus dem deutschen und außerdeutschen Osten, aus Bayern, Baden, den angrenzenden süd- und westdeutschen Gebieten. Sie standen zumeist allein, ohne Familie, ohne Anhang. Ritual, Feierlichkeit, Passierwort, wurde mit bewußter Betonung in den einzelnen Sitzungen, Logen genannt, gegeben. Die Zusammenkünfte sollten eine stimmungsvolle Abgrenzung von Alltag und Lebenslast bilden. Sie sollten emporheben aus der Welt schwerer Realität in die reineren Höhen einer geläuterten Anschauung. Frauen kamen dabei?gar nicht in Frage, denn die neuen Ordensbrüder waren zu allermeist unverheiratet. Der Orden breitete sich in Amerika ungeahnt rasch und umfassend aus und entwickelte sich zum Zentrum edler, jüdischer Zusammengehörigkeit. Zu uns nach Deutschland wurde er verpflanzt unter Druck und Einfluß der schweren antisemitischen Strömungen zu Anfang der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Er fand, nach1 Ueberwindung starker Widerstände, Eingang und- Verständnis. Er gab der jüdischen Welt das, was ihr von der sie umgebenden nichtjüdischen verweigert wurde, eine höhere Gesellschaftsform, die den gewachsenen materiellen Verhältnissen entsprach und einen geistigen Mittelpunkt für jegliches hohe Streben ethischer, jüdischer Art bildete. Schon aber in dem Keim seiner Gründung, sagen wir von der deutschen Uebertragung des Amerikanischen an, veränderte sich das. Was Punkt 1 einen Abusus nennt; es entstand der Begriff „Schwester". Hier waren es nicht unverheiratete Männer, hier hatten die meisten derselben zu Hause ihre Frauen, die von dem Seelischen Anteil haben wollten, das die Männer durch den Logengeist erhielten. So entwickelten sich, losgelöst von den Arbeiten der Brüder, jedoch von ihm beeinflußt, die ersten Frauenvereine der Logen. Die großen Mächte des schaffenden Zeitgeistes, die Kraft tüchtiger Frauen, das Vordringen von Maschine, Technik, Frauenarbeit und Frauenstudium, gaben der Frauenentwicklung weiten Raum und in diesen Entwicklungen durften die jüdischen Frauen' nicht zurückstehen. In den Lebensaufgaben der Logen fanden sie ein Gebiet, sich zu betätigen. Die von den führenden Geistern derselben ausgehenden Bestrebungen für die Wohlfahrt, den geistigen Fortschritt, die Erhebung und die Würde der jüdischen Kreise wuchsen unaufhaltsam. Die Industrialisierung Deutschlands, die Einflutung breiter jüdischer Volksmassen aus deutschen .und außerdeutschen Gebieten, veränderte und erweiterte die Strukjpr der Gemeindezusammensetzung. Große Aufgaben waren zu leisten, die von Männern allein nicht geleistet werden konnten. Die Mithilfe der Frau wurde zur Notwendigkeit. Gerufen von den besten Männern, den edelsten Erfüllern des Logengedankens, waren diese immer zur Stelle, und haben das Gelingen des Ganzen durch ihre Tatkraft gesichert. Eis konnte jedoch bei dem ge« wach;enen Frauenlecht, bei der Geltung desselben mit der Zeit nicht mehr angehen, daß Frauen ihre Kräfte unermüdet einsetzten einer Welt, die nur deren Pflichten anerkanntem deren Rechte aber nicht einsah. Die Frauen der Logen verlangten durchaus nicht „ein Verschwimmenlassen der Grenzen zwischen Brüdern und Schwertern". Sie verlangten auch keine völlige ERLINER LOGEN U.O.B.B. Gleichberechtigung, das verkennt Herr Schindler. Sie verlangten und verlangen,. dem Geist der , Zeit-entsprechend, eine anerkannte Gemeinsamkeit und nicht ein Betonen des Begriffes „Dame". Ein Hineintragen des Fräüenwesens in Ordensstätut und Logengeist wird sich als Lebensnotwendigkeit in der Zukunft wöhl erweisen. Es sind schon fester bestehende Verträge revidiert worden, wenn der Strom der Zeit ihre Seiten umblättert,, das hat mit „Männchen und Weibchen" nichts zu tun. Die ewigen Unterschiede, der Geschlechter bestehen und gerade durch sie wird .die Gemeinsamkeit der Arbeit wirksamer, der Umgangston - veredelter, das reine Pflichtgefühl bewußter. Wir stützen uns auf die Großlogentagung von 1920 und fordern von einsichtigen, lebensverstehenden Präsidenten, daß sie dieselben im Sinne der fortschreitenden Zeit erfüllen. Wir fühlen es nicht ohne Stolz, daß unsere Arbeiten ein Segen sind. Die Betrachtungen des Artikels über Wjtwen- und Waisenpflege gehen von ungeeigneten und veralteten Standpunkten aus und zeigeif eine Unkenntnis der ‘ weiblichen Geschäftsführung und eine nicht mehr zeitgemäße Formulierung der betreffenden Statuten. Gewachsen sind bei der' wirtschaftlichen Schwere unserer Zeit die Zahl der Witwen, . die der Hilfe bedürfen. Welcher Präsident fände noch die Möglichkeit, alle notwendigen Besuche selbst zu machen; welcher in seiner Pflicht stehende Mann der Gegenwart überhaupt? Dankbar .müßte er es begrüßen, wenn Frauen sich: dieser Liebespflicht unterziehen. Und bei der Fremdheit, zu der Herr Schindler sich den Frauin der Logen gegenüber bekennt, wollte gewiß keine Witwe einje Hilfe aus Männerhänden annehmen. Eine Gemeinschaft, ßie «in. würdigen Formen an der Veredlung jedes einzelnen . Bruders bedacht sein soll", hat das höchste Interesse daran, die Frauenwelt der Brüder an ihren eigenen Idealen wachsen zü lassen. Die wohlgeübten, im Logengeist mit- Hingebung und Verständnis geleisteten Arbeiten nicht nur. gellen zu lassen, sondern. zu sanktionieren, durch. Erleichterung ihrer. Ausübungen. Wenn Erziehen und Menschenemporhehen zum fundamentalen Werk der Logenarbeit gehört, dann dürfen die Frauen nicht abgewiesen werden. Maretzky, unser guter Geist. Förderer und Erzieher, wußte wohl, was er meinte; mit dem harmonischen Einfügen der FrauetiVereinigungen in die Einheit der Ordensidee. Diese Einheit wird nicht in die Brüche gehen durch uns. Die Frage der autonomen Frauenzusammensahhlsse wurde von führenden Schwestern schon vor längeren Jahren eingehend erörtert, und, als für unsere deutschen Verhältnisse nicht geeignet, äbgelehnt. Uns erscheint die Möglichkeit der Zusammenarbeit mit den Brüdern,- so wie sie sich organisch entwickelt hat,, fruchtbarer und auf die Persönlichkeiten stärker wirksam. Außerdem sind wir den großen herrschenden Interessen der Frauenwelt eng verbunden durch upsere Mitarbeit ^im jüdischen Frauenbund. Die Verbandsvorsitzende ist als Vertreterin der Togen im Vorstand desselben in den Ressorts Mädchenschutz, Frauenschutz, Gesundheitspflege besonders interessiert. Amerika hat mit seiner Entwicklungdas Beispiel der Anpassungsnotwendigkeit der Ordensstruktur an die Forderungen und Bedürfnisse des modernen Lebens gegeben. Der Orden . wirkt in Amerika stark im Politischen und ein großer Teil seinerführenden Logenbrüder beeinflussen das öffentliche Leben. Die Masseneinführungen, geschehen aus den Erwägungen heraus, daß es ein Verdienst de; Ordens sein soll, sehriweite jüdische Massen emporzuheben zur Veredlung durch die Logen. Daß sie es sein sollen, die eine einheitlich gehobene, jüdische Gesellschaft schaffen. Wie wir uns auch zu diesen Anschauungen stellen, für Amerika bedeuten sie keinen Bruch' mit Ordensregeln und Statuten. Sie sind ein gewolltes und gestattetes Abweichen von alten Wegen, um neue au gehen, deren Ziele Notwendigkeiten geworden sind. Wir Frauen der Logen fordern und verlangen keine Aenderungen. Wir wollen, wie bisher, einen Teil der sozialen ethischen Aufgaben derselben mitleisten. Wir wollen uns einfügen, klar und harmonisch in die gemeinsame Arbeit, die sich ohne Störungen und Reibungen vollziehe. Dann werden hoffentlich noch eine große Reihe von Mitarbeitern erstehen, die uns nicht verleugnen, in uns nicht nur die „Damen" der Brüder sehen, und auch in-der Bezeichnung ,,Schwester" keinen Verrat erblicken am starken Geist der 'Logenordnungen. Wir hoffen auf das Wort der Schrift ,,Wem Gott wohl wilj, dem gewinnt er die Herzen seiner Widersacher. <

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